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Zeugnis von Hubert Liebherr

Hubert Liebherr, Sohn des Großunternehmers Liebherr -bekannt in der Bauwirtschaft durch Kräne und Baumaschinen-, hat sich nach mehreren tiefen religiösen Erlebnissen entschlossen, sein Leben ganz Gott zur Verfügung zu stellen.

Die Familie, in die ich hineingeboren worden bin, ist bekannt durch die Baumaschinen und Kühlschränke der Firma, die nach dem Krieg von meinem Vater aufgebaut wurde. Wir sind gläubig erzogen worden, katholisch, aber als ich mit 13 Jahren ins Internat kam, begann das Ganze zu bröckeln. Dann kamen die 68er-Jahre, wo ich geistig, zumindest am Rande, mit angesteckt wurde. Ich glaube, ich hatte den Herrn aus meinem Herzen verdrängt. Der Unfall. Mein Weg zurück zu Gott begann mit einem Autounfall im Jahr 1981. Die beiden Unfallautos waren stark beschädigt, aber wir zwei Fahrer waren völlig unverletzt geblieben. Das war 50 Meter von einer Kapelle entfernt passiert, aber erst ein Jahr später entdeckte ich, daß dort eine Kapelle steht. Durch diese Kapelle, in die es mich nun immer wieder hineinzog, begann ich mich für Gott wieder zu öffnen. Aus Dankbarkeit habe ich dann einmal der Muttergottes versprochen, daß ich am 70. Jahrestag ihrer ersten Erscheinung von Fatima sie dort besuchen kommen werde.

Beeindruckendes Fatima

Gemeinsam mit mein Schulfreund Albrecht Graf Brandenstein-Zeppelin habe ich dann im Mai 1987 die für mich erste persönliche Wallfahrt gemacht; mit dem eigenen Flugzeug sind wir nach Lissabon geflogen und mit dem Mietwagen nach Fatima gefahren. (Später gab uns der liebe Gott aber noch genügend Gelegenheit, auch zu Fuß Wallfahrten zu machen!) Und diese erste Wallfahrt, die war für mich so beeindruckend, weil man dort sehen konnte, wie die Menschen glauben können. Als die vielen Einheimischen mit ihren weißen Tüchern der Statue zuwinkten, die in einer feierlicher Prozession vorbeigetragen wurde, da dachte ich mit Sehnsucht: So würde ich auch gerne glauben können! Auf dem Rückflug frägt mich mein Freund, ob ich Medjugorje kenne, und ich sagte, nein, was ist denn das - Medjugorje -, dieses Wort habe ich noch nie gehört? Da sagt er, ja, das sei ein Ort in (damals) Jugoslawien, wo jetzt in unserer Zeit, also 1987, die Muttergottes täglich vier jungen Menschen erscheint. Und sofort hatte ich eine Sehnsucht in meinem Herzen, dorthin zu gehen. Ich dachte, was mache ich in Fatima, wo sie vor 70 Jahren erschienen ist, wenn sie heute in diesem Medjugorje erscheint; und sofort habe ich mich entschieden, nach Medjugorje zu kommen.

