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Der größte Krieg aller Zeiten

Aus der Einführung zur Liturgie vom ersten Monatssamstag im Oktober 1990, Medjugorje

In Medjugorje sprechen wir an jedem ersten Samstag des Monats über den Schutz des Lebens. Dabei denken wir natürlich zunächst an den SCHUTZ DES UNGEBORENEN LEBENS  und dann an den Schutz des Lebens. Es gibt jetzt so viele Arten von Zerstörung in der Welt, zum Beispiel durch Drogen und Alkohol, durch die Abtreibung...
Laut Statistik gibt es weltweit jedes Jahr etwa 80 Millionen Abtreibungen - eine schreckliche Zahl! Der zweite Weltkrieg mit etwa 60 Millionen Todespfern hat sechs Jahre gedauert, das ergibt 10 Millionen Opfer pro Jahr. Der schrecklichste Krieg jedoch, wie er schlimmer nicht hat kommen können, geschieht heute durch die Abtreibung. Es ist der ungerechteste Krieg, den die Menschheit führen kann; ein Krieg, den man wahrscheinlich überhaupt nicht stoppen kann. Alle Kriege wurden einmal beendet. Wie kann dieser Krieg zu Ende kommen? Die anderen Kriege haben aufgehört, weil entweder jemand absolut besiegt worden war, oder es waren dann diplomatische Vertreter der Länder zusammengekommen und haben den Frieden beschlossen. Was kann man bei diesem Krieg gegen die ungeborenen Kinder tun?
Dieser Krieg ist der ungerechteste Krieg, weil da Unschuldige ohne jegliche Macht, ohne jegliche Möglichkeit zur Verteidigung getötet werden. Für jeden anderen Krieg gibt es Entscheidungen erwachsener Menschen auf beiden Seiten. Hier jedoch haben die Unschuldigen, die Kleinen keine Chance.
Es gibt eine Möglichkeit, auch mit diesem Krieg aufzuhören: WIR SOLLEN ALLE UMKEHREN; UND ZWAR ALLE ZUM LEBEN UMKEHREN! Und wenn man zum Leben umkehrt, kehrt man um zu Gott. Das ist die tiefste Dimension des Friedens, zu dem uns die Muttergottes hier aufruft.

Entschuldigen Sie bitte, wenn ich jetzt sage: Wir alle sind oft absolut ungerecht! Wie oft fragen wir uns im Zusammenhang mit Medjugorje, um was es wohl geht bei den Geheimnissen, die den Sehern anvertraut worden sind. Wir fragen uns, ob Katastrophen kommen werden, wann sie kommen werden usw. Und zur gleichen Zeit, vor unseren Augen, geschieht der ungerechteste, der schrecklichste Krieg - und wir bewegen uns kaum!

Wir wollen den Frieden: das ist manchmal nur ein Witz und nichts anderes! Für wen wollen wir den Frieden? Für die Erwachsenen und für diejendigen, die reich und gesund sind, und am Frieden für die Anderen sind wir nicht interessiert! Wenn vor unseren Augen jährlich 80 Millionen Ungeborene getötet werden von elterlicher Hand - wieso wollen wir den Frieden und bewegen uns nicht? Und wir sind die moderne Welt, die so oft und so leicht über die Menschenrechte spricht...

