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Grabrede von Dr. Ivan Sesar

zum Tod von Pater Slavko Barbaric.

Fra Slavko wurde zu einer Zeit geboren, wenn der Frühling den Winter ablöst, am 11. März 1946 in Dragicina, in der Pfarre Cerin, vom Vater Marko und der Mutter Luca, geborene Stojic. Die Grundschule beendete er 1961 in Cerin. Von 1961 bis 1965 besuchte er das klassische Gymnasium in Dubrovnik, wo er das Abitur ablegte. Den Franziskanerhabit legte er zum ersten Mal am 14. Juli 1965 in Humac an. Theologie studierte er in Visoko, Sarajevo, Graz und Freiburg. Das feierliche Gelübde legte er am 17. September 1971 auf La Verna ab, wo sein und unser Vater, der heilige Franz verwundet wurde. Am 19. Dezember 1971 wurde er in Reutte (Österreich) zum Priester geweiht. Nach 5 Jahren pastoralen Dienstes in Capljina geht er zum Aufbaustudium nach Freiburg, wo er 1982 aus dem Gebiet der Religionspädagogik doktoriert und den Titel eines Psychotherapeuten erhält. Von 1982 bis September 1984 wirkte er in Mostar als Religionslehrer für Studenten.

Wegen seiner Kenntnis der europäischen Hauptsprachen und der unermesslichen Liebe zur Muttergottes und neben den Verpflichtungen in den Pfarren, in denen Fra Slavko wirkte, widmete er jede freie Minute der Arbeit mit den Pilgern in Medjugorje. Im September 1983 wurde er offiziell nach Medjugorje versetzt, wo er bis September 1985 bleibt. Von 1985 bis September 1988 übt er das Amt eines Pfarrvikars in Blagaj aus. Seine freie Zeit nutzt er in Medjugorje, indem er unermüdlich mit den zahlreichen Pilgern arbeitet, die diesen Ort besuchen. Von 1988 bis 1991 ist er Mitarbeiter des Novizenmeisters auf dem Humac, wo er gleichzeitig das Amt eines Pfarrvikars ausübt.

Mit dem Beginn des Krieges in Bosnien und Herzegowina, als die meisten älteren Frater als Vertriebene nach Tucepi gingen, meldete sich das Problem der Beichtväter in Medjugorje. Nach mündlicher Erlaubnis von Fra Drago Tolj, dem damaligen Provinzial, siedelt Fra Slavko nach Medjugorje um und bleibt hier bis zu seinem Tode, der uns alle am Freitag um 15.30 Uhr überrascht und erschüttert hat.

Jemand schreibt, dass es nicht so wichtig ist, wie lange man lebt, sondern wie man lebt. Wenn dies in der Tat ein Maßstab ist, so kann man mit Sicherheit sagen, dass Fra Slavko wenigstens drei Menschenleben gelebt hat. Er war ein unermüdlicher Arbeiter ohne Arbeitszeit und Arbeitsplatz; jetzt konntest du ihn sehen, wie er mit den Pilgern sprach, ein Stunde später, wie er Trauernde tröstet, die ihn jeden Tag aufgesucht haben, danach, wie er ins Majcino selo (Mutterdorf) eilte, eine Institution, die er gegründet und an der er so viel Freunde hatte, eine Institution, die heute mehr als 60 Personen versorgt. Es sind hauptsächlich Kriegswaisen oder Kinder aus zerrütteten Familien.

Was unser Fra Slavko alles gearbeitet hat, ist schwerlich aufzuzählen, denn dazu brauchten wir viel, viel Zeit. Davon zeugen am besten Hunderte von Beileidstelegrammen, die wir in diesen Tagen aus der ganzen Welt erhalten haben. Mit einem Wort, er war das Kind im Kinde, der Leidende im Leidenden, der Intellektuelle im Intellektuellen. Er war die Mutter der Verlorenen und Verlassenen, der Sammler der Ausgestoßenen. Er war Abhängiger von denen, die Hilfe brauchten. Wir wollen wenigstens das erwähnen, was allen bekannt ist, dass er den Sonnenaufgang regelmäßig auf dem Kreuzberg oder dem Podbrdo erwartet hat und den Tageswechsel auf den Beinen. Niemand hat ihn jemals gesehen, wie er an seinem Computer sitzt und schreibt und er gehört sicher zu den fruchtbarsten Schriftstellerns von Büchern geistlichen Inhaltes. Seine Bücher wurden in etwa zwanzig Sprachen übersetzt und weltweit über 20 Millionen Exemplare gedruckt.

Viele sagten von ihm, dass er ein Wunder von einem Menschen sei und er war das wirklich. Deswegen ist sein Weggang von uns um so schmerzlicher, denn Wunder ereignen sich nicht jeden Tag und auch solche großen Persönlichkeiten werden nicht oft geboren.

Mein lieber Fra Slavko! Ich habe mir nicht träumen lassen, dass wir uns so schnell trennen würden, nicht im Traum daran gedacht, dass gerade ich Dir dieses Curriculum vitae lesen muss, obgleich gesagt wird, das Perlen kein Curriculum vitae, sondern ein Curriculum gloriae haben; sie leben permanent, weil sie nicht gefunden, sondern geschenkt werden. Aber dem Herrn über Leben und Tod gefiel es, Dich gerade jetzt zu sich zu rufen und wir müssen uns seinem Willen beugen. Du hinterlässt ein großes Projekt, dass nur schwer ohne Dich verwirklicht werden kann, aber hier, an diesem offenen Grab, in dem Du in Frieden ruhen wirst, verspreche ich Dir, dass wir wenigstens versuchen werden, dort fortzufahren, wo Du stehen geblieben bist, denn ich weiß, dass das Dein größter Wunsch ist.

Ruhe in Gottes Frieden und der gute und gnädige Gott vergelte Dir jedes Deiner guten Werke. Amen.

 © Informationszentrum “Mir” Medjugorje; www.medjugorje.hr