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Die Früchte des Heiligen Geistes

Die Früchte des Heiligen Geistes

Früchte wachsen und reifen über mehrere Monate heran. Wenn sie da sind, freuen wir uns und geniessen sie. Solche Früchte gibt es auch im geistlichen Leben.

An drei Stellen (Eph 1,14; 2 Kor 1,22 und 2 Kor 5,5) spricht Paulus vom Geist, den wir als erste Rate, erste Auszahlung unseres Erbes, auf dem Weg zur vollständigen Erlösung erhalten. Wir leben im Jetzt der Erlösung und zugleich im Noch-Nicht. Ein kleiner Teil ist uns bereits jetzt geschenkt; genug, um jetzt Leben in Fülle unter widrigen Umständen zu erfahren, doch die Sehnsucht unseres Herzens nach Freude, Glück, Freiheit, Liebe, … für uns und alle Menschen ist noch um ein Vielfaches grösser und umfassender.


«Der erste Anteil des Erbes», unserer «Erlösung» (Eph 1,14), zeigt sich konkret an der «Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung» (Gal 5,22-23a). Vielleicht spricht Paulus deswegen nicht von «Früchten des Geistes», weil es hier nicht um Konsumartikel geht: Da eine Frucht, dort eine, und diese hätte ich auch noch gerne. Es geht nicht um privaten Genuss, nicht ums Vorzeigen und noch weniger um Konkurrenzempfindungen, sondern um das Hineingenommenwerden ins Leben Jesu.

«Die Frucht des Geistes» ist das Durchdringen werden vom Geist, vom Leben, vom Sein und vom Wesen Jesu. In diesem Durchdrungen werden überlassen wir uns immer mehr Jesus. Wir lassen uns von Ihm formen. Stellen uns Ihm zur Verfügung und werden so immer mehr Wohnung, Tempel Gottes. Denn wir sind Leib Jesu und werden von Ihm durchtränkt, der uns «im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut» (Eph 2,22).


Die Frucht schmecken
Die Frucht des Geistes, des Lebens Jesu, entfaltet sich langsam in uns. Doch wenn das Leben Jesu – ähnlich einem Baby im Bauch der Mutter – spürbar wird, breitet sich ein stilles Glück aus. Wir entdecken etwas in uns, was vorher nicht da war. Dieses Neue sind keine Gefühlszustände oder Stimmungen, die kommen und gehen. Das Neue ist etwas Sanftes und zugleich Bleibendes. Ob wir gut oder schlecht gelaunt sind, es ist dennoch da. Tiefer als die Gefühle wächst das wahre Sein, das Leben im Geiste Jesu, in uns heran.

Frucht der Liebe
Bei der Frucht der Liebe merken wir, dass, ohne unsere willentliche Anstrengung, uns immer weniger Menschen unsympathisch sind. Mitgefühl mit allen wächst. Uns abstützend auf die Liebe in uns, können wir unabhängig von den Reaktionen der anderen leben; was nicht heisst, dass negative Reaktionen uns nicht immer noch schmerzen. So werden wir fähig zu einer konsequenten Liebe, die nicht nach dem handelt, was der andere jetzt wünscht, sondern was ihm wahrhaft gut tut.

Frucht der Freude
Die Frucht der Freude hängt nicht mehr von den Lebensereignissen und Umständen ab. Als Grundfreude am Leben, an Gott, an den Menschen und auch an der Schöpfung ist sie einer Quelle in uns vergleichbar, die durch schmerzliche Erfahrungen wohl getrübt wird, jedoch nicht mehr zum Versiegen gebracht werden kann. Der Grund der Freude liegt nämlich im Einssein mit dem Heiligen Geist, Divergieder ein Geist der Freude ist, wie Paulus bezeugt: «Das Reich Gottes ist … Freude im Heiligen Geist» (Röm 14,17). «Trotz all unserer Not bin ich von Trost erfüllt und ströme über vor Freude» (2 Kor 7,4b).

Frucht des Friedens
Ähnliches gilt von der Frucht des Friedens. Sie schenkt eine innere Geborgenheit, ein tiefes Gehaltensein auch mitten in Lebensstürmen. Es ist ein Friede, den die Welt nicht geben und auch nicht nehmen kann, weil Jesus in uns dieser Friede ist. «Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe  ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht» (Joh 14,27). «Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt» (Joh 16,33).

Frucht des Langmutes
Langmut kann bereits vom Wort her aufzeigen, worum es geht: lange den Mut nicht verlieren. Das hilft, unter unabänderlichen Lasten standhaft zu bleiben und sie zu tragen. Langmut nährt sich vom festen Vertrauen, dass Gott alles in der Hand hat und darum alles gut ausgehen wird.

Frucht der Freundlichkeit
Nicht übertriebene Freundlichkeit, sondern echtes Freundsein zeigt die Frucht der Freundlichkeit. Da verlieren das Freund-Feind-Denken, das Ausgrenzen von Menschen und Gruppen, Konkurrenzempfinden, …mehr und mehr ihre prägende Kraft.

Frucht der Güte
Hier führt die Frucht der Güte, das Wohlwollen allen gegenüber, weiter. Das Herz kennt keinen Neid und keine Missgunst mehr. Es ist rein und weit geworden. «Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht» (Röm 12,17b). Solche Appelle sind hier überflüssig geworden, denn das Innerste sehnt sich danach, dass es allen gut geht, und dass allen in allen Situationen Gutes erwiesen wird.