Ich weiß, daß Sie all das ohnehin wissen; niemand kommt nach Medjugorje, um zu hören, daß es Abtreibungen gibt oder Drogen, oder Alkoholismus. Aber durch Medjugorje nehmen Sie teil an dieser "Schule", die Maria hier eröffnet hat. Und das Schöne an der Schule Mariens ist, daß sie uns beide Seiten aufdeckt - auch das Schreckliche -, uns aber dann zeigt, was wir tun können. Sie hat uns gesagt, daß wir viel tun können! Und Sie sagt, sie könne ihre Programme ohne uns nicht verwirklichen, deshalb sei jeder von uns für sie sehr wichtig. Sie hat nicht gesagt: "Ich brauche euch, wenn ihr gesund und reich seid, oder wenn ihr viel wißt usw." Sie sagt: "Jeder von euch ist wichtig." Wenn wir überhaupt irgendwo noch wichtig sein können, dann bei diesem Punkt vom Leben. Auch wenn wir sagen müssen: "Ich kann nichts, habe nichts, weiß nichts...", so können wir etwas ganz Wichtiges doch immer tun: In dem Moment, wo jeder von uns anfängt, sein eigenes Leben zu schützen und nicht mehr zu zerstören, tut er etwas sehr, sehr Wichtiges. Wir sind also zunächst nicht gesendet, die anderen zu retten, sondern zunächst uns selbst. In der Botschaft vom 25. September 1990 sagt die Muttergottes: "Betet jeden Tag, damit euer Leben für euch selbst gut sei und für alle, denen ihr begegnet." Das heißt, auf diesem Weg des Friedens, gegen die Zerstörung, müssen wir ganz bewußt unser eigenes Leben lieben, annehmen und beschützen. Wir sprechen immer mehr über die Liebe zu den anderen, und das ist auch gut so. Aber wir vergessen oft, daß wir die anderen nicht lieben können, wenn wir uns selbst nicht lieben. Die Liebe ist eine Gabe, die zunächst im eigenen Herzen lebendig werden muß. Erst durch diese Liebe wird auch unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen anders sein.

Wie aber kann man sich selbset leiben, ohne dabei in Hochmut, Egoismus usw. zu verfallen? Wenn man sich selbst so annimmt, wie man ist! Gott hat uns geschaffen; wenn jemand schöner oder reicher oder gesünder sein möchte, so muß er sich zufriedengeben mit dem, was er im Moment ist. Gott hat uns geschaffen - wir haben uns nicht selbst erdacht. So wie wir sind und indem wir sind, haben wir einen unschätzbaren Wert in uns. Jeder von uns ist ein Geschenk von Gott an diese Welt, für diese Zeit, und niemand kann in dieser Welt unseren Platz einnehmen. Gott dankt unseren Eltern für unser Leben. Wenn wir einmal so über uns selbst nachdenken, dann können wir innerlich geheilt werden von vielen negativen Erfahrungen und Gefühlen.

Aber natürlich will Gott, daß wir wachsen! Das heißt nicht, daß Er jetzt nicht zufrieden ist mit uns, aber wenn wir uns selbst und die anderen lieben wollen, müssen wir wachsen. Die Möglichkeit zum Wachstum besteht - Gott gibt Möglichkeiten, daß wir wachsen. Und jetzt entdecken wir, was eigentlich die Sünde gegen sich selbst ist: Wenn wir die Bedingungen nicht schaffen zum Wachstum, sündigen wir gegen uns selbst und lieben uns nicht. Ich liebe mich nicht, wenn ich nicht bete, denn nur durch das Gebet kann ich geistig wachsen. Wenn ich nicht geistig wachse, bleibe ich auf einem halben Weg, den Gott eigentlich nicht wollte. Wer sich selbst liebt, wird die Bedingungen suchen, daß er wachsen kann. Wer sagt "ich habe keine Zeit zum Beten!, oder "ich habe keine Zeit, zur Messe zu gehen, zur Beichte usw.", liebt sich selbst nicht.

