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"Seid frohe Zeugen des Wortes und der Liebe Gottes und mit Hoffnung im Herzen, die alles Böse besiegt."
Auszug aus dem Buch "Der Gottmensch" von Maria Valtorta
Diese Niederschrift dient der persönlichen Erbauung. Es ist dem Leser überlassen, sie als übernatürlichen Ursprungs anzuerkennen.
Aus dem 16. Kapitel, Band I, "Der Gottmensch" von Maria Valtorta
„Du sollst die Mutter des Gesalbten sein“
[…] Ich habe […] eine ganz junge Maria gesehen: eine höchstens zwölfjährige Maria, deren Gesichtchen nicht mehr das Rundliche der Kindheit hat, wohl aber schon die künftigen Züge der Frau im Oval, das sich verlängert. […] Der Blick ist nachdenklicher und reifer geworden, obgleich das Gesicht noch immer kindliche Züge aufweist. Ein schönes, reines Mädchen, das ganz in Weiß gekleidet in einer kleinen, weißen Kammer näht. Durch das weit geöffnete Fenster ist das mächtige zentrale Gebäude des Tempels sichtbar […] und jenseits die Stadt mit ihren Gassen, Häusern und Gärten, und im Hintergrund der grüne Gipfel des Ölberges.
Sie näht und singt mit leiser Stimme. Ich weiß nicht, ob es ein heiliger Gesang ist. Er lautet:
„Wie ein Stern im klaren Gewässer,
ein Licht mir leuchtet im Herzensgrund.
Seit meiner Kindheit weicht es nicht von mir,
und es geleitet mich sanft, voller Liebe.
Im Grund des Herzens tönt ein Gesang.
Woher mag er wohl kommen?
O Mensch, du weißt es nicht.
Von dort, wo der Heilige wohnt.
Ich schaue auf meinen hellen Stern,
ich will nichts, was nicht so ist,
und sei es noch so süß und teuer,
wie dieses sanfte Licht, das ganz mir gehört.
Du hast mich getragen von den Himmelshöhen,
Stern, hinein in einen Mutterschoß.
Du lebst jetzt in mir, doch hinter den Schleiern
sehe ich das Antlitz des Vaters.
Wann gibst du deiner Magd die Ehre,
die demütige Magd des Erlösers zu sein?
Sende uns, sende uns vom Himmel den Messias!
Heiliger Vater, nimm das Opfer Marias an!“
Maria schweigt, lächelt und seufzt; dann fällt sie zum Gebet auf die Knie. Ihr Antlitz ist ganz Licht. Hochaufgerichtet zum klaren Blau eines schönen Sommerhimmels scheint sie die ganze Lichtfülle einzuatmen und wieder auszustrahlen. Oder besser noch: aus ihrem Inneren scheint eine verborgene Sonne Licht auszustrahlen, den rosa Schnee der Haut Marias zu entzünden und sich über die Dinge zu ergießen, selbst über die Sonne, die auf die Erde scheint, Segen spendet und viel Gutes verheißt.
Während Maria sich anschickt, sich nach ihrem liebeglühenden Gebet zu erheben, und ihr Antlitz in leuchtendem Entzücken glüht, tritt die Greisin Hanna des Penuël ein. Erstaunt oder wenigstens voller Bewunderung über die Haltung und den Anblick Marias bleibt sie stehen. Dann ruft sie: „Maria!“, und das Mädchen wendet sich um mit einem Lächeln, das neu, aber nicht weniger schön ist, und grüßt: „Hanna, der Friede sei mit dir!“
„Hast du gebetet? Hast du nie das Gefühl, genug gebetet zu haben?“
„Das Gebet würde mir genügen, aber ich spreche mit Gott. Hanna, du kannst nicht wissen, wie nahe ich mich ihm fühle. Mehr als nahe: er ist in meinem Herzen. Gott möge mir solchen Übermut verzeihen. Aber ich fühle mich nicht allein. Siehst du, dort in jenem Haus von Gold und von Schnee, hinter dem doppelten Vorhang, befindet sich der Heilige der Heiligen. Nie vermag ein Auge, abgesehen von dem des Hohenpriesters, auf den Sühnealtar zu blicken, auf dem die Herrlichkeit des Herrn ruht. Aber ich brauche diesen doppelten Vorhang, der sich bewegt beim Gesang der Jungfrauen und Leviten und duftet von kostbarem Weihrauch, nicht mit ehrfurchtsvoller Seele anzuschauen, wie um das doppelte Gefüge zu durchbohren und das Zeugnis des Bundes durchleuchten zu lassen. Ja, ich schaue ihn an. Fürchte nicht, dass ich es nicht mit ehrfürchtigem Auge tue, wie jeder Sohn Israels! Fürchte nicht, dass der Stolz mich blende bei dem Gedanken an das, was ich dir sage! Ich schaue ihn an, und es gibt keinen Knecht im Volk Gottes, der das Haus Gottes, seines Herrn, demütiger anschaut, als ich es tue, die ich überzeugt bin, die Geringste von allen zu sein. Aber was sehe ich? Was stelle ich mir vor hinter dem Vorhang? Ein Zelt. Und was hinter ihm … ?
