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Sr. Hanna, Gemeinschaft der Seligpreisungen

Gib Gott Dein verwundetes Herz - Er steht auf Deiner Seite



Sr. Hannah aus der Gemeinschaft der Seligpreisungen gab beim Jugendfestival Zeugnis von ihrem Leben. Die Erfahrung einer unheilen Familie hinderte sie nicht daran, die Liebe Gottes zu erfahren.

Ich habe 1992 zum ersten Mal am Jugendfestival teilgenommen...

Ich habe 1992 zum ersten Mal am Jugendfestival teilgenommen - es war während des Krieges, seither sitze ich da, wo ihr jetzt sitzt. Dieses Mal hat man mich gebeten auf der anderen Seite zu stehen und euch etwas zu sagen. Das ist eine ganz schöne Verantwortung. Deshalb möchte ich jetzt von dem sprechen, was mir das Allerwichtigste ist: Von der Liebe und von Gott  - und eigentlich ist das nur ein Thema. Denn Gott selbst ist die Liebe. Im ersten Johannesbrief finden wir die Definition Gottes: Gott ist Liebe. Liebe bedeutet, dass Gott sich selbst offenbart. Dass er uns seine Wahrheit schenkt, damit wir ihn erkennen können. Liebe bedeutet auch, dass Gott sich hingibt, dass er sich verschenkt, in seiner Güte, damit wir ihn erfahren können. Unser christlicher Gott, ein Gott der Liebe, ist ein Gott den man kennen kann und ein Gott, den man erfahren kann - davon möchte ich euch erzählen.

Gott selbst ist das Sein. Er ist die Grundlage von all dem, was existiert. Er ist davon Quelle und Ursprung. Das bedeutet, dass Gott in sich selbst sich selbst genug ist. Gott in seiner Liebe genügt sich. Warum ist das wichtig? Weil das heißt, dass wir frei sind. Gott offenbart sich uns nicht, damit wir ihn zufriedenstellen, Gott schenkt sich uns nicht, damit wir ihm dienen, er kommt nicht, um uns zur Liebe und zur Hingabe zu zwingen. Gott fehlt nichts. Gott selbst ist die Überfülle. D.h. all das, was er schenkt, das schenkt er uns umsonst. Das ist eine Form von Liebe, die wir auf dieser Erde unter Menschen schwer nachvollziehen können. Gott manipuliert nicht. Gottes Liebe ist bedingungslos, ohne Hintergedanken. Denn Gott selbst ist unendlich. Er ist die Quelle, die niemals versiegt, er ist die Quelle die nie weniger wird. Seine Liebe ist völlig ohne Ende. Ohne Ende in der Zeit und ohne Ende im Raum. Das heißt, er war schon immer da, und seine Liebe wird auch immer da sein. Und dass heißt, dass sie auch jetzt hier anwesend ist. Jetzt. Gottes Liebe ist überall, an jedem Ort, in jedem Land, in jedem Menschen, in jedem Herzen. Gottes Liebe ist jetzt hier, auch für Dich. Es gibt ein schönes Bild im neuen Testament das diese Überfülle der Liebe anschaulich darstellt. Das ist das Gleichnis vom Sämann. Jesus sagt uns: Gott ist wie ein Sämann, der seinen Samen sät. Und diesen Samen sät er auf gute Erde, auf den Weg, in die Steine, in die Dornen. Es ist unlogisch. Ein Sämann weiß, dass er seinen kostbaren Samen nur in die gute Erde säen sollte. Aber Gott streut, und streut und streut. Weil es ihm an nichts fehlt. Weil ihm nie etwas mangelt, auch seine Hoffnung nicht. Weil Gott hofft, dass dieser Samen aufgeht, da wo er hinfällt. Sogar auf dem Felsen, in den Dornen und auch auf dem Weg.

