- von Mag. Marija Stelzer -

Gebetsgruppen sind eine besondere Frucht der Ereignisse von Medjugorje und bezeugen, wie Menschen überall auf der Welt dem Aufruf der Gottesmutter zum gemeinsamen Gebet um den Frieden Folge leisten. Gleichsam als Prototyp dieser großen Gebetsbewegung gelten die Gebetsgruppen, die in Medjugorje entstanden sind – die Gebetsgruppe der Jugendlichen, die sich zwischen 1983 und 1988 regelmäßig in der Pfarrei traf, und die Gebetsgruppe von Ivan Dragicevic, die regelmäßig auf den Bergen betet.

Dies ist der zweite Teil des Interviews aus unseren Beiträgen zu den Gebetsgruppen in Medjugorje.

Die Prüfung des Gewissens

Wir beginnen unser Gebet mit der Prüfung unseres Gewissens. Denn jeder von uns trägt, wenn er zu beten beginnt – sei es in der Früh, am Abend oder irgendwann tagsüber – etwas in sich, das ihn bedrückt und worüber er im Gebet nicht hinwegkommt. Das sollen wir Gott ganz bewusst zeigen, was immer es auch sein mag. Vielleicht ist es eine Sünde oder auch etwas Gutes, jedoch hindert es uns in diesem Moment, unser Herz zu öffnen. Wenn wir gesündigt haben, wollen wir Gott um Verzeihung bitten und unsere Brüder und Schwestern, wenn wir gegen sie gefehlt haben. Sich selbst zu verzeihen ist ebenfalls notwendig, weil wir uns sonst nicht annehmen können, wie wir sind. So schaffen wir Gott einen Raum in uns, in dem Er wirken kann.

Die Mutter Gottes sagte einmal, dass man in ein volles Glas nichts mehr hineinschütten kann. Wenn unser Herz mit Problemen und Sünden voll ist, findet Gott für Sein Geschenk keinen Platz in uns. Nur durch Gebet können wir für Gott diesen Raum schaffen. Die Mutter Gottes rät uns, dass wir dann, wenn wir Gott alles gezeigt haben, was uns belastet, in Stille verbleiben sollen, um Seine Verzeihung annehmen zu können. So werden wir die Versöhnung mit Gott und Seinen Frieden erfahren. All das ist aber nur möglich, wenn wir uns im Gebet öffnen. Es ist zu wenig, nur neben einer Tätigkeit zu beten. Nur wenn wir uns Zeit für das Gebet nehmen, werden wir Seine Tiefe erfahren können.

Wir bringen Gott unsere Anliegen

Der zweite Schritt im Gebet ist, alle unsere Anliegen vorzubringen. Die Mutter Gottes sagte, dass wir vor allem um den Willen Gottes beten sollten. Dieser soll sich in allem, wofür wir beten, erfüllen. Niemals dürfen wir unsere Interessen, unsere Wünsche vor den Willen Gottes stellen. Bei jedem Anliegen, um das wir beten, soll unser einziges Ziel sein, dass der Wille Gottes geschehe. So werden wir es auch annehmen können, wenn Gott unsere Wünsche nicht gleich erfüllt, weil das im Moment vielleicht besser für uns ist.

Natürlich können wir Gott um alles bitten. Wir haben das Recht dazu von Ihm bekommen, und wenn wir bitten, können wir uns ganz als Seine Kinder fühlen. Im Gebet dürfen wir alle unsere Anliegen vorbringen: Wir beten für Kranke, für Menschen in Not, für all das, wofür wir im Augenblick verspüren, beten zu müssen. Darin drückt sich auch die Spontanität des Gebetes aus, und das ist ein Gebet, das von Herzen kommt, ein Gebet meines jetzigen Lebens. Es ist niemals das gleiche Gebet wie gestern, denn der heutige Tag bringt Neues, und durch mein Gebet entsteht für mich ein neues Leben.

Das Dankgebet

Das dritte Moment im Gebet ist das Dankgebet. Die Mutter Gottes sagte uns, dass wir eine sehr undankbare Generation seien. Wir glauben, dass alles, was wir haben, was wir besitzen, unser Verdienst sei oder durch Zufall in unsere Hände geraten wäre. Sie sagte, der Mensch zähle zu sehr auf seine eigene Stärke und könne nicht danken. Wer aber nicht danken kann, der kann auch nicht den Wert des Geschenkes erfassen, das Gott ihm gegeben hat. Sie sagte, dass wir uns dessen vollkommen bewusst sein müssten, dass alles, was wir haben und was wir sind, ein Geschenk Gottes ist.

