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Auszug aus dem Buch "Der Gottmensch" von Maria Valtorta

  26.03.2020

Die Niederschriften der Visionärin Valtorta beschreiben das gesamte Leben und Wirken Jesu aus einer menschlichen Perspektive und helfen somit die Geschehnisse in der Heiligen Schrift besser zu verstehen.


Diese Niederschrift dient der persönlichen Erbauung. Es ist dem Leser überlassen, sie als übernatürlichen Ursprungs anzuerkennen.

Aus dem 317. Kapitel, Band IV, "Der Gottmensch" von Maria Valtorta    
„Wenn ihr Glauben habt, komme ich und bringe euch außer Gefahr“

Jesus sagt: „Oft warte ich nicht einmal, bis ich gerufen werde, wenn ich meine Kinder in Gefahr sehe. Und oft komme ich auch dem zu Hilfe, der ein undankbarer Sohn ist. Ihr schlaft oder seid von den Sorgen des Lebens und den Geschäften der Welt eingenommen. Ich wache und bete für euch. Als Engel aller Menschen stehe ich schützend über euch, und nichts ist mir schmerzlicher, als euch nicht beistehen zu können, weil ihr meinen Beistand ablehnt und es vorzieht, selbst mit allem fertig zu werden oder, was noch schlimmer ist, den Bösen um Hilfe anruft. - Wie ein Vater, der von einem Sohn hören muss: „Ich liebe dich nicht, ich will dich nicht, geh fort aus meinem Haus!“, so fühle ich mich gedemütigt und schmerzlich berührt, mehr als durch meine Wunden. Aber wenn ihr mich nicht ablehnt und nicht sagt: „Geh fort!“, sondern durch das Leben abgelenkt seid, dann bin ich der ewig Wachende, der bereit ist, einzugreifen, bevor ihr mich angerufen habt. Und wenn ich auf ein Wort von euch warte, wie ich es manchmal tue, so nur, um mich gerufen zu fühlen. Welche Liebkosung und wie süß ist es für mich, wenn ich mich von den Menschen angerufen höre und fühle, dass sie sich daran erinnern, dass ich der Erlöser, der Retter, bin. Ich kann dir nicht sagen, welch unendliche Freude mich durchdringt und erhebt, wenn mich jemand liebt und anruft, noch bevor die Stunde der Not gekommen ist. Er ruft mich an, weil er mich mehr als alles in der Welt liebt und ihn eine Freude, die der meinen gleicht, erfüllt, wenn er nur ruft: „Jesus, Jesus!“, wie es die Kinder tun, wenn sie „Mama, Mama!“ rufen und es ihnen scheint, als ob Honig auf ihre Lippen käme, da schon allein das Wort „Mama“ die Wonne des mütterlichen Kusses mit sich bringt.

Die Apostel ruderten gemäß meinem Befehl, Kafarnaum zu erreichen und mich dort zu erwarten. Ich hatte mich nach dem Wunder der Brotvermehrung von der Menge abgesondert, aber nicht aus Unwillen über sie oder aus Müdigkeit. Ich bin nie der Menschen überdrüssig geworden, nicht einmal, wenn sie mich schlecht behandelt haben. Nur wenn ich das Gesetz mit Füßen getreten und das Haus Gottes entweiht sah, überkam mich Entrüstung. Aber dann war es nicht meinetwegen, sondern wegen der Sache des Vaters, denn ich war auf Erden der erste der Diener Gottes, um dem Vater im Himmel zu dienen. Ich bin nie müde geworden, mich dem Volk zu widmen, auch wenn ich sie so verbohrt, langsam und menschlich sah, dass selbst jene den Mut verloren hätten, die sich ihrer Sendung vollkommen gewachsen fühlten. Gerade weil ich sie so schwach sah, habe ich meine Belehrungen immer wiederholt. Ich habe sie wie zurückgebliebene Schüler behandelt und ihren Geist auch bei den einfachsten Entdeckungen und Unternehmungen geleitet, so wie ein geduldiger Lehrer die unerfahrenen Händchen seiner Schüler führt, wenn sie die ersten Buchstaben schreiben, damit sie immer fähiger werden, zu begreifen und auszuführen.
Wieviel Liebe habe ich den Menschen geschenkt! Ich fasste sie an ihrer Menschlichkeit, um sie zum Geist zu führen. Auch ich habe mit dem Fleisch begonnen. Aber während Satan sich des Fleisches bedient, um zur Hölle zu führen, führte ich sie durch das Fleisch zum Himmel.

Ich hatte mich zurückgezogen, um dem Vater für die Brotvermehrung zu danken. Viele Tausende hatten gegessen. Ich hatte ihnen ans Herz gelegt, zu sagen: „Dank dem Herrn.“ Aber wenn der Mensch einmal Hilfe erlangt hat, dann weiß er nicht Dank zu sagen. So habe ich es für sie getan. Und danach ….. Und danach habe ich mich mit dem himmlischen Vater in einer unendlichen Sehnsucht der Liebe vereinigt. Ich war auf der Erde, aber wie eine Hülle ohne Leben. Mein Geist war hingezogen zu meinem Vater, den ich  - wie über sein Wort gebeugt - verspürte, das zu ihm sagte: „Ich liebe dich, o Heiliger Vater!“ Meine Freude war es, ihm zu sagen: „Ich liebe dich.“ Es ihm als Mensch zu sagen, nicht nur als Gott. Ihm zu huldigen mit dem Gefühl des Menschen, so wie ich ihm meinen Herzschlag als Gott anbot. Ich hatte das Gefühl, der Magnet zu sein, der alle Liebe der Menschen, die ein wenig Gott lieben, an sich zieht und sie in der Schale seines Herzens darbietet. Es schien mir, als ob ich ganz allein wäre: der Mensch, oder besser, das Menschengeschlecht, das wie in den Tagen der Unschuld wieder in der Abendfrische mit Gott sprach. Aber obgleich meine Seligkeit, denn es war Seligkeit der Liebe, vollkommen war, machte sie mich dennoch nicht blind für die Nöte der Menschen, und ich bemerkte die Gefahr meiner Söhne auf dem See. Und ich löste mich um der Menschen willen von der Liebe. Die Liebe muss immer hilfsbereit sein!

