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Mit Gott wird es nie langweilig

Zeugnis von Stefan Neubacher

Mein Weg zu Gott

Die Weichen für meinen Glaubensweg wurden bereits vor meiner Geburt gelegt. Da mein Vater evangelisch und meine Mutter katholisch war, wurden vor der Ehe die Territorien klar abgesteckt. Mein Vater beanspruchte für sich eine Nichteinmischungserklärung in die Bereiche Fußball und Angeln, und meine Mutter ihrerseits freie Hand in den Bereichen Glauben und katholische Kindererziehung. Somit kam es, dass zu diesem Zeitpunkt einerseits die Grundlagen für meinen Glauben, und andererseits die Grundlagen für meine Interessensgebiete im Bereich Sport und Freizeit gelegt wurden.

Wie damals üblich, durchlief ich nach meiner Erstkommunion die übliche Ministrantenkarriere. Mit 16 Jahren - zwischenzeitlich war ich zum Oberministrant befördert worden - begann ich, mich mehr und mehr für die Samstagabendliche Freizeitgestaltung zu interessieren. Das hatte natürlich zur Folge, dass die Zeitspanne zwischen Samstagnacht ins Bett gehen und Sonntagmorgen aufstehen immer kleiner wurde. Irgendwann sah ich mich dann gezwungen, von allen meinen kirchlichen Ämtern zurück zu treten. Trotzdem ließ ich mich immer noch relativ regelmäßig - manchmal sogar pünktlich - in der Sonntagsmesse blicken.

Intensiviert wurde mein Gebetsleben dann wieder in der Oberstufe, genauer gesagt, vor und während der Abiturprüfungen. Ich war ein eher mittelmäßiger Schüler und da konnte es schließlich nicht schaden den lieben Gott zu bemühen, wenn es beispielsweise um das Bestehen einer Matheprüfung ging. Mit einem andächtig gebeteten Vaterunser, so meine Vorstellung, waren mindestens 1-2 Extrapunkte drin. Nun weiß ich natürlich nicht, ob es tatsächlich so war, aber ich bestand das Abitur, sogar mit einer 2 vor dem Komma.

Nach meinem Zivildienst in einer Einrichtung für körperlich und geistig behinderte Kinder, begann ich dann mein Studium der Betriebswirtschaftslehre, Fachrichtung Internationales Marketing, an der Berufsakademie in Ravensburg. Da dieses Studium mit Praxisphasen in einem Ausbildungsbetrieb kombiniert war, bekam ich schon während des Studiums konkrete Einblicke in das Berufsleben, das mich nach dem Studium erwartete. Immer mehr merkte ich, dass ich darauf absolut keinen Bock hatte. Das konnte doch nicht alles sein. Es muss doch etwas geben, was Spaß macht und 100% zu mir passt. Ich sah auf der einen Seite, wie meine Studienkollegen sich Wirtschaftszeitschriften abonnierten, begeistert von ihren Projekten und Ideen erzählten, die sie während der Praxisphasen in den Betrieben durchgeführt hatten, und auf der anderen Seite mein hin- und hergerissen sein, von meinem Wunsch nach „dem Besonderen", und der vermeintlich langweiligen beruflichen Realität die mich nach meinem Studium erwartete.

An den Wochenenden fuhr ich meisten zurück nach Hause zu meinen Eltern. Auf einer dieser Heimfahrten ging mir die Musik im Radio mal wieder so richtig auf den Geist. Plötzlich fiel mein Blick auf den Rosenkranz, der ziemlich ungebraucht an meinem Innenspiegel herunterhing. Damals war ich weit davon entfernt, ein regelmäßiger Rosenkranzbeter zu sein, aber an diesem Tag war es irgendwie anders. Ich dachte mir: Ok lieber Gott, du siehst ich habe echt ein Problem. Ich habe keine Ahnung wie meine Zukunft aussehen soll. Bitte hilf mir, den richtigen Weg zu finden. Ab diesem Tag begann ich relativ regelmäßig den Rosenkranz zu beten, und zwar immer Montagmorgens bei den Fahrten zum Studium und Freitagmittags bei den Heimfahrten. Selbstverständlich nur, wenn ich alleine war, und ganz wichtig, an den Ampeln immer schön die Klappe halten: Das sieht sonst echt komisch aus!

Genau in dieser Zeit, es war Spätsommer 2002, begann in RTL die erste Staffel der Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS). Damals schaute ich mir die ganzen Castings an und war begeistert von der Möglichkeit, dass Gesangstalente hier vermeintlich ihre große Chance auf eine Karriere als Sänger bekamen. Ich war jahrelang Mitglied im Schulchor gewesen und griff gelegentlich bei Partys unter Freunden auch mal gerne zur Gitarre.