Gerade im Danken können wir am besten unser Vertrauen Gott gegenüber ausdrücken. Besonders dann, wenn wir auch für das danken, was Er uns nicht gegeben hat.

Das Gebet um den Segen

Das vierte Moment ist das Gebet um den Segen. Die Mutter Gottes sagte uns, wir sollten jedes Gebet mit dem Gebet um den Segen beenden. Sie betonte die Wichtigkeit, nach dem Gebet mit Gottes Segen, mit Seiner Gnade und Hilfe wieder in das normale Leben einzutreten. Wir dürfen nicht erwarten, dass uns nichts Schlimmes widerfahren könne oder dass wir kein Kreuz tragen müssten. Jedoch könnten wir immer mit der Sicherheit weggehen, dass Gott wirklich mit uns ist. Dann wird Er in allen Schwierigkeiten siegen.

Die Gospa sagte, dass wir oft nicht gesammelt wären, z. B. beim Segen am Ende der Hl. Messe oder am Schluss des Gebetes. Manchmal sind wir mit unseren Gedanken bereits weit weg, als wäre das für uns die Erlösung vom Gebet. Wir sind oft bereits zerstreut, unseren Sorgen zugewandt und denken vielleicht schon an jemanden, der auf uns wartet. Die Gospa sagt, dass wir während des Segens ganz tief gesammelt sein müssten, weil Gott uns in diesem Augenblick reich beschenken möchte. Wenn wir uns nicht öffnen, werden wir diesen Segen nicht empfangen können, jedoch für ihn verantwortlich sein.

Für uns alle war das, was die Mutter Gottes über den Segen sagte, neu, ja sogar befremdend. Aber nachdem sie dies öfter wiederholte und auch später immer wieder betonte, wie wichtig es sei, während des Segens gesammelt zu sein, und auch, dass wir den Segen durch ein sündhaftes Leben verlieren könnten, begannen wir, diese Ermahnung der Mutter Gottes sehr ernst zu nehmen. Wir versuchten, beim Segen am Ende der Hl. Messe und beim Segen, den sie uns nach dem Gebet selbst erteilte, ganz wachsam zu sein. Allmählich wuchs unser Glaube, dass Gott sich uns in diesem Moment wirklich ganz schenken will.

Für mich ist es jetzt etwas Besonderes, gesegnet zu sein, den Segen empfangen zu haben. Immer, vor allem, wenn ich einem Priester begegne, würde ich am liebsten um den Segen bitten, weil ich so sehr die Notwendigkeit und Wichtigkeit des Segens verspüre. Die Mutter Gottes empfahl unserer Gruppe, am Ende des Gebetes als Dank und als Bitte um den Segen gemeinsam das Vaterunser zu singen.

Marija, wie sollte aufgrund deiner Erfahrung eine Gebetsgruppe sein, damit sie zur Freude der Gottesmutter wird?

Schon der Name sagt es uns: Die Aufgabe einer Gebetsgruppe ist es, wirklich zu beten. Oft treffen wir uns als Mitglieder einer Gebetsgruppe einmal in der Woche zum gemeinsamen Gebet. In unserem privaten Leben beten wir aber selten und schenken Gott wenig von unserer Zeit. So machen wir keine richtigen Fortschritte und sind vielleicht schlechter Laune beim gemeinsamen Gebet. Geistiges Wachstum kann jedoch monatlich, ja sogar täglich geschehen, wenn wir wirklich beten. Das gemeinsame Gebet in der Gruppe und das persönliche Gebet sollen einander ständig ergänzen. Ein Mensch kann geistig kaum Fortschritte machen, wenn er nur alleine betet. Ebenso ist geistiges Wachstum unmöglich, wenn es nur auf das Geschehen und die Erfahrungen innerhalb einer Gebetsgruppe bezogen ist.

Wenn ich den Entschluss fasse, dass das Gebet ab jetzt in mein tägliches Programm gehört, dann werde ich auch beten. Um eine Sache auch zu verwirklichen, ist es erforderlich, sich ein Ziel zu setzen. Das Gebet ist nicht das Ziel unseres Lebens, aber es ist ein notwendiges Mittel, um geistig zu wachsen und sich Gott immer mehr öffnen zu können. Der Mensch soll durch das Gebet den Willen Gottes erkennen und danach trachten, Gott noch mehr Freude zu bereiten.