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Vortrag über Stress

Schwester Dominika zum Thema Stess

Wie gehen wir miteinander um, wie reagieren wir unter Stress und hat Stress auch positive Aspekte? Ein Vortrag von Schwester Dominika beim Pilgerleitertreffen am 28. Februar 2018.

Der Vergleich mit dem Tier Krebs

Ich beginne mit einer Geschichte: Jemand fragte einen Wüstenvater, was er über den heute allgegenwärtigen Stress denke. Dieser sagte dazu folgendes: „Ich war beim Zahnarzt im Wartezimmer, wo mir eine Zeitschrift in die Hände fiel, wie Tiere aufwachsen und leben. Es waren sehr weiche Tiere, die aber zum Schutz in einer harten Schale leben. Z. B. Krebse. Er lebt in einer harten Schale, aber wenn er wächst, wird die Schale, der Panzer für ihn immer unangenehmer. Deshalb ist er konstant unter Druck und Stress. Was macht er dagegen? Er verkriecht sich unter Steinen, um seinen engen Panzer los zu werden. Aber wenn er weiter wächst, wird ihm der neue Panzer wieder zu eng. Er geht wieder unter die Steine um seinen Panzer los zu werden. Dieses machte er unzählige Male. Was hat den Krebs dazu bewegt, zu wachsen und sich damit unwohl und konstant unter Druck und Stress zu fühlen? Wenn die Krebse Ärzte hätten, würden sie nie wachsen, denn wenn sie sich unwohl fühlten würden sie zum Arzt gehen, eine Medizin bekommen und es wäre gut. Aber: Er würde seinen Panzer niemals loswerden.“ Wir sollten dadurch begreifen,  dass die Stresszeiten in unserem Leben nur ein Signal seien, was uns ermahne: Du musst wachsen! Und wenn wir die heutigen Nöte in unserem Leben gescheit ausnutzen würden, könnten wir viel erreichen, meinte der Wüstenvater.

Der Mensch handelt aufgrund seiner Bedürfnisse

Ich glaube, dass es genauso ist, denn ich hatte das Glück, in den letzten 4 Jahren eine Ausbildung zu durchlaufen, bei der ich durch eine Theorie der Quelle begegnet bin. Dies geschah durch einen Psychologen der realen Psychotherapie. Das hat mir sehr in meinem geistigen Leben geholfen, das menschliche Verhalten zu verstehen - zunächst mein eigenes Verhalten und dann das Verhalten der anderen. Jeder von uns verhält sich so, dass es seinen eigenen Bedürfnissen dient. Sehr lange habe ich mich gegen diesen Satz aufgelehnt, dass niemand etwas für andere tut, sondern letztendlich nur für sich selbst. Wie, ich arbeite nicht für die anderen? Ich bin seit 30 Jahren in einem Kloster, dessen Regeln ich mich unterwerfe, meine Arbeit, die Erziehung der Kinder, die Arbeit mit den Eltern, ist das nicht Arbeit am Nächsten? Aber dann habe ich begriffen: Ich arbeite für meine Bedürfnisse, denn indem ich meine Arbeit mit den anderen Menschen verrichte, befriedige ich meine eigenen Bedürfnisse nach Liebe, Zugehörigkeit, Macht, Sicherheit, Freude ….. Dieses Bewusstwerden hat mir in dem Sinne gefallen, dass ich gedacht habe: Wenn dies mein Egoismus wäre, dann wäre das nicht gut, denn eine Ordensschwester darf nicht egoistisch sein. Wenn ich aber feststelle, dass ich durch die Befriedigung meiner Bedürfnisse bei meiner Arbeit auch offener dafür bin, mein eigenes Handeln in dem Sinne zu hinterfragen, wie es meinen Mitmenschen mit meinem Verhalten geht, dann hat das etwas sehr Positives. Wir fragen uns nämlich meist nicht untereinander: „Wie geht es Dir mit mir?“  - „Was kann ich tun, damit Dein Leben mit mir noch glücklicher wird?“ Wenn ich bei der Befriedigung meiner Bedürfnisse bei meiner Arbeit zu diesen Überlegungen / Fragen komme, dann ist das sehr positiv.