Deutschland sucht den Superstar und ich war bereit es zu werden

Stefan als Teilnehmer der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar"

Mit zunehmender Dauer begann ich mit dem Gedanken zu spielen, ob nicht vielleicht das Musikbusiness das sein konnte, nach dem ich mich immer gesehnt hatte. Kein langweiliger Bürojob, keine noch langweiligeren Wirtschaftsmagazine, sondern das aufregende Leben eines Musikstars. Irgendwie konnte ich mir das ganze richtig gut vorstellen. Was kann ich schon als kleines Licht Gutes in der Welt bewirken? Aber als bekannter Star hätte ich ganz andere Möglichkeiten. Ein christlicher Superstar, das war nach meinem Geschmack und ich war überzeugt, dass das auch beim lieben Gott gut ankommen würde. Die Zeit verging und Anfang 2003 hatte Deutschland seinen ersten Superstar: Alexander Klaws. Sein Nachfolger, soviel war klar, sollte Stefan Neubacher heißen. Ich hatte mir das schon alles zu Recht gelegt. Mit meinem Studium würde ich im Herbst fertig werden, genau richtig zum Start der zweiten Staffel von DSDS. Super, endlich hatte ich eine Perspektive, mit der ich mich anfreunden konnte. Endlich etwas, „Besonderes" am Horizont.

Mit großer Ungeduld fieberte ich dem Bewerbungsstart für die neue Staffel entgegen: Endlich war es soweit. Ich hatte den Anmeldebogen vor mir liegen. Name, Vorname, Geburtsdatum…, mein größter Traum, mein Stylingvorbild, meine Idole (Ich hatte Jesus natürlich nicht auf meiner Liste! Bloß nicht übertreiben!) usw. Schließlich hatte ich zu allen Fragen etwas geschrieben. Jetzt noch ein Passbild rein und fertig war meine Eintrittskarte zum Glück. Es war April 2003. Es vergingen einige Wochen, und ich bereitete mich so langsam auf die Abschlussprüfungen vor, als Anfang Juni ein Brief der Produktionsfirma von DSDS in meinem Briefkasten landete. Es war eine Einladung zur ersten Castingrunde und zwar am 14. Juni in München. Moment, wieso jetzt schon? Ich dachte das ganze beginnt erst im Herbst, wenn ich mein Studium fertig habe! Aber es bestand kein Zweifel, auf dem Brief stand der 14. Juni! OK, lieber Gott. Wenn es dein Wille ist, dann werde ich das schon irgendwie packen. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, wie ich den Spagat zwischen Abschlussprüfungen, Diplomarbeit und dem Bevorstehenden Castingstress hinbekommen sollte, aber irgendwie wird es schon gehen. Mit dieser Einstellung fuhr ich also. Die Castings waren so organisiert, dass in einigen großen Städten Deutschlands Castings angesetzt wurden, zu dem sich die Bewerber anmelden konnten. Für München hatten sich um die 4000 Bewerber angemeldet.

Beim Casting
An diesem 14. Juni waren bereits vormittags ca. 300 Jugendliche gecastet worden. Meine Gruppe mit schätzungsweise ebenfalls 300 Bewerbern war am Nachmittag dran. Casting bedeutet in erster Linie: warten, warten, warten. Man bekam eine Nummer zugewiesen und wartete im Aufenthaltsraum, bis man aufgerufen wurde, um vor einer Jury zu singen. So saßen also an diesem Nachmittag um die 300 Personen im großen Saal des Interkontinentalhotels in München. Die Spannung war mit Händen zu greifen und die Nervosität der vielen Teilnehmer unübersehbar. Auch ich war zugegebenermaßen ganz schön aufgeregt. In allen Ecken wurde geträllert und eingesungen, um im entscheidenden Moment auch wirklich stimmlich topfit zu sein. Irgendwann war ich dann an der Reihe. Ich betrat das Zimmer und musste mich in die Mitte des Raums stellen. Vor mir standen 2 Tische mit einer Kamera und mehreren Monitoren darauf. Hinter den Tischen saßen eine Frau und zwei schon etwas genervt dreinblickende Männer (Kein Wunder, bei dem was die alles zu hören kriegen). Nachdem ich mich brav vorgestellt hatte wurde ich gebeten, meine Lieder, die ich vorbereitet hatte, zu singen. Die Frau beobachtete mich mit einem prüfenden Blick und die zwei Männer starrten in den Monitor. Vermutlich um zu überprüfen wie ich im Fernsehen „rüberkam". Nach dem Vorsingen steckten die drei kurz die Köpfe zusammen und dann konnte ich wieder raus gehen: „Danke, du kannst wieder zurück in den Wartesaal.” War ja halb so wild, dachte ich, und machte mich auf den Weg. Nach weiteren Stunden des Wartens kam dann endlich eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma mit einem Zettel in der Hand, stellte sich in die Mitte des Raumes und las die Namen derer vor, die es an diesem Nachmittag eine Runde weiter geschafft hatten. Es waren genau 10 Teilnehmer! Nachdem der neunte Name vorgelesen wurde, hatte ich innerlich schon damit abgeschlossen, dass es wohl nichts werden würde. Ich hatte den lieben Gott darum gebeten mich sofort rausfliegen zu lassen, wenn es nicht mein Weg sein sollte. OK, dachte ich, ein aufregender Tag, eine gute Erfahrung, aber es sollte halt nicht sein. Doch nicht mein Weg! Doch dann wurde ich tatsächlich als Letzter aufgerufen. Wie cool! Ich war ausgewählt worden und durfte in die nächste Runde. Die Freude war groß, andererseits wusste ich aber auch, dass jetzt eine stressige Zeit beginnen würde. Ich befand mich also bereits mitten im Castingzirkus und das während meiner Prüfungsvorbereitungen. Das konnte ja heiter werden.