Zum ersten Mal in Medjugorje

Die Gelegenheit, Medjugorje zu besuchen, ergab sich zum Jahrestag im Juni 1987. Dieser erste Besuch - war eine einzige Enttäuschung für mich. Das lag einfach daran, daß meine Erwartungen riesengroß waren. Ich dachte, wenn ich jetzt komme, aus Deutschland, als junger Unternehmer, mit dem eigenen Flugzeug, mir endlich ‘mal Zeit nehme für Gott - also ein kleines bis mittleres Wunder hätte ich schon gerne gehabt; aber es war nichts - gar nichts! Ich war enttäuscht. Dann vor der Abendliturgie, auf der Wiese neben der Kirche, wo damals die Beichten gehört wurden, da schau´ ich so zu, und auf einmal wird mir schlecht. So etwas passiert mir sonst nie - und da wird mir schlecht! Und das, denke ich, das soll ein Gnadenort sein - wo mir schlecht wird! In diesem Moment, da wäre ich wahrscheinlich abgereist; aber da fiel mir etwas ein, was ich vor langer Zeit in einer Kirche einmal gemacht habe, was nicht gut war. Also das, dachte ich, das mußt du beichten, Hubert! Aber hier, öffentlich vor allen, das war nicht möglich. Ich dachte: Wenn da einer steht, der dich kennt und der dich beobachtet, wie du da hinläufst! So nahm ich mir vor, am Samstag darauf beichten zu gehen, wenn ich wieder zurück in Deutschland sein würde. - Aber es wird nicht besser, ich bekomme so einen Klotz im Hals, ich konnte nimmer schlucken, der Brechreiz war fast überwältigend. Ich dachte, jetzt muß ich ganz schnell weg, weil es war ja voll mit Menschen um mich herum. Ich mußte einen Umweg gehen, zuerst nach vorne, dann rechts rüber, und ich lauf los - und in dem Moment kommt von links ein Priester und macht seinen Klappstuhl auf, setzt sich hin und stellt das Schild "Deutsch" davor. Und das - ja, das muß die Gnade Gottes gewesen sein, die mich in jenem Moment auf die Knie zog, ja, wo ich innerlich spüren durfte - soweit man das eben als Mensch spüren kann -, wie sehr ich Gott beleidigt habe dadurch, daß ich lange Zeit Ihn nicht mehr gesucht habe und nichts von Ihm wissen wollte. Ich habe "Rotz und Wasser" geheult bei dieser Beichte. Ich dachte, Gott werde mir nie verzeihen - ich kam mir einfach so schlecht vor. Aber nachdem der Priester die Lossprechungsworte gesagt hatte, ging es mir wieder gut und ich hatte das Gefühl in mir, Gott hat mir verziehen und Gott liebt mich trotzdem - egal, wie ich mich verhalten habe. Und das war dann wirklich ein großes Geschenk, das ich bei diesem ersten Besuch in Medjugorje bekommen habe; das Gefühl, Gott liebt mich trotz meiner Schwächen und meiner Fehler, und Gott hat mir verziehen.

Heimweh nach Medjugorje

Im Jahr 1987 mußte ich gleich ein zweites Mal nach Medjugorje kommen - das war einfach die Sehnsucht, wie so ein Heimweh -, diesmal wieder gemeinsam mit meinem Freund Albrecht. Nach drei erfüllten Tagen, auf der Heimfahrt, sagten wir: "Es ist eigentlich unglaublich, was die Muttergottes alles für uns tut! Und was tun wir für sie? Im Grunde gar nichts!" Da sagten wir beide spontan zueinander, also jetzt wollen wir einen Teil unserer Zeit einfach dem Himmel schenken - zur Verfügung stellen, um Medjugorje bekannter zu machen. Daraufhin sprachen wir überall, wo wir waren, über Marienerscheinungen; über Fatima, Lourdes, Medjugorje. Öfters sind wir auch ausgelacht worden, aber es waren immer mehr Menschen, die gefragt haben, wie denn so eine Wallfahrt abläuft, wie man untergebracht ist und solche Dinge, so daß wir dann ermutigt waren, im Frühsommer 1988 den ersten Pilgerflug nach Medjugorje zu organisieren. Wir charterten eine große Boeing und haben es der Muttergottes übergeben und gesagt, sie möge bitte dafür sorgen, daß sie auch voll wird. Sie wurde bis auf den letzten Platz voll!

