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Auszug aus dem Buch "Der Gottmensch" von Maria Valtorta

  25.01.2020

Die Niederschriften der Visionärin Valtorta beschreiben das gesamte Leben und Wirken Jesu aus einer menschlichen Perspektive und helfen somit die Geschehnisse in der Heiligen Schrift besser zu verstehen.


Diese Niederschrift dient der persönlichen Erbauung. Es ist dem Leser überlassen, sie als übernatürlichen Ursprungs anzuerkennen.

Aus dem 56. Kapitel, Band I, "Der Gottmensch" von Maria Valtorta   
Anbetung der Weisen

Ich sehe das kleine, weiße Betlehem wie eine Brut unter dem Licht der Sterne liegen. […] Manchmal ein kleiner Platz, sei es für einen Markt, sei es für einen Brunnen, sei es, weil überall regellos gebaut wurde und ein eckiger Bodenrest, auf dem es unmöglich ist, etwas Neues hinzusetzen, geblieben ist. Gerade mit einem dieser unregelmäßigen Plätze, so scheint mir, müssen wir uns besonders beschäftigen.

Er sollte quadratisch oder mehr oder weniger rechteckig sein. Stattdessen ist ein so merkwürdiges Trapez daraus geworden, dass es auch ein Dreieck sein könnte mit einer abgebrochenen Spitze. Auf der Breitseite oder Basis des Dreiecks steht ein breites, niedriges Gebäude. Es ist das größte des Ortes. Außen herum führt eine riesige, glatte Mauer mit zwei großen Torbögen, die jetzt verschlossen sind. […] Es wird mir klar, dass dies die Herberge von Betlehem ist.

[   ] Ich sehe nur, dass das nächtliche Licht, das vom sternenbesäten Himmel herabströmt, heller wird. Die Sterne am orientalischen Himmel sind so schön, so lebendig und groß, dass sie ganz nahe scheinen, als ob man sie mit der Hand berühren könnte, diese leuchtenden Blumen auf dem Samt des Firmamentes. Ich erhebe den Blick, um nach der Quelle dieses stärkeren Lichtes zu schauen. Ein Stern von ungewöhnlicher Größe, wie ein kleiner Mond, gleitet am Himmel von Betlehem dahin, und die anderen scheinen auszuweichen, um wie Dienerinnen ihrer Königin Platz zu machen; so groß ist der Glanz, der sie überragt. Vom Stern, der einem gewaltigen Saphir gleicht, der innen von einer Sonne erleuchtet wird, geht ein Schweif aus […] Alle Edelsteinfarben der Welt sind in diesem Schweif vertreten […] Aber die Farbe, die vorherrscht, strömt von der Scheibe des Sternes aus: die paradiesische Farbe des blassen Saphirs, der herabsteigt, um die Häuser in ein silbernes Blau zu kleiden, wie auch die Wege und den Boden von Betlehem, das die Wiege des Erlösers ist.

Es ist nicht mehr die arme Stadt, für uns weniger als ein Bauerndorf, sondern eine phantastische Märchenstadt, in der alles silbern ist. Und das Wasser der Quellen und Brunnen ist wie flüssiger Diamant. Mit einem noch lebhafteren Leuchten bleibt der Stern über dem Häuschen auf der engeren Seite des kleinen Platzes stehen. […] Der Stern aber vervielfältigt die Fluten seines Lichtes, sein Schweif vibriert stärker, und die wellenartigen Bewegungen, die nun deutlicher hervortreten, zeichnen beinahe Halbkreise an den Himmel. Vom Sternennetz, das er nach sich zieht, wird das ganze Firmament gefärbt, und es verteilt auch auf die anderen Sterne anmutige Farben, als wolle es ihnen ein Wort der Freude mitteilen.

Das Häuschen ist eingetaucht in das flüssige Feuer der Edelsteine. Das Dach der kleinen Terrasse, das Treppchen aus dunklem Stein, die kleine Tür: alles ist wie ein Block aus reinstem Silber, der überstreut ist mit Perlen und Diamanten. Kein Königspalast auf der ganzen Welt hat je eine Treppe wie diese gehabt, noch wird je einer eine solche besitzen: eine Treppe, die die Engel und die Mutter Gottes benützen. Die Jungfrau, die Makellose, wird ihre Füße auf diese Pracht setzen, ihre Füße, die dazu bestimmt sind, auf den Stufen des Thrones Gottes zu stehen. Aber die Jungfrau weiß es nicht. Sie wacht an der Wiege ihres Sohnes und betet. In ihrer Seele sind Lichter, die heller leuchten als die Strahlen der Sterne, die alles schmücken.