Eine Woche später musste ich wieder nach München fahren und wieder das gleiche Spiel. Warten, warten, warten, nur mit dem Unterschied, dass viel mehr Kameras da waren und dass ich mich heute dem Urteil von Dieter Bohlen und Co stellen musste. Dementsprechend war die Aufregung auch etwas größer. Irgendwann war es dann soweit: Ich war dran, betrat den Raum und lief, wie man es mir befohlen hatte, in die Mitte des Raumes um mich auf einen dort am Boden aufgeklebten Stern zu stellen. Hinter mir das DSDS – Logo, um mich herum einige Kameras und vor mir die Jury mit Thomas Stein, Thomas Bug, Shona Frasier und Dieter Bohlen. Wiederum nach einer kurzen Vorstellung begann ich mit meinem Titel. Nachdem sich alle Jurymitglieder mehr oder weniger einig waren, erwartete ich mit Spannung das endgültige Urteil von Dieter Bohlen. Wenn ich mich noch richtig erinnere, sagte er damals: „Haut mich nicht vom Sulky, aber das war schon okay! Du bist weiter!" Ich konnte es fast nicht glauben, ich war wieder weiter gekommen!!! Mein Traum war nicht zu Ende, sondern ging weiter! Durch diesen Erfolg war ich auf einen Schlag unter den letzten 100 Teilnehmern von ursprünglich 20.000 Bewerbern. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Es schien wirklich alles zu passen. Ich war auf dem Weg zum Superstar.

Wieder zurück in Ravensburg war nicht viel Zeit für Freude, da die Prüfungen unmittelbar bevorstanden, und die meisten meiner Kollegen bereits mitten im Lernstress waren. Auch ich machte mich an die Vorbereitungen. Mein Plan schien aufzugehen: Studium fertig machen und dann mit Vollgas ins Showgeschäft. Doch schon kurze Zeit später traf mich fast der Schlag. Ich bekam die Einladung für den Recall in Berlin, und der Termin fiel genau in meine Prüfungswoche! Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich. Alles hätte so glatt laufen können und jetzt das! Ich war verzweifelt, was sollte ich tun? Prüfung schwänzen? Krank machen? Recall absagen? Nein, das kam nicht in Frage. Ich wollte um meine Chance kämpfen. Meine Freunde rieten mir dazu, mich krank schreiben zu lassen. Allerdings fand ich die Idee nicht ganz so toll, wenn ich mir vorstellte, dass einer meiner Professoren mich zufällig - während meiner „Krankheit" - singenderweise und auch sonst bei bester Gesundheit, im Fernsehen gesehen hätte. Ich überlegte hin und her. Dann auf einmal wurde mir wieder klar: Hey, du hast den Weg bewusst in Gottes Hände gelegt und bisher hat alles geklappt. Also bleib bei der Wahrheit! Schweren Herzens machte ich einen Termin mit meiner Fachleiterin um ihr die Sache zu erklären: Ich weiß heute noch wie viel Angst ich vor diesem Termin hatte. Meine Stimme und meine Knie zitterten, als ich ihr meine Lage erklärte. Aber ich wusste auch, dass wenig Chancen auf einen guten Ausgang bestanden, denn Abschlussprüfungen verlegt man nicht einfach mal so. Nachdem ich fertig war, erwartete ich das vernichtende Urteil. Aber es kam nichts. Meine Fachleiterin schien zu überlegen. Nach einer kurzen Weile schaute sie mich an und sagte: „Und da kommen sie dann so richtig im Fernsehen? Ja aber Herr Neubacher, dass ist ja eine riesige Chance für sie. Machen sie sich keine Gedanken, wir finden da eine Möglichkeit. Sie können die Prüfungen in jedem Fall nachschreiben!" Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Ich wäre ihr am liebsten um den Hals gefallen! Ich durfte mit der offiziellen Erlaubnis meiner Fachleiterin nach Berlin fahren und die Prüfungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Das war der Hammer! Auf dich ist verlass, lieber Gott.

In Berlin angekommen erwarteten mich die bis dato stressigsten Tage und Nächte meines Lebens. In großen „Superstarbussen" wurden wir vom Hotel quer durch Berlin zum Deutschen Theater gefahren. Der Terminplan war vollgepackt und ständig ging es um alles oder nichts. Nach einem Tag waren von den 100 Teilnehmern noch 70 übrig. Noch einmal weiterkommen, und ich werde live vor einem Millionenpublikum singen und um einen der 12 Finalplätze kämpfen. Am Ende des zweiten Tages, es war bereits 22:00 Uhr und immer noch waren 70 Kandidaten im Rennen, wurden wir in 3-er- und 4-er-Gruppen aufgeteilt und bekamen die Aufgabe, für den nächsten Tag einen unbekannten Song mehrstimmig und auftrittsreif vorzubereiten. Die ganze Nacht wurde geübt und an den Songs gefeilt. Irgendwann in den Morgenstunden fielen wir dann ins Bett, doch an Schlaf war natürlich nicht zu denken. Viel zu groß war die Aufregung vor dem Tag der Entscheidung. Würde ich es unter die besten 50 schaffen?

