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Frieden des Herzens

von Sr. Hildegard Strittmater

Ein Fastenseminar in Medjugorje ist etwas Besonderes. In all den Fastenseminaren, die ich über die Jahre begleitet habe, konnte ich viele Gnaden sehen. Das größte Wunder geschieht in den Herzen - wenn die Menschen den Frieden und die Versöhnung finden.

Die Pfarrei Medjugorje wird von Franziskanern geleitet. Seit 1991 finden dort Gebets- und Fastenseminare statt, die von den Franziskanern organisiert werden. Diese Fastenseminare sind auf besondere Weise wichtig, sie führen in das Herz und die Tiefe der marianischen Spiritualität. Jesus selbst hat uns Fasten und Gebet als Herzstück der Bergpredigt gelehrt. Fasten und Gebet gehören zusammen, wie zwei Füße, auf denen man sicher steht und mit denen man gemeinsam gehen kann; sie sind unzertrennlich verbunden. In der Spiritualität der Königin des Friedens sind diese zwei Säulen ein wichtiger Bestandteil für einen tiefen Frieden des Herzens.

Gemeinsam das Fasten erleben
Das Ziel dieser Seminare ist nicht Fasten oder Stille- das Ziel ist Gott, sein Friede und seine Liebe! Das Fasten ist ein Gebet mit dem Körper und ein Weg, sich für Gott und Seine Liebe mehr zu öffnen. Durch die Fastenseminare können wir eine neue Erfahrung mit Gott in unserem Leib und unserem Herzen machen. Das Fasten erlaubt dem Herzen, sich zu öffnen, für seine Liebe in uns, um uns und auch in der Schöpfung. Dies alles erlaubt uns, aufmerksam in der Schule der Muttergottes zu sein: durch ein Leben mit dem Wort Gottes, der Eucharistie und den Sakramenten der Kirche.

Die Fastenseminare finden in verschiedenen Sprachgruppen im Exerzitienhaus "Domus Pacis" der Pfarrei Medjugorje statt. In einem einfachen, schlichten und familiären Geist bietet dieses Haus den Teilnehmern einen Ort der Ruhe und des Friedens. Die eucharistische Anbetung ist in der eigenen Hauskapelle Tag und Nacht für die Gruppe möglich.

In der Regel beginnen die Fastenseminare mit einem Abendessen und einer anschließenden Einführung. Während vier oder fünf Tagen fasten wir bei verschiedenen Brotsorten, Tee und Wasser. Wir lernen, mit Brot und Wasser einfach zu leben. Es gibt täglich zwei Vorträge, persönliche Zeiten der Erholung und gemeinsame Gebetszeiten in der Kapelle des Hauses. Dreimal am Tag fasten wir gemeinsam am Tisch. Dabei ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und "das Brot zu trinken und das Wasser zu essen." Diese Übung erleben die Teilnehmer in der Tiefe, denn es beruhigt, befreit von Stress und wird sehr heilsam erfahren für Körper, Psyche und Geist. Das Fasten am Tisch wird mit leiser Musik begleitet, um in der Gegenwart Gottes zu bleiben.

Den Ort Medjugorje mit der Pfarrkirche entdecken wir gemeinsam im Gebet und beim Besteigen der Berge: das Blaue Kreuz, das Friedenskreuz, den Erscheinungsberg und den Kreuzweg auf dem Kreuzberg. Jeden Tag bleiben wir beim Abendprogramm, das simultan übersetzt wird, in der Pfarrei, um mit den Pilgern aus aller Welt zu beten. Mit einem Erfahrungsaustausch und einem gemeinsamen Essen endet das Fastenseminar schließlich.

In der Schule Mariens
Pater Slavko Barbaric hat 1991 im November das erste Fastenseminar organisiert, wie im Archiv verzeichnet wurde, als gerade der Bosnienkrieg ausgebrochen war. Bis zu seinem Tod im November 2000, hat er diese Seminare organisiert und geleitet, und mehrere Jahre durfte ich ihm dabei helfen. Pater Slavko hat auf den dringenden Anruf der Königin des Friedens geantwortet, als sie im Juli und August 1991 besonders zu Gebet und Fasten aufgerufen hat, weil der Frieden auf besondere Weise bedroht sei. In der Botschaft vom 25. August 1991 sagte sie: "Ich rufe euch alle auf...dass ihr noch stärker betet und fastet. Ich rufe euch zur Entsagung für neun Tage auf, so dass mit eurer Hilfe alles verwirklicht werde, was ich durch die Geheimnisse in Fatima begonnen habe. "Im September rief sie uns alle eindringlich zum Gebet und zur Entsagung auf. Sie bat um unsere Mithilfe, damit ihr Unbeflecktes Herz in dieser Welt triumphieren kann. Im November 1991 sagte sie: "Ich möchte euch alle immer näher zu Jesus und seinem verwundeten Herzen bringen, damit ihr seine unermessliche Liebe begreifen könnt...

