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Dieses Fasten aber bedeutet, zu essen...

Fasten – für viele die Botschaft von Medjugorje, die am schwierigsten anzunehmen und zu verwirklichen ist. Doch oft beruht dies auf einem Missverständnis dessen, was die Muttergottes wünscht. Die Botschaft vom Fasten in Medjugorje zielt nicht auf „hungern“ hin, sondern darauf, dass der Mensch unserer Zeit wieder lernt, einfach zu leben. Pater Slavko sprach im Rahmen des Jugendfestivals 1997 in Medjugorje verschiedene gute Gründe für das Fasten an und gab daneben noch einige praktische Tips. Diese wertvollen Ausführungen sind hier wiedergegeben.

Medjugorje ist eine Gebetsschule und wir haben in den Botschaften oft gehört: „Betet, betet, betet!“. Das Gebet ist eine Begegnung mit Gott, auf die sich der Mensch vorbereiten muss, und gerade für diese Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott ist das Fasten so wichtig. Das Fasten hat seine eigene Bedeutung auf verschiedenen Ebenen. Ich werde nun einige dieser Dinge ansprechen, um euch zu helfen, euch für das Fasten zu entscheiden; dann werdet ihr selber denSinn des Fastens entdecken.

Fasten als biblische Botschaft und in der Tradition der Kirche
Zuerst ist das Fasten eine biblische Botschaft. Die Propheten haben gefastet und zum Fasten aufgerufen. Christus hat gefastet und zum Fasten aufgerufen. Die Propheten haben zum Fasten und zum Gebet aufgerufen; entweder, damit sich das Volk vor irgendeiner Katastrophe rette, oder damit es aus der Katastrophe herauskomme, wenn sie schon da ist. Auch hier in Medjugorje gibt es diese Botschaft: Betet, fastet! Mit Gebet und Fasten könnt ihr Kriege verhindern und sogar Naturkatastrophen. Vielleicht wundert es uns, dass die Gospa uns aufgerufen hat, zwei Tage lang zu fasten. Vielleicht haben wir gesagt: Das wird niemand tun ... Ich nehme an, dass ihr euch alle an das Gebet des Pharisäers in der Synagoge erinnert, wie es in der Hl. Schrift verzeichnet ist: Er sagte zu Gott, dass er bete, dass er zwei Tage in der Woche faste und dass er Almosen gebe. Und es war gut, dass er das alles tat! Nur in einem hat er sich getäuscht: Er hat sich selber erlaubt, über die Anderen zu urteilen – denn er betete und fastete und hat sich selber darin mit den Anderen verglichen – und da hat er sich getäuscht, da liegt sein Fehler! Don Cosimo hat uns in seinem Vortrag (am Vormittag desselben Tages beim Jugendfestival, Anm. d. R.) sehr streng verboten, dass wir uns mit anderen vergleichen. Gott soll der Anlass und das Fundament unseres Gebetes sein, nicht wir mit dem, was wir alles vollbringen – und dann können wir auch einander helfen. Es wurde also gefastet im Alten Testament, zwei Tage in der Woche, am Montag und am Donnerstag. Ich glaube, dass die Gospa genauso an diesen Tagen gefastet hat, denn sie hat die normalen Gebote ihres Volkes befolgt; als die Pharisäer fasteten, fastete auch sie. Und ich glaube, dass das Fasten gemäß ihrem Rat in der ersten Kirche fortgesetzt wurde. So wurde es auch in der Kirche zur Tradition, am Mittwoch und am Freitag zu fasten. Diese Tradition gab es lange, doch inzwischen – ihr wisst selber sehr gut, wie sehr das vergessen wurde! Und daher hat uns die Gospa daran erinnert und uns aufgerufen, zur Quelle, zur Urquelle der Kirche zurückzukehren: zur Hl. Schrift. Freitag ist der Tag, an dem wir uns an den Tod Jesu erinnern. Mittwoch wahrscheinlich deswegen, weil Judas am Mittwoch in der Karwoche Jesus verraten und verkauft hat. Das war sicher genug Inspiration für die Kirche, an diesem Tag Buße zu tun und zu fasten!