Der Mensch ist ein geschlossenes System

Jeder Mensch ist ein geschlossenes System – wie ein Kreis. In diesem Kreis hat jeder von uns seine eigenen Präferenzen; die genetischen Vorbestimmungen; die eigenen Bedürfnisse. Daneben haben wir die Welt der Qualität – das haben wir in unserer Theorie so genannt. Jeder von uns hat in seinem Leben gute Erfahrungen gemacht von dem was er (erreichen) möchte und von dem was er liebt. Diese Erfahrungen haben wir als Bilder vor unserem geistigen Auge abrufbar aufgereiht; sie gehören nur uns und das ist unsere Welt der Qualität. Einige Menschen haben ihre Welt der Qualität, die unserer ähnlich oder gleich sein kann. Bei anderen Menschen wiederum kann es sein, dass die unseren und deren Bilder gar nicht konvergieren. Dann kommt es zu Frustration, zu Konflikten, weil wir meinen, dass, wie wir die Welt sehen, die Wahrheit ist. Der andere Mensch meint, dass so wie er die Dinge sieht die Wahrheit ist. Unser Gegenüber kann die Dinge nicht so sehen wie wir, weil er ein anderer Kreis – ein anderes geschlossenes System ist.

Äußere Einflüsse vergleichen wir mit unserem Wertesystem

Alles, was von außen kommt, messen wir an unserem inneren Wertesystem und wir versuchen das in eine Art Einheit zu führen. Manchmal aber sind die äußeren Gegebenheiten unveränderlich. Sie sind so, wie sie sind. Andere Menschen mit denen wir leben sind so, wie sie sind. Wenn wir sagen, dass wir einen anderen Menschen kennen, dann ist das die größte Lüge, denn wir kennen nur das von ihm, was er von seiner Welt der Qualität preisgibt oder wie sehr wir uns für seine Welt interessieren. Z. B. in dem wir fragen: „Was denkst Du über Dieses oder Jenes? -  Wie ist Dein Blick auf das Leben?“ Ein weiteres drastisches Beispiel: Die Bilder in uns stimmen nicht mit denen eines Terroristen überein. Wir halten ihn für verrückt, weil er andere Menschen umbringt. Aber in seiner inneren Welt hat es Sinn, sonst würde er so etwas Schreckliches nicht tun.

Werden wir von anderen Menschen regiert?

Die äußeren Gegebenheiten haben einen Einfluss auf uns. Nehmen wir z. B. die Wettersituation: Wenn es kalt ist, ziehen wir uns dementsprechend an. Aber: Sie regieren uns nicht, denn ich entscheide wie ich, im Beispiel hier, gegen die Kälte angehe. Aber wenn wir sagen, das Verhalten anderer Menschen regiert uns nicht, dann haben wir ein Problem, diese Aussage anzunehmen, denn wir sind der Überzeugung, dass unser Verhalten die Antwort auf das Verhalten eines anderen Menschen ist. Wenn jemand sich mir gegenüber z. B. so oder so verhält, wie kann ich ihm dann anders begegnen, als auf sein Verhalten mit dem gleichen Maß zu antworten?  Wenn ich mich aber so verhalte, dann entdecke ich, dass das Benehmen eines anderen Menschen mein Verhalten regiert. Dann habe ich mich einem anderen Menschen ausgesetzt, um mich glücklich oder unglücklich zu machen – und das ist tödlich für die Seele!