Eine schwierige Situation

Damals wurden wir auch gebeten, in unserer Heimatstadt, in Biberach an der Riss einen Filmvortrag über Medjugorje zu halten. Mir selbst wäre das unangenehm gewesen, weil dort allein über 1.000 Menschen in unserer Firma arbeiten, aber der Albrecht hat das gerne übernommen. Doch am Tag vorher kam ihm etwas dazwischen in der Verwandtschaft. Er mußte verreisen, und so mußte doch ich das übernehmen. Es war mir unangenehm. Es war in der Stadthalle, für Sonntag abend war das geplant, und am Sonntag nachmittag kam mein Vater zu mir und sagte, ich solle das sein lassen. Mein Vater war auch gläubig (er ist 1993 verstorben), aber er sagte: "Damit machst du dich vor den ungläubigen Mitarbeitern lächerlich; du selber kannst deinen Glauben haben, aber nicht so öffentlich. Du kannst dir als Unternehmer nicht erlauben, nur von einem Teil der Mitarbeiter anerkannt zu sein und vom andern Teil der Mitarbeiter nicht, und außerdem ist es ja von der Kirche noch nicht anerkannt, usw. Also: Laß es!" - Das war für mich eine ganz schwierige Situation. Wie sollte ich mich verhalten? Nach dem Vortrag war ich dann wieder in dieser Kapelle und betete einfach, der Himmel möge mir zeigen, wie ich das in Zukunft verbinden kann, meinem Versprechen treu zu bleiben, aber daß auch mein Vater damit leben kann. Die Antwort bekam ich am Tag vor dem Abflug mit dieser ersten Pilgergruppe: Es war an einem Wallfahrtsort in der Nähe von Augsburg, in "Maria Vesperbild". Um 15 Uhr wird dort immer eine Pilgermesse gefeiert. Zehn Minuten nachdem diese heilige Messe begonnen hatte, überkam mich so ein Gefühl der Reue - ja, das ist schwer zu beschreiben. Es war ein schmerzhaftes Gefühl, wo ich wiederum spüren durfte, wie sehr ich Gott beleidigt habe dadurch, daß ich Ihn nicht gesucht habe. Ich begann zu weinen, was mir sonst nicht passiert in einer Kirche, und das ging so bis kurz bevor die heilige Kommunion ausgeteilt wurde. Da ließ es nach, ich ging nach vorne, und als die Hostie auf meiner Zunge war, begann es wieder. Es war so unangenehm für mich, weil ich wieder auf meinem Platz durch die ganze Kirche zurückgehen mußte. Nach der Messe wird dort regelmäßig ein Weihegebet an das Unbefleckte Herz Mariens gesprochen. Es war ein längerer Text, den ich nicht kannte, und ich habe auch gar nicht so richtig zugehört, weil ich mit mir selbst beschäftigt war. Aber auf einmal spüre ich in meinem Inneren: Jetzt kommt die Antwort, was ich tun soll! Meine Aufmerksamkeit war jetzt hellwach, und ich habe jede Silbe verfolgt, die da gesprochen wurde. Und dann kam diese Stelle aus der Heiligen Schrift, wo es heißt: Verlasse alles, was du bist und hast und folge mir nach! - Also, das hat mich irgendwie erschlagen. Das war zu abrupt, zu konsequent, zu vollkommen! Ich hatte an einen Kompromiß oder so etwas gedacht. Aber das wäre ja voll für die eine Seite. Ich sagte mir, nein, das kann ich nicht machen, ich kann nicht einfach davonlaufen, aus der Firma weggehen - nein, das pack´ ich nicht! Da fiel mir ein: Ja, morgen fliegen wir nach Medjugorje! - Durch dieses Beichterlebnis damals hatte ich ein gewisses Vertrauen zu Medjugorje und zur Muttergottes gefunden. Ich sagte: Muttergottes, wenn du es wirklich willst, gib mir bitte in Medjugorje noch einmal ein Zeichen - dann will ich mich entscheiden.

Segne mich, daß ich den Himmel finde

Am nächsten Tag sind wir mit ungefähr 100 Pilgern nach Medjugorje geflogen, haben die Quartiere belegt, usw. Und ich habe auch geschaut: siehst du was - an der Sonne, oder auf dem Berg, dem Kreuzberg, irgend ein Zeichen? Es war nichts an diesem Tag. Als ich abends zu Bett ging, war ich sehr traurig, weil ich mir dachte: Du hast dich getäuscht, du bildest dir das nur ein. - Für mich war das damit erledigt. Und am nächsten Tag, es war ein Sonntag, begann die deutschsprachige Messe um 9 Uhr mit dem Lied "Segne du, Maria, segne mich, dein Kind, daß ich hier den Frieden und dort den Himmel find´." - Und genau bei dem Wort "Himmel", ganz spontan, überkam mich wieder dieses Gefühl der Reue, es war plötzlich alles anders. Das Singen, die Stimmen um mich herum, der Klang war viel feiner, viel religiöser, viel schöner. Und ich hörte es nicht nur mit meinen beiden Ohren, sondern am ganzen Körper. Von allen Seiten drang dieses Singen mit diesen feinen Stimmen in mich, von links, rechts, oben, unten. Und in mir hatte ich das Gefühl, als würden jetzt alle Chöre des Himmels den Herrn lobpreisen - und ich als einziger Sünder bin mitten drinnen. Ich mußte mit dem Kopf auf die Erde, konnte ihn nicht erheben; und ich kam mir dabei so klein, so ekelhaft, so als ein Nichts vor, so unwürdig. Wenn ich gekonnt hätte, so hätte ich mich in die kleinste Ritze verkrochen - ich wollte nur weg! Das war für mich eine solche Dimension, die meine ganze Schwachheit irgendwie offenbarte. Zur heiligen Kommunion ließ das wieder nach, so daß ich sie empfangen konnte. Ich trat aus der Bank heraus, und wiederum: Als die heilige Hostie auf meiner Zunge war, begann es wieder. Ich mußte mit dem Kopf auf die Erde - ich kann das nicht anders beschreiben. Es war, als wäre der gesamte Himmel offen und alle würden nur auf mich herabblicken; und ich wollte nur weg, nur weg, nur weg! Nach dieser heiligen Kommunion, nach diesem Erlebnis gab es für mich überhaupt keine Frage mehr. Da konnte ich sagen, aus freiem Willen: Ja, ich werde alles verlassen, was ich bin und habe, und werde Dir nachfolgen. - Obwohl mir der Weg nicht aufgezeigt wurde, gab es keine Frage mehr für mich. Es war alles klar - die Entscheidung.

