von P. Marinko Šakota, OFM -

„Liebe Kinder! Möge diese Zeit für euch eine Zeit des Gebets und des Fastens sein. Meine lieben Kinder, kehrt in Liebe zu Gott zurück, der euer Friede ist. Ich bin bei euch, meine lieben Kinder, und ich liebe euch mit meiner mütterlichen Zärtlichkeit. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.“ 

(Mit kirchlicher Erlaubnis)

Liebe Kinder, kehrt in Liebe zu Gott zurück

  1.  „Möge diese Zeit für euch eine Zeit des Gebets und des Fastens sein. Meine lieben Kinder, kehrt in Liebe zu Gott zurück, der euer Friede ist.“

Allen ist heutzutage klar: Die Welt ist in Unruhe. Unruhe und Konflikte hat es immer gegeben, doch heute ist die Gefahr für das Fortbestehen der Welt und der Menschheit größer, weil die Macht der Waffen größer geworden ist und weil viele Politiker meinen, gerade durch Waffen könne Frieden erreicht werden. Dabei vergessen sie eine alte Wahrheit: Gewalt gebiert neue Gewalt.

Die Muttergottes, die Königin des Friedens, weist uns nun schon seit fünfundvierzig Jahren einen anderen Weg zum Frieden. Sie sagt: „Kehrt zu Gott zurück.“ Mit anderen Worten: Verharrt nicht in euren eigenen Wegen, Konflikte zu lösen und Frieden zu suchen, denn sie führen euch in die falsche Richtung. Nur in der Rückkehr zu Gott werdet ihr den wahren Frieden finden.

Man ist heute allgemein der Meinung, der moderne Mensch sei weit fortgeschritten. Blickt man auf die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik, dann stimmt das. Doch die entscheidende Frage bleibt: Ist auch der Mensch selbst gewachsen? Ist der Mensch, der diese Technologien geschaffen hat, innerlich reifer geworden? Ist der Mensch, der über gewaltige und gefährliche Waffen – sogar über Atomwaffen – verfügt, auch in seiner Menschlichkeit vorangeschritten?

Mit ihrem Ruf zur Umkehr lehrt uns die Muttergottes, dass nicht derjenige wahrhaft fortschrittlich ist, der trotz der Einsicht in einen falschen Weg weiterhin „voranschreitet“, sondern derjenige, der erkennt, dass die Richtung, die er eingeschlagen hat, falsch ist, und der den Mut hat umzukehren, sich neu auszurichten und vom Irrweg auf den rechten Weg zurückzukehren. Nur ein solcher Mensch ist wirklich fortgeschritten.

Gebet und Fasten sind dabei Wege der Umkehr und der Rückkehr zu Gott. Durch das Gebet öffnet sich das Herz für Gott, und durch das Fasten wird der Mensch frei von allem, was ihn bindet und von Gott entfernt. So wird der Weg frei für die Begegnung mit dem Herrn und für den Frieden, den nur Er schenken kan

Doch ein Wort der Muttergottes fällt besonders auf: „Kehrt in Liebe zu Gott zurück.“ Warum ist ihr dieses Wort „in Liebe“ so wichtig? Was möchte sie uns damit sagen? Genügt die bloße Rückkehr zu Gott nicht?

Erinnern wir uns an die Worte Jesu: „… ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. (Joh 16,2)
Ein solcher Mensch tötet andere und meint dabei, Gutes zu tun und Gott zu gefallen. Wie weit ist ein solcher Mensch von Gott entfernt! Das Problem aber ist, dass er in seiner Blindheit glaubt, Gott nahe zu sein, ja, Ihm nicht näher sein zu können. Was für ein falsches Gottesbild! Wie sehr kann man in die Irre gehen, wenn das Bild von Gott falsch ist! Und wenn man sich selbst nicht prüft und nicht korrigiert! Ähnlich handelten die Brüder Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus. Als man sie in einem samaritanischen Dorf nicht aufnahm, sagten sie zu Jesus: „Herr, willst du, dass wir sagen, Feuer solle vom Himmel fallen und sie verzehrt?“ (Lk 9,54)
Sie wollten diejenigen vernichten, die nicht auf ihrer Seite standen! Wahrlich, es ist schwer zu glauben, dass wir diese Worte aus dem Mund der Jünger Jesu hören. Und doch ist es wahr, denn offensichtlich ist es möglich, Jesus zu hören und Ihn doch nicht zu verstehen, Ihn anzuschauen und Ihn doch nicht zu sehen. Sie lebten mit Jesus, sie waren Seinem Leib nahe, aber nicht Seinem Herzen. Äußerlich waren sie Ihm nahe, innerlich aber Seinen Absichten meilenweit fern. Nun wird uns klar, warum Jesus zu den gleichen Jüngern folgendes sagte: „Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte, wie geschrieben steht: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ (Mk 7,6)

Nun wird uns auch klar, warum die Muttergottes zu den Worten „Kehrt zu Gott zurück“ hinzufügt: „in Liebe“. Denn wir können zu Gott nur äußerlich zurückkehren, aber nicht mit dem Herzen und nicht in Liebe. Wir können beten und fasten und dennoch voller Unruhe sein. Wir können die Worte Jesu hören: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“(Joh 14,27), und doch keine Menschen des Friedens sein.