Frustration und Stress

Das heutige Thema ist also Stress! Haben wir uns dem Stress ausgesetzt, dass er unser Leben regiert? So dass ich den anderen sage: „Lasst mich in Ruhe, ich bin unter Stress, lasst mich in Ruhe, ich kann nicht. Ich bin chronisch belastet durch Stress.“ Irgendwann kommt dann der Mann oder die Frau ins Krankenhaus und der Arzt fragt: „Stehen Sie unter Stress?“ Und der Mann oder die Frau fragt: „Wie haben Sie das erkannt? Ich habe alles Mögliche, hier tut es weh, da tut es weh. Natürlich bin ich unter Stress.“ Der Arzt sagt: „Ja, klar, alles kommt vom Stress.“ Er gibt dann ein Medikament zur Beruhigung, sagt aber nicht: „Der Stress ist ggf. super und wissen Sie warum? – Weil Sie ihn nicht loswerden.“ Und wenn wir etwas nicht loswerden, wenn uns etwas ständig begleitet, dann lasst uns damit, also mit dem Stress Freunde werden, dann lasst uns ihn zum Partner machen, um auf unserem Lebensweg zu reifen. Ist der Stress ein Zerstörer? - Warum haben wir ihm das erlaubt? Warum haben wir ihm erlaubt, unser Leben zu regieren? Der Stress ist eine äußere Gegebenheit, die Einfluss auf uns hat, aber er regiert uns nicht, außer wir erlauben es ihm. Aber wir sollen Bedenken: Unser Glück hängt von uns selbst ab, wenn wir daran glauben. Aber wir tun das nicht. Wir machen den Stress für unser Unglücklich sein, unseren Misserfolg, unsere Krankheiten, unsere gespannten zwischenmenschlichen Beziehungen in unserem Leben verantwortlich, weil wir gelernt haben, dass wir für alles einen Schuldigen brauchen und es ist schwer zu akzeptieren, dass es keinen Schuldigen gibt. Denn wir haben das Gewohnte in unserem Kopf wie eine Matrix abgespeichert. Und dann kommt eine Lebenssituation und alte Muster werden abgerufen. Dagegen müssen neue Muster erst erlernt werden. Kann ich ein neues Verhalten wählen, mit dem es mir besser geht? – Kann ich! Warum tue ich es dann nicht? Wir wollen diese Anstrengungen nicht gerne auf uns nehmen, uns von innen heraus zu ändern, damit wir besser mit unserem eigenen Leben zurechtkommen, ein besseres Gleichgewicht finden. Warum? Weil es uns das kostet, unsere Überzeugungen zu ändern. Und was bedeutet das, unsere Überzeugungen zu ändern? – Frustration und Stress. Die Frustration ist Erwartung minus Rezeption. Es ist unmöglich im Leben, sich von Erwartungen zu befreien. Wenn sie in den Grenzen des Normalen und Möglichen sind, dann können sie einen gewissen Erfolg haben. Aber es sind hauptsächlich die in den anderen projizierten Erwartungen und die gestalten sich im Ergebnis anders, weil wir die Welt der Qualität des anderen nicht kennen. Wenn also auf Grund dessen unsere Erwartungen nicht erfüllt werden, dann entsteht bei uns Frustration und Stress. Dies regt uns an, etwas zu tun. Alles, was dann folgt, ist ein „anbauen“ und wir beginnen dann, etwas hinzu zu fügen und in den Menschen, der uns enttäuscht hat, Eigenschaften hinein zu interpretieren, die er vielleicht gar nicht hat, aber um uns besser zu fühlen. Wir steigern uns so lange dort hinein, bis körperliche Symptome folgen, womit uns unser Körper signalisiert, dass er verstanden hat, dass wir mit etwas in unserem Leben nicht zufrieden sind. Physisch und psychisch ist unser Organismus ständig in Bewegung und reagiert. Jetzt z. B. denke ich, ist niemand von uns im Stress, weil von mir nichts abhängig ist. Ich erzähle Ihnen etwas, aber sie müssen das nicht annehmen, denn es ist ihre freie Entscheidung, was Sie aus diesem Vortrag für sich selbst nutzen. Die Menschen denken, was sie denken wollen und werden annehmen, was mit ihrer Welt der Qualität übereinstimmt. Alles im Leben kommt aus den inneren Überzeugungen hervor.

Die Ebenen der Erlebnisse und der Umgang damit

Wir haben 3 Ebenen der Erlebnisse:
1. Neutrale Geschehnisse, die wir versuchen einzuordnen, ob sie zukünftig gute oder schlechte Auswirkungen auf unser Leben haben könnten. Die Einordnung hängt dabei von unserem Blickwinkel ab.

2. Das Erleben des Beziehungsgeflechtes, das wir zu unseren Mitmenschen haben. Diese Beziehungen sind mein Verhalten ihnen gegenüber, um meine Bedürfnisse  zu befriedigen  Z. B. Bei guten Beziehungen bleibt davon etwas in uns verhaftet, auch wenn diese Menschen gestorben sind. Ist dieses Beziehungsgeflecht gestört, kommt das Gegenteil hervor, nämlich: Mit diesem Menschen will ich nichts mehr zu tun haben. Aber solche negativen Gedanken tun nicht dem anderen, sondern euch selbst weh.

3. Wir projizieren Erfahrungen auf die Ebene unserer Überzeugungen. Z. B. beklagt sich eine Frau, dass ihr Mann ihr nie eine Rose zum Geburtstag schenkt, weil es ihr etwas bedeuten würde in ihrer Welt der Qualität. Der Mann hingegen sagt: „Ich bringe doch immer den Müll weg und betätige mich auch sonst im Haushalt.“ Er setzt das gleich mit dem Geschenk einer Rose, weil das seine Welt der Qualität ist.