Fasten als Vorbereitung auf die Begegnung mit Jesus im eucharistischen Brot
Das Fasten in der Kirche war auch von Anfang an mit der Eucharistie verbunden. Ihr Älteren wisst das gut! Man durfte die Hl. Kommunion nur empfangen, wenn man ab Mitternacht nüchtern geblieben war. Dann wurde diese Zeit immer weiter verkürzt, bis auf eine Stunde vor der Hl. Kommunion, und bei vielen Leuten ist diese Praxis heute ganz verschwunden. Zum Beispiel eine Situation, wie man sie heute gewöhnlich erlebt: Viele Menschen, alte und junge, warten vor der Kirche auf den Beginn der Hl. Messe – und sie kauen dabei ihren Kaugummi. Oft haben sie Bonbons im Mund, die Kinder essen Chips, die Erwachsenen rauchen. Dann läuten die Glocken und sie gehen in die Kirche hinein. Und – dann geht man zur Kommunion. So gibt es bei vielen überhaupt kein eucharistisches Fasten mehr. Dabei ist es sehr wichtig, dass auch unser Körper sich auf die Begegnung mit Christus im Brot vorbereitet! Man muss nicht auf die Minute achten, wir sollen keine Pharisäer sein. Aber wir müssen zurückkehren zur Vorbereitung im Geist und auch im Leib für die Begegnung mit der Eucharistie! Und da ist die Antwort auf die Frage, warum zwei Tage des Fastens und wie das Fasten mit der Eucharistie verbunden ist. Oft taucht die Frage auf, warum Brot und Wasser? Es gibt andere Arten zu fasten. In den Botschaften von Medjugorje sind es deswegen Brot und Wasser, weil die Gospa einen Wunsch und ein Ziel hat, und das ist uns zu Jesus zu führen! Und Jesus werden wir begegnen im Wort – wenn wir das Wort Gottes hören – und in der Eucharistie, im eucharistischen Brot. Deshalb sagt man, die Hl. Messe wird „an zwei Tischen“ gefeiert: am Tisch des Wortes und am Tisch des Brotes. Und wie Jesus die Apostel und das Volk auf die Eucharistie vorbereitet hat, so will auch die Gospa uns heute auf die Begegnung mit Jesus in der Eucharistie vorbereiten. Christus sprach über das Brot, er vermehrte das Brot – und dann erst nahm Er das Brot in Seine Hände, beim Letzten Abendmahl, und sagte: „Das ist mein Leib!“ Die Apos tel, die bei der Brotvermehrung das Brot ausgeteilt haben, über das Jesus gebetet hatte, sie hatten ihre aller erste eucharistische Erfahrung. Er verteilt – und doch gibt es immer noch. Jeder behält, und trotzdem gibt es immer noch! Das war das erste eucharistische Wunder, und es hat die Apostel vorbereitet für die Eucharistie. Und jetzt ruft uns Maria auf, zwei Tage mit Brot zu leben. Damit wünscht sie nichts anderes, als dass wir das tägliche Brot neu entdecken, dass wir uns bewusst werden, dass wir Brot haben! Und dann wird sie uns langsam, aber sicher zum eucharistischen Brot führen. Ich habe darüber Zeugnisse gehört, von Leuten, die mir gesagt haben, dass mittwochs und freitags die Kommunion für sie ein Fest ist! Denn an diesen Tagen wird ein kleines Stückchen Brot so wichtig ... Seht ihr, das sind die Gründe, ein Grund! Und ihr wisst, dass das Brot ein Symbol des Lebens ist. Wenn jemand sagt, dass ihm „das Brot bitter ist“, heißt das, dass ihm das Leben sehr schwer ist. Es gibt verschiedene Ausdrücke in dieser Richtung, die immer wieder vom Brot sprechen. Die zwei Fast tage helfen uns also auch, Brot zu ent decken, dankbar zu werden, dass es Brot gibt! Und noch dazu bereitet sich unsere Seele vor auf die Begegnung mit Jesus. Unsere Ehrfurcht vor der Eucharistie und unser Erleben der Eucharistie wird vermehrt.

