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"Ich gebe dir meine Liebe, damit du sie weitergeben kannst."

Einladung der Muttergottes an jeden Jugendlichen:

Frage: Hier in Medjugorje nimmt sich die Muttergottes besonders der Jugend an. Die Gebetsgruppen der Jugendlichen haben viel neues Leben in die Pfarre gebracht. Was will die Muttergottes der Welt mit diesem Beispiel zeigen?

P.Slavko: Ja, das ist wohl richtig, daß sich die Muttergottes besonders der Jugendlichen annimmt. Sie hat die Jugend besonders angesprochen, von Anfang an. Es gibt sechs Seher, dazu kommen zwei, die nur am ersten Tag gesehen haben, und weiters Jelena und Marijana, also zehn Jugendliche, mit denen die Muttergottes - so bin ich überzeugt - in engem Kontakt steht.

In vielen Botschaften wendet sie sich direkt an die Jugend. Am 22. Dezember 1985, das war ein Sonntag, bereiteten sich die Jugendlichen unserer Pfarre für die Beichte bzw. für Weihnachten vor. Einige Tage zuvor hatte ich Marija Pavlovic geraten, sie solle die Muttergottes vielleicht um eine Botschaft bitten. Am Samstag, also dem 21. Dezember, legte ihr die Gottesmutter folgendes ans Herz: "Liebe (normalerweise sagt sie "liebe Kinder", diesmal sagte sie nur "Liebe"), freut euch über alles, was Gott für euch tut! Nein, ihr seid euch dessen nicht bewußt, was Gott euch gegeben hat. Ich möchte euch sagen, betet und lebt alle Botschaften, die ich euch gebe! Ich habe großes Vertrauen zu euch Jugendlichen." Das ist ein Wort direkt an die Jugend, aber nicht nur an die Jugend der Pfarre, sondern an die Jugend der ganzen Welt - glaube ich.

Ja, wir haben von der Einladung der Muttergottes an die Jugend gesprochen, die vor allem mit ihren Gebetsgruppen auf diese Einladung antwortet. In die große Gruppe in Medjugorje sind etwa 60 Mädchen und Burschen eingeschrieben. Es ist eine sehr beständige Gruppe. Es gibt auch noch eine kleine, etwas jüngere Gruppe bei Jelena. Ich weiß auch von verschiedenen anderen Gruppen, die keine äußere Struktur haben. Sie kommen einfach zusammen und beten. Ich weiß, daß die jungen Menschen, die mit Jelena oder dem Seher Ivan beten, und auch die, die einander zeitweise in verschiedenen Häusern begegnen, wirklich geistig wachsen. Wenn ich sage, daß sie geistig wachsen, so meine ich damit den inneren Frieden, den sie ausstrahlen, die innere Bereitschaft, Gott zu folgen, also mit der Gottesmutter Maria Seinem Wort zu folgen und unterwegs zu Ihm bleiben. Ich weiß, daß diese jungen Menschen in ihren Familien und auch in der Pfarre wie Sauerteig wirken.
Wenn man fragt, was die Muttergottes der Welt mit diesem Beispiel zeigen möchte, so ist es vielleicht das, was sie in der eben genannten Botschaft gesagt hat, daß sie großes Vertrauen zu den Jugendlichen hat. Das heißt, daß sie die Jungen, die noch nicht von der Welt in Beschlag genommen sind - und hier meine ich die Welt im negativen Sinn, die Welt des Egoismus, die Welt des Materialismus -, für eine bessere Welt bewahren will. In der Botschaft von gestern (2.Januar 1986) heißt es, daß jeder Mensch, der mit Gott lebt, ein Zeichen dafür ist, daß eine neue, eine bessere Welt möglich ist. Jene, die in der ganzen Welt auf den Impuls von Medjugorje hin begonnen haben, ihr Leben auf Gott hin auszurichten, haben verstanden, und sie haben sicherlich die Erfahrung gemacht, daß diese bessere Welt wirklich möglich ist. Ich meine, daß eine bessere, friedvollere Welt auch eine gerechtere Welt wäre als unsere heutige. Das ist die Botschaft von Medjugorje, nicht nur im Wort, das Maria ausspricht, sondern auch im Beispiel der Jugenlichen, die mit Maria unterwegs bleiben.

Frage: Die Jugendlichen in den Gebetsgruppen sind gewöhnliche junge Menschen mit Schwächen und Versuchungen, die sich von anderen jungen Menschen nicht unterscheiden. Wie gewinnt die Muttergottes ihre Herzen?