Wenn ich mir aber ins Herz blicke, da sehe ich Gott leuchten in seiner Herrlichkeit der Liebe, und er sagt zu mir: ‚Ich liebe dich‘, und ich sage zu ihm: ‚Ich liebe dich‘, und ich schmelze dahin und richte mich auf bei jedem Herzschlag bei diesem gegenseitigen Kuss …
Ich bin mitten unter euch, meine teuren Lehrmeisterinnen und Gefährtinnen. Aber ein Kreis von Flammen sondert mich von euch ab. In dem Kreis befinden sich Gott und ich. Und ich sehe euch durch das Feuer Gottes, und so liebe ich euch … Aber ich kann euch nicht dem Fleisch nach lieben und nie werde ich jemanden dem Fleisch nach lieben. Meine einzige Liebe ist Er, der mich liebt, und zwar dem Geiste nach. Ich kenne mein Los. Das Gesetz Israels will, dass jedes Mädchen eine Braut werde, und jede Braut eine Mutter [Gen 1,28; 9,1; Tob 8,9; Num 36,6–10; 1 Tim 5,14]. Ich will dem Gesetz gehorchen; ich gehorche aber auch der Stimme, die mir sagt: ‚Ich will dich.‘ Jungfrau bin ich und werde ich sein. Wie werde ich es machen können? Die süße, unsichtbare Gegenwart, die mit mir ist, wird mir helfen, denn sie will es; ich fürchte mich nicht.
Ich habe keinen Vater und keine Mutter mehr … und der Ewige allein weiß, wie dieser Verlust alles, was menschlich in mir war, verbrannt hat. Es verbrannte, und ich erlitt einen tiefen Schmerz. Jetzt habe ich nichts mehr als Gott. Ihm gehorche ich daher blindlings …
Ich hätte es auch gegen den Willen des Vaters und der Mutter getan; denn die Stimme lehrt mich, dass der, der ihr folgen will, an Vater und Mutter, an den lieben Wächtern der äußeren Mauern eines Kinderherzens, vorüberschreiten muss. Die Eltern wollen ihre Kinder auf ihre Weise zum Glück führen … und sie wissen nicht, dass es andere Wege gibt, deren Freude und Friede unendlich sind … Ich hätte auf Kleider und Mantel verzichtet, um der Stimme zu folgen, die mir sagt: ‚Komm, du meine Geliebte, meine Braut!‘ Alles hätte ich zurückgelassen, sowohl die Tränen – denn ich hätte geweint, weil ich ihnen nicht hätte gehorchen können – als auch die Rubinen meines Blutes – denn auch dem Tod hätte ich getrotzt, um der rufenden Stimme zu folgen; sie hätten ihnen gesagt, dass es noch etwas Größeres und Süßeres gibt als die Liebe zu Vater und Mutter: die Stimme Gottes.
