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Auszug aus dem Buch "Der Gottmensch" von Maria Valtorta

  30.06.2020

Die Niederschriften der Visionärin Valtorta beschreiben das gesamte Leben und Wirken Jesu aus einer menschlichen Perspektive und helfen somit die Geschehnisse in der Heiligen Schrift besser zu verstehen.


Diese Niederschrift dient der persönlichen Erbauung. Es ist dem Leser überlassen, sie als übernatürlichen Ursprungs anzuerkennen.

Aus dem 95. Kapitel, Band II, "Der Gottmensch" von Maria Valtorta    
Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus

Petrus spricht mit Jesus: „Meister, ich möchte dich bitten, in mein Haus zu kommen. Ich wagte nicht, es dir am vergangenen Samstag zu sagen. Aber … ich möchte, dass du kommst.“
„Nach Betsaida?“
„Nein … hier, in das Geburtshaus meiner Frau.“
„Weshalb dieser Wunsch, Petrus?“
„Aus vielen Gründen; und heute ist mir gesagt worden, dass meine Schwiegermutter krank ist. Wenn du sie heilen könntest, vielleicht würde sie …“
„Sprich zu Ende, Simon.“
„Ich möchte sagen … wenn du dich ihr nähern würdest, dann würde sie aufhören … ja, weißt du, es ist etwas anderes, ob ich über jemand sprechen höre … oder ob ich ihn selbst sehe und höre. Und wenn einer noch dazu geheilt würde … dann … “
„Dann würde auch ihr Groll aufhören, willst du wohl sagen.“
„Nein, Groll nicht … doch weißt du, der Ort ist in viele Meinungen gespalten, und sie weiß nicht, wem sie recht geben soll. Komm also, Jesus!“
„Ich komme. Lass uns gehen! Sagt den Wartenden Bescheid, dass ich vor deinem Hause zu ihnen sprechen werde.“

Sie gehen bis zu einem niedrigen Haus; es ist noch niedriger als das Haus des Petrus in Betsaida und liegt auch näher am See. Es ist von diesem durch eine Böschung aus Felsgestein getrennt, und ich glaube, dass bei Sturm die Wellen gegen die Mauern des Hauses schlagen. Das Haus ist wohl niedrig, aber sehr breit und bietet Platz für mehrere Personen.
Im Garten vor dem Hause, dem See zugewandt, stehen nur ein alter, knorriger Weinstock, der sich über eine roh gezimmerte Pergola ausbreitet, sowie ein alter Feigenbaum, den der Seewind ganz nach dem Hause hingebogen hat. Die zerzauste Krone berührt die Hauswand
und schlägt gegen die Fensterläden, die geschlossen sind, um die pralle Sonne abzuhalten. Es gibt hier nur diesen Weinstock und den Feigenbaum und einen niedrigen Brunnen mit einer grünbemoosten Mauer.

