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Berufung zum Diakon

Im Sommer 1985 besuchte der Oberösterreicher Karl Schwaiger mit seiner Gattin das erste Mal Medjugorje. Obwohl der Aufenthalt nur eineinhalb Tage dauerte, begann für das Ehepaar eine Kehrtwende im Leben. Immer mehr fühlten sie sich von dieser Zeit an vom Glauben und von der Kirche angezogen. Schließlich verspürte Karl Schwaiger in sich den Ruf, Gott in besonderer Weise als ständiger Diakon nachzufolgen, und vertraute alle Zweifel und Schwierigkeiten, die ihm auf diesem Weg begegneten, der Gottesmutter vertrauensvoll an. 

Lieber Herr Schwaiger, könnten Sie sich unseren Lesern vorstellen?
Ich wurde 1946 als ältester Sohn einer Kleinbauernfamilie in Gaflenz, OÖ. geboren. Dort habe ich eine kleine Landvolksschule besucht und meine Hauptschulzeit in Weyer verbracht. Dann erlernte ich in den Böhler- Ybbstal-Werken den Beruf eines Drehers und war in diesem Großbetrieb 13 Jahre tätig.
Seit 1967 bin ich mit meiner Frau Elfriede glücklich verheiratet. Wir haben zwei erwachsene Kinder und sind stolze Großeltern von zwei Buben.
1973 habe ich mich beruflich verändert und wechselte in den Gemeindedienst meiner Heimatgemeinde. Ich war dort bis zum Eintritt in den vorzeitigen Ruhestand im Jahre 2001 Gemeindeamtsleiter.   
Im Jahre 1985 kam ich durch "Zufall" erstmals gemeinsam mit meiner Frau mit Medjugorje in Berührung, als wir eine Reise durch das ehemalige Jugoslawien unternahmen.
Glaube und Kirche hatten für mich damals - man kann sagen - keinerlei Bedeutung, und ich kam wirklich äußerst selten in eine Kirche. Durch meine ablehnende Haltung zum Glauben war auch meine Frau eher selten, aber doch manchmal in der Kirche - wie es eben ihr Beruf als Volksschullehrerin an der örtlichen Volksschule erforderte. Der Hauptinhalt unserer Freizeitgestaltung war damals sportlicher Art: Wandern, Bergsteigen und Schifahren. Wir besuchten auch alle möglichen Unterhaltungsveranstaltungen, die sich so angeboten haben. Im Sommer 1985 war wieder ein Bergurlaub geplant. In die Julischen Alpen (Slowenien) wollten wir zum Bergsteigen fahren. Alles war schon vorbereitet, da verletzte sich meine Frau am Knie und ich an der Halswirbelsäule. Somit war es aus mit den Urlaubsträumen.
Wir entschlossen uns daher, das Land Jugoslawien zu erkunden. Dabei kamen wir u. a. nach Sarajevo und auch Mostar. Wir haben vom Ort "Medjugorje" und von den Ereignissen - ich weiß auch nicht mehr auf welche Weise - gehört, und wir beschlossen neugierigerweise auch dort hin zu fahren. An diesen ersten Aufenthalt dort kann ich mich heute kaum mehr erinnern - nur soviel, dass wir am Kreuzberg eine Begegnung mit einer einheimischen Frau hatten, die mir Rotwein anbot, der mir dann zwei Tage später eine schwere Krankheit ausgelöst hat. In den eineinhalb Tagen, die wir in Medjugorje waren, hatten wir sonst keine besonderen Erlebnisse oder Eindrücke, die uns auf irgendeine Weise berührt oder besonders angesprochen hätten. Nur eines hat sich in mir eingeprägt: Hierher möchte ich wieder kommen.
Dann fuhren wir weiter in den Süden, in die Bucht von Kotor, wo ich dann 40 Grad Fieber und Durchfall bekam. Ich konnte das Auto nicht mehr lenken, sodass meine Frau fahren musste. Die ganze Heimreise war äußerst schwierig und mit allerhand zusätzlichen Problemen gespickt. Der Hausarzt diagnostizierte eine schwere Lebensmittelvergiftung. Also meine/unsere erste Berührung mit Medjugorje war eher mit negativen Erinnerungen behaftet.
Nach meiner Genesung ging alles wieder seinen gewohnten Lauf - so hatte es zumindest den Anschein. Im September oder Oktober 1985 kam auf einmal bei mir der Eindruck auf, dass in unserer Ehe etwas Wesentliches fehlt, nämlich die Beziehung zu Gott, und dass wir das ändern sollten. Meine Frau stimmte mir zu. Wir fuhren nach Mariazell und gingen dort nach mehr als 20 Jahren wieder zur hl. Beichte.
Von da an besuchten wir auch regelmäßig die Sonntagsgottesdienste in der Heimatpfarre. Vielleicht wunderten sich so manche darüber. Nach anfänglichen Schwierigkeiten begannen wir ein gemeinsames tägliches Gebetsleben zu entwickeln. Dies war natürlich mit allen Höhen und Tiefen behaftet, die eine solche Veränderung der Lebenshaltung mit sich bringt. Ich möchte sagen, dass damit ein Bekehrungsprozess für uns beide begonnen hat, der sich über lange Jahre hinzog - und natürlich auch heute immer noch weiter geht.
