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Durch das Fasten wird unser Herz rein

Es ist nun wichtig, über eine andere Konsequenz des Fastens nachzudenken. Durch das Fasten wird unser Herz reiner. Wir sehen die Wirklichkeit auf eine bessere Art und Weise. Wir erkennen leichter, was wir haben, was uns Not tut und was wir nicht brauchen. Wir befreien uns vom inneren Druck, dem Wunsch und der Notwendigkeit, mehr haben zu müssen und gleichzeitig vergessen wir, was wir schon haben. Alles ist im Leben relativ, das heisst, dass nicht alle Dinge so wichtig sind, wie wir manchmal denken. Wir leben in einem Zustand, in dem wir glauben, dass materielle Dinge sehr wichtig seien. Wir vergessen die Dimension unserer Pilgerschaft in dieser Welt. Es gibt viele Leute, die glücklich wären, ein Dach über ihrem Kopf und jeden Tag ein Stückchen Brot zu haben. Um wieviel glücklicher wären sie, hätten sie so viel wie wir. Und dennoch, wie oft sind wir bei all unserem Wohlstand unglücklich und unzufrieden. Der Grund für die Unzufriedenheit liegt darin, dass wir keinen Blick für das Wichtige mehr besitzen. Wir sind für das Wichtige blind geworden. Darum sind wir überzeugt, dass wir so viele Dinge brauchen. Durch das Fasten finden wir leichter dazu zurück, die wichtigen Dinge des Lebens unterscheiden zu können. Darum ist Fasten so wichtig: es macht uns innerlich frei, es macht es uns leichter, uns auf Gott und auf die Mitmenschen hin zu bewegen. Es ermöglicht uns die Begegnung und Aussöhnung. Je mehr wir den Menschen wirklich begegnen, umso weniger Zeit werden wir für Konflikte finden, und negative Dinge und Kriege werden ausgeschlossen sein. Alle Konflikte entstehen ja nur
deshalb, weil wir uns an bestimmte Dinge klammern.

Viele Christen sind zu sehr an diese Welt gefesselt und können sich nicht bewegen. Durch das Fasten werden sie zwar noch nicht zu Pilgern, die bewusst den Weg auf Gott zugehen, aber sie beginnen Gott zu suchen, weil sie verstehen, dass sie ihn brauchen. Das ist der Weg zu einer neuen Freiheit.

Viele Leute leben in einem Zustand der Zerstörung, denn sie verschwenden Unmengen an Zeit und Geld für sehr unwichtige Dinge. Sie können sich nicht befreien und zu den wichtigen Dingen vordringen. Der Pilger, der Gott sucht, darf nicht in diesen Zustand gelangen. Maria will, dass wir durch das Fasten und das Gebet zu wahrhaftigen Menschen werden, die nach Gott suchen, zusammen mit ihr. Ein Pilger dieser Art zu werden, heisst nicht, dass wir das verlieren müssen, was wir haben; vielmehr heisst es, dass alles dadurch eine neue Rangordnung erhält, dass man jeden Tag Pilger ist und dass man sich ständig auf Pilgerschaft befindet. Wir erinnern uns an die Parabeln des Evangeliums, in denen Jesus den Gedanken betont, dass wir Gott erwarten und ihm entgegengehen sollen. Menschen, die zu ihrem Ziel unterwegs sind, lassen sich auf ihrem Weg durch nichts aufhalten. Sie sind motiviert und getragen von der inneren Hoffnung auf die Begegnung mit dem Herrn. Wenn die Menschen diese Hoffnung verloren haben, beginnen sie zu trinken, zu essen und schlagen sich sogar. Im Matthäus-Evangelium lesen wir von dem Besitzer eines Weinberges, der ihn an Bauern verpachtete und auf Reisen ging. Als die Zeit der Lese kam, sandte er seine Sklaven aus, um von den Pächtern seinen Anteil der Trauben zu erhalten. Die Pächter antworteten, indem sie die Sklaven ergriffen, den einen schlugen und den anderen töteten. Genauso gut bekannt ist uns die Parabel der Jungfrauen, die kein Öl hatten. In diesen Gleichnissen erkennen wir Situationen, in denen die Bedeutung der Erwartung verloren gegangen war. Mit anderen Worten, Maria will von uns, dass wir immer bereit bleiben, uns zu bewegen. Sie will uns zur wachsenden Erkenntnis des Wichtigen und des Unwichtigen führen. Unsere Herzen werden offener werden für die, die in Not sind. Es wird uns leichter fallen, die geistigen und materiellen Nöte des Bruders und der Schwester, unserer Nächsten, zu erkennen. Darum könnte man auch von einer sozialen Dimension des Fastens sprechen. Zu Beginn der Erscheinungen fragten sich viele Leute: «Warum verlangt die Gottesmutter nicht soziale Hilfe und Ähnliches?» Ich glaube, dass sie uns vorher erziehen wollte, ehe sie uns einlädt, dies zu tun. Die ganzen Jahre hindurch hat es viele Einladungen gegeben und sie sind auf taube Ohren gestossen, denn wir sind selbstsüchtig und stolz und wir sehen nicht die Not der anderen.

Quellenangaben: Text aus dem Buch "Fasten" von Pater Slavko Barbaric
(Buch kann bei der Gebetsaktion Wien unter www.gebetsaktion.at)