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Ein Psychiater erlebt Medjugorje

Zu Allerheiligen 2013 besuchte der bekannte österreichische Psychiater und Psychotherapeut Univ. Doz. DDr. Raphael Bonelli den Wallfahrtsort Medjugorje. Unmittelbar nach seiner Rückkehr sprach er in der Sendung „Lebenshilfe“ in Radio Maria Österreich über seine Eindrücke.
Nach Rücksprache mit Raphael Bonelli gab die Gemeinschaft Oase des Friedens eine Abschrift dieses Berichtes wieder.

Bild: Gemeinschaft Cenacolo


Was mich gerade bewegt: Ich war über Allerheiligen, Allerseelen zum ersten Mal in meinem Leben in Medjugorje. Und jetzt möchte ich darüber sprechen, wie ein Psychiater Medjugorje erlebt. Das ist deswegen speziell, weil wir auf bestimmte Einzelheiten einen geschulten Blick haben und dadurch ganz interessante Zusammenhänge sehen können. Die Psychiater haben ja nicht immer eine positive Rolle gespielt in der Beurteilung von religiösen Phänomenen. Ich erinnere besonders an Bernadette von Lourdes, die die Muttergottes gesehen hat und bei der „Wissenschaftler“, in Anführungszeichen Wissenschaftler, versucht haben, ihr die Erscheinungen auszureden oder sie in Frage zu stellen. Aber ich will hier nicht vorgreifen. Wie wir alle wissen, hat sich die Kirche noch nicht endgültig geäußert und kann das auch noch nicht, solange die Erscheinungen noch andauern. Was ich aber dort beobachtet habe, ist eine tiefe Volksfrömmigkeit von Menschen, die als Katholiken einen sehr einfachen und authentischen Glauben leben. Und es heißt ja: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen."

Was mich aber besonders bewegt hat, sind zwei Begebenheiten, die beide am Allerseelentag stattgefunden haben. Zum einen haben meine Verlobte und ich eine Erscheinung von der Seherin Mirjana miterlebt, da waren wir Gott sei Dank ganz in der Nähe und haben sie aus drei oder vier Metern Entfernung von der Seite beobachten können. Weiterhin wurden wir eingeladen, das Zentrum der Gemeinschaft Cenacolo zu besuchen, das es ja auch in Österreich gibt. Diese Erscheinung möchte ich mit Ihnen teilen, eben aus meiner Sicht als Psychiater, nicht als die eines Priesters.
Das Phänomen der Seherin Mirjana war sehr interessant, weil zu dieser Erscheinung, die einmal im Monat stattfindet, immer am Zweiten des Monats, sicher zehntausend Menschen kommen, die sich dafür rund um den Erscheinungsberg, auf dem Erscheinungsberg und am Fuße des Erscheinungsbergs versammeln. Und sicher fünfundneunzig Prozent von ihnen konnten ihr Gesicht gar nicht sehen. Das heißt, sie haben gar nichts gesehen. Niemand sieht ja die Erscheinung. Nur ganz wenige Privilegierte sehen das Gesicht der Seherin. Und alle anderen sind da, weil sie glauben. Ausschließlich weil sie glauben. Und weil sie eben Mirjana glauben, dass sie wirklich etwas sieht. Ich habe mich als Wissenschaftler bemüht, skeptisch zu bleiben. Es war eine lange Gebetsvorbereitung, es wurden Lieder gesungen, es wurde der Rosenkranz in den verschiedensten Sprachen gebetet. Das war alles sehr schön und stimmig und war weder hysterisch, noch aufgesetzt, noch von Massenekstase oder Massenwirkung beeinflusst, es war eine große Ruhe da und auch eine Freude, und dann ist die Seherin gekommen, Mirjana. Mein Eindruck war, dass sie angespannt war, dass sie nervös war, dass sie nicht ganz im Gleichgewicht war, sich nicht hundertprozentig wohlgefühlt hat. Sie hat schon die Menschen begrüßt, aber eher mit einer gewissen Nervosität, hatte ich den Eindruck. Und dann hat sie sich hingekniet und hat den Rosenkranz mitgebetet. Und auch da war sie noch fast wie gejagt, erdrückt von dieser Stimmung, die da war, sie wusste ja, dass alle Blicke auf sie gerichtet waren. Obwohl ich zum ersten Mal im Wiener Stephansdom Zeuge einer Erscheinung geworden war, muss ich ehrlich sagen, dass ich skeptisch war. Dann kam der Moment, wo sie gesehen hat. Ihr Antlitz war vollkommen verändert, durch und durch erhellt und erfreut. Es war der Moment, nach dem sie sich so lange gesehnt hatte. Es war sehr beeindruckend, wie sich ein Mensch so ändern kann, innerhalb einer Sekunde. Sie war ganz  in Freude aufgelöst. Jegliche Nervosität war weg. Wie wenn sie einen Monat gewartet hätte auf diese eine Begegnung. Mir war sofort klar - subjektiv natürlich wieder, nicht dem Urteil der Kirche vorgreifend - das ist echt! Etwa acht bis zehn Minuten hat diese Erscheinung gedauert. Ich war so ergriffen, dass ich gar kein Foto machen oder filmen oder andere Menschen beobachten konnte.