„Tritt ein, Meister!“
Es sind Frauen in der Küche; die einen flicken Netze, die anderen bereiten die Mahlzeit. Sie begrüßen Petrus; dann verneigen sie sich verlegen vor Jesus und werfen ihm einstweilen neugierige Blicke zu.
„Friede diesem Hause! Wie geht es der Kranken?“
„Sprich du, denn du bist die ältere Schwiegertochter“, sagen drei Frauen zu einer, die sich gerade die Hände an einem Schürzenzipfel abtrocknet.
„Das Fieber ist hoch, sehr hoch. Wir haben den Arzt gerufen; doch er sagt, sie sei zu alt, um gesund werden zu können, und wenn das Übel von den Knochen zum Herz zieht und das Fieber noch mehr steigt, dann führt das, besonders in diesem Alter, zum Tod.
Sie isst schon nichts mehr; ich gebe mir Mühe, gutes Essen für sie zu bereiten; auch jetzt wieder, schau, Simon! Ich koche ihr gerade diese Suppe, die sie immer so gerne mochte. Ich habe vom Schwager den besten Fisch bekommen. Doch ich glaube nicht, dass sie essen kann. Sie ist so unruhig. Sie schreit, weint, klagt, lästert … “
„Habt Geduld mit ihr, als ob sie eure Mutter wäre; Gott wird es euch lohnen! Bringt mich zu ihr.“
„Rabbi … Rabbi … ich weiß nicht, ob sie dich sehen will. Sie will niemand sehen. Ich wage nicht, ihr zu sagen: ‚Nun bringe ich dir den Rabbi‘.“
Jesus lächelt, ohne die Ruhe zu verlieren. Er wendet sich an Petrus:
„Also ist es an dir, Simon. Du bist ein Mann und der älteste der Schwiegersöhne, wie du mir gesagt hast. - Geh!“
Petrus verzieht vielsagend das Gesicht und gehorcht. Er geht durch die Küche, betritt dann ein Zimmer, und durch die von ihm geschlossene Türe hört man ihn mit einer Frau verhandeln. Er steckt den Kopf heraus, winkt mit der Hand und sagt: „Komm, Meister,
mach schnell!“ und fügt leise, kaum verständlich hinzu: „Bevor sie ihre Meinung ändert.“
Jesus geht rasch durch die Küche und öffnet die Türe. Auf der Schwelle stehend, sagt er seinen sanften, feierlichen Gruß:
„Der Friede sei mit dir!“
Dann betritt er das Zimmer, obwohl ihm keine Antwort gegeben worden ist. Er geht zu einem niedrigen Lager, auf dem ein ganz grauhaariges Weiblein liegt. Infolge des hohen Fiebers, das ihr eingefallenes Gesicht stark rötet, atmet sie schwer.
Jesus beugt sich über das Lager und lächelt der Alten zu: „Hast du Schmerzen?“
„Ich sterbe.“
„Nein, du wirst nicht sterben. Vermagst du zu glauben, dass ich dich heilen kann?“
„Warum solltest du dies tun? - Du kennst mich doch nicht.“
„Für Simon, der mich darum gebeten hat, und auch deinetwegen, um deiner Seele Zeit zu geben, das Licht zu erblicken und zu lieben.“
„Simon? Er täte besser … Wie kommt es, dass Simon an mich denkt?“
„Weil er besser ist, als du glaubst. Ich kenne ihn und weiß es. Ich kenne ihn und freue mich, seine Bitte zu erfüllen.“
„So willst du mich heilen? Ich werde noch nicht sterben?“
„Jetzt wirst du nicht sterben. - Kannst du an mich glauben?“
„Ich glaube, ich glaube, wenn ich nur nicht sterbe!“
Jesus lächelt wieder. Er ergreift ihre Hand. Sie ist voller Runzeln und geschwollener Adern und verschwindet in der jugendlichen Hand Jesu. Er richtet sich nun auf und nimmt das Aussehen an, das er beim Wunderwirken hat … Dann ruft er:
„Sei geheilt! - Ich will es! - Erhebe dich!“
Und lässt ihre Hand los, die wieder zurückfällt, ohne dass die Alte jammert, während sie kurz vorher, als Jesus sie, wenn auch mit großer Zartheit, anfasste, laut aufschrie.
Eine kurze Weile des Schweigens; dann ruft die Alte auf:
 „O Gott der Väter! - Ich habe nichts mehr, ich bin geheilt! - Kommt, kommt!“
Die Schwiegertöchter eilen herbei.
„Seht!“, sagt die Alte, „ich kann mich ohne Schmerzen bewegen. Ich habe kein Fieber mehr. Schaut, wie ich frisch bin. Und das Herz schlägt nicht mehr wie der Hammer eines Schmiedes. Oh, nun sterbe ich nicht!“
Kein Wort für den Herrn. Doch Jesus macht sich nichts daraus. Er sagt zur ältesten der Schwiegertöchter:
„Kleide sie an, sie soll aufstehen! - Sie kann es.“
Dann will er gehen.
Simon wendet sich ganz beschämt an die Schwiegermutter:
„Der Meister hat dich geheilt. Sagst du ihm nichts?“
„Natürlich, ich dachte nicht daran. - Danke! - Was kann ich tun, um dir meinen Dank zu bezeugen?“
„Gut sein, sehr gut sein. Denn der Ewige war gut zu dir! - Und wenn es dir nichts ausmacht, dann lasse mich heute in deinem Hause etwas ausruhen. Ich habe während der Woche sämtliche Ortschaften in der Umgebung besucht und ich bin heute Morgen hier angekommen. Ich bin müde.“
„Natürlich, natürlich! Bleibe nur, wenn du willst!“
Es liegt jedoch wenig Begeisterung in ihrer Stimme.

