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Vorwort zur Zeitschrift Oase des Friedens von Dr. Christian Stelzer

Obwohl jede Reise nach Medjugorje ein besonderes Erlebnis ist, war jene, die ich Ende August mit meiner Familie unternahm, doch einzigartig. Vor der Einreise nach Bosnien und Herzegowina absolvierten wir in Vrgorac um 23 Uhr nachts einen Corona-Test, bei dem, zu meiner Überraschung, ein Blutstropfen aus der Fingerbeere entnommen und auf einen Indikator-Streifen aufgebracht wurde. Nach 15 Minuten hatten wir alle unser Testergebnis und setzten die Reise bis zur Grenze fort. Prompt wurden wir von einem Zöllner nach unseren Laborbefunden gefragt, die er entgegennahm, um die Nummern, die darauf vermerkt waren, feinsäuberlich in ein Buch einzutragen. Dann ließ er uns weiterreisen. Jetzt trennte uns nur noch ein Katzensprung von unserem Ziel.

In Medjugorje erwartete uns eine Atmosphäre, die wir sonst nur von ruhigen Wintermonaten kannten: die Restaurants zum Teil geschlossen, in den Geschäften Kunden und Personal mit NMS-Masken, man war sichtlich bestrebt, Abstand zu halten. Und dennoch fühlten wir uns im Heiligtum so wie immer die Abendliturgie im Freien mit vielen Gläubigen – wenn auch weniger als sonst zu dieser Zeit -, die gestaltete Anbetung und Kreuzverehrung unter Sternenhimmel, die beruhigenden Klänge von Geige, Mandoline und Gitarre – all das inspirierte, die Zeit zu vergessen und Momente der Schwerelosigkeit zu erleben, wie sie uns von Medjugorje vertraut sind.

Tagsüber der Besuch der Berge: auch hier weniger Pilger als sonst, ruhiger, meditativer, innerlicher… Medjugorje, so war zu spüren, kennt die Last der Pandemie, aber auch die Hoffnung darauf, dass diese bald überwunden sein wird.

„Das Böse wird enden, und der Friede wird in euren Herzen und in der Welt herrschen.“, tröstet und ermutigt uns die Gospa, die Königin des Friedens, in ihrer letzten Botschaft. Das ist auch die Stimmung, die man mitnimmt von diesem Ort, über den Erzbischof Hoser, der Apostolische Visitator, beim Mladifest gesagt hat, dass man hier die Gegenwart Gottes, Jesu und Marias spürt. Und die Menschen, die tagein, tagaus in Medjugorje leben, vermitteln das, was sie in ihrer langen, mühevollen Geschichte gelernt haben, nämlich mit Schwierigkeiten leben zu können und dabei dennoch fröhlich und hoffnungsvoll zu sein.

Bei der Rückkehr nach Österreich absolvierten wir dann noch einmal einen Corona-Test, diesmal als Rachenabstrich, anschließend Heimquarantäne bis zum Vorliegen der Testergebnisse – eine neue Art zu reisen und zu pilgern, etwas beschwerlicher als gewohnt, aber dennoch segensvoll.

Was den weiteren Verlauf der Pandemie betrifft, so sind die Prognosen der Verantwortungsträger sehr vage. Die Weltgesundheitsorganisation erwartet deren Ende in weniger als zwei Jahren, der österreichische Bundeskanzler meint, dass es „schön langsam Licht am Ende des Tunnels“ gäbe und „aus heutiger Sicht der nächste Sommer schon wieder ein normaler Sommer werden kann.“ Und der Gesundheitsminister rechnet mit einer Impfkampagne ab Jänner 2021.

Was wir in dieser Zeit erfahren haben: Von einem Tag auf den anderen kann sich vieles ändern. Es gibt Menschen, die von beklemmenden Ängsten vor einer ungewissen Zukunft berichten, aber auch vom Dank, in einem Land mit hoher sozialer Absicherung leben zu können.

Und was wir wahrscheinlich gelernt haben dass das Einhalten von einfachen Hygienemaßnahmen essentiell wichtig sein kann, will man selbst gesund bleiben und andere nicht anstecken, und dass man sich nicht gegenseitig anhusten und Mindestabstände einhalten sollte. Vielleicht aber auch, dass es Sinn macht, in Zeiten mit hohem Infektionsrisiko einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum zu tragen.

Die Gospa ermutigt uns in dieser Zeit, wie lange sie auch dauern mag. Und erinnert uns daran zu beten. Vielleicht sollten wir dabei auch an den Heiligen Josef denken – als Nährvater ist es sein Anliegen, dass es der Menschheitsfamilie gut geht.

In dieser OASE lädt uns der langjährige Medjugorje-Pilger, Organist, Kantor und OASE-Redakteur Christian Zaruba ein, mit ihm die Worte der Gottesmutter zu betrachten.

Wir bringen Gedanken über das „Mladifest“ von Pater Marinko Sakota und die Predigten von Erzbischof Hoser und Kardinal Puljic. Und das bewegende Zeugnis von Father O´Brien, einem ehemaligen Hollywoodschauspieler, dessen Weg zum Priestertum eng mit den Ereignissen von Medjugorje verbunden ist.

Viel Freude am Lesen wünscht Ihnen
Christian Stelzer

Oase des Friedens September 2020