Wir Menschen sind entstanden, sind geschaffen, aus dieser gleichen Überfülle der Liebe. Denn es gehört zum Wesen der Liebe sich zu verschenken. Und Gott, indem er sich verschenkt, schafft neues Leben.  Aus seiner Fülle sind wir entstanden und Jesus ist gekommen, damit wir ein Leben in Fülle haben. Jeder von euch ist geschaffen aus Liebe. Jeder von euch kommt aus der Großzügigkeit des Herzens Gottes, für ein großzügiges Leben, dass euer Herz auch Überfülle erfährt und dass ihr ihm eine großzügige Antwort geben könnt. Eine Antwort nicht aus Angst, eine Antwort nicht aus Pflicht - eine Antwort aus Liebe. Wir als Menschen, in unserer psychologischen Entwicklung sind von klein auf dazu geschaffen Liebe zu empfangen. Das Baby empfängt Liebe von den Eltern, von den Geschwistern und so lernt dieses kleine Baby, ich bin liebenswert, denn ich werde geliebt. Und wer liebenswert ist, der wird auch liebensfähig. Wenn alles gut geht, werden wir durch die Eltern auch zum Glauben geführt. Werden wir durch die Taufe hineingenommen in die Familie Gottes. Und machen ganz natürlich von klein auf die Erfahrung, ich bin auch von Gott geliebt. Ich kann Gott vertrauen, Gott ist treu, Gott ist stark, er beschützt mich, Gott ist gegenwärtig. Gott kümmert sich um mich. Und die natürliche Reaktion darauf ist, dass wir zurücklieben. Mama, ich hab dich lieb, Papa, ich hab dich lieb. Gott im Himmel, ich danke dir für deine Liebe, und ich habe dich lieb. Das heißt unsere Geschichte, ist eine Geschichte der Liebe, eine Geschichte der Fülle und damit auch eine Geschichte des Glücks.

Wo ist jemand der mich liebt?

Wenn ihr jetzt so eine Lebensgeschichte habt wie ich, dann sagt ihr, so einfach ist das alles nicht. Das ist ja nett und  schön was die Schwester uns da erzählt aber mein Leben ist keine Liebesgeschichte. Mein Leben ist keine Erfahrung der Fülle. Ich weiß wovon ich spreche. Meine Mutter hat dreimal geheiratet und sich dreimal scheiden lassen. D.h. dass ich dreimal erlebt habe wie ich einen Vater bekomme und wie er wieder geht. Ich habe sieben Halbgeschwister aus unterschiedlichen Familien und die meiste Zeit meines Lebens war ich ein Einzelkind. Ich weiß,  was das im Herzen von Kindern tut - Scheidung. Ich weiß, was es heißt verlassen zu werden. Mein leiblicher Vater hat meine Mutter sitzen lassen und gesagt:  Lass sie mal abtreiben. Mit 34 habe ich meinen leiblichen Vater gesucht, ich habe ihn gefunden und mich auch mit ihm versöhnt. Obwohl er nie ein Lebenszeichen von sich gegeben hat. Ich weiß,  was es heißt, wenn Eltern abwesend sind, wenn sie mit der Arbeit beschäftigt sind und mit ihren eigenen Problemen. Ich weiß was Einsamkeit ist. Es gibt hier unter euch einige, die die Erfahrung von Gewalt gemacht haben, von Missbrauch, und ich weiß was es heißt im Herzen einen tiefen Schrei nach Liebe zu haben. Einen Schrei, mit dem man nachts nicht schlafen kann, durch die Stadt läuft, und das ganze Herz nur schreit, wo ist hier jemand, der mich liebt?