Rückgabe des Firmenanteils

Ich kam zurück nach Deutschland und ging zu meinem Vater und erzählte ihm alles. Ich sagte ihm, daß ich ab jetzt nicht mehr für ihn, sondern nur noch für die Muttergottes arbeiten möchte. Es war sicher nicht einfach für ihn, wie ich so plötzlich damit zu ihm kam. Zuerst konnte er es nicht annehmen. Es war ein vielleicht dreistündiges Gespräch. Ich wiederholte die Bitte immer wieder, und irgendwann sagte er: "Gut, du bist alt genug, du mußt selber wissen, was du willst. Wenn das dein Weg ist, dann geh´ ihn." In unserer Familie war damals der Vermögensübergang der ersten Generation unseres Vaters auf uns fünf Kinder, meine vier Geschwister und mich, bereits vollzogen. Jeder hatte ein Fünftel des gesamten Firmenvermögens vererbt bekommen. Und ich hatte in dem Moment das ganz klare Gefühl, daß es nicht korrekt wäre von mir, nicht fair, wenn ich meinen Anteil besitze, aber nichts dafür tue. Es ist nicht leicht, eine große Firma - es arbeiten dort heute fast 18.000 Mitarbeiter, 56 Gesellschaften auf der ganzen Welt - so eine große Firma zusammenzuhalten; meine Geschwister müssen auch sehr hart dafür arbeiten. Und so sagte ich zu meinem Vater, ich möchte ihm meinen Anteil wieder zurückgeben. Er fragte, wovon ich dann einmal leben will. Ich sagte, das weiß ich noch nicht, da ergibt sich sicher etwas. Er hat dann verpflichtend entschieden, daß von meinem Anteil (den jetzt meine Nichten und Neffen geerbt haben), meiner Frau und mir eine regelmäßige Zahlung zukommt aus diesem Vermögen heraus bis zum Lebensende, so daß unser Lebensunterhalt damit gesichert ist.

Konkretes Apostolat

Damals wurde gerade, zusammen mit meinem Freund Albrecht und noch fünf anderen, der Verein "Medjugorje Deutschland" gegründet, und hier bin ich seither ehrenamtlich dabei. Heute ist es meine Haupttätigkeit, Pilger nach Medjugorje zu begleiten. Im Grunde ist das etwas sehr Schönes, immer wieder Zeuge der Gnade Gottes sein zu dürfen und zu erleben, wie dort viele Menschen ihr Herz wieder öffnen können für Gott. Ich spüre, daß es eine tiefere Erfüllung ist als das, was ich vorher tun durfte. Baumaschinen braucht man, das ist gar keine Frage. Aber das, was ich heute tun darf, hat irgendwie eine viel weitere Dimension.

Weiteres Apostolat

Aus dem Verein "Medjugorje Deutschland" ging ein weiterer Verein hervor -  "Kirchen für den Osten e.V.". Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen in Osteuropa und Mittelasien auf konkrete und unbürokratische Weise zu helfen.

Wir verstehen unsere Arbeit als Beitrag zur Versöhnung der europäischen Völker christlicher Konfession und zum Aufbau eines geeinten, friedlichen Europas.

Das als gemeinnützig anerkannte Hilfswerk wurde am 17. Juni 1994 gegründet. Mit über 200 ehrenamtlichen Helfern aus dem ganzen Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz haben wir bis 1999 24 Holzkirchen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion errichtet. Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken für die Menschen in Mittel- und Osteuropa hat diese Aktion finanziell unterstützt.
Unsere vielfältigen Erfahrungen haben gezeigt, dass gerade ein Gotteshaus die Gemeinde neu belebt.

Bibel TV interviewt Hubert Liebherr zum Kirchenbau im Osten.