Seherin Mirjana


Ich war sehr beeindruckt und so fixiert auf das Gesicht der Seherin, die ganz offensichtlich etwas, beziehungsweise jemanden, gesehen hat. Sie war in einem intensiven Dialog, hat gelacht, gesprochen. Man hat nicht gehört, was sie gesprochen hat. Und dann ist die Erscheinung wieder verschwunden, Mirjana ist zurückgekommen und war ein anderer Mensch als vorher, die Nervosität war ganz verschwunden, sie war irgendwie erschlafft, hat sich hingesetzt und zwei Helfern die Botschaft übermittelt, die danach auch verkündet wurde. Dieses Phänomen war beeindruckend und hat mich sehr an die Hl. Bernadette Soubirous erinnert, die Seherin von Lourdes mit der sie auch die Erfahrung teilen, dass es keine leichte Aufgabe ist, ein Seher zu sein. Das ist eine „gratia gratis data“, das heißt eine unverdiente Gnade, etwas was man sich nicht einfach erarbeiten kann. Ich habe dann eine Frau von etwa 50 Jahren kennengelernt, die mir erzählte, dass sie damals im Gebetskreis von Medjugorje war. Und dann haben eben diese sechs Kinder diese Erscheinungen gehabt. Aber alle diese sechs waren nicht besonders fromm. Sie, in dem Gebetskreis, war besonders fromm, aber sie hat diese Erscheinungen nicht bekommen, sondern nur die allzu weltlichen Kinder.

Gratia gratis data
Gleichzeitig hat dieses Leben die sechs Seher sehr geprägt. Und das war und ist keine leichte Aufgabe auch wegen der Reaktion ihrer Umgebung. Mirjana wurde aus nächster Nähe fotografiert, sie musste Rosenkränze oder Gebetsanliegen, die auf Zetteln aufgeschrieben waren, anfassen. Da war ein Rummel, der einem normalerweise, wenn man nicht sehr narzisstisch ist, sehr unangenehm ist. Offensichtlich ist das der Seherin nicht zu Kopf gestiegen. Die Demut und die Geduld, mit der sie diesen Tumult dann ertragen hat, war für mich ein weiteres Zeichen absoluter Glaubhaftigkeit. Da ist niemand, der eine Show spielt und nachher die Früchte dieser Show genießt. Sondern da ist jemand, dem das als Last auferlegt wurde.
Das ist nicht einfach. Wir wissen von Bernadette, wie ihr Leben weiter verlaufen ist. Wenn jemand so eine Erscheinung hat. manche haben sie täglich, Mirjana einmal im Monat, manche einmal im Jahr, dann prägt das ein Leben, dann wird das eigene Leben zu einer Art Zeugnis, das man in der Folge gibt. Die Reaktion der Umgebung ist zumeist Ablehnung, antireligiöse Affekte, dem inneren Neid folgender Hass, also einer „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ Haltung. Die Seher leiden immer wieder unter aggressiven Haltungen ihnen gegenüber. Und das erlebt in anderer Form auch jeder Gläubige. Die Anfeindungen sind auch ein Zeichen der Glaubwürdigkeit. Letztlich ist es Jesus Christus genauso ergangen.

In einer weiteren Sendung sprach DDr. Bonelli über seinen Besuch in der Gemeinschaft Cenacolo.

Quellennachweis: Oase des Friedens  - Heft 2/2014