Sie hielten mich für ein Gespenst. Oh, wie oft haltet ihr armen Kinder mich für ein Gespenst, für ein furchterregendes Wesen! Wenn ihr immer an mich dächtet, würdet ihr mich sofort wiedererkennen. Aber ihr habt so viele andere Sorgen in euren Herzen, und diese verwirren euch die Sinne. Doch ich gebe mich zu erkennen. Oh, wenn ihr mich fühlen könntet!

Warum ist Petrus eingesunken, nachdem er schon so viele Meter auf dem Wasser gewandelt war? Du hast es gesagt: weil sein Menschsein seinen Geist überwältigt hatte. Petrus war zu sehr Mensch. Wäre Johannes an seiner Stelle gewesen, hätte er weder so viel gewagt noch wäre er so wankelmütig gewesen. Die Reinheit verleiht Klugheit und Festigkeit. Aber Petrus war „Mensch“ im wahrsten Sinn des Wortes. Er hatte das Verlangen, der erste zu sein; zu zeigen, dass niemand den Meister mehr liebte als er. Er wollte sich vordrängen und glaubte sich schon über die Schwächen des Fleisches erhaben, nur weil er einer der Meinen war. Stattdessen versagte der arme Simon bei den Prüfungen in wenig erhabener Weise. Aber es war notwendig, denn er war dazu bestimmt, die Barmherzigkeit des Meisters in der entstehenden Kirche fortzusetzen. Petrus lässt sich nicht nur von der Furcht um sein gefährdetes Leben übermannen, sondern wird, wie du gesagt hast, „ein zitterndes Fleisch“. Er überlegt nicht mehr und schaut mich nicht mehr an. Auch ihr macht es so. Je größer die Gefahr ist, umso mehr wollt ihr euch selbst helfen. Als ob ihr selbst etwas tun könntet! Niemals entfernt ihr euch, verschließt ihr mir euer Herz und verurteilt ihr mich sogar so sehr wie in den Stunden, in denen ihr auf mich vertrauen und mich anrufen müsstet.

Petrus verflucht mich nicht. Aber er vergisst mich, und ich muss die Macht meines Willens benützen, um seinen Geist zu mir zurückzurufen: damit er seine Augen zu seinem Meister und Erlöser erhebe. Ich spreche ihn im Voraus von seiner Sünde des Zweifels los, weil ich ihn liebe, diesen impulsiven Menschen, der, einmal in der Gnade gefestigt, in der Gnade voranzuschreiten weiß, ohne je in Verwirrung oder Müdigkeit zu verfallen bis zu seinem Märtyrertod; der unermüdlich bis zu seinem Tod sein mystisches Netz auswirft, um seinem Meister Seelen zuzuführen. Und wenn er mich anruft, dann gehe ich nicht nur zu ihm: ich eile ihm zu Hilfe und halte ihn fest, um ihn in Sicherheit zu bringen.

Milde kann man mir vorwerfen, denn ich habe Verständnis für alle Milderungsgründe meines Petrus. Ich bin der beste Verteidiger und Richter, den es je gegeben hat und je geben wird. Für alle. Ich verstehe euch, meine armen Kinder! Und selbst wenn ich euch ein Wort des Tadels sage, so wird mein Lächeln es mildern. Ich liebe euch. Damit ist alles gesagt.

Ich will, dass ihr Glauben habt. Und wenn ihr ihn habt, komme ich und führe euch aus der Gefahr. Oh, wenn die Erde es verstände zu sagen: „Meister, Herr, rette mich!“ Ein Schrei – aber von der gesamten Menschheit – würde genügen, und augenblicklich würde Satan mit seinen Henkersknechten besiegt zu Boden fallen! Aber ihr könnt es nicht glauben. Ich bemühe mich, immer neue Mittel zu finden, um euch zum Glauben zu bringen. Doch sie fallen in euren Schlamm wie der Stein in den Schlamm eines Sumpfes und bleiben dort begraben. Ihr wollt die Gewässer eures Geistes nicht reinigen. Ihr liebt es, faulender Schlamm zu sein. Trotzdem werde ich als ewiger Erlöser weiterhin meine Pflicht tun. Und wenn ich auch nicht die ganze Welt retten kann, weil sie nicht gerettet werden will, so werde ich doch jene vor der Welt retten, die, um mich lieben zu können, wie ich geliebt werden soll, nicht mehr von der Welt sind.“

Wir danken dem Parvis Verlag für die Bereitstellung des Textes zur Veröffentlichung!

Maria Valtorta: Der Gottmensch - Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Parvis-Verlag
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