Bei so viel Leiden, welchen Sinn hat mein Leben? Warum denn weiterleben? Und bei diesem Mangel, den ich in meinem Herzen kannte und den ihr vielleicht auch kennt, da gibt uns die Welt ganz irreführende Antworten. Sie bietet uns an zu fliehen. Zu fliehen in eine virtuelle Welt. Internet, Computerspiele, Video. Ersatzbefriedigungen. Abhängigkeiten und Sünde. Die Sünde ist dann der Versuch, dass wir uns selber nehmen wollen, was wir doch nur empfangen können. Man kann Liebe nicht fordern, man kann Liebe nicht kaufen, man kann sich Liebe nicht nehmen. Liebe ist mehr als Erotik und Sexualität. Liebe ist mehr als das Gefühl des Verliebt seins. Liebe ist mehr als Ekstase. All diese Ersatzbefriedigungen füllen auch unser Herz. Aber sie füllen es mit Dreck, manchmal mit Gift, im schlimmsten Fall mit Säure, so dass unsere Herzen verschmutzen, verstopfen, verletzt werden. Und wenn ich hier heute stehe, dann, weil ich davon Zeugnis abgeben möchte, dass Gott diese Herzen wieder heilen kann. Die gute Nachricht ist, Gott selbst kommt uns zu suchen. Nicht darin besteht die Liebe, dass ihr Gott geliebt habt, sondern dass Gott euch geliebt hat. Dass er seinen eigenen Sohn gesandt hat. Die ganze Geschichte des Christentums ist eine Geschichte von einem Gott der kommt. Am Anfang der Zeiten kommt Gott ins Paradies. Adam, wo bist du? Ich suche Dich! Vor zweitausend Jahren ist Jesus gekommen. Verlorenes Schaf, wo bist du? Ich suche Dich? Verlorener Sohn, verlorene Tochter: Der Vater wartet auf Dich, Michael wo bist du? Martina? Susi? Mary? Thomas? Wo bist Du? Hast du ein krankes Herz? Gott kommt heute um mit dir zu leiden. Um dich zu trösten. Um dich zu heilen. Hast du ein verschmutztes Herz? Weißt du um deine Sünde? Er kommt um dich anzuhören, um dich wieder aufzurichten, um dir zu vergeben, um dir den Ring der Kindschaft wieder an den Finger zu stecken. Es gibt nur eine Botschaft. Ihr habt nur eins zu tun. Lasst euch finden! Wenn er ruft, kommt aus eurem Versteck. Und wenn ihr euch fürchtet - dann sagt einfach: “Piep”, “piep - hier bin ich! Komm mich holen!” Er wartet auf ein kleines Zeichen von euch. Aber besser noch, werft euch gleich in seine Arme!

Ich lebe jetzt schon mehrere Jahre hier in Medjugorje. Und ich habe schon viele Menschen begleitet die Innere Heilung suchen. Und in dieser Zeit habe ich angefangen zu entdecken wie man hier ganz konkret Gottes Liebe empfangen kann.  Vielleicht habt ihr das noch nicht gemerkt aber alles hier ist auf Liebe ausgerichtet. Der Rosenkranz am Abend - es ist eine Zeit wo man sich wiegen lassen kann vom Gebet der Menge. Aber auch vom Gebet der Väter hier. Die Patres, die dieses Gebet leiten, das uns in Mariens Gegenwart führt. Ein Gebet, bei dem man immer das gleiche sagt, ein Gebet, das nicht für den Kopf ist, sondern für das Herz. Wie ein Wiegenlied, das die Mutter ihrem Kind singt. Es ist nicht wichtig, dass das Kind versteht, aber dass das Kind eintritt in die Gegenwart der Mutter. Dann gibt es die Beichte. Was gibt es schöneres als die Vergebung des Vaters zu erleben. Traut euch! Traut euch zum Vater zu kommen und euer verschmutztes Herz zu bringen. Und je ehrlicher ihr das könnt, umso größer die Liebe, die ihr empfangen könnt. Es gibt das Wort Gottes, das jeden Abend hier verkündet wird, das uns lehrt von Gottes Gegenwart, das uns lehrt über seine Liebe. Und dann die Eucharistie. Gott selbst schenkt sich euch. Legt seine Gegenwart wie eine Salbe auf euer verwundetes Herz. Und die Anbetung. Manchmal denken wir das Allerheiligste wird ausgesetzt damit wir den Herrn sehen können. Aber man kann sagen es wird auch ausgesetzt, damit der Herr uns sehen kann. Lasst euch von ihm anschauen. Strahlen der Liebe! Wenn ich Menschen in Begleitung habe, dann ist eine Aufgabe die Liebesbehandlung: Jeden Tag eine halbe Stunde Liebesbestrahlung in der Anbetung.

 Es gibt ganz viele Wörter in der Bibel, die von Gottes Liebe sprechen. Eines meiner liebsten: “Du bist kostbar in meinen Augen und ich liebe Dich”, Jes, 43. Und ich höre mir an, wie Jesus zu mir sagt: “Hannah, du bist wertvoll in meinen Augen und ich liebe dich!”, und ich sage ihm: “Jesus, du bist wertvoll in meinen Augen und ich liebe dich!” Und dann sagt er wieder: “Nein Hanna, du bist wertvoll in meinen Augen und ich liebe Dich”. Wenn ich das eine halbe Stunde lang mache, natürlich empfange ich dabei auch Liebe.

