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Das Angebot Gottes und die Freiheit des Menschen

Bei unserem Thema "Friede für Dich und durch Dich" geht es eigentlich um das Hauptanliegen von Medjugorje. Schon am dritten Tag der Erscheinungen zeigte sich die Muttergottes der Seherin Marija Pavlovic - hinter ihr war ein dunkles Kreuz zu sehen - und sagte unter Tränen: Friede, Friede, Friede und nur Friede! Zwischen Gott und Mensch soll wieder Friede herrschen. Der Friede soll unter den Menschen sein!"

 Und später, besonders in den Donnerstag-Botschaften, betonte sie immer öfter: Ich brauche euch! In einer ihrer Botschaften sagte sie sogar: "Ohne euch kann ich der Welt nicht helfen." (28.August 1986). immer wieder betont sie es: "Ihr vergeßt, daß ihr alle wichtig seid!"(24. April 1986) "Ohne euch kann Gott das nicht verwirklichen, was Er will." (30. Januar 1986). "Ich möchte, daß ihr begreift, daß Gott jeden von euch auserwählt hat, um ihn für den großen Erlösungsplan der Menschheit zu verwenden. Ihr könnt nicht erkennen, wie groß eure Rolle im Plan Gottes ist." (25. Januar 1987).

 Andererseits betont sie aber auch immer wieder: "Gott hat euch allen den freien Willen gegeben."( 30. Januar1986). Bezugnehmend auf die Aussage der Muttergottes über unsere Freiheit in der Botschaft vom 25. November 1987: "Gott hat jedem die Freiheit gegeben, die ich in Liebe achte und vor der ich mich in Demut verneige" sagte mir ein Theologe: "Wenn ich bis jetzt an allen Botschaften von Medjugorje gezweifelt hätte; diese Botschaft könnte mir die letzte Sicherheit geben. Denn ein junger Mensch (wie die Seher es sind) könnte so eine Formulierung weder aus sich selbst sagen, nocht könnte er, soviel ich weiß, eine solche Formulierung anderswo finden: In meiner Demut verneige ich mich vor eurer Freiheit!"

 Und im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Möglichkeiten, dem Angebot Gottes und unserer Freihiet, ist in Medjugorje selbst und durch Medjugorje in der Welt schon vieles geschehen. Irgendwo in diesem Raum befinden auch wir uns, die wir im Kontakt mit Medjugorje sind. Für mich selbst und für alle dort in Medjugorje sage ich oft: Wir müssen dort sein, wenn wir es auch nicht als ein "Muß" empfinden.

Das Angebot Gottes und die Priester

 Es kamen die Leute. Es kamen die Menschen. Und wenn wir Priester sein wollen, sollen wir zur Verfügung sein. So hat Pater Jozo Zovko mit der Abendmesse angefangen. Er hatte - eine Woche nach jenem Anfang der Ereignisse - nicht die Erscheinungen angenommen, sondern einfach die Tatsache, daß Menschen da sind, daß die Gläubigen da sind. Und er sagte sich, wenn die Menschen kommen, so muß er, weil er Priester ist, auch von seiner Seite etwas anbieten.
 Und was hat er angeboten?
 Er hat mit den Leuten gebetet, hat die Messe gefeiert. Er war zur Verfügung, Beichte zu hören. Es war in diesem Moment nicht so wichtig, ob die Erscheinungen echt oder unecht sind. Als Priester mußte er und mußten auch alle anderen Priester, die dort sind, dieses Angebot annehmen. Wir anderen befanden uns vielleicht nicht vor einer solchen Alternative wie Pater Jozo. Aber jeder, der dort hilft und dort arbeitet, ist dazu bereit, weil dort Menschen sind, die beten wollen, beichten wollen, bei der Messe sein wollen.

 Am 17. August 1981 wurde Pater Jozo Zovko, damals als Pfarrer in Medjugorje, eingesperrt. Die Kirche blieb verschlossen. Weder die Franziskaner noch die Schwetern konnten das Pfarramt verlassen.
 Gegen Abend hatten sich bei der kleinen Brücke mehr als 3000 Menschen angesammelt. Sie konnten nicht weitergehen, weil die Polizei vor ihnen stand und sagte: "Die Messe ist nicht mehr, sie wird nicht mehr gefeiert. Ihr sollt nach Hause gehen!"
 Und was passierte dann?
 Die Leute - es waren Laien, denn es waren keine Priester dort - sagten: "Gut, wenn wir nicht in die Kirche dürfen und können, beten wir eben hier!" Und sie fingen an, dort bei der Brücke zu beten und zu singen.

Das Angebot Gottes und die Laien

 Die Polizisten funkten das Kommando an und fragten: "Was sollen wir jetzt tun? Sie beten hier!" Da kam die Anweisung, es sei besser, sie in die Kirche zu lassen. 