Das Wasser beim Fasten – Symbol von Leben und Reinheit
Wasser – warum Wasser? Wisst ihr, Wasser ist da am Beginn allen Lebens. Unser Organismus besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Das ganze Leben dreht sich ums Wasser. Da, wo es kein Wasser gibt, gibt es kein Leben! Wir sehen natürlich auch, dass da, wo Überschwemmungen sind, wo zuviel Wasser ist, es auch kein Leben gibt. Aber grundsätzlich ist das Wasser ein lebensnotwendiges Element. Wasser ist das Mittel, durch das wir in die Kirche eintreten, nämlich bei der Taufe. Wasser symbolisiert Reinheit. Somit hat dieser Aufruf zum Fasten bei Brot und Wasser einen tiefen Sinn. Ich habe oft gesagt, wenn diejenigen, die sich Sorgen um die Umwelt machen, wüssten, dass wir zwei Tage die Woche bei Brot und Wasser fasten, sie würden sich sicher der Botschaften der Muttergottes erbarmen und sie annehmen, denn schaut: Wieviel weniger Abfall entsteht in diesen zwei Tagen in der Familie und in den Städten. Wie sehr könnte man die Natur und dadurch auch den Menschen schützen! Das sind so ein bisschen die äußeren Gründe für das Fasten. Es gibt noch andere Gründe, nämlich die persönlichen; tiefere Gründe, als wir uns bewusst sind.

Fasten ist nicht gleich „Diät“ – Fasten hilft uns, heil und gesund zu werden
Das Fasten ist wichtig für den Geist und auch für den Körper. Zuerst zur Wichtigkeit des Fastens für den Körper: Die Menschen in der Welt wissen über etwas Bescheid, das wie Fasten aussieht: Es sind verschiedene Diäten. Das ist aber kein Fasten im Sinn von Medjugorje, denn bei einer Diät geht es ums „Nicht-Essen“. Und viele Menschen zerstören ihre Gesundheit auf diese Weise, die physische Gesundheit und auch die geistliche Gesundheit. Außerdem kostet so eine Diät oft sehr viel, besonders, wenn man sich dazu noch guten Rat beim Arzt holen muss und dergleichen. Die Gospa liebt uns und sie ruft uns auf zum Fasten. Dieses Fasten aber bedeutet essen, nicht nicht-essen! Sondern essen, aber eben Brot essen. Jeder gesunde Organismus verträgt dieses Fasten gut, und er braucht es sogar. Denn normalerweise essen wir mehr, als wir brauchen, ungefähr ein Drittel. Was geschieht mit diesem Drittel, das wir nicht brauchen? Es geht buchstäblich unter die Haut, und die Kilos wachsen ... und das ist nicht gesund! Wenn wir immer viel essen, dann zerstören wir diese innere Uhr, die wir besitzen, die innere Ordnung, die uns Gott geschenkt hat, und wir verlieren das Gleichgewicht. An einem ungeordneten Essverhalten geht der Organismus kaputt, und dann kommen die Krankheiten. Viele Krankheiten bekommen wir deshalb, weil wir nicht aufpassen in dieser Hinsicht. Wir sind in der Gefahr, durch ständiges Zuviel- Essen den Kontakt mit unserem Körper zu verlieren. Schaut mal, wie oft habt ihr gefühlt, dass ihr satt seid und habt daher gewusst, dass ihr nicht mehr braucht – aber irgendein Freund hat euch dazu gedrängt, dass ihr noch ein bisschen esst, und noch ein bisschen, und noch ein bisschen ...! Es gibt Ärzte und Kliniken, bei denen man für viel Geld fasten kann. Die Gospa ist sehr praktisch, wie eine Mutter, sie schlägt uns eine sehr kostengünstige Methode vor. Und der erste, der uns dankbar sein wird, wenn wir auf diese Weise fasten, ist unser Organismus. (Und auch die Köchinnen!) Euer Organismus wird euch dankbar sein, wenn ihr ihn zwei Tage lang mehr in Ruhe lasst! Aber auch sonst: Fragt euch jeden Tag beim Essen: Braucht es mehr? Denn oft essen wir nur, weil unsere Augen etwas mögen. Und das ist nicht gut. Die Muttergottes ist eine wirkliche Mutter. Was macht eine Mutter, wenn sie nach Hause kommt und ihre Kinder findet, die die Schokolade aufgemacht haben, sie essen, die Hände voller Schokolade, und alles ist schmutzig? Die Mutter wird sagen: Genug jetzt, das ist für euch zuviel! Und wenn die Kinder nicht hören wollen, wird die Mutter sie bei der Hand nehmen, ihnen die Finger abwaschen und zu ihnen sagen: Nehmt ein Stück, und das reicht! Jede Mutter wird das so machen. Und die Gospa geht mit uns um wie eine Mutter, sie sagt uns: Nehmt nicht so viel! Lasst etwas übrig für morgen! Möge euer Organismus sich ausruhen! Und er wird besser, in größerer Gesundheit, sein.