P. Slavko: Ja, als ich vorhin gesagt habe, daß die Jugendlichen Sauerteig in ihren Familien sind, meinte ich nicht, daß sie Heilige wären. Darum sagst du mit Recht, daß sie ganz normale Menschen mit Schwächen, Schwierigkeiten und Versuchungen sind. Ich stehe mit ihnen im Kontakt und kenne sie recht gut. Obwohl sie nicht von der Welt in Beschlag genommen sind, haben sie in ihrem Leben und in ihrem Herzen Härte erfahren, die Folgen der Sünder der Welt und der eigenen Sünde. Jeder Mensch trägt von Natur aus die Sündhaftigkeit in sich. Aber eines ist da doch zu sagen: Der Muttergottes ist es gelungen, das Herz vieler junger Menschen zu gewinnen. Wie?

Die Antwort werden alle verstehen, obwohl ich indirekt anworte. Wie gewinnt eine Mutter das Herz ihres Kindes? Sie liebt es, sie zeigt ihre Liebe, sie verzeiht leicht, sie lädt immer wieder von neuem ein, sie lächelt und sie umarmt. Das ist die Verhaltensweise einer Mutter. Jede Mutter, die es so macht, gewinnt das Herz ihres Kindes. Die Muttergottes sagt "Meine Lieben" oder "Meine lieben Kinder", sie sagt auch für das Kleine "Danke" und immer wieder "Danke, daß ihr meinem Ruf gefolgt seid!" Sie sagt: "Ich bin froh, wenn ihr zurückkommt, ich verzeihe leicht", das stand auch in einer Botschaft. Sie wiederholt immer wieder, wie traurig sie ist, wenn jemand seinen Weg verliert, und wie froh sie ist, wenn er ihn wiederfindet.

Durch diese Aussagen und Botschaften gewinnt sie gerade auch die Herzen der jungen Menschen. Durch ihre Botschaften, Erscheinungen und täglichen Begegnungen mit den Jugendlichen zeigt sie sich nicht nur als Mutter, sondern wirklich mütterlich. In dieser Welt versagt im Moment etwas, nämlich die Mütterlichkeit, das Muttersein der Frau. Vielleicht sind deshalb viele Menschen hier so offen für die Mutter Maria, für die Muttergottes.
Maria hat sich "Königin des Friedens" genannt, sie hätte auch sagen können: "Ich bin die Königin des Lebens." Wenn ein Herz sich nach dem Frieden in der Familie, der Welt, der Kirche sehnt, so ist es vor allem ein junges Herz. Ich glaube, die Mutter Gottes konnte keinen besseren und geeigneteren Titel finden, um die Jugend zu gewinnen, als den Titel "Königin des Friedens". Denken wir an viele Bewegungen in der Welt, in denen es Menschen gelungen ist, viele junge Menschen um sich zu scharen. In vielen Fällen hat dies zu Aggressionen, sogar zu Terrorismus geführt, denn die jungen Menschen sind bereit, sich für Ideale einzusetzen, vor allem für den Frieden, aber sie sind verwirrt und tun dies oft auf Irrwegen.

Ich sagte vorhin, die Muttergottes hätte auch sagen können, daß sie die Königin des Lebens ist. Wenn sich jemand nach Leben sehnt, nach der Fülle des Lebens, so ist das vor allem ein junger Mensch. Um zu verstehen und zu erfahren, daß Maria die Königin des Friedens ist, muß man eine Bedingung erfüllen: Man muß ihrem Ruf folgen! Nur so werden wir Schritt für Schritt erfahren, wie wir uns dem nähern können, wonach wir uns alle sehnen, dem Frieden und der Fülle des Lebens. Maria kommt als Mutter, sie zeigt uns den Weg, uns sie erfüllt uns mit Inhalt.

Frage: Mit welchen Impulsen versucht die Muttergottes die Jugenlichen zu motivieren? Wie hilft sie ihnen, daß sie die Trägheit und die menschlichen Schwächen immer wieder zu überwinden versuchen?