 Ich glaube, in jenem Moment haben die Laien eine besondere Rolle übernommen, einige Tage zuvor hatte sich der Bischof ein wenig zu distanzieren angefangen. Der Pfarrer war in Untersuchungshaft. Auch den anderen Priestern war jede Bewegungsfreiheit genommen worden. Die Gläubigen aber nahmen jenes Hindernis bei der Brücke friedlich an und sagten: "Dann beten wir eben hier!" Und dieses Gebet hat das Hindernis überwunden - der Weg wurde freigegeben. Am Abend zelebrierte ein Priester, der sich auf Urlaub bei seiner Mutter in Medjugorje befand, die heilige Messe. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn an jenem Abend die Kirche verschlossen geblieben wäre!
 Ohne jemanden verurteilen zu wollen, kann ich sagen, daß sowohl seitens des Staates als auch der Kirche (der Bischof fing an, seine Ablehnung immer mehr zu zeigen) alles getan wurde, damit Medjugorje nicht mehr lebt.
 Trotzdem weitet sich von Tag zu Tag der Kreis jener Menschen, welche die Botschaft annehmen und weitertragen. Wie kann man das erklären?
 Maria, die einfache Frau aus Nazaret, gehorsame Dienerin des Allmächtigen, hat diese Ereignisse gemeinsam mit den Laien, mit den einfachen Leuten, die nach Medjugorje gekommen sind, bis heute durchgetragen!

 Und das ist auch der tiefe Sinn unserer Begegnung hier in Mariazell: nachzudenken über die Gnaden, die an uns offnbar geworden sind. Dadurch werden wir vielleicht auch mit mehr Sicherheit unseren Platz in diesen Ereignissen und in der Kirche entdecken können.
 Es ist interessant, an verschiedene Zeugnisse von Menschen zu denken, die jetzt Pilgerfahrten organisieren: Zu 80 Prozent geht es dabei um Leute, die vorher keine Absicht hatten, aktiv zu werden und so etwas zu organisieren. Jene, die am Anfang tragend waren - und ich glaube, dazu gehören auch viele von ihnen -, sind nicht mit einer solchen Absicht nach Medjugorje gekommen. Ja, ich kenne sogar Fälle, wo sich Leute zuerst gegen einen solchen inneren Auftrag, hinzugehen und es auch den anderen zu sagen, gesträubt haben.

Das Beispiel eines Planes

 Ein junger Schweizer, damals noch Student, kam im Februar 1985 nach Medjugorje, weil er in großen Problemen lebte.
 Es war sehr kalt, als er in Medjugorje ankam. Weder vor noch in der Kirche war jemand zu sehen. Er kniete nieder und betete ein wenig. "Und in diesem Moment", so sagte er, "ist etwas mit mir passiert. Mein Herz hat sich geöffnet. Ich habe etwas ganz Warmes gespürt. Und ich wußte nicht, was das ist. Ich kannte meine Ängste und sagte mir: "Warte nur, bis du wieder zu Hause bist, dann wird alles wieder sein wie zuvor, mit all den Ängsten und Sorgen."
 Eines Abends hat er dann, während in der Kapelle den Sehern die Muttergottes erschien, draußen in der Kirche ein Marienlied auf der Orgel gespielt. Und er sagt, seit dem Augenblick des Schweigens, der darauf folgte, ist seine Angst total weg.

 Inzwischen hat er sein Studium am Konservatorium beendet und ist Professor geworden. Aber da geschah noch etwas. Er sagt: "Als ich nach Hause kam, sahen viele an meinem Gesicht, daß etwas passiert ist, und sie wollten etwas darüber hören. Und ich habe angefangen, zu sprechen und zu sprechen...

 Als mich dann pro Woche schon über tausend Anrufe erreichten, habe ich einen Telefondienst eingerichtet. Es ging einfach nicht mehr anders. Meine Mutter und mein Vater wollten den Hörer schon nicht mehr abheben, denn es war sicherlich für mich."

 Inzwischen hat er schon zwei, drei Leute gefunden, die ihm ständig helfen. Er hat viele Gebetsgruppen gegründet und bringt jetzt auch Pilgergruppen nach Medjugorje. Er war auch bei seinem Bischof, der ihn beauftragte, etwas in diesem Marianischen Jahr zu organisieren.

 Und er wundert sich immer wieder: "Ich verstehe gar nicht, was mit mir los ist. Wenn mich, bevor ich nach Medjugorje gekommen bin, jemand gefragt hätte, ob ich so etwas organisieren will, so wäre es absolut das Letzte gewesen, was ich tun hätte wollen. Jetzt aber bin ich da und will auch nicht mehr zurück."

 Das ist jenes Charisma, wie es in Medjugorje wirklich vielen Menschen geschenkt worden ist. Vielleicht ist es eine der Aufgaben dieses Seminars, dieses Charisma auch in unserem Leben zu entdecken und uns darüber zu freuen. So werden wir dann auch jener Gefahr leichter entgegentreten können, in der sich Medjugorje derzeit befindet - Medjugorje selbst und auch die Menschen, die dorthin kommen: ein wenig erstickt zu werden von den touristischen Angeboten, die sich jetzt immer mehr bemerkbar machen.

 Wenn wir aber dieses Charisma - das, was mit uns geschehen ist - noch einmal entdecken und durchbeten, dann werden wir gemeinsam das Geistige, das Spirituelle bewahren und weitertragen können.

Quellenangaben: Gebetsaktion Wien/ Nr.9 im Jahr 1988