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„Das Fasten schenkt uns Freiheit!"

In seinem Buch "Fasten" erklärt Pater Slavko Barbaric die Wichtigkeit und Schönheit des Fastens, zu dem uns die Muttergottes am Mittwoch und Freitag einlädt. Gerade in diesen Tagen der Fastenzeit kann uns das eine wertvolle Hilfe sein.
Die Menschen der westlichen Welt haben nicht nur das, was sie benötigen, sie haben sogar zu viel. Mit diesem Überfluss sind wir in Gefahr, unsere Seele und unser psychisches Leben darin zu ertränken. Wenn wir unser psychisches Leben ersticken, werden wir blind für das, was wir haben. Dabei haben wir das Gefühl, immer mehr zu benötigen. Indem wir nicht sehen, was wir haben, und indem wir immer mehr wollen, entstehen in unserer Seele Konflikte: Wir sehen nicht mehr das Wesentliche, sondern wir können nur noch das sehen, was wir nicht haben. Mit anderen Worten: Wenn wir alles zur Verfügung und im Übermaß haben, lernen wir etwas nicht, was aber für unser Leben sehr wichtig ist: zu warten, geduldig zu sein mit den anderen und mit den materiellen Dingen. Vor allem für die Jugendlichen ist das eine große Gefahr.

Was will uns das Fasten hier lehren?
Zwei Tage mit allen Dingen, die wir haben, zu leben, ohne sie anzurühren, und am Donnerstagmorgen zu sehen: „Schau, ich lebe." Und auch am Samstag zu sehen: „Gestern habe ich nichts gegessen, keine Schokolade und keine Kekse, und ich lebe noch immer." Es ist nicht leicht, mit Dingen zu leben und sie nicht anzurühren. Aber jene, die zu fasten beginnen, fangen an, dieses Verhalten zu erlernen. So entwickelt sich eine neue Kraft, Schwierigkeiten zu überwinden und mit Problemen zu leben.

Die Not lindern
Auf dieser Stufe lernen wir, mit den anderen zu teilen. Sehen Sie, es gibt viele auf der Welt, die froh wären, so leben zu können, wie wir fasten. Wir können das Brot wählen, sie aber sterben, wenn sie nicht dieses eine Stückchen Brot bekommen. Mit einem einzigen Stück Brot kann man noch leben. Wenn man nicht einmal das bekommt, stirbt man.
Den Frieden kann man lernen, indem man die anderen sieht, ihnen hilft und mit ihnen zu teilen versteht.

Die spirituelle Ebene
Ganz einfach, man betet besser, wenn man fastet. Dann tritt man leichter in die Tiefe des Herzens, des Gebetes, ein. Und tatsächlich ist man an den Fasttagen weniger zerstreut. Wenn wir besser beten wollen, werden wir zu fasten beginnen müssen. Wenn wir fasten und wir beten dabei, hilft das unserem Fasten. Und mit dem Fasten wächst unser Streben nach Gott. Wenn wir mit dem Brot leben, werden wir auch das Eucharistische Brot entdecken, und unsere Liebe zum Eucharistischen Jesus wird wachsen. Indem wir fasten, öffnet sich auch der Geist für den Herrn, denn wir sehen, dass man nicht von Brot allein lebt, wie Jesus sagt, sondern auch von jedem Wort, das in das offene Herz dringt.

Das Fasten führt uns in die Freiheit
Durch das Gebet klammern wir uns an Gott und durch das Fasten lösen wir uns von den "angenehmen" Dingen, die uns an die Welt binden. Fasten führt zu einer neuen Freiheit des Herzens und des Geistes. Fasten ist ein Aufruf zur Umkehr, der an unseren Leib gerichtet ist. Mit einem Wort ist es ein Prozess, durch den wir frei und unabhängig von allen materiellen Dingen werden. Und indem wir uns selbst von den Dingen außerhalb von uns befreien, befreien wir uns auch von den Leidenschaften in uns, die unser inneres Leben in Ketten halten. Diese neue Freiheit schafft Platz in unserem Leib für neue Werte. Darum befreit uns Fasten von einer gewissen Knechtschaft und macht uns frei, uns am Glück zu erfreuen.

Zeugnis eines Pilgers
"Ich hatte zu fasten begonnen, weil meine Frau und meine Kinder fasteten; ich wollte nicht, dass meine Frau für mich allein kochen musste. Zunächst ereignete sich nichts Besonderes. Ich wusste, dass ich bei meinem Gebet zerstreut war. Ich wollte auf das Wort Gottes hören, aber ich konnte keine besondere Wirkung von ihm entdecken und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass ich mich unter seinem Einfluss veränderte. Ich hörte zu, aber dann widmete ich mich wieder meinen Geschäften, nichts in mir war verändert. Eines Tages wurde es mir deutlich klar, dass ich meine Art zu beten ändern musste. Es schien mir, dass meine neue Vorstellung vom Beten das Resultat der stillen Reflexion war, zu der ich während der Fasttage gelangt war. Plötzlich geschah etwas, das die Wirkung des Gebets klar demonstrierte. Lange Zeit hatte ich ein sehr schlechtes Verhältnis zu meinem Bruder und ich hatte mich an diese Situation gewöhnt. Wir sprachen kaum miteinander, und es berührte mich nicht einmal, dass sich unsere Frauen und Kinder so gut wie überhaupt nicht kannten. Ungefähr ein Jahr, nachdem ich zu fasten begonnen hatte, wurde ich mir bewusst, dass mich diese Situation schmerzte und mich bedrückte. Ich fuhr fort zu beten und zu fasten. Dann, eines Morgens, hatte ich das ungewöhnliche Gefühl, von einer Last befreit zu sein. Ich besuchte meinen Bruder und bat ihn um Verzeihung. Auch er war bereit dazu. Gott sei Lob und Dank! Jetzt leben wir als zwei wahre Brüder!"

Quellenangaben: Text aus dem Buch "Fasten" von Pater Slavko Barbaric ( Das Buch kann bei der Gebetsaktion Wien unter www.Gebetsaktion.at bestellt werden)
und Medjugorje aktuell, Heft 77