Schwierigkeiten beim Fasten
Unser Organismus verträgt das Fasten gut. Die Schwierigkeiten bestehen in unserem Kopf, denn wir sind oft abhängig, was das Essen betrifft. Wie oft sind wir wütend geworden, weil uns etwas nicht geschmeckt hat, oder nicht nach unserem Geschmack war. Menschen haben sich schon deswegen gestritten und geärgert. Unser Organismus hätte all dieses Essen sehr gut vertragen, aber in unserem Kopf sind wir so angebunden! Wenn ihr jemals versucht habt zu fasten: Habt ihr vielleicht am Dienstagabend ein bisschen mehr gegessen als sonst, damit ihr den Mittwoch besser „überlebt“? Dann seid ihr sicher am Mittwochmorgen mit Hunger aufgestanden. Und am Donnerstagmorgen wart ihr nicht hungrig! Das ist keine Reaktion des Körpers!

Sollen Kinder fasten?
Viele Menschen fragen, ob Kinder fasten sollen. Sie sollen nicht so streng fasten, also nicht nur Wasser und Brot, aber es wäre gut – ich sage das jetzt den Eltern, den jungen Menschen, die hier sind – dass ihr das wisst: Wenn ihr am Mittwoch und am Freitag das Essen auf ein Minimum reduziert, dann wird das Kind auch lernen, an diesen Tagen nur das Wichtigste zu nehmen und den Rest der Dinge, die es normalerweise genommen hätte, für den nächsten Tag lassen. So lernt das Kind, mit den Lebensmitteln zu leben, ohne sie immer gleich essen und alles gleich nehmen zu müssen. Denn es ist nicht gut für das Kind, immer sofort alles zu bekommen, was es will! Man sagt, dass das Kind im ersten Lebensjahr der „Prinz“ ist – Vater, Mutter, alle schauen was das Kind möchte und es wird bedient, der kleine Prinz! Im zweiten Jahr sind viele Kinder schon König – es gibt nicht mehr: „Ich möchte, ich will“, sondern man weint, und die Mutter gibt, was das Kind will, und im nächsten Jahr schon sagt das Kind zur Mutter: „Du musst ... (mir dieses und jenes geben)“; und wenn die Mutter etwas nicht gibt, dann wird sie dazu gezwungen, durch Kapriziösität, durch Weinen, durch Wutanfälle ... und dann schmeißt man es auf den Boden, wenn’s doch nicht gut ist – und der kleine König gewinnt natürlich! Wir müssen dem Kind helfen, dass es nicht in solch eine Einstellung hineinkommt, dass es nicht selbstsüchtig und egozentrisch wird. Es kann nicht warten, nicht geduldig sein – da wachsen schon die Abhängigkeiten von später: Drogen, Alkohol usw.! Und deswegen ist es wichtig, dem Kind beizubringen zu warten – und dass es nicht immer wichtig ist, alles zu haben und zu bekommen.

