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Gedanken über den Sinn der Geheimnisse

Interview der Gebetsaktion Wien mit Pater Dr. Slavko Barbaric OFM

Die Muttergottes bleibt ihrem Versprechen treu, das sie den Sehern gegeben hat: Sie sagte, dass sie ihnen bis zum Ende ihres Lebens erscheinen wird. Das heißt, sie erscheint nicht mehr allen jeden Tag, sondern den einen täglich und den anderen einmal im Jahr. Die Muttergottes möchte offensichtlich in unmittelbarem Kontakt bleiben, und das ist auf alle Fälle ein großes Geschenk für die Seher, wie auch für uns alle.

Der Rhythmus in den Erscheinungen
Durch die Erscheinungen kann man begreifen, was das bedeutet: „Emanuel - Gott mit uns“, und ebenso ist Maria als die Mutter des Emanuel und als unsere Mutter immer unter uns gegenwärtig. Manche Kritiker können mit der Präsenz Gottes und der Muttergottes in unserer Welt leben und sind auch den jährlichen Erscheinungen in Medjugorje gegenüber aufgeschlossen, wollen aber von täglichen Erscheinungen nichts wissen und halten sie für unmöglich.
Die jetzt noch jährlichen Erscheinungen bei Mirjana, Ivanka und Jakov sind so verteilt, dass wir immer wieder erinnert werden an die Mutter Maria. Wir wissen zwar nicht, wie das später sein wird, wenn auch bei Vicka, Marija und Ivan einmal die täglichen Erscheinungen aufgehört haben werden - wann bei ihnen dann die jährliche Erscheinung sein wird. Aber schon jetzt haben wir eine schöne Verteilung der jährlichen Erscheinungen das ganze Jahr über, wo uns die Muttergottes erinnert: Im März hat Mirjana die jährliche Erscheinung, am Jahrestag im Juni Ivanka, und zu Weihnachten Jakov. Wenn die täglichen Erscheinungen auch bei den anderen drei Sehern einmal aufgehört haben werden, dann wird es so sein, vermute ich, dass immer noch ungefähr alle zwei Monate die Muttergottes kommen wird. Das wird für uns schön sein, weil wir auch nach dem Ende der täglichen Erscheinungen die Muttergottes oft bei uns haben werden.
Die Muttergottes bleibt also mit uns in Kontakt, und das alles geht in ein und dieselbe Richtung: Zuerst hat sie begonnen, uns die Botschaften in sehr kurzen Perioden zu geben; dann, seit 1. März 1984, an jedem Donnerstag. Dann wechselte der Rhythmus, und seit dem 1. Januar 1987 bis heute gibt sie an jedem 25. des Monats die Botschaft. Beim Aufhören der täglichen Erscheinungen an Mirjana, Ivanka und Jakov hat man wieder eine neue Struktur gesehen, eine neue Schule und einen neuen Rhythmus; wir müssen ihn erkennen und als solchen annehmen.

Der Sinn von Geheimnissen
Ich habe mit Theologen und mit vielen Fachleuten gesprochen, die sich mit Erscheinungen befassen, habe jedoch persönlich keine theologische Erklärung gefunden, warum es die „Geheimnisse“ gibt. Jemand sagte einmal, vielleicht möchte uns die Muttergottes zeigen, dass wir nicht alles wissen, dass wir demütig sein müssen. Warum also die Geheimnisse, und was ist die richtige Erklärung?
Oft habe ich mich persönlich gefragt: Was nützt es mir, wenn ich weiß, dass es zum Beispiel in Fatima drei Geheimnisse gibt und dass viel darüber diskutiert wurde? Was nützt es mir ferner, wenn ich weiß, dass die Muttergottes den Sehern von Medjugorje etwas gesagt hat, das ich nicht weiß? Das, was ich schon weiß von all dem, was sie gesagt hat - das ist für mich und für uns das Wichtigste!
Für mich ist am wichtigsten, dass sie gesagt hat: Gott mit uns! - Dass sie gesagt hat: Betet, kehrt um, Gott wird euch den Frieden schenken! - Wie hingegen das Ende der Welt sein wird, das weiß nur Gott, und wir Menschen sollten uns nicht darum kümmern und keine Probleme daraus machen. Es gibt Menschen, die die Erscheinungen sofort mit Katastrophen jeder Art verbinden. Aber das würde bedeuten, dass Maria nur diejenige ist, die Katastrophen ankündigt, und das ist falsch. Die Mutter Maria kommt zu ihren Kindern dann, wenn sie weiß, dass es für die Kinder notwendig ist. Dadurch, dass ich die Geheimnisse so selbstverständlich annehmen kann, habe ich bei vielen Menschen gesehen, dass durch die Geheimnisse in ihnen eine gewisse Neugierde geweckt wird, die den Menschen hilft, den Weg mit Maria anzunehmen. Dann sind die Geheimnisse an sich nebensächlich. Immer weniger Menschen fragen konkret, was mit den Geheimnissen ist. Sobald der Mensch sich auf den Weg gemacht hat, wird ihm vor allem der Weg wichtig.

