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Fasten und Gebet

Bei den Juden und Christen werden Fasten, Gebet und gute Taten oft zusammen erwähnt. Das Gebet steht neben dem Fasten und guten Taten nicht als etwas Unabhängiges, sondern als etwas, was sie im Inneren verbindet. Die vollständigste Auffassung des Gebetes liegt gerade in seiner Verbundenheit mit dem Fasten. Wenn wir uns auch ganz kurz mit den Aussagen und den Definitionen des Gebets beschäftigen, ist es ersichtlich, dass beim Gebet der Schwerpunkt mehr auf dem Zustand des Herzens und der Seele liegt, was auch normal ist, während der Körper als ein Faktor im Gebet oder der mögliche Ausdruck des Gebetes weniger erwähnt wird.

Auf die Frage, was Gebet ist, finden wir im Katechismus der katholischen Kirche die Antwort, bzw. die Definition der heiligen Theresia vom Kinde Jesu: "Für mich ist das Gebet ein Aufschwung des Herzens, ein schlichter Blick zum Himmel, ein Ausruf der Dankbarkeit und Liebe inmitten der Prüfung und inmitten der Freude", und vom heiligen Johannes von Damaskus: "Das Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott oder eine an Gott gerichtete Bitte um die rechten Güter."

Es wird also hauptsächlich das Gepräch mit Gott als die geistige Tat hervorgehoben. Es besteht aber auch die Praxis und die Erfahrung, dass sich auch der Körper ins Gebet einschaltet, also nicht nur der Gedanke, das Gespräch oder nur die geistige Tat. Durch die Bewegungen des Körpers, die das Wort begleiten, wird das Gebet vollständiger. Das Gebet wird durch den Körper und seine Bewegungen unterstützt, und wird dadurch vollkommener, ausdrucksvoller, und erfasst den ganzen Menschen.

Die Einheit des Körpers und der Seele im Gebet zeigt sich gerade im Gebet und Fasten. Das körperliche Fasten macht das Gebet vollständiger. Wer fastet, betet besser und wer betet, fastet leichter. So bleibt das Gebet nicht nur ein Ausdruck oder ein Wort, sondern schließt das ganze menschliche Wesen mit ein. Durch körperliches Fasten gesteht der Mensch Gott und den anderen Menschen zu, dass er es nicht allein kann, und dass er Hilfe braucht. Seine Machtlosigkeit erlebt der Mensch leichter beim Fasten; deshalb ist die Seele für Gott beim körperlichen Fasten offener. Ohne Fasten bleibt unser Gebetswort ohne eine richtige Grundlage. Im Alten Testament wird erwähnt, dass Gläubige einzeln und gemeinsam in verschiedenen Lebenssituationen gefastet und gebetet haben und immer Hilfe erfahren haben (vgl. Esra 8, 21-23; 2 Chr 20, 12). Jesus schreibt Fasten und Beten eine besondere Kraft zu, besonders im Kampf gegen die Dämonen (vgl. Mk 9, 29). Die gleiche Praxis existiert in der Tradition der Kirche, und am deutlichsten ist sie in den Ordensregeln aller Orden und Ordensgemeinschaften zu sehen. Der heilige Bernhard schreibt über das Verhältnis des Fastens und des Gebets:

"Ich sage euch etwas, was ihr leicht verstehen könnt und was ihr mehrmals erlebt habt, wenn ich mich nicht irre: Fasten gibt dem Gebet Sicherheit und Begeisterung. Durch das Gebet bekommt man Kraft für das Fasten, und durch das Fasten die Gnade des Gebets. Fasten kräftigt das Gebet, und das Gebet kräftigt das Fasten und bringt es dem Herrn."

Das ist offensichtlich, weil man durch Fasten wacher, offener für Gott und das Geistige wird. Aus denselben Gründen ist Fasten mit der Eucharistie verbunden, weil sich der Mensch durch den Verzicht und das zeitweilige Leben mit Brot auf die Begegnungen mit dem göttlichen Brot vorbereitet. In der Verbundenheit mit der Eucharistie, der erhabensten Begegnung mit Gott, zeigt sich auf eine besondere Weise, wie positiv Fasten in sich ist und in welchem Maße es uns die Verwirklichung des Hauptzieles des Gebets: der Begegnung des ganzen Menschen mit Gott, dem Erlöser, ermöglicht.

In unserer Zeit ist Gandhi als ein Mensch bekannt, der fastete und betete. Er sagt: "Meine Religion lehrt mich, dass man in jeder Not, die man nicht lindern kann, beten und fasten soll!"

Obwohl es bekannt ist, dass Gandhi aus politischen Gründen gefastet und gebetet hat, glaubte er tief daran, dass nur Gott das Herz und die Vorsätze eines Menschen durch Fasten und Gebet ändern kann, dass durch Fasten und Gebet das Innere eines Menschen gereinigt und von der Schuld befreit wird, und dass es zugleich ein Ausdruck der Solidarität mit den leidenden Menschen ist.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass Fasten und Gebet an sich unzertrennbar sind, wie auch der Mensch eine unzertrennbare Ganzheit des Geistes, der Seele und des Körpers ist.

Quellenangaben: Text aus dem Buch "Mit dem Herzen fasten" von Pater Slavko Barbaric. Das Buch können Sie gerne bei der Gebetsaktion Wien (www.Gebetsaktion.at) bestellen.