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Monatsbotschaft vom 25. Juli 2022

Wie eine Krankheit zum Traumberuf führt

2003 erblindet der gelernte Schreiner Wolfgang Lander – Heute ist er Physiotherapeut

Schreiner oder Masseur? Vor dieser Frage stand Wolfgang Lander nach seinem Schulabschluss. Was mit den Händen wollte er machen, das stand auf jeden Fall fest. Er überlegte hin und her und entschied sich schließlich für den Beruf des Schreiners. Dass der heute 45-Jährige jetzt seinen zweiten Traumberuf ausübt, „verdankt“ er einer schweren Krankheit. Wolfgang Lander ist fast blind.
Viele Jahre war Holz der Werkstoff, mit dem er gearbeitet hat. Im Jahr 2000 wechselte Lander von der Schreiner-Werkstatt in den Außendienst. Fortan war er viel mit dem Auto unterwegs. Bis 2003. Im Spätsommer machte sein linkes Auge Probleme. Der Verdacht: Augenentzündung. Doch im Herbst kam das rechte Auge hinzu. Lander erzählt, wie er sich mal beim Fahren auf der Autobahn ein Auge rieb – und feststellen musste, dass er mit dem anderen kaum noch etwas sah. Zuhause habe er gemerkt, dass er beim Gläser einschenken daneben goss. Die Sehkraft ließ immer mehr nach, im Dezember 2003 war der Tiefpunkt, erinnert sich Lander.
Mehrere Untersuchungen brachten schließlich ans Tageslicht: Wolfgang Lander leidet an einer erblich bedingten Sehnerverkrankung. Das heißt, die Sehnerven bilden sich irreparabel zurück. Heute verfügt der 45-Jährige noch über zwei Prozent Sehkraft und gilt damit als blind. Ein bisschen sehen kann er freilich noch. „Ich sehe irgendwie pixelig, wie wenn man durch ein Salatsieb schaut“, versucht er zu erklären. „Wie ein unfertiges Puzzle.“ Am Rand könne er noch besser sehen als im Zentrum, deshalb schaut er an Menschen, mit denen er spricht, leicht vorbei.
Bis zu der Untersuchung sei in der Familie über die Erbkrankheit nichts bekannt gewesen. Umso größer war der Schock, als die Diagnose kam. Für die ganze Familie – Lander ist verheiratet und hat drei Kinder (heute 18, 16 und neun) – war die Situation eine große Belastung. Wie sollte es weitergehen? Beruflich, privat? Ehefrau Anne sagt: „Wir waren immer schon christlich. Nun hat sich uns gezeigt, dass das der richtige Weg ist.“ Ihr Mann Wolfgang erzählt: „Ich war früher nie auf Wallfahrt. Aber dann bin ich gegangen. Erst nach Wigratzbad, dann nach Medjugorje in Bosnien.“ Schon sechs Mal ist er dort gewesen. Inzwischen hat die Familie unter den Wallfahrern viele neue Freundschaften geschlossen.
Aber die berufliche Zukunft von Wolfgang Lander war damit immer noch nicht geklärt. „2004 war ich komplett zuhause“, sagt er. Erst 2005 tat sich eine neue Perspektive auf. Im Juni fuhr er zum Berufsförderungswerk nach Würzburg. In einer zweiwöchigen Arbeitserprobung wurde dort getestet; was geht und was geht nicht? Im September startete dann eine einjährige Grundrehabilitation, ebenfalls in Würzburg. Eine Belastungsprobe, denn Zeit mit der Familie gab es erst mal nur am Wochenende. Aber die Familie hielt fest zusammen.
In Würzburg hat Wolfgang Lander auch die Brailleschrift für Blinde gelernt – obwohl er sie nicht unbedingt braucht. Mit entsprechender Vergrößerung kann der 45-Jährige auch noch lesen. Die Brailleschrift hat er trotzdem drauf: „Die Punkte sind wie Würfel aufgebaut, wie ein stehender Sechser“, erklärt er. „Links oben ein Punkt bedeutet A, eins und zwei ist B, eins und vier ist C, eins und vier und fünf ist D….“ Drei Monate habe es gedauert, sich diese ganzen Kombinationen einzuprägen. Außerdem gab es während der Reha Kurse in Filzen und Töpfern – um das Gefühl in den Fingern zu stärken.
Nach wie vor stand die Frage nach der beruflichen Zukunft im Raum. Mitarbeiter im Call-Center? Kam für Lander nicht in Frage. „Ich wollte immer was mit den Händen machen.“ Die Alternative lautete: Physiotherapie. Ein Beruf, bei dem es auf den Tastsinn ankommt. Nach einem sechsmonatigen Vorkurs startete im April 2007 die Ausbildung, diesmal in Mainz. Für die Familie bedeutete das weitere drei Jahre Wochenendbeziehung. Aber die Landers hielten zusammen und zogen es durch.
„Die Ausbildung ging leichter als gedacht“, sagt er. In seiner Klasse war etwa die Hälfte sehbehindert, die andere Hälfte nicht. Lander erinnert sich daran, dass es Übungen gab, bei denen die normal Sehenden die Augen schließen mussten.
Nach der Ausbildung erhielt er zunächst einen befristeten Arbeitsvertrag im Vitalium in Bad Wurzach. Dieser wurde jedoch nicht verlängert. Und so fällte er Ende 2010 die Entscheidung, sich als Physiotherapeut selbständig zu machen. Die heimische Garage passte von den Maßen genau, und so verbrachte Wolfgang Lander viele Stunden mit Messen und Planen. Immer mit dabei und eine große Hilfe war sein heute 18-jähriger Sohn, der dem Vater sozusagen die Augen ersetzte. Im Juni 2011 ist Wolfgang Lander mit seiner Praxis gestartet. Wie gut sie angelaufen ist, davon ist er selbst überrascht. Die Kunden finden hauptsächlich durch Mundpropaganda zu ihm. Berührungsängste von Seiten der Patienten habe es bislang keine gegeben, stellt er fest. Was sicher an Landers Art liegt: Nach der schweren Zeit, die hinter ihm liegt, versprüht der 45-Jährige heute eine große Portion Optimismus und Lebensfreude. Wer ihn in seiner Praxis, die sich über zwei Etagen erstreckt, erlebt, würde von Landers Sehbehinderung vermutlich gar nichts bemerken. „Ich mache selbst manchmal die Augen zu, um noch besser zu fühlen“, verrät Wolfgang Lander heute und schmunzelt dabei.

Von Nina Jahnel
Schwäbische Zeitung Januar 2012