Jesus setzt sich mit Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes in den Garten.
„Meister!“
„Mein Petrus?“
„Ich schäme mich.“
Jesus macht eine Handbewegung, als wolle er sagen: ‚Lass es gut sein‘!
Dann fügt er bei:
„Sie ist nicht die erste und wird auch nicht die letzte sein, die nicht sofort dankbar ist. Doch ich erwarte keine Dankbarkeit. Es genügt mir, den Seelen die Mittel zu geben, sich zu retten.
Ich tue meine Pflicht. Es liegt an ihnen, auch ihre zu tun.“
„Oh, hat es denn auch schon andere dieser Art gegeben? - Wo? … “
„Neugieriger Petrus! Ich will dich zufriedenstellen, obgleich ich unnötige Neugier nicht liebe.
In Nazareth: erinnerst du dich an Saras Mutter? Sie war sehr krank, als wir nach Nazareth kamen, und man sagte uns, dass das Kind weine. Um es, das gut und sanft ist, nicht Waise und später Stieftochter werden zu lassen, habe ich die Frau aufgesucht … ich wollte sie heilen … doch ich hatte den Fuß noch nicht über die Schwelle gesetzt, da jagten mich der Mann und ein Freund von ihm davon:
‚Weg, weg! Wir wollen keine Scherereien mit der Synagoge!‘
Für sie, für viele bin ich schon ein Aufrührer … Ich habe sie trotzdem geheilt … wegen ihrer Kinder. Und zu Sara, die im Garten war, habe ich liebevoll gesagt: ‚Ich heile deine Mutter! Geh nach Hause und weine nicht mehr!‘ Und die Frau war im gleichen Augenblick geheilt; das Kind hat es ihr, dem Vater und auch dem Onkel erzählt; weil das Kind mit mir gesprochen hatte, wurde es bestraft. Ich weiß es, denn das Kind ist mir nachgegangen, als ich den Ort verließ … “
„Ich hätte sie wieder krank werden lassen.“
„Aber Petrus!“
Jesus blickt ihn streng an:
„Ist dies die Lehre, die ich dir und den anderen verkünde? Was hast du auf meinen Lippen gehört, seit du mich zum ersten Mal reden gehört hast? Worüber habe ich gesprochen, welche Bedingungen habe ich an die gestellt, die meine wahren Jünger sein wollen?“
„Es ist wahr, Meister, ich bin ein Esel. Verzeih, doch ich kann es nicht ertragen, wenn man dich nicht liebt.“
„O Petrus, du wirst noch mehr Undank sehen. Viele Überraschungen wirst du erleben, Petrus; Personen, die von der sogenannten ‚heiligen‘ Welt wie die Zöllner verachtet werden, im Gegenteil, werden ein Vorbild für die Welt sein, ein Vorbild, nicht nachgeahmt von denen, die sie verachten; Heiden werden zu meinen Getreuesten gehören; Dirnen, die durch ihre Willenskraft und ihre Buße wieder rein werden; Sünder, die sich bekehren!“
„Höre, dass ein Sünder sich bekehrt, halte ich für möglich; aber eine Dirne und ein Zöllner ... !“
„Du glaubst es nicht?“
„Ich nicht.“
„Dann irrst du, Simon; doch da kommt deine Schwiegermutter zu uns.“

„Meister, ich bitte dich, setze dich an meinen Tisch!“
„Danke, Frau, Gott möge es dir vergelten!“
Sie gehen in die Küche und setzen sich an den Tisch, und die Alte bedient die Männer großzügig mit Fischsuppe und Bratfisch.
„Ich habe nur dies“, entschuldigt sie sich.
Und um nicht aus der Übung zu kommen, sagt sie zu Petrus:
„Alles müssen deine Schwäger machen, seitdem du nach Betsaida gegangen bist. Wenn du wenigstens meine Tochter reich gemacht hättest; aber ich höre, dass du oft abwesend bist und nicht fischen gehst.“
„Ich folge dem Meister. Ich war mit ihm in Jerusalem, und auch am Sabbat bin ich bei ihm. Ich verliere die Zeit nicht mit Unsinn.“
„Doch du verdienst nichts. Statt der Diener des Propheten zu sein, würdest du besser tun, wieder hierher zu kommen. So hätte wenigstens meine Tochter, das arme Geschöpf, Verwandte, die sie ernähren, während du den Heiligen spielst.“
„Schämst du dich nicht, so zu sprechen vor ihm, der dich geheilt hat?“
„Ich kritisiere ihn nicht! Er tut sein Handwerk. Ich kritisiere dich, weil du den Nichtstuer spielst. Übrigens, du wirst nie ein Prophet noch ein Priester werden. Du bist ein Dummkopf, ein Sünder und ein Nichtsnutz.“
„Du hast Glück, dass er zugegen ist, sonst … “
„Simon, deine Schwiegermutter hat dir einen vortrefflichen Rat gegeben. Du kannst auch von hier aus fischen. Du hast vorher ja auch in Kafarnaum gefischt, wie ich höre; du kannst hierher zurückkehren.“
„Und wieder hier wohnen? Aber Meister, du … “
„Hör zu, mein Petrus! Wenn du hier bist, dann wirst du entweder auf dem See oder bei mir sein. Was macht es dir also aus, in diesem Haus zu wohnen?“
Jesus hat die Hand auf die Schulter Petri gelegt, und man hat den Eindruck, dass sich Jesu Ruhe auf den kochenden Apostel überträgt.
„Du hast recht, du hast immer recht. Ich werde es tun! Doch diese?“
Er zeigt auf Johannes und Jakobus, seine Gehilfen und Gefährten.
„Können die denn nicht auch hierherkommen?“
„Oh, unser Vater und besonders unsere Mutter sind viel glücklicher, wenn sie uns bei dir wissen, als wenn wir zu Hause sind. Sie werden uns nicht hindern.“
„Vielleicht kommt dann auch Zebedäus“, sagt Petrus.
„Bestimmt, nicht nur vielleicht. Und andere mit ihm. Wir werden kommen, Meister, ohne Zweifel; wir werden kommen.“

