Betrachtung zur Botschaft der Muttergottes vom 25. Juli 2026 von P. Marinko Šakota, OFM -

„Liebe Kinder! Während Finsternis und Unruhe in vielen Herzen herrschen, seid, meine lieben Kinder, ihr Gebet und meine ausgestreckten Hände der Liebe. Legt, meine lieben Kinder, die Heilige Schrift an einen sichtbaren Ort in eurer Familie und lest sie, damit sie euch Ansporn zur Umkehr und zu einem neuen Leben sei. Denn Satan ist stark und verführt die Herzen. Ich möchte eure Herzen, durch mein mütterliches Herz, dem Herzen meines Sohnes Jesus übergeben, damit Er, der Auferstandene, in euch regiere und in euch und um euch herum Freude herrsche. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid."

(Mit kirchlicher Erlaubnis)

1. „Während Finsternis und Unruhe in vielen Herzen herrschen, seid, meine lieben Kinder, ihr Gebet und meine ausgestreckten Hände der Liebe.“

Die Muttergottes zeigt uns die Diagnose des Zustandes: In den Herzen vieler Menschen herrschen Finsternis und Unruhe.Es ist kein Problem, wenn in uns Finsternis und Unruhe aufkommen, denn wir sind Menschen, wir sind schwach, und deshalb ist es nicht ungewöhnlich. Das Problem besteht jedoch dann, wenn Finsternis und Unruhe „herrschen“, wenn Finsternis und Unruhe stärker sind als Licht und Friede. Das geschieht, wenn in uns ein negativer Gedanke und ein negatives Wort die Oberhand gewinnen und siegen, wenn eine schlechte Reaktion, Konflikte, Spaltungen, Feindschaften und Traurigkeit die Oberhand gewinnen. Dann hat das Böse in uns und durch uns gesiegt. Die Muttergottes bleibt jedoch niemals nur bei der Diagnose des Zustandes stehen, sondern bietet uns eine neue Perspektive an:

„Seid ihr Gebet und meine ausgestreckten Hände der Liebe.“Das bedeutet: „Ihr könnt anders sein als die oben genannten Menschen. Seid anders als sie.“Das erinnert uns an Jesus, der von Seinen Jüngern verlangt, anders zu sein als die Welt. Im Abschnitt „Vom Dienen und Herrschen“ sagt Jesus: „Da rief Jesus alle zusammen und sagte: »Ihr wisst, wie die Großen und Mächtigen dieser Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus.Aber so darf es bei euch nicht sein. Im Gegenteil: Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.“ (Mt 20,25–27)

Wenn die Menschen nicht beten, möchte die Muttergottes, dass wir beten. Wenn Menschen die ausgestreckten Hände des Bösen, der Finsternis und der Unruhe sind, möchte die Muttergottes, dass wir ihre ausgestreckten Hände der Liebe sind. Das ist die Alternative zu dieser Welt. Das ist es, was Gott von Seinem Volk Israel erwartet hat. Deshalb sagt er durch den Propheten Jeremia im Abschnitt „Gleichnis vom Töpfer“: „Volk Israel, kann ich mit euch nicht genauso umgehen wie dieser Töpfer mit dem Ton? Denn ihr seid ja in meiner Hand wie Ton in der Hand des Töpfers!“ (Jer 18,6)

Johannes der Täufer versteht sich selbst als eine Stimme. Im Abschnitt „Das Zeugnis des Täufers“ sagt er: „Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Macht den Weg frei für den Herrn!“(Joh 1,23)

Er ist nicht das Wort, sondern die Stimme des Wortes. Paulus offenbart den Christen ihre Identität – dass sie zerbrechliche, irdene Gefäße sind. Im Abschnitt „Die Leidensgemeinschaft des Apostels mit Christus“ sagt er: Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.“(2 Kor 4,7) - Mutter Teresa sagte von sich selbst: „Ich bin ein Bleistift in der Hand Gottes.“

Die Haltung all dieser Menschen ist klar: „Gott, wirke Du durch mich. Nicht ich wirke, sondern Du.“Natürlich handle ich. Aber mein Handeln ist anders, weil ich nicht aus eigener Kraft und nicht allein handle, sondern mich selbst als Mitarbeiter Gottes verstehe. Dann gibt es in meinem Handeln keine Spannung, keine Nervosität und keine Angst. Dann bin ich gelassen, weil ich die Ergebnisse meines Handelns dem Herrn überlasse. Meine einzige Sorge ist, dass ich handle und ein festes Vertrauen in den Herrn habe.

2. „Legt, meine lieben Kinder, die Heilige Schrift an einen sichtbaren Ort in eurer Familie und lest sie, damit sie euch Ansporn zur Umkehr und zu einem neuen Leben sei.“

Die Gospa lädt uns ein, ihre Mitarbeiter zu sein, und bietet uns ihre Hilfe an, damit wir lernen, aus einer neuen Perspektive zu leben: das Wort Gottes in der Familie zu lesen.

In einer Gruppe von Ungarn, die vor Kurzem an einem Seminar über Fasten und Gebet teilgenommen hatten, gab ein Mann folgendes Zeugnis: „Wir machen in unserer Familie alles gemeinsam: Wir putzen, waschen, kochen, beten und lesen das Wort Gottes. Ich, meine Frau und die Kinder – wir alle gemeinsam.“ Die Heilige Schrift wird für uns zu einem Ansporn zur Umkehr und zu einem neuen Leben, wenn wir uns selbst in dem Text, den wir lesen, wiedererkennen. Zunächst sehen wir die anderen – zum Beispiel Zachäus – und das ist Erkenntnis. Diese Erkenntnis ist wichtig, aber sie allein genügt nicht. Wenn wir in Zachäus uns selbst erkennen, werden wir das Bedürfnis nach Umkehr und nach Veränderung verspüren. Natürlich geht es dabei nicht um die Bekehrung der anderen, sondern um unsere eigene Umkehr.