Von der Hauptstraße her nähert sich eine Reiterschar. […] Auf dem Platz angelangt, machen alle halt. Die Reiterschar unter dem leuchtenden Stern erstrahlt in phantastischem Glanz. Das Geschirr der reich ausgestatteten Tiere, das Gepäck, die Gewänder der Reisenden: alles glänzt, und der Glanz des Metalls, des Leders, der Seide, der Juwelen und Pelze vereinigt sich mit dem Glanz des großen Sternes. Die Augen strahlen, die Gesichter lachen, denn noch ein anderer Glanz hat die Herzen entzündet: der Glanz einer übernatürlichen Freude. Während die Diener mit ihren Tieren die Karawanserei aufsuchen, steigen drei aus der Karawane von ihren Reittieren, die ein Diener sofort wegführt, und gehen auf das Haus zu. Sie werfen sich nieder, mit der Stirne zur Erde, um den Staub zu küssen. Es sind drei Mächtige. Das beweisen die reichen Gewänder. […] Nachdem sie dem Haus ihre Huldigung dargebracht haben, in dem sich der Erlöser befindet, erheben sie sich und gehen zur Karawanserei, wo die Diener angeklopft und um Einlass gebeten haben. […]

Es ist Tag geworden. Hell strahlt die Sonne am vormittäglichen Himmel. […] Die drei Weisen treten hervor, ein jeder gefolgt von einem Diener. Sie überqueren den Platz. Die wenigen Vorübergehenden drehen sich um, um die prunkhaften Persönlichkeiten anzuschauen, die langsam und feierlich daher schreiten. Zwischen dem Eintritt des Dieners und der drei ist eine gute Viertelstunde vergangen, die den Bewohnern des Hauses Gelegenheit gab, sich auf den Empfang der Gäste vorzubereiten. Diese sind jetzt noch reicher gekleidet als am Abend zuvor. […] Einer der Diener trägt eine mit Intarsien verzierte Truhe, deren Beschläge aus reinstem Gold sind; der zweite einen fein gearbeiteten Kelch mit einem noch mehr verzierten Deckel aus purem Gold; der dritte einen breiten, niedrigen Krug aus reinem Gold, dessen pyramidenartiger Verschluss mit einem Brillanten besetzt ist. Die Geschenke müssen schwer sein, denn die Diener tragen sie mit Mühe, besonders der Truhenträger.
Die drei steigen die Treppe hinauf und treten in einen Raum, der von der Straße bis zur Rückseite des Hauses reicht. […]

Maria sitzt da mit dem Kind auf dem Schoß; neben ihr steht Josef; aber auch sie erhebt und verneigt sich, als sie die Magier eintreten sieht. Sie sieht schön aus in ihrem einfachen, blütenweißen Gewand, das sie vom Hals bis zu den Füßen, von den Schultern bis zu den zarten Handgelenken bedeckt. Von ihrem von blonden Zöpfen umrahmten Haupt und dem vor Rührung geröteten Gesicht, von den zärtlich lächelnden Augen und dem Mund, der sich zum Gruß: „Der Herr sei mit euch!“ öffnet, sind die drei einen Augenblick so beeindruckt, dass sie stehenbleiben. Dann treten sie näher, werfen sich zu ihren Füßen nieder und bitten sie, sich zu setzen. Sie selbst aber setzen sich nicht, wie sehr Maria sie auch darum bittet. Sie bleiben auf den Knien, auf ihren Fersen ruhend. Hinter ihnen, ebenfalls auf den Knien, sind die drei Diener. Sie waren sofort nach Übertreten der Schwelle niedergekniet. Sie haben die drei mitgebrachten Gegenstände vor sich aufgestellt und warten nun. Die drei Weisen betrachten das Kind, das mir neun bis zwölf Monate alt zu sein scheint, so lebhaft und kräftig ist es bereits. Es steht auf dem Schoß der Mutter und lächelt und lallt mit dem Stimmchen eines Vögleins. Es ist wie seine Mutter ganz in Weiß gekleidet und trägt an den Füßchen kleine Sandalen. Seine schlichte Bekleidung besteht aus einer ganz kleinen Tunika, aus der die unruhigen Füßchen hervorschauen, die Fäustchen, die nach allem greifen möchten, und vor allen Dingen das wunderbar schöne Gesichtchen, mit den dunkelblauen funkelnden Augen und dem Mund, an dessen Seiten sich bei jedem Lächeln zwei Grübchen bilden und in dem schon die ersten Zähnchen sichtbar werden. Die Löckchen scheinen aus Goldstaub zu sein, so glänzend und leicht sind sie.