Wenn zum Beispiel Kinder mit den Eltern nicht genügend Kontakt haben, dann können sie sich nicht normal entwickeln. Auf der geistigen Ebene gilt einfach dieselbe Regel. Maria ruft uns zum Gebet mit dem Herzen auf, dmit unser Gebet ein Gespräch mit Gott sei, also eine Begegnung mit Gott, der Vater ist. Wenn wir diesen Dialog nicht suchen, bleiben wir einfach halbe Menschen. Und deswegen gibt es so viele Probleme in der Welt: Wir sind nicht genug gewachsen, weil wir die Bedingungen nicht ernstgenommen haben, um selbst wachsen zu können. Die Liebe zu sich selbst bedeutet also, Bedingungen zu schaffen, daß wir auf das Gottesbild hin wachsen. Und bitte, denken Sie nie mehr, daß Sie zunächst etwas Gutes und Schönes tun für Maria oder Gott, wenn Sie ein wenig beten oder fasten, oder wenn Sie die Bibel lesen. Wenn wir das tun, dann tun wir das Gute uns selbst! Natürlich ist es dann gut für Maria und auch für Gott, weil sie möchten, daß wir wachsen und uns entwickeln. Wenn wir unser Leben erst einmal so lieben, dann werden wir fähig sein, auch die anderen zu lieben. Und das ist auch der Weg, den schrecklichsten und ungerechtesten Krieg zu stoppen in dieser Welt: durch die Entwicklung und das Wachstum der Liebe zum Leben.

Die anderen Zerstörungen, die durch Alkohol, Drogen, Selbstmord, Scheidungen,...kommen, werden auch so ähnlich gelöst: nur durch die Liebe zum Leben. Ich erinnere mich an eine Erfahrung von einem jungen Mann, der Umkehr erlebt hat. Er war unter anderem auch Besitzer verschiedener Bars gewesen, wo man der Jugend Alkohol verkauft hat. Und er sagt, daß er hier in Medjugorje verstanden habe, daß er solche Bars nicht haben darf. "Denn wie kann ich", sagt er, "reich werden, indem die anderen sich dort zerstören!" Das ist eine von den wichtigen Erkenntnissen, die jedem von uns klar werden sollten: wie kann ich etwas machen, durch das ich die anderen zerstöre?

Und wenn wir auf dieser Ebene bleiben, dann haben wir auch eine Antwort auf die Frage:"Was mache ich, wenn ich von Medjugorje wieder nach Hause zurückgekehrt bin?" Oftmals höre ich die Pilger so fragen. Dabei denkt man wahrscheinlich an die Familie; wie kann man die eigenen Kinder, den Mann, die Frau zum Beten bringen? Wenn sie fürchten, daß sie keinen Erfolg haben werden, dann sage ich ihnen: Sie brauchen diese Angst nicht zu haben! Sie können immer eine großartige Sache tun: Sie können Ihr eigenes Leben beschützen und können immer jemand anderen beschützen! Und das ist eigentlich auch der Sinn unserer persönlichen Gebete: daß wir fähig werden, zu schützen, zu lieben. Und auch wenn jemand sagt:"Ich will nicht beten", so wird doch niemand sagen "beschütze mich nicht". Das ist die Chance, die Maria uns hier eröffnet.

Gott sei Dank, viele haben genau auf diese Weise die Botschaft vom Frieden verstanden. Eine Pilgerin aus der Slowakei wurde voriges Jahr im September hier geheilt. "Ich bin nicht gekommen, um für die eigene Heilung zu beten. Ich bin gekommen, um für die Jugendlichen zu beten, daß sie im Glauben bewahrt werden, und für die Priester", sagt sie, "und daß das Herz Mariens triumphiere im Osten". Und sie wurde hier geheilt. Sie war jetzt vor kurzem wiederum hier, um danke zu sagen. Sie sagte, die ganze Zeit habe sie den Kranken gewidmet. Sie gehe von einem Kranken zum anderen, bete mit ihnen, tue kleine Dienste, singe mit ihnen. Das ist sicherlich das, was Maria von uns allen möchte: Wenn unsere Liebe zu uns selbst heilt, dann wird auch unsere Liebe zu allen Menschen heilen. Dann werden wir Wege finden, was wir tun können, damit all die Zerstörung ein Ende nimmt - auch jene des ungeborenen Kindes, dieses wehrlosesten, unschuldigsten Geschöpfes unserer Gesellschaft.

Pater Slavko Barbaric - Priester und Psychologe
Quellenangaben: Gebetsaktion Wien/ Nr.19 im Jahre 1990