Newsletter
Kontakt
Login

Das Gebet soll zu unserem Leben werden

Im Zusammenhang mit Medjugorje ist öfters von "Programmen der Muttergottes" die Rede. Es sind damit Programme gemeint, die aus dem Gebet herauswachsen und die getragen werden von einer neuen Gebetshaltung. In der Botschaft vom 25. August 1989 und in vielen anderen Botschaften sagt die Muttergottes, daß das Gebet zu unserem Leben werden soll.
Wir dürfen dabei aber, wenn wir das richtig verstehen wollen, nicht nur an ein formales Gebet und auch nicht nur an das Herzensgebet denken - auch das hat die Muttergottes gewünscht, daß wir mit dem Herzen beten - , sondern wir sollen an ein weiteres, breiteres Konzept des Gebetes denken. Beten heißt nicht nur um etwas bitten, sondern preisen, loben. Und jedes gute Werk, das wir aus dem Gebet heraus tun, kann und soll zur Ehre Gottes sein. Wenn ich durch das Gebet innerlich wachse und zu einem Menschen werde, der mehr liebt, der verzeiht, der versöhnen kann, der seine Gaben in der Liebe lebt, so ist das schon zur Ehre Gottes. Mein ganzes Leben kann also ein Leben zur Ehre Gottes werden.

Wenn zum Beispiel Eltern darauf achten, ihre Kinder gut aufzuziehen, wird man, wenn man solch Söhne und Töchter sieht, auch deren Eltern loben wie jene Frau, von der das Evangelium berichtet, daß sie, als sie Jesus sah und hörte, aus der Volksmenge rief: "Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat." (Lk 11,27) Warum? Als sie Jesus gesehen hat, sagte sie sich: Das Leben dieses Menschen ist eigentlich zur Ehre der Mutter, die geholfen hat, daß es wachsen und sich entfalten konnte. So soll auch mein Leben - wie es jetzt ist, wie ich jetzt lebe - zum Gebet werden, zur Ehre Gottes, und zwar auf eine Weise, daß die Leute nicht erst den Rosenkranz in meiner Hand sehen müssen, um zu sehen: oh, das ist ein betender Mensch! Es soll so sein, daß sie, wenn sie mich wirken sehen, wissen: Das Leben dieses Menschen ist ein Leben zur Ehre Gottes.

Ich glaube, das erste "Programm der Muttergottes" ist, daß wir durch das Gebet wachsen und zu Menschen werden - im tiefsten Sinn "Mensch", "Christ". Solche Menschen können nicht passiv bleiben, sondern sie gehen ans Werk, jeder dort, wo er lebt: der eine in der Schule, der andere zu Hause, einer in der Fabrik, ein anderer im Büro, in der Landwirtschaft, in einem Geschäft...Die Pflichten des Alltags, die jeder zu erfüllen hat, werden auf solche Weise getan werden, daß sie zur Ehre Gottes gereichen.

Ich glaube aber, daß aus dem Gebet im Geiste von Medjugorje, wo sich die Muttergottes als KÖNIGIN DES FRIEDENS zeigt, konkret auch Werke und Bewegungen erwachsen sollen, die in besonderer Weise dem Frieden dienen.
Friede aber bedeutet, der Zerstörung auszuweichen. Wenn jemand seine Gaben so lebt, daß er dem anderen hilft, der vielleicht schon zerstört ist, so erweitert er damit jenes erste Programm, daß des Gebetes. Mit den "Programmen der Muttergottes" ist gemeint, ganz konkrete Werke zu tun, die dem Frieden dienen und die Zerstörung verhindern, die also das Wachstum des Friedens ermöglichen.

