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Advent: Gott allein erfüllt unsere Sehnsucht

Advent: Gott allein erfüllt unsere Sehnsucht

Advent ist die wunderbare Zeit der Sehnsucht. Doch eigentlich ist es eine Art Spiel: Die Liturgie versetzt uns zurück in die Zeit, als Christus noch nicht war. Sie versetzt uns in das „davor“ der Erlösung. Daher herrscht im Advent auch diese prickelnde Spannung, dieses schaurig-schöne Gefühl, dass etwas Wunderbares kommt. Gibt es etwas Schöneres als die Vorfreude?

Advent ist die Zeit des Menschen, der sich hoffend und sehnend ausstreckt nach dem letzten Geheimnis seines Daseins. Eine Grundbestimmung von uns Menschen, eine Eigenschaft, die uns zu allererst zu Menschen macht, liegt doch darin, dass wir uns stets nach Größerem sehnen. Wir Menschen sind Wesen der Nie-Zufriedenheit, des Immer- Mehr-Wollens, des Greifens nach Stets- Größerem. Große Theologien, von Thomas von Aquin bis Karl Rahner und Henri de Lubac, haben den Menschen als „Sehnsuchtswesen“ definiert.

Dieser Sehnsuchtsdrang kann sich ganz banal darin zeigen, dass wir Menschen gerade in diesen Adventstagen konsumhungrig durch die Straßen und Einkaufszentren hetzen. Das ist die primitive Seite des Dranges. Denn das letzte Ziel, dem wir Menschen eigentlich zustreben, ist Gott! Und der gerät beim atemraubenden Konsumstress sehr schnell in Vergessenheit. Die Sehnsüchtigkeit kann dabei gar nie vordergründig gestillt werden: uns wird immer etwas fehlen. Kaum haben wir das eine erreicht, wollen wir schon das andere. Wie gesagt: uns fehlt immer etwas, solang wir nicht Gott gefunden haben. Wir Mängel-Wesen streben unerfüllt nach der Fülle.

Ich muss im Advent also annehmen, dass ich ein Defizitwesen bin, dass ich das Manko meiner Endlichkeit durch mein ganzes Leben trage: Kaum habe ich dies und jenes im Leben erreicht, genügt es mir schon nicht mehr; kaum habe ich mir das oder jenes geleistet, bin ich davon schon übersättigt. Das alles bedenkt die Kirche im Advent und drückt es in einer eigenen Farbe aus: Violett. Violett ist weder rot wie die Liebe, noch schwarz wie die Trauer, noch weiß wie die Freude, noch grün wie die Hoffnung. Violett besagt sowohl die Sehnsucht, die Erwartung; violett besagt aber auch die Haltung der Buße, das Anerkennen des Defizits, das jedem anhaftet. Kein Advent ohne Beichte! Da halte ich meine Defizite vor Gott hin und lasse das innere Vakuum meiner Sünden mit dem Übermaß der Gnade füllen!

Lauft nicht falschen Göttern nach!
Ein Warnung: Viele Menschen heute sind von einer besonderen Sehnsucht befallen: von religiöser Sehnsucht! Da der Konsum nur oberflächlich befriedigt, muss man sich nach anderen Werten umschauen, welche die Lebenssehnsucht stillen. In dieser Sinnsuche verfallen heute manche in eine gierige Haltung der Verzweiflung: mit allen möglichen Mitteln soll das letzte Geheimnis begriffen werden, jeder noch so abstruse Aberglaube ist recht, um die Sehnsucht nach dem Göttlichen zu stillen. Falsche Götter, gierig gesucht und mit perfekten Techniken herbeimeditiert, können unsere Sehnsucht nie stillen!