Rabbi Pinchas stellte seinen Schülern eine scheinbar einfache Frage: „Wann endet die Nacht und wann beginnt der Tag?“ - „Dann, wenn es hell genug ist, um einen Hund von einem Schaf zu unterscheiden“, antwortete einer. - „Dann, wenn man eine Eiche von einem Feigenbaum unterscheiden kann“, meinte ein anderer. - „Nein“, erwiderte Rabbi Pinchas. „Die Nacht endet und der Tag beginnt in dem Augenblick, in dem wir im Gesicht eines jeden Menschen unseren Bruder oder unsere Schwester erkennen können. Solange wir dazu nicht fähig sind, ist es noch Nacht.“

Warum konnten die Menschen, als sie sahen, wie Jesus in das Haus des Zachäus eintrat, in Zachäus nichts anderes erkennen als einen Sünder? Weil in ihnen Nacht war, und in der Nacht sieht man nicht oder nur schlecht.
Als Jesus in die Zollstelle eintrat, bekehrte sich der Zöllner Matthäus und lud anschließend Jesus, die Jünger und andere zum Mahl ein. Warum konnten die Pharisäer und Schriftgelehrten (die Gläubigen) in dieser Geste Jesu nichts Gutes sehen? Weil in ihnen Nacht war.

Warum kann jemand, der gläubig ist, in einem anderen Menschen nichts Gutes und nichts Positives erkennen? Weil in diesem anderen Menschen nichts Gutes ist – oder weil Nacht in demjenigen herrscht, der schaut?

Warum ist jemand, obwohl er gläubig ist, unzufrieden? Weil er nicht genug zum Leben hat und nichts tun kann – oder weil in ihm noch Nacht ist und er nicht sieht, was er hat, sondern nur das, was ihm fehlt?

Warum ist für Jesus das Gebet des Pharisäers nicht annehmbar, der im Tempel betete, zweimal in der Woche fastete und Almosen gab? Ist es nicht deshalb, weil in ihm Nacht war? Er hielt sich selbst für gerecht – ist das nicht ein Zeichen dafür, dass in ihm Nacht war? Und in den anderen sah er nichts anderes als Sünder. Eine noch tiefere Nacht.

Also kann trotz unseres Betens und Fastens die Nacht im Herzen bleiben. Darin liegt der Grund, warum die Muttergottes möchte, dass wir beten und fasten, damit wir zu Gott in der Liebe zurückkehren. Liebe im Herzen zu haben bedeutet, Licht zu haben und in jedem Menschen einen Bruder oder eine Schwester erkennen zu können.

Die Schlussfolgerung ist klar: Die Muttergottes möchte, dass wir durch Gebet und Fasten zu Gott, der Quelle des Friedens, zurückkehren. Doch auf diesem Weg der Rückkehr soll sich auch unser Herz verwandeln, damit das Licht die Nacht vertreibt, damit die Liebe jeden dunklen Gedanken, jede negative Regung und jede falsche Entscheidung verdrängt.

Ohne einen solchen inneren Wandlungsprozess können wir keine Menschen des Friedens sein.

2. "Ich bin bei euch, meine lieben Kinder, und ich liebe euch mit meiner mütterlichen Zärtlichkeit.

Während die Muttergottes uns dazu aufruft, zu Gott in der Liebe zurückzukehren, kann sie uns keine größere Hilfe und keine bessere Versicherung geben als ihr eigenes Beispiel: „Ich bin bei euch und ich liebe euch.“ Sie ist mit uns in unseren Unruhen. Und sie liebt uns, die wir in Unfrieden und innerer Zerrissenheit leben. „Durch ihr Kommen zu uns und durch ihre Liebe zu uns wird uns der Friede geschenkt. “Davon zeugen unzählige Menschen aus der ganzen Welt, die mit den unterschiedlichsten Sorgen und Unruhen nach Medjugorje gekommen sind. Das ist der Weg, den wir gehen sollen: Durch Gebet und Fasten mit dem Herzen, das heißt in der Liebe, zu Gott, der Quelle des Friedens, zurückzukehren, damit auch wir, nach dem Vorbild der Muttergottes, jene lieben können, die in Unfrieden leben. So wird sich der Friede ausbreiten: durch die Hilfe der Muttergottes kommt er zu uns und durch uns zu unseren Mitmenschen.

 

Das Deutschsprachige Informationszentrum für Medjugorje dankt P. Marinko Šakota OFM für seine Betrachtung, die uns helfen soll, die Botschaften der Gottesmutter zu leben.


Foto: ICMM