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"Euer Leben soll Eucharistie sein"

Als katholische Christen glauben wir, daß Jesus in der Eucharistie anwesend ist und zwar als wahrer Gott und wahrer Mensch. Daher ist die Eucharistie ein spezieller „Ort“, wo man Jesus begegnen kann. Im eucharistischen Geschehen verwirklicht sich auf eine mystische Weise das ganze Leben Jesu von der Empfängnis bis zur Himmelfahrt mit dem Hinweis auf sein zweites Kommen in Herrlichkeit. Am Anfang jeder Messe bitten wir um Verzeihung unserer Sünden und erfahren so die Versöhnung. In den Lesungen spricht er zu uns als Lehrer, er opfert sich für uns auf und durch die heilige Kommunion begegnen wir Jesus in besonderer Weise als demjenigen, der heilt. „Sprich ein Wort und meine Seele wird gesund“, sprechen wir vor dem Empfang der hl. Kommunion. Wenn wir die Botschaften Mariens im Hinblick auf die Eucharistie anschauen, dann finden wir eher praktische Hinweise als eine dogmatische Erklärung des eucharistischen Geschehens. In dieser Darstellung möchte ich Ihnen, liebe Leser, gerade diese praktischen Hinweise kurz anführen.

Betet vor der hl. Messe
All diejenigen, die einmal eine Wallfahrt nach Medjugorje gemacht haben, erinnern sich, daß vor der hl. Messe zwei Teile von dem Psalter gebetet werden – die freudenreichen und schmerzhaften Geheimnisse des Rosenkranzes, als Vorbereitung auf die hl. Messe. Es besteht zugleich Beichtgelegenheit und in dieser Vorbereitungszeit kommt auch, wie wir glauben, Maria. Wir versammeln uns aus allen Teilen der Welt, beten zusammen, dann erscheint Maria, sie betet für und mit uns, segnet uns und bereitet uns so auf ihre Weise für die hl. Messe vor. Ihre Aufgabe und ihr Wunsch ist es, uns zu Jesus zu führen. Da er in der Eucharistie auf besondere Weise anwesend ist, will sie uns helfen, die Messe tief zu erleben. Medjugorje wird von vielen Menschen „Die Schule Mariens“ genannt und erfahren. Es wäre für alle Pilger wichtig, sich auch zu Hause in derselben Weise auf die hl. Messe vorzubereiten. Sicherlich werden viele antworten: „Aber in unserer Kirche gibt es keine Vorbereitung“! Es stimmt, daß nirgendwo auf der Welt täglich vor der Messe zwei Rosenkränze gebetet werden, aber trotzdem ist es möglich allein, oder in einer kleineren Gruppe, sich die Vorbereitungszeit zu nehmen, auch außerhalb der Kirche. Fragen wir uns wenn wir zu Fuß oder mit dem Auto zur Kirche fahren: Wie gestalten wir diese Zeit? Worüber sprechen wir? Man kann sich hier ebenso im Gebet vorbereiten.

Fastet vor der hl. Messe
Zu der Vorbereitung durch das Gebet kommt auch die Vorbereitung durch das eucharistische Fasten hinzu, die allen älteren katholischen Christen gut bekannt ist. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil durfte man lt. Kirchengesetz von Mitternacht bis zum Empfang der hl. Kommunion nichts essen und nichts trinken. Dadurch geschah etwas sehr Wichtiges; auch unser Leib wurde so für die Begegnung mit Jesus im Brot vorbereitet. Aus praktischen Gründen wurde diese Zeit auf drei Stunden verkürzt. Bei der Liturgieerneuerung wurde auch die Abendmesse erlaubt, was es unmöglich machte, von den Gläubigen zu verlangen, den ganzen Tag weder zu essen noch zu trinken. Die drei Stunden spielten sicherlich eine wichtige Rolle der Vorbereitung auf die hl. Messe, sie wurden aber weiter auf eine Stunde verkürzt und diese ist fast aus dem Bewußtsein der Gläubigen entschwunden. Mit der mangelnden Vorbereitung verliert sich im allgemeinen der nötige Respekt vor dem eucharitischen Geheimnis und die Möglichkeit darin einzutauchen. Wenn aber die Eucharistie nicht gelebt wird, fehlt dem christlichen Leben die zentrale Begegnung mit Jesus und somit verliert sich das Christliche schlechthin. Maria hat uns zum Leben mit Brot und Wasser aufgerufen. Im Bezug auf die Eucharistie kann man das zweitägige Fasten verstehen. Indem wir zwei Tage nur mit Brot leben, öffnet sich unser Herz dem himmlischen Brot.