3. Denn Satan ist stark und verführt die Herzen.“

Der Satan ist stark. Das ist wahr. Aber es ist wichtig, noch etwas hinzuzufügen: Wir sind schwach. Wären wir stärker, könnte der Satan uns nicht überwältigen.

Wie wirkt der Satan?Er verführt die Herzen. Verführen – das bedeutet: Er lügt. Er täuscht uns und führt uns in die Irre, wenn wir ihm Glauben schenken. Und wir schenken ihm Glauben, weil wir blind sind. Alles, was der Satan tut, stellt er uns als etwas Schönes und Gutes dar, als etwas, das gut für uns sei. Wenn wir nicht wachsam sind, wird er uns auf einen falschen Weg führen.

Ein Pferd war an einen Zaun gebunden. Da kam der Teufel, die alte, listige Schlange, und band das Pferd los. Das Pferd lief daraufhin in den Garten des Nachbarn und zerstörte dessen ganzen Garten und all die Früchte seiner Arbeit. Als der Nachbar dies sah, wurde er zornig und tötete das Pferd. Als der Besitzer des Pferdes sah, dass der Nachbar sein Pferd getötet hatte, kam er und tötete den Nachbarn. Daraufhin kam dessen Sohn. In seinem Wunsch, den Tod seines Vaters zu rächen, begann er, auf das Haus des Nachbarn zu schießen, und tötete dessen ganze Familie. Ein Heiliger sah dies und fragte den Teufel: „Warum hast du das getan?!“ Und der Teufel antwortete: „Ich habe doch nur das Pferd losgebunden.

4. Ich möchte eure Herzen, durch mein mütterliches Herz, dem Herzen meines Sohnes Jesus übergeben, damit Er, der Auferstandene, in euch regiere und in euch und um euch herum Freude herrsche.“

Die Gospa möchte, dass Jesus in uns regiere. Wenn Jesus in uns regiert, dann sind wir stärker. Wir können nicht verhindern, dass der Satan wirkt und uns versucht. Aber wir können stärker sein, wenn Jesus in uns regiert. Und Jesus regiert in uns, wenn Seine Liebe in uns stärker ist als der Hass und als alle anderen negativen Gefühle und Gedanken.

Aus der Geschichte des antiken Griechenlandes kennen wir die Erzählung von Herakles und Antäus. Sie kämpften miteinander, doch Herakles konnte Antäus, den Sohn der Erde, zunächst nicht besiegen. Erst als er bemerkte, dass Antäus seine Kraft aus der Erde empfing, mit der er ständig verbunden war, hob er ihn von der Erde empor und trennte ihn von ihr. So konnte er ihn schließlich besiegen.

Der heilige Paulus spricht aus seiner eigenen Erfahrung davon, wie das Böse ihn bedrängte, ihn aber nicht überwältigen konnte: „Die Schwierigkeiten bedrängen uns von allen Seiten, und doch werden wir nicht von ihnen überwältigt. Wir sind oft ratlos, aber wir verzweifeln nicht.“
(2 Kor 4,8–9)

Warum konnte das Böse ihn nicht überwältigen?Weil er mit Christus verbunden war: „Was also könnte uns von Christus und seiner Liebe trennen? Leiden und Angst vielleicht? Verfolgung? Hunger? Armut? Gefahr oder gewaltsamer Tod? […]Aber dennoch: Mitten im Leid triumphieren wir über all dies durch Christus, der uns so geliebt hat.“ (Röm 8,35.37)

An einer anderen Stelle sagt er: „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.“ (Phil 4,13)

Wir sollen Jesus darum bitten, unsere Kräfte zu stärken, damit Er uns befähigt für den neuen Tag, für die Begegnungen mit den Menschen und für die Herausforderungen, die dieser Tag mit sich bringt. Eine besonders gute Zeit für ein solches Gebet ist der Morgen. Zum Beispiel können wir so beten: „Jesus, stärke meinen Glauben, mein Vertrauen auf Dich …
Stärke in mir Deine Liebe, damit Deine Liebe in mir herrscht und alles Böse überwindet.
Schenke mir Liebe zu Dir …
Schenke mir Liebe zu jedem Menschen in meiner Familie und zu jedem Menschen, dem ich heute begegnen werde …
Stärke in mir die Geduld …
Schenke mir Weisheit …
Stärke in mir die innere Freiheit, damit in mir mehr Raum für Dich und für das Gute ist, damit ich ein besseres Wort sagen, besser reagieren und besser unterscheiden kann, was gut und was nicht gut ist …
Schenke mir die Gabe, anderen zuzuhören und sie zu verstehen …“

Wenn wir Jesus erlauben, in uns zu regieren, wenn Seine Liebe in uns den Sieg davonträgt, dann wird die Freude die Frucht davon sein. Freude in uns und Freude untereinander.

Das Deutschsprachige Informationszentrum für Medjugorje dankt P. Marinko Šakota OFM für seine Betrachtung, die uns helfen soll, die Botschaften der Gottesmutter zu leben.


Foto: ICMM