Das Leben und seinen Sinn neu entdecken durch das Fasten
Viele junge Menschen heutzutage leiden – nicht, weil sie nicht gesund sind, nicht, weil sie nicht genug zu essen und zu trinken haben, sondern deswegen, weil sie in der Seele und im Geist verwöhnt sind, durch materielle Dinge und durch dieses Gewohnt-Sein, alles und sofort zu bekommen – während ihnen auf der anderen Seite die Dinge, die die Seele und der Geist wirklich brauchen, fehlen! Das Fasten kann sie stärken, denn wenn im Sinne der Botschaften von Medjugorje gefastet wird, schafft dieses Fasten einen Raum, einen Raum, in dem man den Sinn des Lebens neu fi ndet. Viele Jugendliche haben diesen Raum nicht gefunden, weil sie sich den materiellen Dingen so sehr genaht haben, dass sie den wirklichen Sinn des Lebens verloren haben. Und dann meinen sie, immer nur alle Arten von Vergnügen zu brauchen. Das ist ein großer Irrtum! Die Eltern und die anderen Menschen in der Umgebung eines Kindes möchten, dass es dem Kind gut geht – aber sie bringen ihm nicht mehr bei, selbst gut zu sein! Wenn es jemandem gut gehen soll, dann muss er selber gut sein; er muss Hoffnung, Liebe ... diese ganzen Dinge kennengelernt haben und selbst für sich gelernt haben. Wenn wir die innerliche Freiheit von den materiellen Dingen nicht gelernt haben, dann wollen wir immer nur etwas, was uns befriedigt. Wir werden dabei aber nie lernen, selber gut zu sein! Dann wird es uns nie wirklich gut gehen, wir werden immer unzufrieden sein, immer mit irgendjemandem in Streit liegen usw. Und dann tauchen in uns diese drei großen innerlichen Feinde auf: Hass, Neid und Eifersucht. Wenn wir uns von diesen Dingen befreien und die Kinder und die jungen Menschen davor schützen wollen, dann müssen wir beten und fasten. Die Gospa ist die letzte, die möchte, dass wir Hunger leiden – dass unser Magen knurrt, weil wir so hungrig sind, sie ist die letzte, die das möchte! Aber sie weiß, dass wir das Fasten brauchen, und deswegen hat sie keine Angst, uns dazu aufzurufen. Also, es geht um die physische und geistige Gesundheit. Derjenige, der betet, wird leichter fasten, und der, der fastet, wird leichter beten.
Derjenige, der das Fasten schon als junger Mensch lernt, der durch das Fasten innerlich stärker wird, der wird später im Leben Kraft haben und glaubwürdig sein, er wird ehrlich sein, in der Wahrheit leben. Er wird ein Mensch sein, dem jeder begegnen möchte! Noch einmal – versuchen wir, uns durch ein Bild alles über das Leben klarzumachen: Wenn ihr ein wunderschönes, großes Bild mit vielen schönen Einzelheiten habt, aber diesem Bild zu nahe seid, dann seht ihr nur ein Detail, eine Kleinigkeit des Ganzen. Ihr werdet nicht das ganze Bild sehen. Dann werdet ihr nicht wissen, was dieses Detail sein soll, warum es da ist, was es im Gefüge des Ganzen darstellt, warum diese Farbe gerade in dem Eck ist usw. Und das ist der Grund, warum viele Menschen den Sinn des Lebens vergessen. Sie können ihn nicht mehr sehen, weil sie den materiellen Dingen zu nahe sind, sich selbst zu nahe sind. Sie sind hochmütig und selbstsüchtig. Sobald wir uns aber ein bisschen zurückbewegen und wieder das ganze Bild sehen, erkennen wir all die Einzelheiten und den Sinn dieser Einzelheiten auf dem ganzen Bild!

Fasten: Keine Ausreden ...!
Viele sagen: „Pater, wenn ich faste, bin ich nervös! Und deswegen faste ich nicht.“ Oh, wir Katholiken, wir jungen und auch wir alten Katholiken, wir sind Spezialisten darin, Ausreden zu fi nden! Wir können nicht beten, nicht fasten, wir können nicht vergeben, nicht lieben, wir haben viele, viele Gründe für diese Dinge. Einer von den Gründen gegen das Fasten ist jetzt: „Ich bin dabei nervös“. Aber ich sage euch: Fasten macht den Menschen nicht nervös, sondern es zeigt nur – deckt auf – dass du nervös bist! Denn woher kommen denn die vielen nervösen Menschen auf der Welt? Wenn nur die nervös wären, die fasten, gäbe es nicht sehr viele nervöse Leute auf der Welt! Und deswegen, bitte, rechtfertigt euch nicht damit! Einmal hat mir einer gesagt: „Ich bin wirklich ein böser Mensch, wenn ich faste! Selbstsüchtig, nervös, wütend ...“ Und ich habe ihm gesagt: „Ich gratuliere dir dazu“ – und er sagt mir: „Ihr habt mich nicht verstanden, Pater: Wenn ich faste, werde ich wirklich ein böser Mensch! Nervös, selbstsüchtig, stolz ...“ – ich sage ihm: „Ich habe sehr gut verstanden, was du gesagt hast – und ich gratuliere dir!“ Und er sagt mir: „Warum, wieso?“ Da hab ich ihm Folgendes gesagt: „Du bist nur zwei Tage in der Woche ein Böser, du bist nur böse, wenn du fastest! Andere sind sieben Tage  lang böse und merken es noch nicht einmal!“