Aber jetzt hat mich sein Wille auch von diesen Banden der Kindesliebe gelöst. Meine Eltern waren zwei Gerechte, und Gott sprach sicher in ihnen, wie er in mir spricht. […] Wenn ich an sie denke, stelle ich sie mir in der Ruhe der Erwartung unter den Patriarchen vor, und ich beschleunige mit meinem Opfer die Ankunft des Messias, um ihnen die Pforten des Himmels zu öffnen. Auf Erden bin ich es, die mich lenkt, oder vielmehr, es ist Gott, der seine arme Dienerin lenkt und ihr seine Gebote vorschreibt; und ich erfülle sie, denn sie zu erfüllen ist eine Freude. Wenn die Stunde kommt, werde ich meinem Bräutigam mein Geheimnis mitteilen … und er wird es annehmen.“
»Aber Maria … welche Worte werden dir helfen, ihn zu überreden? Du wirst die Liebe eines Menschen, das Gesetz und das Leben gegen dich haben.“
„Auf meiner Seite aber habe ich Gott … Gott wird das Herz des Bräutigams dem Licht öffnen … Das Leben wird die Stachel der Sinne verlieren und eine Blume werden, die den Duft der Liebe hat. Das Gesetz … Hanna, nenne mich nicht eine Gotteslästerin … aber ich glaube, das Gesetz wird geändert werden. Von wem, fragst du, da es göttlich ist? Von dem einzigen, der es ändern kann: von Gott.Die Zeit ist nahe, näher als ihr denkt, ich sage es euch. Denn bei der Lesung Daniels [Dan 9,24] entzündet sich im Innersten meines Herzens ein großes Licht, und mein Geist erfasst den Sinn der geheimnisvollen Worte. Abgekürzt werden die siebzig Wochen durch die Gebete der Gerechten. Verändert sich so die Zahl der Jahre? Nein. Prophezeiungen lügen nicht. Aber weder der Lauf der Sonne, noch der des Mondes ist das Maß der prophetischen Zeit; daher sage ich: ‚Die Stunde ist nah, die das Wimmern des von der Jungfrau Geborenen hören wird.‘ Oh! Oh! Möchte dieses Licht, das mich liebt und das mir so viel mitteilt, mir sagen, wo die Glückliche ist, die ihrem Volk den Sohn und den Messias gebären wird! Barfuß würde ich die Welt durcheilen, weder Kälte und Eis, noch Hitze und Staub, noch Tiere und Hunger würden mich daran hindern, zu ihr zu gelangen und ihr zu sagen: ‚Gestatte deiner Dienerin und der Magd der Knechte des Gesalbten, unter deinem Dach zu leben. Ich werde den Mühlstein drehen und die Presse; als Sklavin mich an die Mühle stellen; deine Herde will ich hüten und die Windeln deines Kindes waschen; setze mich in deine Küche, stelle mich an deinen Ofen … wohin du willst; aber nimm mich an! Damit ich ihn sehe! Seine Stimme höre! Seinen Blick auffange!‘ Und wenn sie mich nicht wollte, so würde ich an ihrer Tür von Almosen und Spott leben, unter freiem Himmel und heißer Sonne, nur um die Stimme des Messiaskindes und das Echo seines Lachens zu hören; um ihn vorübergehen zu sehen und vielleicht eines Tages von ihm ein Scherflein Brot zu erhalten … Oh! Wenn auch der Hunger meine Eingeweide zerreißen und ich ohnmächtig werden sollte nach den größten Entbehrungen: ich würde dieses Brot nicht essen! Ich würde es wie ein Säcklein voller Perlen an mein Herz drücken und es küssen, um den Wohlgeruch der Hände des Gesalbten zu spüren, und ich hätte keinen Hunger und keine Kälte mehr; denn diese Berührung würde mir Verzückung und Wärme, Verzückung und Speise sein ... “
„Du solltest die Mutter des Gesalbten sein, da du ihn so liebst! Willst du deshalb Jungfrau bleiben?“