P. Slavko: Ich kann immer nur wiederholen: Ihre stärkste Einladung, ihre beste Motivation und ihre wirkungsvollste Hilfe ist die Liebe. Wenn sie sagt: "Mein Lieber, ich vertraue dir!", so ist das ein tiefer menschlicher Impuls. Wenn ich Liebe und Vertrauen zu jemanden habe, dann bin ich offen für alles, was er mir anbietet und vorschlägt. Die Muttergottes spricht einfach das Herz an, und das Herz beginnt dann anders zu klopfen und zu reagieren als vorher. Die Trägheit und alles Negative im Menschen kann überwunden werden, wenn wir lieben und vertrauen. Dann sind wir bereit zu entdecken, daß wir die Kraft haben, unsere Schwächen zu überwinden und wirklich weiterzukommen. Wir wissen aus unserer Erfahrung, daß uns alles gelungen ist, wenn wir die Liebe hatten.
Wenn wir an einem Tag nicht in die Schule gehen wollten, dann war es am Morgen furchtbar schwer aufzustehen. Es gibt Kinder, die krank werden, nur um nicht in die Schule gehen zu müssen, das ist eine pathologisch gewordene Trägheit. Wenn wir die Trägheit und all das andere, das uns an uns nicht gefällt, überwinden wollen, dann müssen wir uns vorher für die Liebe und das Vertrauen entscheiden. Wir können nicht direkt gegen die Trägheit, das Mißtrauen, den Haß oder die Sünde ankämpfen, das geht nicht. Wir müssen es auf einem anderen Weg versuchen. Wir können uns einfach positiv entscheiden für das, was uns die Muttergottes anbietet. Das erscheint mir überhaupt sehr wichtig für das Leben.

Frage: Die Ziellosigkeit und der Motivationsmangel haben viele Jugendliche dazu geführt, das Glück, die Befriedigung und den Sinn in all den Dingen zu suchen, die unsere moderne Welt anbietet und die noch nicht bleibend glücklich machen. Was will die Muttergottes diesen Menschen sagen?

P. Slavko: Dein Wunsch nach Frieden, dein Wunsch, wirklich glücklich zu sein,, dein Wunsch nach der Fülle des Lebens ist berechtigt, er ist von Gott. Es ist gut, daß sich die Menschen , vor allem die Jugendlichen, danach sehnen. Die vielen ziellosen Menschen, denen die echte Motivation fehlt, sind der Beweis dafür, daß wir ein Ziel und eine Motivation brauchen und daß wir noch nicht gefunden haben, wonach wir uns sehnen.
Drogen, Aggressionen und der Materialismus haben so viel Unzufriedenheit geboren. Wir heutigen Menschen sind der Beweis dafür, daß wir selbst dann, wenn wir die ganze Welt besäßen, noch keinen Frieden hätten, daß wir immer noch nicht genug hätten, um zufrieden zu sein. Ist das nicht der Beweis dafür, daß in uns eine Notwendigkeit lebt, die Wirklichkeit zu transzendieren?
Das ist den Menschen  von heute leichter verständlich zu machen als den Menchen vor 50 Jahren, denn in materialistischen und kommunistischen Lebensanschauungen haben diese Menschen geglaubt, wenn sie alles hätten, Essen, Kleidung, Wohnung, genug Amüsantes im Leben, dann hätten sie wirklich alles. Aber gerade dort, wo die Menschen menschlich gesprochen alles haben, dort werden die Drogenabhängigen geboren, dort gibt es Aggressionen und Terror, dort werden viele Menschen vernichtet. Wenn ich ehrlich sein soll, so meine ich, daß uns gerade diese unsere Situation weiterbringen wird. Was will die Muttergottes diesen Menschen anbieten? Wie würde sie ein solches Angebot formulieren?

Sie würde menschlich und mütterlich zu ihnen sprechen: "Mein Kind, ich verstehe dich, ich verstehe dein Hin- und Herirren. Ich verstehe deine Ziellosigkeit. Ich verstehe, daß du den Willen zum Leben verloren hast, weil du von einer Sackgasse in die andere geführt worden bist. Ich verstehe, daß du jetzt rebellierst und enttäuscht in Ecken und Sackgassen stehst. Aber das ist ein Zeichen für dich, daß du mehr willst und mehr brauchst, als du bisher bekommen hast. Wenn du jetzt den anderen Weg wählen willst, dann gibt mir deine Hand, entscheide dich für Gott, und ich werde mit dir sein."

Sobald sich jemand aus seiner Sackgasse herausführen läßt, bekommt er sofort neue Chancen, anderen Menschen den Frieden zu bringen. Die Muttergottes kritisiert in ihren Botschaften die Welt nicht. Gut, sie sagt, daß wir noch nicht wirklich verstanden haben, aber sie spricht immer positiv. Einmal hat Marija Pavlovic die Muttergottes gefragt, ob sie ihr etwas Konkretes sagen wolle. Die Antwort war: "Ich geben dir meine Liebe, damit du sie weitergeben kannst."