Es ist ein interessantes Phänomen, dass wir konstant das ändern wollen, auf das wir keinen Einfluss haben; das Verhalten der anderen Menschen oder die Umgebung. Das ist unmöglich! Und obwohl wir die Erfahrung haben, dass dem so ist, tun wir trotzdem immer wieder das Gleiche. Das schafft Frust, Stress und / oder Depressionen. Wir rufen Depressionen, weil wir wissen, dass sie ein Machtinstrument sind, um die Umgebung zu kontrollieren. Denn jeder wird fragen: „Wie geht es Dir?“, „Was ist heute mit Dir los?“, „Wo liegt das Problem?“, „Können wir etwas tun?“

Die Ehen zerbrechen nicht am Mangel der Liebe, sondern am Messen der Machtverhältnisse und am nicht mehr zueinanderfinden wegen der unterschiedlichen Welten der Qualitäten, wie beim Beispiel mit der Rose. Aber dies geschieht nicht nur in Ehen, sondern in vielen menschlichen Beziehungen untereinander. Z. B. auch im Kloster. Ich  lebe im Kloster. Nicht, dass sie denken, ich würde im Paradies leben. Sie haben nur den Ehepartner, ein paar Kinder, vielleicht noch die Eltern oder Schwiegereltern; ich habe 30 Mitschwestern, mit denen ich im Beziehungsgeflecht lebe und wir täglich miteinander umgehen müssen. Das ist eine Herausforderung, dass wir uns täglich einigen und auch mitunter unsere Überzeugungen ändern müssen. Wir könnten nun sagen: o. K. wenn wir alle für uns alleine arbeiten und der andere uns nicht interessiert, dann ist das super, weil es dann auch keine belastenden Situationen gibt. Aber so geht das nicht. Der andere Mensch muss mir wichtig sein, wir brauchen Beziehungen untereinander und so wähle ich lieber die Auseinandersetzung, als alleine für mich zu sein, aber ohne immer Recht haben zu wollen. Es ist wichtiger, im Frieden zu leben, als Recht zu haben. Was nutzt es mir, Recht zu haben, wenn dann Streit in der Luft liegt und ich keinen guten Umgang mit meinen Mitschwestern habe? Es nutzt mir nichts, weil ich mich dann mit meinen Mitschwestern nicht mehr austauschen kann und dann geht es mir nicht gut. Vom Recht haben kann ich nicht leben; wir leben vom inneren Frieden. Wir glauben allerdings, dass wir durch Recht haben wollen auch Macht haben, aber die größte, höchste Macht ist die Liebe. Das hat Jesus uns am Kreuz gezeigt. Das ist wirklich Macht: Die wahre, reine Liebe.

Zuviel Stress macht uns krank – aber wir können das ändern

Als ich in meinem Vortrag davon sprach, dass unser Organismus uns Signale gibt, wenn etwas nicht in Ordnung ist meinte ich, er arbeitet und setzt sich ständig mit Kreativität für uns und unsere Gesundheit ein. Wenn aber zu viel im Ungleichgewicht liegt, wir zu viel Stress haben, werden wir krank. Über die Definition von Stress und dessen Bekämpfung können wir tausendfach im Internet nachlesen, aber das scheint uns ja nicht zu helfen, denn wenn es so wäre, dann wäre niemand krank. Wir bekommen unseren Stress nicht in den Griff, weil er mit dem nicht loslassen, dem nicht aufgeben wollen unserer Überzeugungen, unserer Welten der Qualitäten eng verbunden ist. Wenn wir also gegen den Stress kämpfen wollen, werden wir nicht gewinnen, weil täglich neues auf uns zukommt, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, was Stress verursacht. Deshalb ist es wichtig, den Stress als Freund und Partner anzunehmen, wie oben beschrieben, weil ich immer wieder, bis zum Ende meines Lebens Stress ausgesetzt sein werde. Was kann ich also tun, wenn es so ist, meinen Stress so weit wie möglich zu minimieren? Ich muss also lernen, das Verhalten der anderen Menschen, ihre Welten der Qualitäten anzunehmen. Ich kann die Menschen nicht ändern und deshalb nutzt es nichts, mich über diese oder jene Verhaltensweisen von ihnen aufzuregen. Ich muss Sie annehmen, wie sie sind. Denn auch sie befriedigen, genau wie ich, mit ihrem Verhalten nur ihre Bedürfnisse. Wenn ich also all das weiß, dann kenne ich auch eine andere Tatsache, nämlich diese, dass ich für andere Menschen und andere Menschen für mich nur ein Informationsgeber sind. Was sie aus dieser Information machen, darauf habe ich keinen Einfluss. Wenn andere Menschen einen Rat von mir möchten, dann nenne ich ein eigens Beispiel aus meinem Leben, sage aber dazu: „Ich weiß nicht, ob euch das hilft, weiß nicht, welchen Einfluss er auf euer weiteres Leben hat, aber es hat mir geholfen. Ich kann euch nur die Information geben und das tue ich.“ 

Unsere drei großen Lebensbereiche - was, wenn dort Defizite entstehen?