Der bisher schönste Moment meines Lebens

Und dann war es soweit. Unsere 3-er-Gruppe betrat die Bühne. Diesen Augenblick werde ich vermutlich nie mehr vergessen. Die Bühne war in ein schönes warmes Licht getaucht. Neben uns stand ein auf Hochglanz polierter Stainways & Sons Flügel, mit dazugehörigem Pianist, aus der gleichen Kategorie, versteht sich. Vor uns der große Theatersaal und in der Mitte des Saales saß die Jury, mit den bereits bekannten Gesichtern. Wir standen auf der Bühne des Deutschen Theaters und der Pianist fing an die ersten Takte unseres Liedes „No matter what" zu spielen. Ich wollte einfach nur singen, und konnte es kaum erwarten, bis ich endlich mit meiner Strophe dran war. Und dann war es soweit, es kam einfach aus mir heraus. Ich fühlte mich unglaublich wohl. Es war ein Moment in dem alles passte, und den man um keinen Preis auf der Welt mit jemand tauschen möchte. Ich spürte, dass ich genau dort war, wo ich die ganze Zeit hinwollte und es war ein tolles Gefühl. Als mir nach unserem Auftritt die Mikrofone unter die Nase gehalten wurden, konnte ich nur noch sagen: „Es ist mir völlig egal, wie das Urteil der Jury ausgeht, aber das eben war der schönste Moment in meinem bisherigen Leben und den kann mir keiner mehr nehmen.”

Dann kam die Entscheidung. Ich hatte es tatsächlich unter die letzten 50 Teilnehmer geschafft. Ich wäre fast zusammengebrochen! Die ganze Anspannung der letzten Tage löste sich in diesem Moment: Ich hatte es geschafft. Es schien alles zu funktionieren. Ich war wirklich auf dem richtigen Weg. Unfassbar! Stefan Neubacher aus Erlaheim wird live vor einem Millionenpublikum im Fernsehen singen und die Chance haben, in das Finale von Deutschland sucht den Superstar zu kommen. Ich war unglaublich stolz auf das, was ich erreicht hatte. Am nächsten Morgen fühlte ich mich immer noch wie im Film. Ich bin auf dem Weg zum Superstar. Unglaublich! Nachdem wir gefrühstückt hatten, packten wir unsere Sachen und verabschiedeten uns einstweilen vom Team, den übriggebliebenen Kandidaten und von unseren persönlichen Betreuern.

Am darauffolgenden Montag waren wieder Prüfungstermine. Nachdem ich ja die ersten drei Prüfungen versäumt hatte, musste ich nun, wie alle anderen auch, die restlichen Prüfungen ablegen. Als ich den Prüfungssaal betrat, wurde ich von meinen Kommilitonen mit tosendem Applaus begrüßt. Alle hatten meinen Erfolg am Fernseher mitverfolgt. Ich freute mich mit ihnen und schrieb eine gute Prüfung.

Der Herr wird's schon wissen
Zwei Wochen später ging es los. Ich bekam Post von RTL. Es war eine Einladung nach Köln zur zweiten von insgesamt fünf „10-er-Shows". Eine Woche vollgepackt mit Interviews, Stage-Training, Gesangstraining, Interviewterminen, Klamotten aussuchen. Einfach super aufregend! In einer der wenigen ruhigen Minuten dachte ich über das nach, was in den letzten Wochen in meinem Leben passiert war. Ich hatte es wirklich sehr weit gebracht und stand jetzt kurz vor einem völlig neuen Lebensabschnitt. Ich dachte nach, auch über mein Studium und bekam ein wenig Wehmut. Ich hatte drei Jahre investiert und stand kurz vor dem Abschluss. Wenn ich jetzt ins Finale komme, dann kann ich mir auch den nachträglichen Prüfungstermin abschminken. Bei meinem BA-Studiengang konnte man auch nicht einfach ein Semester aussetzten und irgendwann dranhängen. Entweder man zieht die 3 Jahre durch, oder man steht mit nichts da. Was ist, wenn ich nicht so erfolgreich werde, wie ich es mir vorgestellt hatte? Es wäre schon wichtig einen Abschluss zu haben. Naja, dachte ich, der Herr wird's schon wissen. Und dann war er da, der Tag der Entscheidung. Ich kam als 6. Kandidat an die Reihe, mit meinem Lied „Your Song" von Elton John. Bevor ich auf die Bühne kam, wurde ein kurzer Einspieler gezeigt, um mich den Leuten vor den Fernsehgeräten etwas näher zu bringen. Als ich den Trailer sah, traf mich fast der Schlag. Es war nur von Gott und meinem Glauben die Rede! Ich glaube an Gott, ich glaube dass es Gott gibt, ich glaube, dass es sein Wille ist, wenn ich ins Finale komme… Gott, Gott, Gott! Wie peinlich! Ok Jesus, wir hatten da zwar was vereinbart und ich hatte ja auch vor irgendwie Zeugnis zu geben, aber so doch nicht! Meine Güte, da sehen 4 Millionen Menschen zu! Wie kannst du mich in eine so peinliche Lage bringen? Der Trailer war zu Ende und die Kamera wurde auf mich gerichtet: Ich spürte förmlich die Blicke der Zuschauer auf mir. Ich war entblößt! So ähnlich mussten sich auch Adam und Eva nach dem Sündenfall gefühlt haben. Die ganze vermeintlich coole Fassade bröckelte. Das darf nicht war sein, dachte ich. Für diesen Trailer wurde ich über eine Stunde interviewt und denen fällt nichts Besseres ein, als über meinen Glauben zu berichten! Ich hatte doch im Interview auch gesagt, dass ich ein guter Fußballer war, dass ich David Beckham gut finde und dass ich ganz gut bei den Mädels ankam. Alles hätten sie bringen können, aber doch nicht das!!! Hätte es eine Ritze im Studioboden gegeben, ich wäre Hundertpro reingekrochen. Und jetzt sollte ich rausgehen und singen. Ich machte mich mit wackelnden Knien auf die Bühne. Ich hatte mich so gut gefühlt und jetzt das. Da war plötzlich ein Stempel in Fischform auf meiner Stirn - für alle sichtbar!