Der älteste der Weisen spricht für alle. Er erzählt Maria, wie sie in einer Nacht des vergangenen Dezembers gesehen haben, dass sich ein neuer Stern von ungewöhnlichem Glanz am Himmel entzündete. Nie hatten die Himmelskarten dieses Gestirn aufgezeichnet oder von ihm Kunde gegeben. Sein Name war unbekannt, denn es hatte keinen. Aufgegangen war er aus dem Schoß Gottes, um den Menschen eine segensvolle Wahrheit, ein göttliches Geheimnis zu verkünden. Aber die Menschen hatten nicht darauf geachtet, denn ihre Seelen steckten im Schlamm. Sie erhoben ihren Blick nicht zu Gott und vermochten die Worte nicht zu lesen, die er ihnen – in Ewigkeit sei er darob gepriesen – mit feurigen Sternen ans Himmelsgewölbe geschrieben hatte. Sie aber hatten ihn gesehen und sich bemüht, seine Stimme zu verstehen. Gern opferten sie den kurzen Schlaf, den sie ihren Gliedern sonst gewährten, vergaßen das Essen und vertieften sich in das Studium des Tierkreises. Und die Stellungen der Gestirne, die Zeit, die Jahreszeit, die Berechnung der verflossenen Stunden und der astronomischen Konstellationen hatten ihnen den Namen und das Geheimnis des Sternes kundgetan. Sein Name war: „Messias“. Und sein Geheimnis: „Der Messias ist zur Welt gekommen“. Und so waren sie abgereist, um ihn anzubeten, ein jeder, ohne von dem anderen zu wissen, über Berge und Flüsse, durch Täler und Wüsten waren sie nächtelang in Richtung Palästina gereist, denn der Stern wanderte in dieser Richtung, für einen jeden von einem verschiedenen Punkt der Erde aus. Sie sollten sich jenseits des Toten Meeres treffen; der Wille Gottes hat sie dort zusammengeführt, und zusammen sind sie weitergereist und haben sich durch ein Wunder des Ewigen verstanden, obgleich ein jeder in seiner Landessprache redete. Zusammen sind sie nach Jerusalem gekommen, weil der Messias der König von Jerusalem, der König der Juden, sein sollte. Aber der Stern hat sich über dem Himmel dieser Stadt verhüllt; sie fühlten ihr Herz brechen und erforschten sich, um zu wissen, ob sie Gottes unwürdig geworden seien. Aber ihr Gewissen hat sie beruhigt, so dass sie sich an König Herodes wandten, um zu erfahren, in welchem Palast der neugeborene König zu finden sei, denn sie seien gekommen, ihn anzubeten. Da hat der König die Obersten der Priester und Schriftgelehrten zusammengerufen und sie gefragt, wo der Messias geboren werden solle. Und sie haben geantwortet: „In Betlehem in Judäa.“
Und als sie die Heilige Stadt verlassen hatten, strahlte der Stern am Abend heller denn je. Der ganze Himmel war wie ein Feuermeer. Dann blieb er stehen und hat das ganze Licht der anderen Sterne in seinem Strahlenglanz über diesem Haus vereinigt. So haben sie verstanden, dass das göttliche Kind hier sein müsste. Und jetzt beteten sie es an und brachten ihm ihre Geschenke und mehr noch: ihre Herzen dar, die nie aufhören würden, Gott wegen der erwiesenen Gnaden zu preisen und seinen Sohn zu lieben, dessen heilige Menschheit sie gesehen haben. Nachher wollten sie zurückkehren und dem König Herodes davon berichten, denn auch er wünschte, ihn anzubeten.

