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Der liebevolle Blick der Muttergottes sagt alles

Der liebevolle Blick der Muttergottes sagt alles

Jakov, du bist der jüngste Seher, du warst erst zehn Jahre alt, als dir die Muttergottes zum ersten Mal erschienen ist. Erinnerst du dich, wie du dich bei der ersten Erscheinung gefühlt hast und wie das alles deine Kindheit beeinflusst hat?
Das stimmt, als ich die Gospa zum ersten Mal gesehen habe, war ich erst zehn Jahre alt. Bald darauf war ich ein Waisenkind. Das war natürlich ein großer Verlust für mich, ein großes Leid, vor allem, weil ich noch ein Kind war. Aber Gott war immer da mit Seiner Liebe, und auch die Gospa war mit ihrer mütterlichen Liebe immer bei mir. Ich nahm das als den Willen Gottes an, als Gottes Plan für mich. Geistlich bin ich wie jeder andere Mensch gewachsen. Die Botschaften, in denen uns die Muttergottes einlädt, habe auch ich angenommen, und ich fragte mich, ob es möglich sein wird, sie zu verwirklichen. Von der ersten Erscheinung an habe ich die Gospa angenommen und sie als meine Mutter liebgewonnen; und wir wissen, dass man, wenn man jemanden als Mutter annimmt, bereit ist, alles für sie zu tun. Am Anfang war es sehr schwierig, aber ich bin geistlich gewachsen. Durch meine derzeitige Tätigkeit und mein freiwilliges Engagement im Verein „Hände Mariens“ kann ich sagen, dass ich sehr aufgebaut bin.

Kannst du uns genauer beschreiben, was du während der Erscheinung erlebst? Was ist für dich das Schönste?
Es ist schwer, das Gefühl, das man während der Erscheinung hat, mit menschlichen Worten zu beschreiben. So sagt es auch Mirjana immer: Wenn man mit der Gospa ist, ist man nicht auf dieser Welt, es ist, als wäre man in einer anderen Dimension, als wäre man im Himmel. Ich tauche ein in einen Frieden, in eine Freude. Was für mich das Schönste während der Erscheinung ist, das sind die Augen Mariens. Wenn ich diese Augen anschaue, sehe ich so viel Liebe in ihnen, und diese Liebe fühle ich gleichzeitig in meinem Herzen. Dieser Blick der Muttergottes sagt alles. Jetzt zum Beispiel habe ich viele Fragen, die ich der Gospa gerne stellen würde, aber wenn ich vor ihr bin, sind diese Fragen überflüssig. Dann verstehe ich viele Dinge allein dadurch, dass ich auf sie schaue. Durch den Blick in die Augen der Gospa bekomme ich Antworten auf alle Fragen, die ich stellen wollte.

Konntet ihr während der Erscheinung außer der Gospa noch jemanden sehen?
Am Anfang haben wir die Gospa oft in Begleitung von Engeln gesehen. Ich habe die Erscheinung jetzt jährlich, zu Weihnachten, dann kommt die Muttergottes immer mit dem kleinen Jesus. Das Jesuskind, das in ihrem Arm ist, habe ich eigentlich nie wirklich gesehen, weil es mit dem Mantel der Gospa zugedeckt ist.

Kannst du uns über deine Beziehung zu Pater Slavko Barbarić etwas sagen?
Über Pater Slavko brauche ich nicht viel reden; darüber, was er für Medjugorje bedeutet hat, wurde schon genug gesagt. Er ist bis zum heutigen Tag hier in Medjugorje gegenwärtig. Was meine Beziehung zu ihm betrifft, war er immer da; wenn irgendein Problem aufgetreten ist, konnte man sich immer auf ihn verlassen. Pater Slavko war nicht nur der geistliche Begleiter von uns allen, sondern auch ein guter Freund.

Jakov, kannst du uns etwas über den Verein „Hände Mariens“, der voriges Jahr gegründet wurde, und über seine Hilfe für die Bedürftigsten erzählen? Was sind die bisherigen Erfahrungen und welche Pläne gibt es für die Zukunft?
In meinem Herzen war der Wunsch, mehr für die Pfarrgemeinde, für unsere Brüder und Schwestern in Not zu tun. Ich spürte, dass ich es kann und dass ich mehr geben muss. Die Muttergottes sagt in den Botschaften oft: „Betet, und es wird euch von oben gegeben werden, was ihr tun sollt.“ Zu mir sprach Gott durch Pater Marinko Šakota, unseren Pfarrer in Medjugorje, der ein guter Freund aller Pfarrangehörigen, einschließlich mir ist. Ich sprach mit ihm über dieses Thema und er sagte mir, dass ich in ein paar Tagen wieder kommen solle. Als wir uns dann trafen, hat er mir angeboten, dass ich das Büro für die Bedürftigen im Pfarramt in Medjugorje leiten könnte. Ich habe das gern angenommen und wir haben sofort mit der Arbeit begonnen. Zunächst begannen wir mit der Unterstützung der Familien aus der Pfarre Medjugorje. Auch wenn Medjugorje auf Menschen von außerhalb den Eindruck macht, als wäre es ein Ort, in dem alle in Wohlstand leben, gibt es in Medjugorje auch Familien, die in sehr großer Armut leben. Ein großes Problem am Anfang war, einen Zugang zu diesen Familien zu finden. Wir wollten die Würde dieser Menschen nicht verletzen, und auf der anderen Seite mussten wir zu ihnen kommen, um ihnen helfen zu können. Es ist auch so, dass die Menschen uns Seher oft idealisieren, in - dem sie uns für Menschen halten, die weltfremd und fehlerlos sind und die 24 Stunden pro Tag im Gebet auf den Knien verbringen. Auch wir sind nur Menschen mit unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten.

