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Vorwort zur Zeitschrift Oase des Friedens von Dr. Christian Stelzer

Die liturgische Fastenzeit gilt vielen Menschen als willkommene Einladung, das eigene Leben genauer unter die Lupe zu nehmen und eine Standortbestimmung der persönlichen Freiheiten und Abhängigkeiten zu vollziehen.

„Vergangenes Jahr habe ich in der Fastenzeit auf mein Make-up verzichtet“, erzählte mir vor kurzem eine junge Dame, um dann zu ergänzen: „Es hat mich so frei gemacht.“ Auch für diese Fastenzeit hat sie sich etwas vorgenommen: „Heuer werde ich vom Aschermittwoch bis Ostern auf meine sozialen Medien (Facebook, Instagramm, Twitter, usw., Anm. d. Red.) verzichten.“, zeigt sich die junge Frau überzeugt.

Rund ein Viertel aller Österreicher wollen die Fastenzeit für gute Vorsätze nützen. An oberster Stelle stehen „weniger essen“ und „abnehmen“, wobei hauptsächlich „Süßes“, „Knabbereien“ und „Alkohol“ vom täglichen Speiseplan ausgeschlossen werden sollen. Tee gilt vielen als fixer Fastenbegleiter. Beweggründe wie „Reinigung von Körper und Seele“ und das „Wiederfinden der inneren Ausgewogenheit“ liegen in der Werteliste weiter hinten.

Fasteninstitute versprechen „die Wiederentdeckung der schöpferischen Kraft des Neubeginns“ – so könne man bereits nach einer Woche Fasten wie ein Baby den „Genuss und Luxus des Einfachen“ erproben und sich dann wie neu geboren fühlen.

Die liturgische Vorbereitungszeit auf Ostern meint mit Fasten etwas anderes. So schreibt der Innsbrucker Dogmatikprofessor Józef Niewiadomski: „Die Heilwirkung des Fastens soll ja zuerst darin bestehen, dass man durch Fasten frei wird. So etwas brauchen wir heute mehr denn je! Doch die Freiheit von Abhängigkeiten und Zwängen ist noch lange nicht mit der inneren Freiheit identisch. Man kann ja frei werden für die Begegnung mit Gott. Oder aber für die Begegnung mit den „Dämonen“. Auch das wissen wir heute besser denn je! Schon Jesus begegnete nach den vierzig Tagen des Fastens als erstes dem Versucher. Deswegen haben schon die alttestamentlichen Propheten die Praxis des Fastens an die Solidarität gebunden. Das Augenmerk auf die Leidenden sollte die gefährliche Versuchung zur Selbstgerechtigkeit bei Fastenden unterbinden. Die Fesseln des Unrechts zu lösen, den Hungernden das Brot auszuteilen, sich den Verwandten nicht zu entziehen (vgl. Jes 58,6f): diese und ähnliche Impulse sollten die „Selbstsucht“ mindern.“, so der Theologe.

Dass Fasten zu Selbstsucht und Egoismus verleiten können, ist leider hinlänglich bekannt. Diese Versuchung darf aber nicht Anlass dazu geben, eine physiologische Ausstattung verkümmern zu lassen, die unseren Vorfahren das Überleben gesichert und Menschen in allen Religionen für das Spirituelle geöffnet hat. Jesus selbst ermutigt seine Jünger: „Diese Art (von Dämon) kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden.“ (Mk 9,29) Und: Es werden aber Tage kommen, da wird den Hochzeitsgästen der Bräutigam genommen sein; dann werden sie fasten. (vgl. Mt 9,15)

Die Fastenpraxis der Kirche erhielt durch die Erscheinungen in Medjugorje einen neuen Impuls. Die Königin des Friedens erinnert uns an das Beten und Fasten und  zeigt uns so den Weg zu Versöhnung, Umkehr und Frieden. Fasten öffnet das Herz für die persönliche Begegnung mit dem liebenden Gott und macht uns solidarisch mit den Hungernden und Leidenden.

In ihrer Botschaft vom 25. September 2017 erinnert uns die Gospa: „Ich rufe euch auf, großzügig in Entsagung, Fasten und Gebet für all jene zu sein, die in Versuchung sind, aber eure Brüder und Schwestern sind.“

Durch Fasten und Beten will uns die Gospa zu  Hörenden machen, die neu ihre Herzen für Gottes Wort öffnen.

In dieser OASE berichten Medjugorje-Pilger über ihre Erfahrungen mit dem Fasten.Dr. Tomislav Pervan, ehemaliger Pfarrer von Medjugorje und Provinzial der herzegowinischen Franziskaner, lädt uns ein, mit ihm die Worte der Gottesmutter vom 25. Jänner 2018 zu betrachten.

Wir haben für diese OASE Meditationstexte ausgewählt, die uns in dieser Vorbereitungszeit auf Ostern begleiten und inspirieren sollen.

Viel Freude am Lesen, einen gesegneten Fastenzeit wünscht Ihnen

Christian Stelzer

Oase des Friedens Februar 2018