Die Sehnsuchtshaltung, welche wir Gläubigen im Advent einnehmen, ist da ganz anders: Es ist nicht die verzweifelte Sehnsucht, die gierig ausspähen muss, wo denn ein Letztes, ein Endgültiges, wo denn ein Gott aufzutreiben wäre. Unsere adventliche Sehnsucht ist nur mehr ein Spiel, denn es ist bereits eine zutiefst erfüllte Sehnsucht, die wir da in uns aufsteigen lassen: Der Immanuel ist schon da, die ersehnte Erfüllung unseres Lebens ist keine Utopie, keine Projektion, sondern sie ist schon geschichtsmächtige Realität. Wenn die Kirche also im Advent sich in die urmenschliche Sehnsuchtshaltung versetzt, so erfüllt sie dadurch den Auftrag des Konzils, an „Freude und Hoffnung, Angst und Trauer“ der Menschheit zu partizipieren (Gaudium et Spes, Nr. 1). Aber sie verheimlicht in diesem liturgischen Spiel auch gar nicht, dass ihre Sehnsucht im letzten schon gestillt ist. Die Dunkelheit des Advents wird daher vom freudigen Flackern der Adventkranzkerzen durchbrochen: Das Licht leuchtet bereits in der Finsternis. Betrachte im Advent bewusst das Licht des Adventskranzes! Du sitzt nicht mehr im Finstern, Christus leuchtet bereits in Deinem Leben!

Die Immaculata im Advent
Es ist gut, dass wir mitten im Advent den 8. Dezember begehen. Inhalt des Festgeheimnisses ist nicht die Jungfräulichkeit Mariens, wie die falsche Kurzbezeichnung „Mariä Empfängnis“, die sich in allen Kalendern findet, nahe legen könnte. Inhalt des Festes ist, dass Maria vom ersten Augenblick ihres irdischen Daseins, vom Augenblick ihres Empfangenseins, ohne Makel der Erbsünde ist. Neun Monate vor der Geburt Mariens (8. Sept.) feiert die Kirche den ersten Augenblick des Empfangenwerdens Mariens im Leib ihrer Mutter Anna. Von diesem ersten Augenblick an ist Maria „immaculata“, ohne Befleckung, bewahrt vor der Erbsünde.

Was bedeutet das? Das Unbefleckte Empfangensein Mariens besagt, dass uns in der Gottesmutter Maria der vollkommen erfüllte, der nicht-defizitäre Mensch entgegenstrahlt. Gott hat der Fülle seines Gnadenwirkens einen konkreten Platz in der Geschichte gegeben, der Ort ist ein Mensch, sein Name ist Maria: „Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum!“

Wenn wir von der Sehnsucht nach dem letzten Geheimnis, von der Sehnsucht nach Gott gesprochen haben: DA, in Maria, ist das Defizit dieser Sehnsucht erfüllt. HIER streckt sich zwar ein Mensch sehnsüchtig aus nach Gott, aber gerade nicht in der Haltung der unerfüllten Gier, sondern in der Haltung der vollkommen erfüllten Verfügbarkeit. Wir sollten uns auch freimachen von dem Vorurteil, dass die Dogmen der Kirche weltfremde, lebensferne Klugheiten sind, die den Menschen – beispielsweise den Mann draußen auf der Straße vor den verlockenden Schaufenstern – nichts angehen. Nein! In Maria, im Geheimnis ihrer makellosen Erfülltheit von der Gnade Gottes, hat jeder von uns, wirklich jeder, bereits seine Heimat gefunden. In ihrer Überfülle ist auch unsere Sehnsucht gestillt.

Wenn Du nun darum weißt, dann hetze bitte nicht mehr ausgelaugt und verzweifelt durch das Leben, sondern werde ruhig gegenüber Dir selbst, gegenüber den Plänen Gottes, ruhig gegenüber Seiner beglückenden Gegenwart, die Du bei jedem Gebet, bei jeder Messe erfahren darfst. In der unbefleckt empfangenen Gottesmutter ist die Heimat Deines Lebensglückes vorgebildet. Daher hat die selige Mutter Teresa fast jede Ansprache mit dem folgenden Gebet begonnen: „Bitten wir unsere Liebe Frau, dass sie uns ihr Herz schenkt, so rein, so schön, so unbefleckt, dass wir Jesus erkennen und lieben dürfen wie sie!“

Quellenangaben: Medjugorje Aktuell im Jahr 2003 aus dem Archiv