Gott hat mich nicht dazu berufen, Erflog zu haben, sondern treu zu sein
Zeugnis zum Fastenseminar von Anja, Burgenland
Für Anja ist das Fasten, durch ihre Erfahrungen im Fastenseminar, ganz entscheidend: „Fasten ist für mich ein sichtbares Zeichen, Gott in meinen Worten und Taten nachzufolgen", so beschreibt sie es in ihrem Zeugnis.
Lange hegte ich den Wunsch für Fasten- und Schweigeexerzitien in Medjugorje. Bücher von Pater Slavko Barbarić zu diesem Thema haben mich angesprochen, weshalb ich gerne darin las. Wiederholt versuchte ich das Fasten in unterschiedlicher Ausprägung in meinen Lebensrhythmus zu integrieren. Es war ein Auf und Ab. Mal gelang es eine Zeitlang, dann scheiterte ich, dann rückte das Thema ganz in den Hintergrund, geriet in Vergessenheit. Richtig losgelassen hat mich die Sehnsucht nach „mehr davon“ aber nie wirklich.
Eine praktische Schule und Stütze für eine Neuausrichtung
Während der Ausbildung zur Katechetin im Stift Heiligenkreuz, lernte ich Sr. Hildegard Strittmatter von der Gemeinschaft der Seligpreisungen kennen. Durch diese Begegnung meldete ich mich für die Exerzitien in Medjugorje an, bei denen sie als wertvolle und erfahrene geistliche Begleiterin fungiert. Im Oktober 2022 erlebte ich dann meine ersten Fasten- und Schweigeexerzitien und nochmals 2023. Es zeigte sich mir als praktische Schule und Stütze im neuerlichen Ausrichten und Kraftholen. Heute ist Fasten für mich ein konkreter Ausdruck der Hingabe an Gott und die Muttergottes. Es ist eine bewusste Entscheidung und für mich ein sichtbares Zeichen Gott in meinen Worten und Taten nachzufolgen. Durch das Fasten übe ich meinen Willen, meine Wünsche, mein Verlangen hintanzustellen und mich für Gott, die Muttergottes und ihre Anliegen zur Verfügung zu stellen. Das Bibelwort: „... Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten.“ (Mt 9,15), trägt mich, ebenso wie die wiederholten Einladungen der Gospa „… Betet, fastet und bringt Opfer dar für den Frieden.“ (Botschaft 25.10.23) Ich vertraue mich durch Fasten und Gebet Gott und der Führung der Muttergottes an.
Wie erlebte ich die Fastenseminare?
Bei den Fastenseminaren haben mich die ermutigende und authentische Hinführung zum Fasten von Sr. Hildegard, bzw. die geistlichen Impulse von Pater Zvonimir Pavičić berührt. Offen gaben sie Zeugnis über ihren eigenen Weg. Zudem erläuterten sie auch ganz praktische Details, die für das Verständnis der körperlichen Abläufe beim Fasten hilfreich waren z. B. Salzverlust bei etwaigem Schwitzen auszugleichen, den Kreislauf durch zügiges Gehen in Schwung zu bringen oder auch gegebenenfalls zu einem zuckerhaltigen Getränk zu greifen, um bei Kräften zu bleiben. Das Fastenseminar findet im Exerzitienhaus der Pfarrei Medjugorje „Domus Pacis“ statt. In der ruhigen Hauskapelle haben wir Tag und Nacht uneingeschränkt Zugang zum Allerheiligsten, das beinahe 24 Stunden täglich ausgesetzt ist. Jesus in der Stille der Nacht begegnen zu können, freute mich und forderte mich zugleich ungemein. Gerade hier durfte ich wiederholt die Erfahrung machen, dass Gott mein Ringen mit dem Überwinden der Bequemlichkeit sieht und es Ihn freut.
Fasten ist Leben mit Brot
Ich wechsle nun in die Gegenwartsform, da ich mich mitten im Prozess des Reifens befinde: Ich darf begreifen lernen, dass Fasten kein zielloses Hungern bzw. Diät halten ist, sondern ein Leben mit Wasser und Brot für Gott. Dieser Lebensstil weckt in mir eine tiefe Sehnsucht. Das Aufopferungsgebet, das die Muttergottes die Seherkinder am 13.07.1917 in Fatima gelehrt hat, begleitet mich am Fasttag: „Sagt oft, besonders wenn ihr ein Opfer bringt: ‚O Jesus, das ... (Fasten) tue ich aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und als Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herzen Mariens.‘“
Es ist kein Gewaltakt gegen mich, sondern ein Weg der Befreiung, der Nachfolge und hilft mir, Gewohnheiten, Beschäftigungen, Anhänglichkeiten zu reflektieren und (neu) zu ordnen. Durch das Fasten und Schweigen übe ich mich im Loslassen, werde leer(er) und gewinne dadurch in meinem Herzen Platz für den Hl. Geist. Zugegeben, es ist ein herausfordernder Weg – auf allen Ebenen: psychisch, körperlich, geistig - und das darf auch sein. Die Einbettung ins Gebet und ins Schweigen erlebe ich als Schlüssel. Im Schweigen suche ich nicht die absolute Stille, sondern die Begegnung mit Gott und Maria. Dort erhalte ich die Inspiration, die Kraft, die Ausdauer, die Gnade für das immer wieder neue Versuchen nach dem Fallen. Wenn mir meine Schwachheit bewusst wird, trösten mich die Worte Mutter Teresas „Gott hat mich nicht dazu berufen, Erfolg zu haben, sondern treu zu sein“. In Treue möchte ich Gott mein Bemühen zum Fasten hinhalten. Langsam wächst in meinem Herzen etwas Neues und Gott wird vollenden, was Er in mir begonnen hat. Danke Jesus und Maria!
Quelle: Medjugorje aktuell
Foto: ICMM