Das Playback wurde abgefahren und ich begann zu singen - mit einem großen Kloß im Hals! Ich versuchte mein Bestes, aber irgendwie war nichts zu machen. Der Auftritt war versaut! Ich bekam zwar noch ganz ordentliche Kritiken von der Jury, aber ich war meilenweit von der Leistung der Generalprobe entfernt. Nachdem alle Kandidaten vorgesungen hatten, wurden die Zuschauer eingeladen für ihren Favoriten anzurufen. Nach einer Stunde, die mir wie hundert Jahre vorkam, war das Ergebnis da: Ich hatte es nicht in das Finale geschafft. Meine Stimmung war am Boden. Ich war abgestempelt als Fanatiker, was eh schon peinlich genug war, und dann noch diese, wie ich fand, erbärmliche Leistung. Ich hatte es echt versiebt. Meine Enttäuschung kannte keine Grenzen. Sollte es wirklich jetzt vorbei sein? Nein, das konnte nicht sein. Vielleicht muss ich tatsächlich erst meinen Abschluss machen, jetzt hatte ich ja die Gelegenheit dazu. Und plötzlich keimte wieder so was wie Hoffnung in mir auf. Es gab ja noch die Runde der besten Verlierer! Ja klar, dachte ich, das macht ja Sinn: Ich muss tatsächlich erst meine Prüfungen zu Ende bringen. Jesus gibt mir jetzt die Möglichkeit mein Studium abzuschließen. Ich war in den vergangenen Castings immer als einer der letzten in die nächste Runde gekommen, warum sollte es jetzt also anders sein?

Jesus, bitte gib mir noch eine Chance

Stefan während seines Zeugnisses beim Jugendfestivals in Medjugorje

Was mir etwas zu schaffen machte war, dass es mir so unendlich peinlich war, als alle erfahren hatten, dass ich bekennender Christ war. Jesus hatte mir für einen kleinen Augenblick gezeigt, was es bedeutet, für ihn Zeugnis abzulegen, und ich spürte, wie sehr mich die Ablehnung der Welt schmerzte. Ich war darauf überhaupt nicht vorbereitet gewesen. Ich begriff, dass das mit dem Zeugnis geben gar nicht so einfach war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Etwas nachdenklich machte ich mich auf den Heimweg. Ich hatte beides nicht erreicht: Glaubhaft Zeugnis zu geben und gut zu singen. Ich nahm mir also vor, wenn es diese zweite Chance für mich geben sollte, dann will ich die nutzen. Bitte Jesus gib mir noch eine Chance. In den darauf folgenden drei Wochen schrieb ich meine Prüfungen nach und konnte das Kapitel BA abschließen. Ich war jetzt Diplom Betriebswirt (BA), mit einer 1,1 in der Diplomarbeit und hatte meinen Abschluss in der Tasche.