„Ist Jesus von Nazareth hier?“, fragt ein Kind, das am Eingang zum Garten erscheint.
„Er ist hier, komm‘ herein … !“
Es kommt ein kleiner Junge herein, den ich als eines der Kinder wiedererkenne, die ich in einer der ersten Visionen von Kafarnaum gesehen hatte; es war vor die Füße Jesu gepurzelt und hatte versprochen, brav zu sein, um den Honig des Paradieses kosten zu können.
„Kleiner Freund, komm näher!“ sagt Jesus.
Der Junge, ein wenig eingeschüchtert durch so viele Menschen, die ihn betrachten, fasst Mut und eilt zu Jesus, der ihn in seine Arme schließt, auf seine Knie setzt und ihm auf einem Stückchen Brot etwas vom Fisch gibt.
„Hier, Jesus, das ist für dich. Auch heute hat die Person zu mir gesagt:
‚Es ist Sabbat. Bring dies dem Meister von Nazareth und sage deinem Freund, dass er für mich beten soll‘ … er weiß nämlich, dass du mein Freund bist.“ Das Kind lacht glücklich und isst nun sein Brot mit Fisch.
„Fein, kleiner Jakobus, sage der Person, dass meine Gebete für ihn zum Vater aufsteigen.“
„Ist es für die Armen?“, will Petrus wissen.
„Ja.“
„Ist es wieder dasselbe Almosen? – Lass uns sehen!“
Jesus gibt ihm die Börse. Petrus leert alles aus und zählt.
„Immer die gleich hohe Summe. - Wer ist die Person? Sag, Kleiner, wer ist es?“
„Ich darf und werde es nicht sagen.“
„Welcher Eigensinn! Los, sei nett, dann gebe ich dir eine Frucht.“
„Ich werde dir nichts sagen, ob du mich nun schimpfst oder mich verwöhnst.“
„Hört, was für eine Zunge!“
„Jakobus hat recht, Petrus. Er steht zu seinem gegebenen Wort; lass ihn in Frieden!“
„Weißt du denn, Meister, wer diese Person ist?“
Jesus antwortet nicht. Er kümmert sich um das Kind, dem er noch ein Stückchen gebratenen Fisch gibt, das er zuvor von allen Gräten befreit hat. Doch Petrus lässt nicht locker, und Jesus muss ihm antworten.
„Ich weiß alles, Simon.“
„Und wir dürfen es nicht wissen?“
„Wirst du nie von deinen schlechten Gewohnheiten loskommen?“
Jesus rügt ihn lächelnd und sagt:
„Bald wirst du es wissen. Das Böse möchte verborgen bleiben und dies gelingt ihm nicht immer. Doch was das Gute betrifft, selbst wenn es verborgen bleiben möchte, um verdienstvoll zu sein, wird es eines Tages zur Ehre Gottes aufgedeckt, dessen Wesen in einem seiner Kinder aufleuchtet. Das Wesen Gottes ist die Liebe. Und dieser hat es verstanden, denn er liebt seinen Nächsten. Geh, Jakobus, und bringe dem Manne meinen Segen!“

Wir danken dem Parvis Verlag für die Bereitstellung des Textes zur Veröffentlichung!

Maria Valtorta: Der Gottmensch - Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Parvis-Verlag
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