Werdet Jünger der Liebe

Wie hilft uns die Gospa hier: Sie hilft uns auch durch ihre Botschaften. Noch ein Geheimnis: Meine liebste Botschaft, die für mich alle anderen zusammenfasst: “Vergesst nicht, dass ich eure Mutter bin, und dass ich euch liebe.” Natürlich ist sie die Königin des Friedens, natürlich hat sie einen Plan des Friedens. Doch zuallererst ist sie unsere Mutter. D.h., wir können uns hier in Medjugorje eine Mutter schenken lassen. Jesus leiht uns nicht seine Mutter, er teilt sie nicht mit uns, Sondern jedem Einzelnen von uns schenkt Gott eine Mutter, schenkt Jesus uns seine eigene Mutter, wenn ihr sie wollt. Jesus schenkt euch seine Mutter als eure Mutter. Und dann heilen unsere Herzen auch durch Menschen. Für mich ist Pater Slavko ein Ersatzvater, mit dem ich ein ganzes Stück Therapie gemacht habe. Er sagte immer: Die Zeit allein heilt nicht, nur die Liebe heilt!” Und dann hat er sich bemüht die Menschen um sich herum zu lieben. Es hilft, wenn ihr euch versöhnt. Es hilft wenn ihr Freundschaften lebt. Es ist auch wichtig, dass ihr lernt euch selbst zu lieben. Aber diese Liebe müsst ihr nicht produzieren. Ihr könnt sie nicht produzieren. Diese Liebe könnt ihr nur empfangen. Versöhnt euch mit Gott. Bittet ihn um Verzeihung. Und manchmal auch: Seid ihm nicht mehr böse. Ich war Gott lange Zeit böse für meine Geschichte. Ich dachte, er ist es, der das alles so gewollt hat - oder zumindest nicht verhindert hat. Bis ich gelernt habe, dass er auf meiner Seite steht. Dass er mit mir leidet und mich tröstet.

Dein Name ist in seine Hände geschrieben

Diese Liebesgeschichte, über die ich jetzt gesprochen habe, die hat auch noch ein Ziel. Ziel ist es, dass ihr Jünger der Liebe werdet. Apostel dieses Gottes der Liebe. Und ich weiß dass viele hier sind die noch ihre Berufung suchen. Eure Berufung ist nicht so sehr dies oder jenes was ihr tut, dieser Weg oder jener Weg, den ihr geht. Eure Berufung ist eine Beziehung, ist es, Gott zu lieben, mit Gott zusammen unterwegs sein. Mit Gott zusammen könnt ihr sogar Umwege gehen. Wichtig ist, dass ihr mit Gott zusammen unterwegs seid. Geht mit Gott einen Dialog ein. Wenn ihr einen Ruf hört, nehmt diesen Ruf ernst. Redet mit Gott. Redet mit Menschen. Aber v.a. brecht nie die Beziehung zu Gott ab. Und jetzt werde ich was ganz ungehöriges sagen. Ihr könnt auf einen Ruf Gottes sogar sagen - später. Ihr könnt sogar sagen: Lieber nicht, hast du nicht einen anderen Weg für mich? Wichtig ist, dass euer Wille und der Wille Gottes sich vermählen können. Wichtig ist, dass ihr lernt, wie ihr euch in einer ganz persönlichen Form verschenken könnt. Das Ziel eures Lebens ist, dass ihr euch hingebt, dass ihr euer Leben verschenkt. Dass ihr liebt und lieben heißt wie die kleine Therese es formuliert: Zu lieben heißt alles geben, und sich selbst hinzugeben. Ich habe lange gedacht, ich müsste erst geheilt sein um Gott folgen zu können. Ich habe gedacht, ich müsste ein ganzes Herz haben, um es ihm zu schenken. Jetzt weiß ich, dass ich Gott meine Armut schenken kann, sogar meinen Schmutz meine Verletzungen und meine Gaben und Qualitäten. Meine Familie ist immer noch kaputt. Es ist viel Vergebung passiert aber ich kann jeden nur einzeln besuchen. Ich habe immer noch Ängste, ich habe immer noch schlaflose Nächte, aber ich bin fasziniert von der Treue Gottes. Wenn auch Vater und Mutter dich verlassen, der Herr nimmt dich auf. Dein Name ist in seine Hände geschrieben.

Quellennachweis: Zeitschrift "medjugorje-aktuell"