Dann kam der Tag der Entscheidung. Alle übriggebliebenen Kandidaten wurden in die Letzte 10-er–Show eingeladen, mit der Bitte, gleich Gepäck für eine weitere Woche mitzubringen, falls man nochmals die Chance bekam, sozusagen durch die Hintertür, ins Finale zu schlüpfen. Am Ende der Sendung wurde eine Liste derer vorgelesen, die nochmals eine Woche bleiben durften. Als mein Name vorgelesen wurde, flippte ich fast aus. Ich hatte tatsächlich noch einmal die Möglichkeit bekommen, ins Finale einzuziehen. Das konnte kein Zufall mehr sein. Ich bekam tatsächlich die zweite Chance, und jetzt hatte ich auch meinen Abschluss in der Tasche. Perfekt! Danke, lieber Gott!  Voller Euphorie startete ich in die Vorbereitungswoche. Auch zu Hause wurde nochmals die ganze Fangemeinde aktiviert und eine Fanparty für den entscheidenden Samstag organisiert. Alles schien gut zu laufen. Ich suchte mir einen Song von Sasha aus. Dieses Mal war alles ein wenig anders, wir hatten Live-Publikum im Studio, wurden von einer kleinen Live-Band begleitet und nicht wie in der ersten Runde „nur" aus der Konserve. Alle Kandidaten fieberten dem Tag der Entscheidung entgegen, fest entschlossen diese letzte Chance zu nutzen, um in die großen Mottoshows einzuziehen. Alle sangen um ihr Leben. Meine Kritik war durchwachsen. Naja was soll's, dachte ich, schließlich entscheidet ja das Publikum. Ich wollte unbedingt in das Finale, und ich war auf dem besten Weg dorthin. Dann wurden die Leitungen geschlossen und kurze Zeit später kamen die Ergebnisse der Telefonabstimmung. Ich hatte die Augen geschlossen. Der erste Name fiel und es war.. Gunther! Großer Applaus. Er hatte echt eine tolle Stimme und es auch verdient. Dann der zweite und letzte Name… Philippe. Ja, Philippe war auch super, aber das war doch mein Platz. Hatte ich mich verhört? Es müsste doch eigentlich Stefan heißen. Hallo? Was war denn hier passiert? Doch so langsam wurde es Gewissheit: Ich war ausgeschieden - Zentimeter vor dem großen Erfolg. Es lief doch alles wie geschmiert, und jetzt? Aus und vorbei! Finito! Ich konnte meine Enttäuschung kaum zurückhalten. Äußerlich wirkte ich relativ gefasst, aber innerlich brach gerade eine Welt zusammen. Der Traum Superstar war zu Ende! Ich war maßlos enttäuscht und vor allen Dingen haderte ich mit Gott. Ich konnte es nicht ertragen, dass ich jetzt wieder zurück in den normalen Alltag musste. Ich schrie ihn an: „Toll hast du das gemacht, du da oben! Kannst du mir vielleicht erklären was das soll? Ich hab dir doch gesagt, du sollst mich gleich rausfliegen lassen wenn es nicht mein Weg ist und jetzt lässt du mich so weit kommen, öffnest mir alle Türen und kurz vor meinem größten Traum lässt du die Seifenblase platzen. Ich war so kurz davor, aber du gönnst es mir ja vermutlich nicht, dass ich glücklich werde und meine Träume in Erfüllung gehen. Toller Gott!"

Jetzt war ich also wieder in der harten Realität angekommen. Der Traum von großen Konzerten, Stretch-Limosinen, Millionen auf dem Konto und Star-Rummel war vorbei. Ich war kein Superstar, sondern wieder ein stinknormaler 24-jähriger Diplombetriebswirt der absolut keinen Lust auf irgendeinen langweiligen Bürojob hatte. Aber irgendetwas musste ich ja tun. Ich begann also Bewerbungen zu schreiben. Irgendwelche Firmen, völlig egal. Ich bekam eine Absage nach der anderen. Naja, ich hatte mir nicht wirklich Mühe gegeben. Es war mir wirklich zuwider, irgendeine gewöhnliche Arbeit zu machen. Aber irgendwie musste ich ja auch mal anfangen Geld zu verdienen. In dieser nicht gerade einfachen Situation unterhielt ich mich mit meiner Mutter. Sie fragte mich, wie es mir denn so gehe, und nebenbei erwähnte sie, dass sie sich auf eine Wallfahrt angemeldet hatte. Seit einigen Jahren pilgerte sie nach Medjugorje, und sie fragte mich, ob ich mir vorstellen könne mitzukommen. Ich? Pilgerfahrt? Klar, sagte ich, mach ich ne Pilgerfahrt. Mit Schrecken erinnerte ich mich an meine bislang einzige Wallfahrt, die ich mit 13 Jahren gemacht hatte. Damals wurde ich von meiner Mutter mitgeschleppt. Diese Fahrt war der reinste Horror. Lauter irgendwie verstrahlte Superkatholiken, die mir mit ihrer Marathon-Rosenkranzbeterei mächtig auf den Geist gingen. Ich stellte mich quer, wo immer ich konnte. Diese Fahrt war weder für mich, noch für meine Mutter ein Vergnügen gewesen. Und jetzt sollte ich wieder so eine Pilgerreise machen? Nie im Leben. Vor allen Dingen war ich immer noch mächtig sauer. Gott gönnte mir anscheinend weder den Erfolg als Superstar, noch stand offensichtlich ein anderer Beruf, auf den ich mich bisher beworben hatte, auf seinem Vorsehungszettel. Ich lehnte also dankend ab. Aber irgendwie begann etwas in mir zu arbeiten, und meine Mutter ließ auch nicht locker. Immer wieder fragte sie mich, nicht aufdringlich, aber doch konstant lästig, ob ich nicht vielleicht doch mitkommen möchte.

