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Kommt, lasset uns anbeten!

Kommt, lasset uns anbeten!

Von Pater Georg Rota, LC

„Anbeten“, was bedeutet das eigentlich? Gerade in diesen Advents- und Weihnachtstagen hören wir immer wieder: „Kommt, lasset uns anbeten“. P. Georg Rota erläutert uns im folgenden Artikel seine Gedanken dazu. „Christus ist uns geboren; kommt, wir beten Ihn an!“ So lädt uns die Antiphon des Stundengebetes der Kirche am Weihnachtstag ein, in den Lobgesang der Engel einzustimmen und zusammen mit den Hirten und den Weisen aus dem Morgenland das Jesuskind anzubeten. Aber was bedeutet das eigentlich – „anbeten“? Es ist kaum verwunderlich, dass uns heutzutage das Niederwerfen vor einer anderen Person fremd ist, aber bringt nicht sogar das Alte Testament die Anbetung eher mit den heidnischen Götzen oder dem Goldenen Kalb in Verbindung?

Anbeten – Seinen Blick erheben!
Weihnachten, die Geburt des Gottessohnes, ist der Auftakt des Neuen Bundes; die große Symphonie der Heilsgeschichte strebt ihrem Höhepunkt und ihrer Vollendung entgegen. Was im Alten Bund nur bruchstückhaft und als symbolträchtiges Zeichen für das Zukünftige gegenwärtig war, erlangt im Neuen Testament eine ungeahnt tiefere Dimension oder in den bekannten Worten von Augustinus: „Das Neue Testament liegt im Alten verborgen; das Alte wird im Neuen offenbar“. (Quaestiones in Heptateuchum 2,73) Das griechische Wort für „anbeten“ ist „proskyneo“ und bezeichnet eine tiefe Verbeugung oder ein sich mit dem Gesicht zu Boden werfen und bringt im Alten Testament die Gesamtheit des Kultes, zusammen mit dem Darbringen von Schlacht- und Brandopfern, zum Ausdruck. In der lateinischen Form „adoratio“ steckt in diesem Wort allerdings auch die Wurzel für „Kuss“. Es geht um ein „zum-Mund-führen“ (ad orem). Hier wird klar, dass es sich bei der christlichen Anbetung um eine innige Beziehung der Liebe und Vereinigung handelt. Natürlich schwingt das respektvolle „Sich-Niederwerfen“ auch in der Anbetung des gläubigen Katholiken mit, aber die Neuheit, die der neugeborene König in Bethlehem mit sich bringt, besteht darin, dass Er uns auffordert, unseren Blick aus dem Staub zu erheben und auf Ihn zu richten. Wir dürfen Sein Angesicht betrachten. Das Bilderverbot des Alten Bundes, nach dem man von Gott kein Bildnis machen darf (Ex 20,4), ist nun insofern überwunden, als wir in Jesus Christus das Abbild des Vaters, den Gott-mit-uns, erkennen. Wir dürfen unsere Liebe durch die Anbetung ausdrücken, Gott uns „zum-Mund-führen“. Aber es bleibt nicht beim „Kuss“, sondern Er ist gekommen, um uns zu einer noch größeren Vereinigung mit Ihm zu führen.

Jesus stärkt uns im Brot des Lebens!
Gottes liebevolle Vorsehung fügte es, dass der Sohn Gottes in Bethlehem geboren wurde, obwohl Maria und Josef ja eigentlich in Nazareth lebten. Das hebräische Wort „Bethlehem“ bedeutet übersetzt aber nichts anderes als „Haus des Brotes“, und Jesus nennt sich später selbst „das Brot des Lebens“. (Joh 6,34) Nun bekommt unsere Anbetung, das „Zum-Mund-Führen“, eine noch viel tiefere Bedeutung. „Das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch; Ich gebe es hin für das Leben der Welt“. (Joh 6, 51) „Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, hat das ewige Leben“. (Joh 6,54) Die Tatsache, dass das Jesuskind in einer Futterkrippe liegt (vgl. Lk 2,7), die ja genau dafür gedacht ist – zur Speisung – spricht ebenso eine sehr deutliche Sprache. Es besteht also kein Zweifel, dass für uns heutzutage die Anbetung par excellence die eucharistische Anbetung ist. In der Eucharistie ist das Jesuskind in der Krippe von Bethlehem wirklich gegenwärtig. Wir kommen vor Ihn hin, werfen uns im Geiste nieder, bezeugen unsere Liebe und lassen uns von Ihm stärken, uns von Ihm verwandeln, vom Neugeborenen, das auch uns neues Leben schenkt.

Quelle: medjugorje aktuell, Heft 112