Unser Leben steht auf 3 Säulen:

1. Mein persönliches Leben: Nehme ich mich an? Liebe ich mich? Bin ich zufrieden? Bin ich bereit, in meinem Leben immer daran zu arbeiten, dass es mir gut geht? Ich frage mich manchmal: Was ist der Wille Gottes? Der Wille Gottes ist unser Frieden; unser innerer Frieden. Wenn ich also in meinem Herzen in Frieden bin mit einem gewissen Verhalten, das ist für mich der Wille Gottes. Denn wenn wir etwas  tun, was nicht gut ist, dann spüren wir das sofort und haben dann keinen Frieden.

2. Mein nächstes Umfeld: Wie geht es mir mit meinem Ehepartner, meinen Kindern, meinen Eltern, meinen Nachbarn, meinen Freunden und Bekannten?

3. Mein berufliches Leben: Wie lebe ich mit den Menschen, mit denen ich zusammen arbeite?

Wenn in einem der Bereiche ein Defizit ist, bin ich nicht stabil; sind es zwei Bereiche, dann geht es gar nicht mehr. Wichtig ist, dass ich erkenne: Wo ist mein Defizit? Woran muss ich noch an mir selbst arbeiten, damit es mir gut geht? Man sagt, dass das die Zukunft ist: Die Arbeit an uns selbst. Menschen flüchten in Krankheiten, weil das Leben für sie zu schwer geworden ist; sie können nicht mit dem Leben umgehen oder sie können nicht mit dem Stress umgehen. Deshalb werden sie krank, weil es so für sie leichter ist, weil der Organismus sie so zu einem großen Maß vor Frustration schützt. Dieser Schutzmechanismus des Körpers kreiert eine Krankheit, und dann kümmern wir uns um die Krankheit und nicht um die Ursache.

Liegt das Defizit in unserer Familie, zerbricht der Mensch häufig daran. Grundsätzlich können wir sagen, dass allen unseren Problemen oder bei Menschen die psychotherapeutische Hilfe suchen, immer zugrunde liegt, dass eine für uns sehr wichtige zwischenmenschliche Beziehung ein Defizit hat. Bei der Arbeit ist es wichtig, dass wir ein gutes Verhältnis zueinander haben, weil wir dort die meiste Zeit verbringen, immer einkalkulierend, dass wir das Verhalten anderer Menschen nicht ändern können, sondern nur das eigene. Wir haben immer die freie Entscheidung, unser Verhalten so zu ändern, dass es uns besser geht. Wir können das und wir müssen uns darum bemühen, es so zu ändern, dass es für uns und die andere Person besser ist.

In unserem Leben haben wir alle zwei konträre Verhaltensweisen. Einmal das Verhalten des eigenen Schutzes und mitunter das Verhalten, bei anderen zerstörerisch zu wirken. Das zerstörerische Verhalten legen wir meist bei den Menschen an den Tag, die uns am Nächsten stehen (Eltern, Ehepartner, Kinder). Da sind wir am Härtesten, kritisieren, verletzen uns, sind neidisch. Dort erlauben wir uns das, weil wir uns, gerade auch wegen der eigenen Liebe zu ihnen, leichter durch sie verletzt fühlen und aber auch, weil wir uns ihrer Liebe sicher sind. Ein Beispiel: Eine Mutter erzählte mir: „Heute Morgen habe ich mit meinem kleinen Sohn geschimpft, weil ich durch sein trödeln zu spät zur Arbeit kommen würde.“ Mein Söhnchen weinte, war dann ruhig, umarmte und küsste mich und sagte: „Mama, ist egal.“ (er meinte wohl mein Schimpfen). Danach habe ich den halben Tag geweint.“ Daraufhin stelle ich ihr eine Gegenfrage: „Interessant, warum haben sie denn nicht ihrer Chefin etwas Passendes gesagt? (z. B. kleine Kinder sind kein Roboter. Da kann es schon mal passieren, dass es ein wenig später wird) Da können sie sich also kontrollieren.“ Die Mutter antwortet: „Ich schütze meine Arbeit.“ Wir belügen uns und den anderen, wenn wir sagen, dass wir es nicht so gemeint haben und dass es zufällig so aus uns rausgeplatzt ist, wenn wir ihm gegenüber hart waren. Wir geben sehr gut acht, wie wir uns den unterschiedlichen Menschen gegenüber benehmen. Beim Chef hatte die Frau etwas zu befürchten, bei ihrem Kind nicht. Bei Freundschaften sind wir z. B. viel vorsichtiger was wir sagen, als z. B. bei unseren Eltern. Denn die Freunde können wir verlieren, die Eltern in der Regel nicht. 