Auf dem Weg nach Medjugorje

Stefan mit einer Gruppe Jugendlicher beim Jugendfestival 2008

Nach und nach spürte ich, dass es vielleicht doch gar keine schlechte Idee wäre, so eine Fahrt zu machen. Ich wusste tatsächlich nicht, wie es weitergehen sollte. Vielleicht sollte ich Gott noch mal eine letzte Chance geben mir zu zeigen, wie es denn weitergehen sollte. Und insgeheim war ich auch neugierig darauf, an einen Ort zu kommen, an dem angeblich die Muttergottes erscheint. Irgendwann gab ich dann dem Drängen meiner Mutter nach und sagte meine Teilnahme an der Fahrt zu. Wie ich feststellte, freute sich nicht nur meine Mutter über diese Zusage, sondern auch die Pilgerleiterin Frau Schwarz aus Radolfzell am Bodensee. Sie war nämlich noch händeringend auf der Suche nach einem Musiker gewesen, der mit der Gitarre den Lobpreis im Bus begleiten konnte. Na das konnte ja heiter werden. Mut machte mir die Tatsache, dass offensichtlich auch sehr viele junge Leute nach Medjugorje pilgerten, und ich vielleicht doch nicht der einzige Mensch auf der Welt war, der freiwillig und unter 25 eine Wallfahrt machte. Diese Hoffnung wurde jäh zerstört, als ich in Radolfzell den Bus betrat. Von wegen junge Leute. Der jüngste Teilnehmer nach mir - war meine Mutter! Na Bravo! Volltreffer! Auf was hab ich mich da bloß eingelassen. Wie gesagt, beten war für mich immer eine Privatsache gewesen, bloß nicht in der Öffentlichkeit. Und jetzt saß ich auf einmal in einem Bus mit lauter Profi-Betern, die den Rosenkranz vermutlich sogar Rückwärts beten konnten. Ich wollte nach Hause! Dummerweise hatte ich vor der Fahrt das Versprechen abgelegt, offen zu sein. Ich versprach, alles über mich ergehen zu lassen, wenn er mir nur zeigen möge, wie es weitergehen soll. Also versuchte ich, diese Situation, so gut wie möglich, zu ertragen. Wir waren keine halbe Stunde unterwegs, da ging es auch schon los. Rosenkranz! Da ich vorne in der ersten Reihe saß war es nur eine Frage der Zeit, bis ich das Mikro zum Vorbeten in die Hand gedrückt bekam. Oh mein Gott, schon wieder so eine peinliche Aktion, hört das denn nie auf, dachte ich. Doch es kam noch schlimmer: Lobpreis! Noch nie in meinem Leben hatte ich irgendetwas von Lobpreismusik gehört, geschweige denn jemals solche Lieder gespielt. Und jetzt hatte ich ein „Singe Jerusalem" vor mir, und sollte die Stimmung im Bus mit meiner Gitarre anheizen.

Was für eine Karriere!
Ich fing an zu spielen und irgendwie funktionierte es sogar. Nach dem zweiten, dritten Lied gingen meine Mitpilger im Bus sogar richtig ab: Hände nach oben, klatschen und so. Yeah,  ich rockte den Bus! Gerade als es anfing sogar richtig Spaß zu machen, wurde ich mir plötzlich meiner Lage bewusst. Wir fuhren gerade durch irgendeine Stadt, mit schönen Straßencafés und einer Menge Menschen auf der Straße. Ich saß ganz vorne in einem 5- Sterne Reisebus mit einer 5-Sterne Frontscheibe und die Leute auf den Straßen hatten freie Sicht auf die Szene, die sich im Bus abspielte. Ich vorne mit meiner Gitarre, und hinter mir 'ekstatische' alte Menschen, die Halleluja und Hosianna riefen. Meine Güte, wie peinlich war das denn?! Vor einigen Monaten hatte ich noch von Millionen von Menschen gesungen, war auf dem Weg ein gefeierter Star zu werden, und jetzt saß ich hier mit meiner Klampfe und begleitete als Chefanimateur einen Pilgerbus nach Medjugorje. Was für eine Karriere! Doch auch das ging vorüber, und mit der Zeit verschwendete ich auch keinen Gedanken mehr daran. Einfach Augen zu und durch. Nach und nach begann ich mich auch mit meinen Mitpilgern zu unterhalten und erstaunlicherweise waren die gar nicht so komisch, wie ich zu Beginn gedacht hatte. Die waren sogar ziemlich nett und man hatte das Gefühl, dass sie wirklich an mir als Person interessiert waren.

Silencio - Stille: Die Antwort auf meine Fragen

Wir näherten uns unserem Ziel: Medjugorje! Ich war gespannt. Erschien hier tatsächlich die Muttergottes? Wir fuhren auf den Parkplatz, und ich konnte die Kirche sehen. Ich stieg aus dem Bus aus, es war genau 20 vor 7. Ich hörte aus dem Lautsprecher noch die Worte „Silencio", „Silence please" und dann war Stille. Bis heute weiß ich noch nicht genau, was in diesem Augenblick mit mir geschah. Aber ich fing plötzlich an fürchterlich zu weinen, vergrub mein Gesicht in meinen Händen und lief vom Bus weg. Niemand sollte sehen, dass ich weine. Was passierte hier?, dachte ich. Ich fand keine Worte, aber ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es kam einfach über mich und ich hatte keine Chance etwas dagegen zu tun. Ich fühlte mich wie der verlorene Sohn, der voller Freude, aber auch voller Reue, in die barmherzigen Arme seines Vaters lief. Unbeschreiblich! Ich war zu Hause angekommen, 1500 Kilometer von meinem Zuhause entfernt! Auf einmal war mir klar, dass Gott mich liebte, so wie ich war. Ich musste gar nichts Besonderes dafür leisten. Ich hatte mich einfach nur auf den Weg gemacht ihn zu entdecken und das, was ich geschenkt bekam, war überwältigend. Ich spürte, dass hier der Platz ist, wo ich die Antworten auf meine Fragen und auf all mein Suchen finden würde. Seit langem hatte ich einmal wieder das Bedürfnis zu Beichte zu gehen. Ich spürte, dass da einiges ins Reine gebracht werden musste. Als ich fertig war, und der Priester mir die Lossprechung erteilte, fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Am liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt. Da gerade nur meine Mutter greifbar war, fiel ich ihr um den Hals. Ich konnte ihr gar nicht sagen, wie dankbar ich war, dass sie mich hier hergebracht hatte.