„Oh! Nein. Ich bin Elend und Staub. Ich wage nicht, den Blick zur Herrlichkeit Gottes zu erheben. Und das ist der Grund, weshalb ich lieber in das Innere des Herzens schaue als auf den doppelten Vorhang, auf dessen anderer Seite ich die unsichtbare Gegenwart Jehovas weiß. Dort ist der furchtbare Gott des Sinai; hier aber in mir sehe ich unseren Vater, ein liebevolles Antlitz, das mir zulächelt und mich segnet; denn ich bin klein wie ein Vöglein, das der Wind mit sich trägt, ohne seine Schwere zu fühlen, und schwach wie der Stiel des wilden Maiblümchens, das nur zu blühen und Duft zu verbreiten weiß und dem Wind keine andere Kraft entgegenstemmt als die seiner duftenden und reinen, süßen Sanftmut. Gott, mein Liebeshauch! Dem von Gott und einer Jungfrau geborenen, dem Heiligsten, kann nichts anderes gefallen als das, was er im Himmel zur Mutter erwählt hat und was ihm auf Erden vom himmlischen Vater spricht: die Reinheit. Wenn das Gesetz dies betrachten würde, wenn die Rabbis, die es mit all den Spitzfindigkeiten ihrer Lehren versehen haben, ihren Sinn auf höhere Horizonte hinwenden würden, wenn sie sich eintauchen würden in das Übernatürliche, ohne das Menschliche und den eigenen Vorteil zu suchen, worüber sie das höchste Ziel vergessen … wenn sie das aufgeben würden, dann würden sie ihre Unterweisung vor allem auf die Reinheit hin richten, damit der König Israels bei seiner Ankunft diese vorfinde. Mit dem Ölbaum des Friedfertigen, mit den Palmen des Triumphators streut Lilien, Lilien und immer wieder Lilien!Wieviel Blut wird er vergießen müssen, um uns zu erlösen, der Heiland! Wieviel! Aus den tausend und tausend Wunden, die Jesaja am Mann der Schmerzen sah! [Jes 53,5]. Sieh, wie der Tau aus einem porösen Gefäß, fällt nun ein Regen von Blut. Möge es nicht hinfallen, wo es Entheiligung und Gotteslästerung vorfindet, dieses göttliche Blut, sondern in Kelche von leuchtender Reinheit, die es aufnehmen und sammeln, um es dann über seelisch Kranke zu sprengen, über die Aussätzigen im Geiste und die für Gott Gestorbenen! Reicht ihm Lilien, Lilien, um mit dem weißen Gewand reiner Blütenblätter den Schweiß und die Tränen des Gesalbten zu trocknen! Gebt Lilien, gebt Lilien für das heilige Fieber des Märtyrers! Oh! Wo wird die Lilie sein, die dich trägt? Die deinen Durst stillen wird? Wo ist jener, den dein Blut röten und der sterben wird, indem er dich sterben sieht? Wo ist der, der weint über deinem blutentleerten Leib? Oh, Christus! Christus! Meine Sehnsucht … !
“Maria schweigt, weinend und überwältigt.
Auch Hanna schweigt und sagt dann mit der reinen Stimme der bewegten Greisin: „Hast du mich noch anderes zu lehren, Maria …?“
Maria schüttelt sich. Sie muss wohl in ihrer Demut glauben, dass ihre Meisterin sie tadelt, denn sie sagt: „Oh! Verzeihung! Du bist die Meisterin, und ich bin ein armes Nichts. Aber diese Stimme steigt mir aus dem Herzen empor. Ich überwache sie gut, um nicht zu sprechen. Aber wie ein Fluss, dessen Wasser über die Ufer tritt und die Dämme durchbricht, so hat es mich erfasst und ist durchgebrochen. Achte nicht auf meine Worte und demütige meine Anmaßung! Die geheimnisvollen Worte sollten verborgen bleiben in der geheimen Lade des Herzens, die Gott in seiner Güte beschenkte. Aber sie ist so liebreich, diese unsichtbare Gegenwart, dass ich davon trunken bin … Hanna verzeihe mir, deiner kleinen Magd!“
Hanna drückt sie an sich, und das faltenreiche, alte Antlitz bebt und glänzt vom Weinen. Die Tränen bahnen sich zwischen den Falten einen Weg, wie Wasser auf einem trockenen Erdreich. Aber die alte Meisterin erregt kein Lachen; vielmehr bewirkt ihr Weinen höchste Verehrung. Maria liegt in ihren Armen, das Gesichtchen an die Brust der greisen Meisterin gelehnt, und alles endet so.
Wir danken dem Parvis Verlag für die Bereitstellung des Textes zur Veröffentlichung!
Maria Valtorta: Der Gottmensch - Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Parvis-Verlag
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Die einzelnen Kapitel der Niederschriften von Maria Valtorta sind auch kostenlos als Hörbuch hier anzuhören! Jeden Tag wird ein neues Kapitel dieses umfassenden Werkes auf YouTube veröffentlicht.