Das ist sicherlich der Wunschtraum eines jeden jungen Menschen, die Liebe zu haben und sie weiterzutragen, den Frieden zu haben und ihn weiterzutragen. Wir haben hier die Chancen, beides zu erhalten und beides weitergeben zu können.
Ich würde sagen, gegen die Ziellosigkeit und die Finsternis direkt zu kämpfen, lohnt sich nicht. Man muß sich einem Licht zuwenden, ein Licht anzünden, dann ist die Finsternis überwunden.
Wenn ich direkt gegen die Finsternis kämpfe, dann habe ich keine Zeit, das Licht zu suchen. Ich spüre ein Bedürfnis nach Licht, und ich suche es. Sobald ich es gefunden habe, verschwindet die Finsternis. Jede noch so winzige Lampe erleuchtet die Straße wenigstens auf einen Meter. Dieser Meter ist dann leichter zu gehen, und der Mensch, der dort steht, ist leichter zu erkennen. Ich sage das für diejenigen, die meinen, es habe keinen Sinn, sich für das Licht zu entscheiden, wenn Tausende gegen dieses Licht stehen. Es ist wahr: Was ist ein Lichtlein gegen so viele, die es vernichten wollen? Aber trotzdem lohnt es sich, auch dieses Lichtlein auf die Straße zu stellen. Mit seiner Hilfe kann sich der Mensch orientieren, und jeder, der sich neu entscheidet, wird zu einem neuen Orientierungspunkt.

Frage: Der innere Friede ist ein Zustand, der nicht durch die Befriedigung der Sinne erreicht werden kann, sondern einzig und allein durch das Öffnen des Herzens, durch die Liebe zu Gott und zu den Menschen. Wie versucht die Muttergottes zu erreichen, daß sich dieser Geist Gottes in den Herzen der heutigen Jugendlichen niederläßt?

P. Slavko: Ja, den ersten Satz deiner Frage werden vor allem diejenigen verstehen, die den Frieden nicht gefunden haben, obwohl sie alles zur Verfügung gestellt hatten, was Freude bringen kann. Musik, Autos, viele Reisen usw. Der Friede ist möglich, das versichert uns die Muttergottes. Damit wiederholt sie nur, was auch Jesus getan hat, aber wir können den Frieden nicht kaufen, weil er nirgends verkauft wird. Jesus versprach uns ja auch einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Nicht einmal die Muttergottes kann uns den Frieden direkt bringen, sie kann uns nur dazu aufrufen, daß wir uns ihren ganz konkreten Vorschlägen zu seiner Realisierung öffnen.
Demjenigen, der hört und sich langsam öffnet, verspricht sie, daß er den Zustand des Friedens mehr und mehr erleben wird. Er wird erfahren, daß der Friede nicht nur eine horizontale Dimension hat - das ist ein Betrug der Welt -, sondern daß er auch eine Vertikale besitzt. Viele Menschen haben Gott ausgeschlossen, sie wollen den Frieden auf einer rein horizontalen Ebene gewinnen. Der Mensch, die menschliche Seele kann nicht wirklich im Frieden mit anderen sein, wenn sie nicht im Frieden mit Gott ist. Die Muttergottes versucht also, den Zustand des Friedens allen erfahrbar zu machen, die sich zuerst Gott der vertikalen Dimension der Seele, widmen.

Der Friede wächst auch mit der Friedens-Bereitschaft, dem Willen zur Versöhnung mit allen Menschen. Eine ganz wichtige Bedingung für den Frieden ist das Verzeihenkönnen. So viele Menschen gelangen nicht zum Frieden, obwoh sie ihn sich so wünschen, weil sie nach dem Prinzip leben: Wenn du das für mich tust, dann bin ich bereit, jenes für dich zu tun. Das ist Kaufen und Verkaufen. Der Friede, den uns die Muttergottes angeboten hat, heißt: Verzeihe, auch wenn jemand in deiner Schuld steht, nur so kannst du den Frieden stiften! Wenn wir uns einmal für diesen Frieden entschieden haben, dann werden wir erfahren, daß jeder Mensch sich nach dem Frieden sehnt, daß wir aber ohne ihn bleiben müssen, wenn wir nicht selbst den Mut haben, ihn uns und den anderen zu bringen.

Ich möchte noch einmal betonen, daß der Zustand des Friedens nur dann Wirklichkeit wird, wenn der Mensch sich selbst und seinen Mitmenschen sowohl in seiner materiellen (horizontalen) als auch in seiner geistigen (vertikalen) Dimension ernst nimmt. Das betont die Muttergottes oft. Sie vergißt uns nicht in unserem Menschsein, und sie möchte, daß auch wir den anderen nicht vergessen. Vor Weihnachten hat sie zum Beispiel gesagt: "Liebt euren Nächsten, dann werdet ihr auch Jesus leichter spüren!" Man könnte auch sagen: Liebt Jesus, dann werdet ihr euren Nächsten leichter spüren!

Quellenangaben: Gebetsaktion Wien/Nr.2 im Jahr 1986