Ich fasste den Entschluss meine Zukunft der Muttergottes in die Hände zu legen. Ich betete: „Bitte stell mich an den Platz, an dem du mich haben willst. Zeig mir den Ort, wo ich für dich wertvoll sein kann, wo du mich gebrauchen kannst." Mit diesem Gebet verabschiedete ich mich von Medjugorje. Ich spürte, dass das, was ich hier erlebt hatte, einen Wendepunkt in meinem Leben darstellte. Kurze Zeit danach bekam ich ein Jobangebot einer Marketingagentur in Stuttgart. Ich sagte zu und freute mich auf die neue Aufgabe. An meinem ersten Arbeitstag kam meine neuer Kollege Thomas auf mich zu und begrüßte mich mit den Worten: „Hallo Stefan, hab gehört du warst im Urlaub. Wo warst du denn?” „Ähm…, ich war in Bosnien-Herzegowina.” „Aha”, sagte er etwas erstaunt, „und was macht man da so? Ok, es war Zeit die Wahrheit zu sagen: „Ich hab ne’ Pilgerfahrt gemacht”, sagte ich. „Ach warst du in Medjugorje?”, fragte er auf einmal ganz erfreut. „Ja”, sagte ich, ziemlich erstaunt, “ich war in Medjugorje. Kennst du das etwa?”. „Klar”, sagte er mit einem lachenden Gesicht. „ich war auch schon da, zusammen mit meinem Zwillingsbruder, der auch hier in der Agentur arbeitet!” Das war ja der Hammer. Ich hatte tatsächlich eine Arbeitsstelle gefunden, wo ich mich mit Kollegen ganz ungeniert und zwanglos über meinen neu entdeckten Glauben austauschen konnte. Was für ein Geschenk! In den folgenden Monaten konnte ich vieles für meine berufliche Zukunft lernen. Doch schon nach einem halben Jahr musste ich mich nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Mein Vertrag konnte nicht verlängert werden, da kurz zuvor ein großer Kunde einen Auftrag zurückgezogen hatte. Das bedeutete: Es waren keine finanziellen Mittel für eine Weiterbeschäftigung da. Also musste ich mich erneut bewerben.

Am Ziel angekommen

Stefan mit seiner Verlobten und zukünftigen Ehefrau Anna-Elisabeth

Eine der Bewerbungen ging auch an Radio Horeb. Kurze Zeit später wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich weiß noch genau, als ich im Besprechungszimmer saß, und Pfarrer Kocher zu mir sagte: „Sie wissen sicher, dass Radio Horeb zu einem weltweiten Evangelisationswerk gehört. Unser Sender hätte eigentlich einen anderen Namen. Alle Radios unserer Weltfamilie heißen Radio Maria”! Das konnte nicht wahr sein. In Medjugorje hatte ich den Wunsch geäußert, mich für die Muttergottes einsetzen zu wollen und jetzt stand ich in der Zentrale ihres Radios. Deutlicher ging es kaum. 2 Monate später bekam ich die Zusage für die Stelle als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, die ich nun schon seit Januar 2005 ausüben darf. „Unsere Wege sind nicht seine Wege". Das durfte ich am eigenen Leib erfahren. Heute kann ich sagen, ich bin glücklich im Weinberg des Herrn mitarbeiten zu dürfen. Gott verlangt nichts Besonderes von uns, damit wir Frucht bringen können. Eigentlich möchte er nur unser einfaches, wenn auch zugegebenermaßen nicht immer ganz leichtes „JA".

Als ich in diesem Jahr die Anfrage bekam, ob ich mir vorstellen könnte, beim Jugendfestival Zeugnis zu geben, wusste ich, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, etwas zurück zu geben. In dem Moment als ich auf der Bühne stand, erinnerte ich mich wieder an den Spruch eines jungen Mannes, mit dem ich kurz nach meiner Umkehr gesprochen hatte. Er sagte: "Stefan, ich kann dir eins garantieren, wenn du dich mit Jesus auf den Weg machst, das kann ich dir versprechen, dann wird es nie langweilig." Und dort oben auf der Bühne zu stehen, war alles andere als langweilig! Ich hatte vor meiner Bekehrung immer davon geträumt, ein großer Musikstar zu werden und vor Tausenden von Menschen zu singen. Und jetzt stand ich tatsächlich auf einer großen Bühne vor 40.000 Menschen. Aber nicht, um mich feiern zu lassen, sondern um Zeugnis für Jesus abzulegen und für ihn zu singen. Großartig! Gott weiß um unsere Sehnsüchte und Wünsche und er nimmt sie ernst, aber zuerst muss er sie von allem Egoismus reinigen. Erst dann kann unser Tun fruchtbar werden für viele.

Quellennachweis: Zeitschrift "medjugorje aktutell"

Video und Interview

Videoaufnahme über Kathtube und Interview mit Pfr. Gratzer während des Jugendfestivals 2008 können Sie hier ansehen.