In all den Fastenseminaren, die ich über die Jahre begleitet habe, durfte ich die Wunder Gottes bestaunen und die vielen Gnaden sehen, die Teilnehmer bezeugen. Die größten Wunder geschahen immer in den Herzen der Menschen, wenn sie den Frieden und die Versöhnung gefunden hatten, wenn eine Erfahrung mit der Liebe Gottes gemacht wurde. Ich durfte körperliche und psychische Heilungen sehen, die durch die Versöhnung geschenkt wurden. Die Personen suchten nicht die Heilung, sondern sie suchten Gott, und die Heilung wurde ihnen unerwartet geschenkt. Wenn Sie den Wunsch haben, an einem Fastenseminar teilzunehmen, beten Sie um die Gnade des Fastens, denn aus eigener Kraft können wir es nicht erreichen. Die Gebets- und Fastenseminare sind eine wahre Quelle des Lebens in der Schule Mariens. Möge die Gnade des Friedens und der Versöhnung sich in unseren Herzen und in der ganzen Welt ausbreiten.

Hier finden Sie die deutschsprachigen Seminartermine

Zeugnis zweier Teilnehmer:
"Wir waren sehr glücklich, dieses Fastenseminar mit Pater Marinko und Sr. Hildegard in Medjugorje zu erleben. In meinem Herzen war schon lange dieser Wunsch, aber ich konnte nicht fasten. Das Rosenkranzgebet, die Beichte, die heilige Messe, ein bisschen Bibellesung, das war kein Problem aber das Fasten...! Diesen kleinen Stein habe ich einfach in die Barmherzigkeit Gottes gelegt. Ich hatte Sehnsucht, so ein Fastenseminar in Medjugorje zu machen - mit Seiner Hilfe und gemeinsam mit anderen. Im Gebet und in der Natur, mit der Gnade des Ortes, in der Anbetung, im Gehen und in der Stille...Die Stille war für mich schwieriger als das Fasten. Der dritte Tag war besonders schwierig, aber am Ende der Woche, am Freitagabend nach der heiligen Messe, während der Kreuzverehrung, erlebte ich eine so starke Begegnung mit Jesus in meinem Herzen, dass ich wirklich gerne wieder solch eine Fastenerfahrung machen möchte. Seitdem ist es mir möglich, auch bei mir zu Hause zu fasten. Es ist für mich eine Befreiung, eine geistliche Kraft und vor allem ist es eine Freude, dass ich unserer himmlischen Mutter, die uns bittet, für den Frieden zu fasten, helfen darf."
B. & R.

Quellenangaben: Feuer und Licht/268 im September 2018

Zeugnis

Kurz vor meiner Diakonenweihe kam ich nach Medjugorje und war dann nochmals bis zur Priesterweihe in Medjugorje tätig. In dieser Zeit habe ich Pater Slavko Barbaric kennen gelernt. Er hat mich sehr beeindruckt. Besonders das Fastenseminar bei ihm im Jahr 1995 vor meiner Diakonenweihe war für mich wichtig, weil ich in dieser Zeit in eine Krise geraten war.
Das Fastenseminar dauert sechs Tage. Das heisst, sechs Tage lang Fasten bei Wasser und Brot, wie es uns die Muttergottes sagt. Pater Slavko hat das Fastenseminar gegründet und damals selbst geleitet. Nach dem Fastenseminar habe ich zu ihm gesagt: "Pater Slavko, wenn ich schon am Anfang des Theologiestudiums so gefastet hätte und somit diese Erfahrung gemacht hätte, hätte ich ganz anders studiert." Er hat mir daraufhin geantwortet: "Dann fange jetzt damit an. Lass die Vergangenheit."
Pater Marinko Sakota, Ortspfarrer von Medjugorje

Fasten - Leben mit Brot

Bericht über die Fastenexerzitien der Mitarbeiter des Vereins "Medjugorje Deutschland"  in Medjugorje mit Pater Slavko Barbaric OFM

Liebe Kinder! Heute rufe ich euch auf: Beginnt mit ganzem Herzen zu fasten! Es gibt viele Leute, die Fasten, aber nur, weil alle Leute fasten. Es ist ein Brauchtum geworden, das niemand unterbrechen möchte ... Liebe Kinder, fastet und betet von Herzen! Danke, dass Ihr meinem Ruf gefolgt seid." (Botschaft v. 20. 9. 1984)