Positive und negative Verhaltensweisen

Ich zähle ihnen jetzt einige Verhaltensweisen auf und sie entscheiden, welche sie sich davon zu Eigen gemacht haben.
Schützendes Verhalten beinhaltet:
Unterstützung, Ermutigung, Zuhören, Annehmen, Vertrauen, Achtung, Übereinstimmung mit dem anderen, Akzeptanz der Meinung des Nächsten, Verständnis, Lob, Freiheit.
Zerstörerisches Verhalten beinhaltet:
negative Kritik, Schuldzuweisung, Vorwürfe gegenüber dem Nächsten, Verletzungen (physisch / psychisch) zufügen, Drohungen, Bestrafung, Durchsetzung meines Willens, Erniedrigung des Nächsten, Ignoranz, Verspottung, Demütigung.
Fragen wir uns:
Wo stehen wir in jeder einzelnen der drei für uns so wichtigen Lebenssäulen?
Welche Verhaltensweisen legen wir mehr an den Tag?
Mit welchen Verhaltensweisen fühlen wir uns besser?
Mit welchen Verhaltensweisen sind wir besser? 

Zwei Geschichten zum Nachdenken

Die erste Geschichte:
Ein Mann kam zum Psychiater und sagte ihm, dass er jede Nacht Besuch von einem Drachen mit 3 Köpfen und 12 Füssen erhielte, weshalb er nicht schlafen könne. Dies mache ihn völlig verrückt, so dass er einem Zusammenbruch nahe sei. Der Psychiater antwortete, dass er glaube, ihm helfen zu können, die Behandlung aber sehr lange dauern und somit $ 3.000 kosten würde. Der Mann fragte entsetzt: $ 3.000, ob er  denn noch normal sei? Dann ginge er lieber und würde sich mit dem Drachen anfreunden.
Das ist eine gute Geschichte, weil sie zeigt: Der Mann hat gewählt. Wir können in unserem Leben immer wählen, was uns in unserem Verhalten weniger „kostet!“


Noch eine weitere kurze Geschichte:
Einmal bat ein treuer Diener Gottes den Herrn, ihm eine größere Aufgabe anzuvertrauen als das Gebet, denn das Gebet wäre einfach für ihn. Da zeigte der Herr ihm einen großen Stein und sagte zu ihm: gut, er solle diesen schieben. Tagelang versuchte der Mann mit seiner ganzen Kraft den Stein zu bewegen, aber er brachte ihn keinen Millimeter vorwärts. Alle anderen Männer schauten zuerst, gingen vorüber und sagten: „Ach, der arme Mann, warum tut er das? – Es ist unmöglich, diesen großen Stein zu bewegen.“ Einige lachten ihn aus, andere bemitleideten ihn, andere sagten: „Sicherlich stimmt etwas nicht mit ihm, dass er das tut.“ Der Mann aber ignorierte die Äußerungen der anderen und widmete sich weiter seiner Aufgabe. Im Laufe der Zeit verließ ihn seine Kraft; Glaube und Beständigkeit schwanden. Alle Menschen dachten, er würde völlig verrückte Arbeit verrichten. Und schließlich gab der Mann auf, den Stein bewegen zu wollen. Er suchte den Herrn und der sagte ihm: „Ich habe Dir gesagt, Du sollst den Stein schieben; ich habe nicht gesagt, Du sollst ihn bewegen. Für mich ist nichts leichter, als den Stein zu bewegen.“ Und der Herr nahm seinen kleinen Finger und der riesige Stein bewegte sich wie ein Kinderball. Der Herr sagte: „Mit dieser Aufgabe für Dich wollte ich, dass Du Deine Muskeln stärkst, dass Sich Deine Brust verbreitert und dass Du Dich im Glauben übst, in Geduld und in Beständigkeit. Einen großen Teil davon hast Du erreicht und das war auch das Ziel: Die Arbeit an Dir selbst und nicht die am Stein.“