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Fasten und Gebet bedeutet Boden für neues Leben

"Das in Vergessenheit geratene Fasten" von Pater Dr. Slavko Barbaric

Wenn wir uns der biblischen Fastenpraxis (sei es im Alten oder im Neuen Testament), der Kirchentradition und der Heiligenerfahrungen bewusst werden, und dessen was heutzutage vom Fasten übrig geblieben ist, kann man mit Recht behaupten: „Das Fasten ist in Vergessenheit geraten.“
Anselm Grün schreibt: „Wo wird heute gefastet? Kaum noch dort, wo man es am meisten erwarten würde, in den Klöstern. Es werden viele Gründe angegeben, warum man heute nicht mehr nach der Regel vom heiligen Benedikt fasten kann oder so wie es Franz von Assisi praktiziert hat: Heute soll man mehr als früher arbeiten, das sei nicht mehr gesund, vieles soll zeitabhängig sein.“
Dem kirchlichen Gesetz nach gibt es nur noch zwei Fasttage: Aschermittwoch und Karfreitag. Wenn man dem Rat folgt, an diesen Tagen dürfe man sich einmal satt essen und zweimal weniger essen, ist es ersichtlich, dass Fasten eigentlich nicht mehr vorhanden ist, weil jeder vernünftige Mensch normalerweise gerade so essen sollte: sich einmal pro Tag satt essen und zweimal weniger essen, weil alles andere dem Organismus nicht gut tut.
Freitag war früher der Tag, an dem die Christen kein Fleisch gegessen haben. Jetzt können die Gläubigen nach eigener Wahl darüber entscheiden, was gewiss als ein großer Verlust sowohl für die geistige als auch für die körperliche Gesundheit angesehen werden kann. Fasten als Vorbereitung für die Festtage ist auch verschwunden.
In der letzten Zeit ist es klar geworden, das der Sinn des Fastens völlig verloren gegangen ist, weil man nach offiziellen Erklärungen Fasten durch gute Taten oder ein anderes Opfer bzw. durch Verzicht ersetzten kann, was völlig falsch ist.
Derjenige, der nicht fasten kann, kann das Fasten auch durch nichts anderes ersetzten, wie auch ein Kranker durch kein Gebet die Teilnahme an der heiligen Messe ersetzten kann, obwohl ihn seine Krankheit dabei rechtfertigt. Wenn jemand z.B. auf Zigaretten oder Alkohol in der Fastenzeit verzichtet, ist das zwar sehr nützlich, aber hier handelt es sich nicht um Fasten. Wenn jemand gute Taten verrichtet, ist das auch gut, kann aber nicht Fasten ersetzten.
Fasten und Gebet sind an erster Stelle Mittel für die innere Reinigung und Befreiung, und zweitens stellen sie Bedingungen für ein richtiges Wachstum des Geistes und ein korrektes Verhalten zu sich selbst, den anderen, der Natur und zu Gott dar.

Alle sind zum Fasten aufgerufen
Gesunde und Kranke, Junge und Alte, Reiche und Arme, Heilige und Sünder, alle müssen fasten, obwohl die Ergebnisse verschieden sein können.
Gesunde werden durch Fasten und Gebet mehr Mitleid mit den Kranken bekommen. Kranke werden leichter ihr Kreuz ertragen können und nach Erfahrungen vieler auch schneller gesund werden. Jugendliche werden durch Fasten und Gebet ihre Freiheit bewahren, den schlechten Gewohnheiten besser widerstehen, sie besser erkennen und erfolgreicher gegen sie kämpfen können. Ältere Menschen werden durch Fasten und Gebet ihren Frieden erhalten, großzügiger und dankbarer werden und ihre Tage mit mehr Freude leben.
Den Reichen wird durch Gebet und Fasten eher bewusst, was sie besitzen, so dass sie für ihre armen Brüder und Schwestern einen Teil ihres Besitzes leichter abgeben können. Fasten und Gebet kann sie von Hochmut und ungerechtem Verhalten den anderen gegenüber bewahren und ihnen helfen, für ihren Besitz Dankbarkeit zu zeigen.
Den Armen können Fasten und Gebet beim Tragen ihres Kreuzes helfen, sodass sie durch ihre Armut nicht verbittert werden und damit sie der Versuchung widerstehen, das Materielle als wichtigstes Kriterium für das menschliche Glück zu betrachten.
Einem Sünder helfen Fasten und Gebet, seine Sündhaftigkeit zu erkennen, die Verantwortung dafür zu übernehmen, seine Sünden von Herzen zu bereuen und eine neue Kraft im Kampf gegen das Böse zu bekommen. Den Heiligen können Fasten und Gebet bei ihrem Wachstum in Liebe, Glauben, Hoffnung, Hingabe und Vertrauen in Gott helfen.
Auch die Umwelt könnte man durch Fasten und Gebet leichter schützen. Es gäbe weniger Abfall, und wir wären fähig, die allgemeine Gefahr zu überwinden, die darin besteht, dass wir die Naturschätze so ausbeuten, als gäbe es keine weitere Generation nach uns auf dieser Welt.
Es wird immer wieder vom dritten Jahrtausend gesprochen und es werden viele Fragen danach gestellt, was es mit sich bringen wird. Es wäre angebrachter zu fragen, als welche Menschen werden wir das dritte Millennium betreten? Wenn wir auch in neuem Jahrtausend mit unserem Hochmut, unserer Habgier, unmäßigem Essen und Trinken und unserem unablässigen Rennen nach materiellen Dingen nicht aufhören, werden wir wegen unserer Selbst- und Habsucht ständig Unglück hervorrufen und so unsere Familien, die Kirchengemeinschaft und die ganze Welt gefährden.

Fasten und Gebet neu zu entdecken bedeutet im biblischen Sinne,  die Bedingungen für ein neues Leben zu schaffen.
Fasten darf nicht vergessen und missverstanden werden. Es muss eine entsprechende Stelle in unserem Leben bekommen wegen uns selber, der Natur, anderer Menschen und schließlich wegen unserer Beziehung zu Gott!
Der kanadische Benediktiner Adalbert de Vogüe, gesteht in seinem Buch “To Love Fasting“, dass der Aufruf zum Fasten aus Medjugorje der Kirche geholfen hat, zum Fasten zurückzukehren.
„Das religiöse Fasten ist nicht völlig verschwunden. Die neuesten Erscheinungen der Muttergottes in Medjugorje haben aufs Neue diese alte Frömmigkeitsform – Fasten bei Brot und Wasser mittwochs und freitags – Ehre erwiesen. Das westliche Christentum hat aber lebendige Bräuche und geistige Motive vernachlässigt….“.

Pater Slavko Barbaric - aus dem Buch „Mit dem Herzen fasten“Bestelladresse: Buchladen Tiberias, Medjugorje (zu deutschen Portopreisen)