
Eine Stunde Weihnachten
- Zeugnis von Georg Mayr-Melnhof -
Ich möchte euch etwas ganz persönliches erzählen, als Zeugnis, weil es meine Frau und mich so berührt hat. Es war genau vor drei Jahren, als wir uns zu Weihnachten überlegt haben, jemanden zu besuchen, dem es schlecht geht, und ihm etwas zu bringen. Wir kommen beide aus sehr heilen Familien und bei uns ist Weihnachten nirgendwo Begegnung mit Armut, sondern nur wunderschön.
Eine Stunde vor Weihnachten...
Wir haben den Herrn gebeten uns etwas zu zeigen, und dann haben wir von einem Asylantenheim erfahren, wo Tschetschenen sind, die gerade erst angekommen waren. Wir haben angerufen und gefragt, ob wir kommen können. „Ja, sie freuen sich!“ Ob sie eine Familie für uns aussuchen können: „Ja, machen sie gerne!“ Es war ganz unspektakulär, aber wir haben vertraut, dass der Herr uns über die Leute in dem Asylantenheim eine Familie aussuchen wird. Wir sind dorthin gekommen und es war ganz bewegend: Anderer Glaube, andere Kultur, andere Mentalität. Über einen Dolmetscher haben wir ihnen dann erklärt: „Wir kommen, um ihnen frohe Weihnachten zu wünschen, das ist in unserer Kultur so!“ Wir haben ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht und dann sind wir ihnen eine Stunde lang gegenübergesessen. Wir konnten nicht tschetschenisch, sie konnten nicht deutsch, aber ich sage euch, es war eine Stunde Weihnachten. Im Jahr darauf haben wir gesagt: „Wir machen ganz etwas anderes, wir suchen uns eine Bergbauernfamilie.“ Wir haben dann bei einem Pfarrer im tiefen Pinzgau angerufen und ihn gefragt, ob er eine Bergbauernfamilie weiß, die in Not ist. „Ja“, hater gesagt. „Sie haben fünf Kinder“, und er hat uns die Adresse gegeben. Wir haben sie dann gefragt, ob wir kommen dürfen. „Ja, ihr dürft kommen!“ Drei Stunden, fünf Kinder! Ich sage euch aus der Tiefe meines Herzens: Es war Weihnachten!
Letztes Jahr haben wir es nicht geschafft, und es war ein Stück weit nicht Weihnachten. Das ist mein Zeugnis. Wir haben es nicht geschafft, weil wir noch Briefe und Packerl etc. gemacht haben. Meine Frau war sicher die drängendere, und sagte: „Los, machen wir noch was!“ „Nein, es ist schon der 15. Dezember und wir haben noch nichts …“ Ich bin schon mit dem Baum gekommen und hab ihn im Garten eingepflanzt. Alles, was halt jeder von uns macht. Aber wisst ihr was? Es war sehr viel weniger Weihnachten, als die zwei Jahre davor!
Warum nicht?
Ich lade euch ein, dass du und ich, in diesem Jahr ein ganz kleines Zeichen der Diakonia setzen. Überleg mal, ob du dir nicht irgendwann im Advent einen Moment und einen Menschen suchen möchtest, den du besuchst. Zum Beispiel einen Armen, einen, der nicht damit rechnet. Wünsch’ ihm frohe Weihnachten, sei kreativ, schenk ihm eine Rose, schenk ihm eine Kerze. Du kannst ihm auch den Pfarrbrief der Pfarrei bringen, wenn es zum Beispiel die Alten unserer Pfarrei betrifft. Ihr könnt auch sagen, wir tun uns zu fünft zusammen, kochen gemeinsam am 24. Dezember am Nachmittag, und dann suchen wir die Armen in der Stadt: Warum nicht? Wenn wir nach den Armen schauen, müssen wir gar nicht weit schauen. Die Armut kaschiert sich in unserem Land furchtbar. Wir sehen sie gar nicht mehr. Vielleicht ist es der Pfarrer in deiner Gemeinde, der so einsam ist, und niemand weiß es. Und du kommst zu ihm, schenkst ihm eine Stunde deiner Zeit und schenkst ihm eine Rose. Ich verspreche dir eines: Es wird Weihnachten werden. Es wird wirklich Weihnachten werden.

Quelle:Medjugorje aktuell