Frucht der Treue
«Wie du mir, so ich dir.» «Bist du freundlich, nett und hilfsbereit, dann auch ich.» «Bist du gemein, redest du schlecht über mich, dann tue ich es halt auch.» So verhalten wir uns oft. Doch die Frucht der Treue greift tiefer. Sie löst uns heraus aus der Abhängigkeit von den Reaktionen der anderen. «Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen» (2 Tim 2,13). Weil diese Treue in uns lebt, können wir wahrhaft beständig sein. Diese Treue befähigt uns, den als richtig erkannten Weg auch dann weiterzugehen, wenn wir darin nicht nur nicht unterstützt, sondern sogar bedrängt werden. Die Frucht der Treue bewirkt Geradlinigkeit und Festigkeit, einem Felsen in der Brandung der Meere vergleichbar.

Frucht der Sanftmut
Es braucht Mut, wirklich zart und behutsam zu sein. Denn das bedeutet, auf jede Form von Machtausübung zu verzichten. Die Gabe der Sanftmut hilft loszulassen. Mit ihr kann man auf Druck verzichten, weil man von innen her weiss: «Gottes Mühlen mahlen langsam aber sicher.» Er wird letztlich Seine Heilswege durchsetzen. Folglich muss ich nicht mit Druck nachhelfen wollen.

Frucht der Selbstbeherrschung
Wir werden umhergetrieben von verschiedensten Stimmungen, Launen, Gefühlen, Sehnsüchten, Spannungen und Leidenschaften. Manchmal nehmen wir uns vor, etwas Bestimmtes nie wieder zu tun. Und dann schaffen wir es doch nicht. Die Gefühls- und Willenskräfte können sich unserer Kontrolle entziehen, ja wir können Trieben und Gefühlen geradezu ausgeliefert sein. In der Frucht der Selbstbeherrschung meldet sich von innen her eine Kraft, die all das Divergierende und in verschiedene Richtungen Drängende in uns eint. Die Gefühlskräfte werden nach und nach in unsere Persönlichkeit integriert. Ein Ganzes wächst heran.

Allen die ganze Fülle
Wie viel Frucht lässt Gott wachsen? Wie viel vom Heiligen Geist gibt Gott? Beschenkt Er die einen mehr und die anderen weniger? So können wir denken, solange wir den Heiligen Geist als ein «Es», eine unpersönliche Gabe betrachten. Doch Gott gibt uns nicht mehr oder weniger Heiligen Geist. Er gibt uns nicht etwas, sondern im Heiligen Geist gibt Er uns sich selber. Im Heiligen Geist erhalten wir Anteil am Leben des Dreifaltigen Gottes. Wir werden hineingenommen in Sein Leben. Da gibt es kein Mehr oder Weniger. Der Unterschied besteht in den Gaben und Charismen. Je nach Berufung und Dienst des Einzelnen gibt Gott dem einen diese und dem anderen jene Gaben und Charismen. Doch allen bietet Er die ganze Fülle des Heiligen Geistes, die ganze Fülle Seines Lebens, Seines Glückes und Seiner Liebe an. Allen bietet Er alles an. Eine andere Frage ist, wie viel jede und jeder persönlich davon annimmt.

Gottes Geist wirkt an uns in den Sakramenten
Gottes Geist wirkt in der Kirche in besonderer Weise in den sieben Sakramenten. Pater Raniero Cantalamessa sagte: «Es gibt Steckdosen des Heiligen Geistes und es gibt die Überraschungen des Heiligen Geistes.» Mit «Steckdosen» meint er die Sakramente. Da können wir sicher sein, dass der Strom fliesst, wenn wir uns mit ihnen verbinden. Mit den «Überraschungen des Heiligen Geistes» sind die Charismen angesprochen, die manchmal ganz überraschend geschenkt werden. Einige Sakramente kann man nur einmal im Leben empfangen. Hier bindet sich Gott absolut an uns Menschen. Diese Sakramente sind Taufe, Firmung und Weihe. Dazu gehört auch das Sakrament der Ehe, das ja nur dann erneut empfangen werden kann, wenn der erste Ehepartner verstorben ist. Alle diese vier Sakramente setzen uns sozusagen in einen besonderen Stand: In den Stand der Gotteskindschaft (Taufe), in den Stand des Geistbegabten und –gesandten (Firmung), in den Stand des Klerus (Weihe) bzw. den der Eheleute (Ehe). Diese – wie alle Sakramente – beinhalten eine Kraft, eine Fülle der Gnade, die durch eine bewusste Erneuerung, durch ein erneutes inneres «Ja» zu diesem «Stand» und den damit verbundenen Gnaden, immer wieder neu freigesetzt wird. Die anderen drei Sakramente, Eucharistie, Busse und Krankensalbung, sind Gottes grosse Gnadengeschenke für unseren Weg. In der Eucharistie schenkt Christus sich selbst als «unser tägliches Brot», das vom Himmel kommt, unsere Seele nährt uns eins macht mit Ihm und Seinem Leib, der Kirche. Beichte und Krankensalbung sind Hilfen zu Versöhnung, Heilung und Heiligung.