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Fasten und die geistige Gesundheit

Das Lebensziel jedes Christen ist, Christus ähnlich zu werden. Wir sind auch dazu aufgerufen, alles anzunehmen, was uns bei solch einem Leben helfen kann, um diese Ähnlichkeit auch zu verwirklichen. Fasten und Gebet haben keine Bedeutung an sich, sonder nur hinsichtlich des erwünschten Zieles. Ein Christ, der Christus ähnlich werden möchte, muss sich selbst ganz konkrete Ziele setzen und sich von ihnen nicht abbringen lassen. Wenn man über die geistige Gesundheit spricht, muss betont werden, dass sie eine positive Wirkung auf psychische und körperliche Gesundheit ausübt, obwohl das auf keinen Fall bedeutet, dass eine körperliche Krankheit der Beweis für eine mangelnde psychische oder geistige Gesundheit ist. Es sind uns Beispiele von Heiligen bekannt, die ihr ganzes Leben krank waren, und trotzdem in dieser Krankheit die vollkommene geistige Gesundheit erhalten haben.

Es bestehen auch zuverlässige Maßstäbe für die geistige Gesundheit, und das sind die innere Freiheit, Fähigkeit zur Liebe und Vergebung, völlige Hingabe an Gottes Willen und Bereitschaft zur Opferung seines Lebens für andere. Mit anderen Worten, es ist das Ziel des christlichen Lebens, Gott und den Mitmenschen sagen zu können: "Mein Leben ist für dich da, meine Gaben stehen dir zur Verfügung."

Gott steht an erster Stelle
Gott hat das menschliche Herz für sich erschaffen, und der Mensch kann nicht glücklich sein, wenn Gott nicht an erster Stelle in seinem Leben steht. Es genügt, wenn jeder darüber nachdenkt, was seine konkreten Entscheidungen und Taten beeinflusst, um zu begreifen, welche Stelle Gott in seinem Leben einnimmt. Wenn Gott zu einem Maßstab aller Entscheidungen und Taten wird, kann man sagen, dass Gott an erster Stelle steht.

Als Beispiel kann man auch das Leben Jesu nehmen. Er hat nur nach dem Willen seines Vaters gehandelt. Er war völlig im Vater und der Vater in ihm.Worte, die von ihm gesprochen wurden, waren die Worte des Vaters. Als er während seines Fastens in der Wüste gegen den Versucher kämpfen musste, hat er den Vater verherrlicht, ihn angebetet und sich der Versuchung widersetzt, den Vater auf die Probe zu stellen. Als ihn in Getsemani Todesangst überkommen hat, hat er sich völlig dem Willen des Vaters unterworfen. Am Kreuz hat er seinen Geist in die Hände des Vaters gelegt. Zu jedem Zeitpunkt seines Lebens nimmt Gott die wichtigste Stelle im Herzen des Menschen ein.

Wenn man aber nur beim Beten bleibt, können sich Egoismus und Hochmut in die Geistigkeit des Gebets und in seine Absicht einschleichen. Obwohl gebetet wird "Vater, dein Wille geschehe", erwartet man, dass doch alles nach seinem eigenen Willen geschieht. Aus diesem Grund kommt es vor, dass die betende Person Gottes Liebe, Barmherzigkeit und Güte danach beurteilt, was sie durch das Gebet bekommen hat. So kann das Gebet im Leben eines Menschen nur ein Kampf zwischen dem menschlichen Willen und Gottes Willen bleiben.

Deshalb ist es nicht übertrieben zu sagen, dass unser Gebet auch gottlos sein kann, wenn wir weder um den Willen Gottes, noch um seine Liebe und das Kommen seines Reichs beten, sondern deshalb beten, weil wir an erster Stelle etwas von Gott erwarten. Deswegen mahnt uns auch Jesus, dass es uns zuerst um Gottes Reich und seine Gerechtigkeit gehen müsse, und alles andere wird uns dazugegeben werden (vgl. Mt, 6,26-34). Wenn wir Jesus nicht zuhören, wird unser Gebet nur durch unsere eigenen Bedürfnisse inspiriert, und wenn Gott unsere Bitte nicht erhört, werden wir uns enttäuscht von Ihm abkehren, weil er uns das Ersuchte nicht gegeben hat.