Fasten mit Maß und Ziel
Fasten – natürlich, alles in seinen Grenzen. Wenn jemand immer nur hungrig und hungrig und hungrig ist, dann wird er alles andere auch werden – aber wir sprechen über ein Fasten, das anders ist. Das Fasten wird nichts Schlechtes bewirken, aber das Fasten deckt auf, wie wir sind. Und dann beginnt der Mensch gegen das zu kämpfen, was er entdeckt hat und wovon er weiß, dass es nicht in Ordnung ist. Mit Gebet und Fasten entdecken wir die Dinge. Fasten deckt uns viel auf, und es hilft uns, besser zu hören. Es gibt so eine Redewendung, die sagt: Ein voller Magen hat keine Ohren. Eltern wissen wohl, was das heißt! Wenn das Kind satt ist, kann es sein, dass sie es hundertmal rufen – es hört nichts ... Aber wenn es hungrig ist, wird es von ganz alleine kommen. Wenn wir wissen, dass es bei uns zuhause so ist: Niemand hört und man muss immer hundertmal rufen – dann heißt das, wir fasten nicht zuhause! Also können wir aus all dem schließen, dass Gebet und Fasten dem Menschen helfen, physisch gesund zu werden, stärker gegen Krankheit, und auch geistig stärker und gesünder zu werden. Und manche haben sogar festgestellt: Seitdem sie fasten, sind sie schöner geworden! Wenn das auch für uns Ältere schon ein bisschen zu spät ist ... – ihr Jungen, entscheidet euch für das Gebet und für das Fasten, und ihr werdet besser werden, liebevoller werden, und es wird euch besser gehen! In der Familie wird es besser gehen, in der Schule, in der Arbeit – und wenn ihr eure eigene Familie gründen werdet oder wenn ihr Schwester werdet, oder Priester, dann wird es euch gut gehen, denn ihr werdet durch Gebet und Fasten eine Hilfe haben, damit alles gut geht! Noch etwas: Ihr habt doch sicher über die feministische Bewegung in der Welt gehört, nicht wahr, die sich um die Rechte der Frauen kümmert? Wenn diese Bewegung wüsste, dass sich die Gospa auch um die Frauen und um die Mütter zuhause kümmert – denn sie wollte sie zwei Tage lang von der Küche befreien! Wie sehr würden sie die Gospa annehmen und alle ihre Ratschläge! Aber eben, ihr Frauen, die ihr euch um eure Rechte kümmert und um sie kämpft: Kämpft um das Recht, zu fasten, denn das bedeutet zwei Tage lang Ferien von der Küche! Nur Brot kaufen, Tee machen, ein bisschen Wasser hinstellen – und frei! Ihr seht, dass das Fasten seine Wirkung in allen Bereichen unseres Lebens hat – also, bitten wir Gott um die Kraft anzufangen! Fasten muss man auch lernen und um die Gnade bitten. Und macht euch bitte keine Sorgen, denn jede Woche hat einen Mittwoch und einen Freitag! Fangt einfach an, ihr werdet es nicht bereuen.

Pater Slavko sprach im Rahmen des Jugendfestivals 1997 verschiedene gute Gründe für das Fasten an und gab daneben noch einige praktische Tips. Diese wertvollen Ausführungen sind hier wiedergegeben.

Quellenangaben: Medjugorje Aktuell/ Nr.89 im März 2012