Seit Jahren ruft uns die Gospa nun schon zum Fasten auf, zum Fasten bei Wasser und Brot. Hier in Beuren versuchen wir seit vielen Jahren diesen Weg zu gehen. So, wie oben in der Botschaft angedeutet, ist es uns aber auch gegangen. Wir fasteten, aber die wahre Bedeutung des Fastens ist im Lauf der Zeit für uns verflacht, so dass man leicht eine Ausrede fand, warum man jetzt nicht so gut fasten könne, ein Butterbrot täte es ja auch, schließlich verzichte man immerhin auf ein richtiges Essen und dieser Ausreden gibt es noch viele ...
Vielleicht geht es dem ein oder anderen von euch an manchem Fasttag ebenso. Da wir jedes Jahr einmal gemeinsam Exerzitien machen, dachten wir uns, eine Auffrischung in Sachen Fasten bei Wasser und Brot täte uns sicher gut, und so war es naheliegend, einmal an einem  Fastenseminar mit Pater Slavko Barbaric teilzunehmen. Das hatte noch einen großen Vorteil: Das Seminar sollte in Medjugorje stattfinden - unserer zweiten Heimat!
Als wir nach einer langen Fahrt endlich in Medjugorje angekommen waren, erwartete uns, zu unserer Überraschung, ein absolut leckeres Abendessen.
Ab dem nächsten Tag sah es auf dem Tisch dann doch etwas anders aus... Pater Slavko erklärte uns, daß man in das Fasten erst hineinwachsen müsse. Fasten bedeute nicht hungern, sondern Leben mit Brot, um den Heiland in der Heiligsten Eucharistie besser zu erfahren.
Die Bibel spricht oft vom Brot. Gott sandte dem Volk Israel Manna während des Marschs durch die Wüste (vgl. Ex 16). Ein Engel brachte dem Propheten Elias Brot und einen Krug voll Wasser, als dieser vor Erschöpfung geschwächt war (vgl. 1 Kön 19, 5ff).
Die Praxis des Fastens bei Brot und Wasser ist sehr alt. Die Könige und Propheten forderten das Volk  immer wieder auf, gerade in Zeiten großer Bedrängnis zu fasten und zu beten, um dadurch Unheil abzuwenden. (vgl. Jona 3,7)
Auch Jesus hat über das Fasten gesprochen und er fastete selbst, z.B. 40 Tage in der Wüste. Die Muttergottes bittet uns zum Fasten am Mittwoch und Freitag. Das hat folgenden Grund: Am Freitag gedenken wir des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz und mittwochs, weil Judas an dem Mittwoch der Karwoche mit den Pharisäern die Abmachung traf, wann und für wieviel Geld er Jesus verraten würde. An diesem Tag fastet die Kirche aus demütiger Liebe zu Jesus.
Dies sind nur einige Punkte, die uns P. Slavko während der Fastenwoche nahebrachte.
Was uns während der Exerzitien, die von Gebet, Anbetung, Hl. Messe und Vorträgen, aber auch „freier Zeit" geprägt waren, besonders aufgegangen ist, war die Erfahrung, daß man beim Leben mit Brot auf wirklich gar nichts verzichten muß. Unser menschliches Denken ist sehr von den Dingen um uns herum in Beschlag genommen und auch das Essen nimmt einen großen Platz ein.
Während des Seminars wurde uns bewußt, daß man zum LEBEN gar nicht viel braucht. Schon ab dem zweiten Tag war es absolut kein Problem mehr, „nur" mit Brot zu leben, im Gegenteil.
Während des gemeinsamen Fastens lief im Hintergrund immer leise Musik und es wurde geschwiegen, damit wir uns vollkommen auf das Brot und  dessen Bedeutung in der Hl. Eucharistie konzentrieren konnten.
Wir erlebten, daß das Fasten große innere Freiheit schenkt und daß wir uns „frei von allen weltlichen Dingen" ganz auf das Gebet und dadurch auf Gott einlassen konnten.
Eine ganz wunderbare Erfahrung dabei war, daß wir absolut nichts vermißten. Im Gegenteil, in diesen Tagen ging es uns so gut wie selten zuvor.
Nachdem wir wieder nach Hause zurückgekehrt waren, fiel uns das Fasten viel leichter. Wir freuen uns darüber, dass wir an diesem so wertvollen Seminar teilnehmen durften und laden alle herzlich ein, doch auch einmal teilzunehmen.
Wenn man anfängt, die Botschaften der Muttergottes zu leben, und vielleicht gerade das Fasten einem größere Probleme bereitet, ist es wichtig, nicht gleich aufzugeben, sondern das Fasten in kleinen Schritten einzuüben. Dabei ist es, auch eine große Hilfe, die Muttergottes um Ihre Mithilfe zu bitten - das kann Wunder wirken.

Quellennachweis: Vereinszeitschrift "medjugorje aktuell" Januar 2000