Wer aber den Aufruf annimmt und beginnt, zu beten und mit dem Brot zu leben (praktisch bedeutet das: während des Lebens mit Brot zwei Tage lang alles andere zur Seite legen), der beginnt mit der Befreiung seines Herzens vom Egoismus und Hochmut, von der Gebundenheit an seine Wünsche und seinem Verlangen, von der ungesunden Abhängigkeit vom Materiellen; er befreit sich von der ungesunden Abhängigkeit von sich selbst und den anderen und öffnet so sein Herz für Gott, damit Er in ihm die erste Stelle einnimmt. Gott kommt in unser Herz, nicht um es gefangenzunehmen, sondern um es zu befreien, um dessen Licht, Weg, Wahrheit, Leben, Frieden, Liebe, dessen Alles zu werden.

Fasten und Beten befreien den Menschen und er wird fähig, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Man darf nie vergessen und muss immer darauf achten, dass gerade dieses Wachstum in Freiheit als ein Maßstab für den Wert des Gebetes und des Fastens angesehen werden muss. Man muss sich immer dieser Tatsache bewusst sein, sich selbst ständig überprüfen uns sich nicht nur mit der Zahl der Fasttage und der ausgesprochenen Gebete zufrieden geben. Das Leben Jesu und unser Trachten danach, ihm ähnlich zu werden, sollen der einzige Maßstab für uns bleiben. In der durch Fasten und Gebet wachsenden Freiheit und durch Fasten und Gebet, die ihren Sinn in der Freiheit des Herzens verwirklichen, wird der Mensch für das Verhältnis zu sich selbst, zu den anderen und zu den materiellen Dingen empfindsamer.

Wir werden leicht wahrnehmen, dass sich unser Gebet und Fasten im Teufelkreis der Nichtfreiheit dreht, indem wir das Fasten nur als einen unangenehmen Verzicht auf angenehme Dinge, und das Gebet als einen Verzicht auf unsere Freizeit erleben. Wir werden das Gefühl haben, das Gebet stellt für uns einen Zeitverlust dar.

Ich bin überzeugt davon, dass der Mensch nicht dazu fähig ist, auf etwas zu verzichten, sondern nur manche Dinge durch andere zu ersetzen. Durch Fasten und Gebet kann man erkennen, was besser ist und leicht aufgeben, was nicht gut oder weniger gut ist. Aus diesem Grund sollten wir das Leben der Heiligen und der Mystiker überhaupt nie vom Standpunkt des Verzichtens sondern des Ersetzens betrachten. Für uns, "normale" Christen, klingt es ungewöhnlich, dass jemand in seiner Familie, seinem Vermögen, und allem entsagt hat, wenn wir nicht wissen, dass er all das durch etwas Besseres ersetzt hat. Deshalb sind immer weniger Christen dazu bereit, Christus entschlossen zu folgen: sie können nicht den Ersatz für ihren Verzicht erkennen, worüber aber auch Jesus selbst gesprochen hat (vgl. Mk 10-28).

Wenn ein Priester oder Ordensbruder im Verzicht lebt, und das "Hundertfache"nicht empfängt, wie es versprochen wurde, kann er den Sinn seines Lebens und seiner Arbeit verlieren, und in Bitternis und Nervosität dahinleben, weil sein Leben leer bleibt. Immer öfter geschehen richtige Tragödien bei denen, die gesandt worden sind, die Frohe Botschaft zu verkündigen!

Deswegen muss jeder Christ, und insbesondere jeder Priester und Ordensbruder fasten und beten, weil man durch Fasten und Gebet in das Geheimnis des Reiches Gottes und der Liebe Gottes eindringt, und zu einem Menschen wird, der Christus ähnlich ist und auch bereit ist, sein Leben anderen zu schenken!

Quellenangaben: Text aus dem Buch "Mit dem Herzen fasten" von Pater Slavko Barbaric. Das Buch können Sie gerne bei der Gebetsaktion Wien (www.Gebetsaktion.at) bestellen.