Predigt von Luigi Pezzuto, Apostolischer Nuntius von Bosnien und Herzegowina

Liebe Brüder und Schwestern,

als Jesus in der Synagoge lehrte, staunten die Menschen, nahmen aber Anstoß an anderen Dingen und lehnten Ihn ab. Jesus wurde in Nazareth verfolgt und abgelehnt, aber das ist auch heute für viele Menschen auf der ganzen Welt der Fall. Was war der Grund der Empörung in Nazareth? Die Nazarener verstanden Jesu Weisheit und Wunder. Aber woher hatte der Sohn des Zimmermanns dies? Jesus sollte als der Sohn Josefs auch der Sohn Gottes sein? Das konnten die Nazarener nicht glauben. Johannes der Täufer wurde ebenfalls verfolgt und abgelehnt. Deshalb ist er in allem der Vorläufer Jesu. Die Ablehnung erfolgte, weil beide die Stimme und Zeugen der Wahrheit verkörperten.

Liebe junge Menschen, bei Johannes und Jesus zeigt sich die Spitze der Ungerechtigkeiten, die heute in der ganzen Welt passieren.
Die Wahrheit gefällt oft nicht; auch nicht Herodes zu Zeiten von Jesus. Auch den Nazarenern und Pharisäern gefiel er nicht. Sie hielten Ihn für einen religiösen Revolutionär; für die Re-Inkarnation vergangener Propheten.

Kurz gesagt: Johannes und Jesus hatten das gleiche Schicksal, weil sie beide Durst nach Gerechtigkeit und Wahrheit hatten. Dies soll auch für euch in der heutigen Zeit gelten – daran darf nicht gerüttelt werden.
In beiden Fällen werden Unschuldige verfolgt und der wahrhaft Schuldige ist sogar befugt, über beide zu entscheiden. So gilt dies auch heute, indem ihr fragt: Wo ist Gerechtigkeit? Wo ist das Gesetz? Ich antworte euch und frage: Wo ist der Mensch? Gott ist da. Das Gesetz, wenn es gerecht ist, hat seinen Ursprung in Gott. Aber wo ist der Mensch? Erinnern wir uns an „Er kam in Sein Eigentum und die Seinen nahmen Ihn nicht auf“ (Joh. 1, 11). Heute sind wir „die Seinen“. Aber wie sollen wir Ihn erkennen, annehmen und verkünden in dieser Welt? Daraus ergibt sich für uns die Bedingung und die Notwendigkeit, Zeugnis zu geben und die Verschleierung der Wahrheit aufzudecken. Vielleicht spielt der Papst in seinem Brief darauf an.

In der Tat hat Jesus Seine Zeitgenossen getroffen. Wer ist Jesus? Diese Frage gilt damals wie heute. Wie viele Meinungen gibt es über Jesus? Aber damals wie heute ist es nicht einfach, Ihn anzunehmen. Das liegt in Seiner Sohnschaft Gottes.

In Wirklichkeit liegt das Problem nicht bei Jesus, sondern bei uns. Wir sollten Ihn nicht in Frage stellen, sondern uns von Jesus fragen lassen. Lassen wir zu, dass er uns fragt: „Wer bin ich für dich?“ „Wieviel Platz habe ich in deinem Leben?“ „Wieviel bedeute ich dir?“ Auch hier braucht Jesus keine zusätzliche Meinung, sondern dein Herz – es kann zur Wiege Gottes werden! Jesus möchte in dir leben, so dass dein Leben ewig lebendig ist! „Wer bin ich für dich?“ – Dieses für dich besagt, dass Jesus jeden von uns mit Namen anspricht. Je mehr Jesus in unser Leben eintritt, umso mehr sind wir lebendig.

Der gleiche Weg gilt auch für unsere Beziehung zur Seligen Jungfrau Maria. In dieser Hinsicht würde ich nicht vorschlagen, dass ihr viel zur Muttergottes betet, um Ihren Schutz zu erhalten; sicher auch das.
Die wahre Hingabe an Maria versucht jedoch, etwas Größeres zu erlangen:
Es ist eine Gnade, dass wir Sie in unserem Leben und mit Ihrer als Gläubige und Jüngerin freudvollen, freien und starken Art und Weise, die uns zweifellos zu Jesus führen wird, annehmen können.

Maria wird uns ohne Zweifel zu Jesus führen. – Amen.

Luigi Pezzuto, 01. August 2020

Quelle: Live aus Medjugorje.