Ein konkretes Beispiel: Ein Pilger hat mit geschrieben, daß er nach seiner Umkehr zum ersten Mal in seinem Leben die Armen wirklich gesehen hat. Seither läßt ihn der Gedanke an sie nicht mehr los. Er hat in der Nähe von Bombay ein Haus errichtet für hundert arme Kinder, ein zweites wird in Brasilien gebaut.
Auch in Medjugorje möchte er eines errichten als Zeichen dafür, wo all das angefangen hat. Das heißt: Wenn er nicht angefangen hätte zu beten und wenn er nicht umgekehrt wäre, hätten diese Kinder das Haus nicht. Hundert Kindern ein Dach über dem Kopf zu geben und eine Erziehung zu ermöglichen, das bedeutet wirklich einen speziellen Beitrag zum Frieden, denn hundert unerzogene Kinder können so viel zerstören. Hundert erzogene Kinder hingegen können so viel aufbauen. Solche konkrete Werke sind einfach wichtig.

Aus diesem Geist des Gebetes und des Friedens heraus haben wir, glaube ich, hier in Medjugorje etwas verstanden: Jeden ersten Samstag des Monats widmen wir unsere Themen, unsere Homilien, aber besonders unsere Gebete dem "Schutz des Lebens",also dem Anliegen, daß wir das Leben zu schützen wissen. Und ich sage das den Leuten auch immer wieder und empfehle es allen Gebetsgruppen, einen Abend oder einen Tag für so etwas zu organisieren.

Wir sollten an das Wort des heiligen Jakobus denken: Wenn du zum Bruder, der nackt und hungrig ist, sagst: "Geh, bekleide dich und iß!", dann hast du nichts getan. Du mußt diesem Bruder die Möglichkeit geben, daß er bekleidet wird und daß er zu essen hat. So hat zum Beispiel in Norditalien ein Pilgerleiter, gemeinsam mit den Leuten aus seiner Gruppe, im Frühling dieses Jahres ein Haus eröffnet, um Frauen zu helfen, die von ihren Angehörigen bedrängt werden, ihr Kind abzutreiben. Am Jahrestag der Erscheinungen, also im Juni dieses Jahres, sagte er mir: "Wir haben schon siebzehn Kinder!"
Das also sind diese "Programme" oder diese Werke, wie sie aus dem Gebet erwachsen sollen. Das Gebet dürfen wir nicht so verstehen - auch nicht das, zu dem uns die Muttergottes hier in Medjugorje aufruft: "Ich verstecke mich in eine Ecke, bete und bekomme etwas vom Frieden und der Freude, und ich lebe; dadurch haben sich Friede und Freude in der Welt vermehrt." Nicht so ist es gemeint, sondern es geht um konkrete Programme und um ein Beten, das uns befähigt, unsere Gaben so zu gebrauchen, wie es von Gott gedacht war. Sobald wir das tun, werden wir unsere eigenen, uns zugedachten Programme verstehen, und es wird uns auch möglich werden, sie zu verwirklichen.

Ich möchte betonen, daß die Ursünde unter anderem auch darin bestand, daß der Mensch die Gaben, die ihm Gott anvertraut hat, nicht mehr im Sinne Gottes gebrauchen wollte, sondern er wollte selbst Gott werden. Das ist nicht die Sache des Menschen! Der Wunsch, groß zu werden, nützlich zu sein, ist berechtigt; Gott hat ihn uns gegeben. Aber der Mensch hat sich selbst betrügen lassen und wollte sein wie Gott, statt die Gaben anzunehmen und in der Welt du dienen. Und so begehen wir eigentlich immer die Ursünde, wenn wir - ohne zu beten - unsere egoistischen Programme tun, nur um etwas mehr zu haben.
Durch das Gebet, zu dem uns Maria einlädt, möchte sie, daß wir unsere fundamentale Haltung zu Gott verändern. Dann kommen diese Programme von selbst. Und wiederum sage ich: Wenn jemand einen Rosenkranz betet oder die Bibel liest, dann ist das noch nicht das Kriterium, daß er die Botschaften, welche die Muttergottes uns hier gibt - und somit ihre Erscheinungen -, wirklich angenommen hat. Unser Beten sollte unbedingt zur Veränderung unserer Haltung gegenüber Gott und unseren Mitmenschen führen.

Pater Dr. Slavko Barbaric OFM Priester und Psychologe
Quellenangaben: Gebetsaktion Wien/ Nr. 15 im Jahre 1989