Wir möchten den Weg der Heiligkeit gehen, aber gleichzeitig leben wir ein Leben mit Höhen und Tiefen, so wie alle anderen. Ich konnte es nicht glauben, als ich sah, unter welch schwierigen Bedingungen etwa 30 der am stärksten gefährdeten Familien leben. Es gibt Familien, in denen Menschen buchstäblich Hunger leiden und Brot brauchen. Bei der Begegnung mit diesen Menschen begreift man auch, dass es nicht nur um materielle Hilfe geht. Ein warmherziger Blick, ein Händedruck, ein Wort des Trostes oder der Ermutigung bedeutet ihnen oft mehr als das Hilfspaket. Solche Leute habe ich wahrscheinlich früher oft getroffen, aber erst jetzt, als wir uns füreinander in brüderlicher Liebe geöffnet haben, habe ich sie wirklich kennengelernt. Die Wahrheit ist, dass diese Menschen mir geholfen haben. Durch sie bin ich als Mensch und als Christ gewachsen. Sie haben mir gezeigt, wie man sein Christsein in dieser Welt konkret leben soll. Sie haben mir gezeigt, wie undankbar wir Gott gegenüber sind für alles, was wir haben; wie wir vieles von dem, was wir haben, für selbstverständlich halten.

Wann habt ihr euch als Verein registriert?
Das Büro für die Bedürftigen im Pfarrhaus in Medjugorje haben wir vor acht Monaten in einen Verein umgewandelt und ihn „Hände Mariens“ genannt. Den Namen des Vereins hat der Pfarrer, Pater Marinko Šakota vorgeschlagen. Der Name ist sehr bezeichnend. Die Muttergottes kommt schon seit 35 Jahren zu uns nach Medjugorje, und sie kommt immer mit offenen Armen. Sie lädt uns ein, zu ihr zu kommen, damit sie uns zu Jesus führen kann. Ich glaube, dass es Zeit ist zu begreifen, dass zu Jesus und zu Maria zu gehen bedeutet, zum Bruder und zur Schwester in Not zu gehen, ihnen unsere Hände zu reichen. Ich habe sehr oft Zeugnis gegeben und werde es auch weiterhin tun, aber von nun an wird die Betonung auf dem Zeugnis durch Werke sein.

Wie viele Freiwillige engagieren sich im Verein? Seid ihr auch außerhalb von Medjugorje tätig?
Zunächst habe ich etwa dreieinhalb Jahre allein gearbeitet. Im Laufe der Zeit habe ich eingesehen, dass ich Helfer brauche. Ich begann den Herrn zu bitten, dass Er mir zeigt, wie es weitergehen soll, und im Gebet spürte ich, dass ich Freiwillige suchen sollte. Am Anfang hatte ich nicht viel Vertrauen. Ich hätte nicht erwartet, dass sich in 20 Tagen 50 Freiwillige melden würden. Zurzeit gibt es 90 Volontäre, die alle aus Medjugorje sind, und das, was mich besonders freut, ist, dass das junge Menschen sind. Heute wird die Jugend großteils mit dem Etikett „ausschweifend und desinteressiert an den Bedürfnissen der Mitmenschen“ versehen, aber die Wahrheit ist, dass jeder junge Mensch ein großes Herz hat, das sich nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte sehnt. Man muss ihnen nur die richtige Richtung aufzeigen. Wir treffen einander regelmäßig am Montag; zuerst gibt es einen Gebetsteil, dabei bitten wir den Herrn, dass Er uns Frieden, Güte und Freude schenkt, die wir dann beim Einsatz für die Bedürftigen teilen können. Wir singen auch sehr viel, wir veranstalten Benefizkonzerte für verschiedene Anliegen, auch für Pilger. Ich wiederhole es oft, dass Singen doppeltes Beten ist. Nach dem Gebet machen wir einen Wochenplan für unsere Aktivitäten. Jeder Freiwillige verpflichtet sich, mindestens zwei Stunden pro Woche mitzuhelfen. Zurzeit haben wir unsere Aktivitäten auf ganz Bosnien und Herzegowina ausgedehnt.

Was möchtest du unseren Lesern zum Schluss noch sagen, könntest du in einigen Sätzen zusammenfassen, was die Muttergottes von uns erwartet?
Vor allem möchte ich sagen, dass uns die Gospa liebt. Das beweist sie uns schon seit 35 Jahren in Medjugorje, wenn sie sagt: „Liebe Kinder!“ Am Ende jeder Botschaft sagt uns die Muttergottes: „Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.“ Wir sollten darüber nachdenken, wie groß das ist, was die Gospa zu uns sagt: „Danke!“ Wie sind wir ihrem Ruf wirklich gefolgt? Sie will, dass wir glücklich sind und zu Jesus kommen. Bei Ihm ist unsere Rettung, unser Friede, unsere Freude und Liebe. Die Erscheinungen der Muttergottes in Medjugorje sind nur ein Weg, durch den uns die Gospa zu Jesus Christus bringen möchte. Das Schönste, was wir tun können, ist, dass wir der Gospa unsere Herzen öffnen, dass wir sie ihr übergeben und dass wir sie in unser Leben lassen.

Dieses Interview führte Hrvoje Bulat für die Gebetsaktion am 3. Februar 2017.
Quelle: Gebetsaktion Wien, Heft 125, S. 14 f.