„Und sieh, hier ist Gold, wie es einem König gebührt, hier ist Weihrauch, wie es einem Gott gebührt, und hier, o Mutter, ist Myrrhe; denn dein Sohn ist Gott, aber auch Mensch. Durch sein Fleisch und sein menschliches Leben wird er Bitterkeit und das unvermeidliche Gesetz des Sterbens erfahren. Unsere Liebe möchte sie nicht aussprechen, diese Worte, und ihn für ewig halten, auch dem Fleisch nach. Aber, o Frau, wenn unsere Zeichen, und mehr noch unsere Seelen nicht irren, ist dein Sohn der Erlöser, der Gesalbte Gottes und deshalb muss er, um die Welt zu retten, die Schuld der Welt auf sich nehmen, zu deren Strafen auch der Tod gehört. Dieser Balsam ist für jene Stunde, damit das Fleisch, das doch heilig ist, keine Verwesung kenne und seine Unversehrtheit bewahre bis zu seiner Auferstehung. Um dieser unserer Gabe willen möge er sich unser erinnern und seine Diener retten und ihnen sein Reich schenken. Einstweilen möge die Mutter ihr Kind unserer Liebe überlassen, damit wir durch es geheiligt werden; wir möchten seine Füßchen küssen, damit der Segen des Himmels auf uns herniederkomme.“

Maria hat inzwischen die Bestürzung überwunden, die die Worte der Weisen in ihr hervorgerufen haben, und ihre Traurigkeit unter einem Lächeln verborgen. Sie legt ihr Kind dem Ältesten in die Arme, der es küsst und von ihm geliebkost wird. Dann reicht er es den beiden anderen. Jesus lächelt, spielt mit den Kettchen und den Fransen der drei und schaut aufmerksam in die offene Truhe voller gelber, glänzender Dinge; er freut sich, als er sieht, dass die Sonne einen Regenbogen bildet, sobald sie den Brillanten des Deckels auf dem Gefäß mit Myrrhen trifft. Dann geben sie Maria das Kind zurück und erheben sich. Auch Maria erhebt sich. Nachdem der Jüngste der Weisen seinem Knecht aufgetragen hat, sich zu entfernen, verneigen sie sich nacheinander. Die drei sprechen noch ein wenig. Sie können sich noch nicht entschließen, das Haus zu verlassen. Tränen der Rührung stehen in ihren Augen. Endlich wenden sie sich dem Ausgang zu, von Maria und Josef begleitet. Jesus will aus den Armen seiner Mutter herab, um dem Ältesten der drei das Händchen zu geben, und so trippelt er, von Maria und dem Weisen an der Hand gehalten, mit noch unsicherem Schritt im Zimmer herum und lacht, während seine Füßchen auf den Streifen treten, den die Sonne auf dem Boden zeichnet. An der Schwelle angekommen – man darf nicht vergessen, dass der Raum so lang ist wie das Haus – verabschieden sich die drei; sie knien noch einmal nieder und küssen die Füßchen Jesu. Maria, über den Kleinen gebeugt, fasst ihn beim Händchen und führt es über das Haupt eines jeden der Weisen zu einer Geste des Segens. Es ist schon ein Kreuzzeichen, das die Fingerlein Jesu unter der Anleitung Marias zeichnen [Ez 9,4.6; Offb 7,2–3; 9,4]. Dann steigen die drei Weisen die Treppe hinunter. Die Karawane steht schon bereit. Die Zügel der Pferde glänzen in der untergehenden Sonne. Das Volk hat sich auf dem kleinen Platz versammelt, um dem ungewöhnlichen Schauspiel beizuwohnen. Jesus lacht und klatscht in die Hände. Seine Mutter hat ihn hochgehoben und auf die breite Brüstung gestellt, die den Treppenabsatz umgibt; sie hält ihn mit einer Hand an der Brust, damit er nicht hinunterfällt. Josef ist mit den dreien hinabgestiegen und hält einem jeden beim Besteigen der Pferde und des Kamels die Steigbügel. Nun sind Herren und Diener alle auf ihren Tieren. Der Marschbefehl wird gegeben. Die drei beugen sich zu einem letzten Gruß nieder bis zum Hals der Reittiere. Auch Josef verneigt sich, und ebenso Maria, die alsdann das Händchen Jesu zu einer Geste des Abschieds und des Segens führt.

Wir danken dem Parvis Verlag für die Bereitstellung des Textes zur Veröffentlichung!

Maria Valtorta: Der Gottmensch - Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Parvis-Verlag
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