Mütterliche Pädagogik
Für mich selbst ist das, was es mir erleichtert, alles anzunehmen, die mütterliche Pädagogik, die in all den Erscheinungen zum Ausdruck kommt. Jede Mutter könnte ihrem Kind zum Beispiel sagen: Wenn du in dieser Woche brav bist, erwartet dich am Sonntag eine Überraschung! Jedes Kind ist da natürlich neugierig und möchte von der Mutter diese Überraschung sofort erfahren. Aber die Mutter möchte, dass das Kind zuerst gut und folgsam ist, und deswegen gibt sie dem Kind eine gewisse Zeitspanne, und erst danach möchte sie es belohnen. Wenn das Kind nicht gut sein will, dann gibt es keine Überraschung, und das Kind wird vielleicht sagen, die Mutter habe gelogen. Aber die Mutter wollte nur einen Weg einschlagen, und wer nur auf eine Überraschung wartet, aber den Weg nicht annehmen will, wird die Erfüllung nie erleben.
Bei all den Geheimnissen, welche die Muttergottes den Sehern von Medjugorje anvertraut hat, kann es sein, dass sie nicht hundertprozentig ihren Inhalt wissen müssen. In der Bibel beim Propheten Ezechiel lesen wir von einem großen Gastmahl, das Gott für alle Völker auf dem Zion bereitet: Alle werden kommen und ohne Bezahlung nehmen können. Wenn jemand die Gelegenheit gehabt hätte, den Propheten Ezechiel zu fragen, ob es dabei um jenen Zion geht, den sie gekannt haben, hätte er sicher gesagt, dass es genau dieser Zion ist. Aber Zion ist auch heute noch Wüste. Die Prophezeiung ist eingetroffen, aber wir sehen, dass es dort kein solches Gastmahl gibt, sondern dass dieser neue Zion Jesus im Tabernakel ist.
Die Eucharistie in der ganzen Welt ist dieser Zion, wo die Menschen sich versammeln und teilnehmen am Gastmahl, das Gott für uns alle vorbereitet hat.

Die richtige Vorbereitung
Im Hinblick auf die Geheimnisse ist es sicher gut, nicht etwas erraten zu wollen, denn das führt zu nichts. Es ist besser, den einen oder anderen Rosenkranz mehr zu beten, als über die Geheimnisse zu reden. Beim ungeduldigen Warten auf die Offenbarung der Geheimnisse darf es nicht eine Sache des persönlichen Nutzens sein. Ob wir uns vorbereiten können oder ob sie uns unangekündigt erreichen werden, ist egal. Es geschehen jeden Tag Katastrophen, Überschwemmungen, Erdbeben, Kriege, aber solange es mich persönlich nicht betrifft, ist dieses Problem für mich auch keine Katastrophe. Erst wenn ich selbst der Leidtragende bin, sage ich: Was geschieht da an mir?
Zu warten, ob etwas geschehen wird und ob ich bereit sein werde, das ist genauso, als würde ein Student ständig fragen: Wann wird die Prüfung sein, an welchem Tag wird sie sein? Wann werde ich an der Reihe sein? Wird der Professor gut aufgelegt sein? - Es ist, als würde dieser Student, obwohl ihm all das bevorsteht, nicht lernen und sich nicht auf die Prüfung vorbereiten, sondern sich immer nur auf das ihm unbekannte „Geheimnis“ konzentrieren. So müssen auch wir heute all das tun, was wir können, um von den Geheimnissen nicht unvorbereitet eingeholt zu werden. Wenn wir die Anweisungen der Muttergottes beherzigen, dann werden die Geheimnisse uns keine großen Probleme bereiten.
Die Mutter Maria kommt zu ihren Kindern dann, wenn sie weiß, dass es für die Kinder notwendig ist.

Quellennachweis: Gebetsaktion Wien 2.Quartal / 2000