Bleibt mit Jesus
Maria verlangt nicht nur eine Vorbereitung auf die hl. Messe, sondern daß wir auch danach noch eine Zeit im Gebet verbleiben. Wir wissen, daß viele Gläubige dies nicht tun, sondern sofort nach dem Schlußsegen die Kirche verlassen. Wir empfangen die Kommunion unter dem Aspekt der Heilung, wenn wir beten: „Sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund“! Wir sollten uns daher einfach noch Zeit nehmen, um ganz bewußt mit Jesus zu bleiben und Ihn um Heilung bitten. In Medjugorje beten wir ein ganz einfaches Heilungsgebet, womit wir zunächst Jesus Dank sagen für seine Anwesenheit. Nach der Danksagung bringen wir vor Jesus all das, was in unseren Herzen ist, und dann weihen wir uns Maria, und mit ihr, im Glauben der Kirche, beten wir um die Heilung. Dieses Gebet dauert etwa 15-20 Minuten. Im Anschluß beten wir noch die glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes. Jeden Donnerstag nach der hl. Messe folgt für ungefähr eine Stunde die eucharistische Anbetung, die mit dem Heilungsgebet endet. Am Freitag beten wir nach der hl. Messe vor dem Kreuz und dieses Gebet ist eigentlich immer ein Heilungsgebet. Wir antworten so auf den Wunsch Mariens, daß die Messe im Zentrum unserer Gebete sein soll. Wir sollen uns einfach die Zeit nehmen. Um Zeit zu haben, braucht man nicht einen längeren Tag sondern Liebe, denn die häufigste Entschuldigung ist gerade diese, daß man keine Zeit habe. Daher wäre es wichtig, anzufangen zu beten und um den Geist des Gebetes zu bitten.

Die hl. Messe soll euer Leben sein
Wenn wir uns, wie vorher beschrieben, auf die Eucharistie vorbereiten, dann wird die Messe unser Leben und so kann auch unser Leben zur Messe werden. Die heilige Messe hat verschiedene Dimensionen, die wir erleben dürfen. Wir erfahren zu Beginn der Messe die Versöhnung durch die Bitte um Verzeihung für unsere Sünden. In der Folge spricht Gott zu uns und lehrt uns durch die Texte, die bei der Messe gelesen werden. anschließend bringen wir vor Gott unsere Gebete und unsere Gaben dar. In seiner unermeßlichen Güte gibt uns Gott seine göttlichenm Gaben – den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus – zurück: Wir empfangen die hl. Kommunion, beten um Heilung, werden gesegnet und mit den Worten „Gehet hin in Frieden“ entlassen. Bei jeder Mitfeier der hl. Messe sollten wir geistig erfrischt, geheilt, durch das Wort Gottes erleuchtet und mit dem Leib Christi gesättigt, ins Leben zurückkehren.

Euer Leben soll eine Messe werden
Zwischen unserem Alltag und der heiligen Messe sollte ein tiefes Verhältnis entstehen, sodaß nicht nur die Messe unser Leben, sondern auch unser Leben zur Messe wird. Es ist nicht schwer dies alles zu verstehen. Schon mit dem ersten Schritt nach der hl. Messe, den wir außerhalb der Kirche tun, kann unser Leben zur Messe werden. Jedes Mal, wenn wir jemandem verzeihen und um Verzeihung bitten, verwirklicht sich das eucharistische Geschehen. Ebenso, wenn wir zu anderen Menschen, besonders in der Familie, über Gott sprechen, zusammen beten oder die heilige Schrift lesen, oder wenn wir jemandem etwas Gutes tun, unsere Gaben dem anderen zu Verfügung stellen, wenn wir dem Nächsten einen guten Rat geben oder trösten, verwirklichen wir den Wunsch Mariens, weil unser Leben für die anderen zur Messe geworden ist, im Hinblick auf alle Dimensionen der Messe. Sollte jemand z.B. in der Kirche um Verzeihung bitten und zu Hause oder allgemein im Leben selbst nicht verzeihen wollen, so unterbricht er das eucharistische Geschehen. Er verhält sich wie der größte Egoist, der von Gott für sich Verzeihung erlangen will, aber sie nicht weitergeben möchte. Ein solches Verhalten widerspricht gänzlich dem eucharistischen Geschehen. All das was wir von Gott empfangen, sollten wir auch weitergeben. Jede Gabe, die wir nur für uns selbst behalten wollen, wird erstickt und kann keine Frucht bringen. Als uns Jesus seine reale Anwesenheit geschenkt hat, wollte er, daß wir eucharistische Menschen werden, d.h., daß wir bereit sind, für die anderen das zu tun, was er für uns schon getan hat. Ich wünsche Ihnen allen, liebe Leser und Freunde von Medjugorje, und uns allen, die wir uns in der Schule Mariens befinden, daß wir mit Maria auf dem Weg bleiben und uns von ihr führen lassen. Dann werden wir auch mit dem Herzen verstehen, daß es auf ihre Fürsprache möglich ist, zu eucharistischen Menschen zu werden, die von Gott unaufhörlich reich beschenkt werden, und so den anderen Menschen und der ganzen Welt Zeugen seiner Liebe und seines Friedens werden.

Pater Slavko Barbaric

Quellenangaben: Medjugorje Aktuell/ Heft 42 - Juni 2000