Später begann ich, den ersten Medjugorje - Aufenthalt und die anschließende Erkrankung so zu sehen, als ob Jesus zu mir gesagt hätte: Es genügt, dass du bei meiner Mutter warst, die auch die deine ist. Fahre wieder nach Hause.
Unseren halbwüchsigen Kindern konnten wir damals leider nicht viel vermitteln. Bei vielen Menschen, besonders bei guten Bekannten und Freunden, ist diese Veränderung in unserer Lebens- und Glaubenshaltung eher mit Unverständnis aufgenommen worden. Langsam wuchsen wir in das Pfarrleben hinein (besonders meine Frau, sie war da schneller als ich) und es machte uns Freude, unseren Glauben leben und bezeugen zu können. Unsere geistige Heimat fanden wir in den folgenden Jahren zuerst in der Cursillobewegung und dann in der Charismatischen Erneuerung, wo wir auch heute noch als Mitarbeiter tätig sind.
Wichtig zu erwähnen ist auch, dass ich eine jüngere Schwester hatte, die sehr krank war. Sie hatte mir im Jahr 1984 gesagt, dass sie für meine Bekehrung betet. Diese Zusage und die Kraft des Gebetes sehe ich heute natürlich in einem ganz anderen Licht als damals.
Soweit ich mich noch erinnern kann, waren wir 1986 gleich dreimal in Medjugorje, einmal davon auch mit meiner krebskranken Schwester, die leider im Dezember desselben Jahres verstorben ist.
Ab diesem Zeitpunkt kamen wir jedes Jahr einmal, und sehr oft auch mehrmals nach Medjugorje, mit Ausnahme der Kriegsjahre. Die Reisen waren ganz verschiedener Art - mit dem eigenen PKW, mit einer Pilgergruppe im Bus oder auch mit dem Flugzeug. Diese Berührung mit Medjugorje und den Erlebnissen dort half uns sehr, unser Glaubensleben weiter zu vertiefen. Das ist bis heute noch so, obwohl wir nun schon 40-mal bei der Gospa waren und vorhaben, auch weiterhin zumindest einmal im Jahr an diesen heiligen Ort fahren. Auch viele andere Pilgerorte in ganz Europa waren unser Ziel.
Immer mehr wurde es uns zum Bedürfnis, auch wochentags eine Heilige Messe zu besuchen. Das ist inzwischen zu einer gängigen Praxis geworden, obwohl wir dazu manchmal Wegstrecken von bis zu 30 km zurücklegen müssen, weil das Angebot in der eigenen Pfarre leider nicht gegeben ist.
1997 tauchte bei mir auf einmal der Gedanke auf, ich könnte doch ständiger Diakon werden. Wie und warum das so kam, weiß ich nicht mehr. Anfangs getraute ich mir gar nicht, es meiner Frau zu sagen. Doch dann freute sie sich über meinen Wunsch und war gerne bereit, mich dabei kräftig zu unterstützen. Ob dieser Gedanke in Medjugorje entstanden ist oder zu Hause, kann ich heute nicht mehr sagen. Eines ist aber ganz sicher, dass ich ab diesem Zeitpunkt bei jedem Medjugorje - Aufenthalt immer wieder bestärkt wurde, diesen Weg zu gehen. Zweifel und Ängste kamen immer wieder auf, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie ich den Weg dahin schaffen könnte, und ob ich die Aufgaben, die mich erwarten, auch ordentlich erfüllen kann. Ich war eher zurückgezogen und schüchtern, ein Mensch, der nicht gerne vorne stehen und zu den Menschen sprechen konnte oder wollte.
Die Gottesmutter zeigte mir aber - so habe ich es empfunden - dass Gott mit jedem Menschen einen Plan hat, also auch mit mir. Mein Beweggrund für diesen Weg war auch, meinen Lebensabend dazu zu verwenden, um Gott und der Kirche zu dienen. Die Zeit der Entscheidungsfindung und auch der Zusage, dass mich die Diözese in den Diakonatskreis (Ausbildungskreis) aufnimmt, dauerte bis zum Jahr 2002. Es gab nämlich in den zuständigen Entscheidungsgremien Vorbehalte gegen Neubekehrte wie mich. Im Nachhinein habe ich aber erkannt, dass das Hinausschieben der Aufnahme eine wichtige Zeit für mich war. Die Berufung, die ich verspürte, konnte ich in dieser Zeit nochmals gründlich überdenken. Ich habe im Gebet alles meinem Herrn hingetragen mit der Einstellung: "Wenn Du, Herr, es willst, dass ich Diakon werde, dann musst auch Du für die Beseitigung der Hindernisse sorgen. Wenn es nicht Deinem Willen entspricht, so akzeptiere ich das." Es gab dann aber im Laufe der Zeit mehrere deutliche Zeichen, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.
Unabhängig von der diözesanen Entscheidung begann ich im Jahr 2000 mit dem theologischen Fernkurs und meine Frau machte da auch mit. Wir wurden also gefordert, noch im doch schon fortgeschrittenen Alter zu lernen und Prüfungen zu bestehen. In diesen drei Jahren standen wir dann immer in einem kleinen Wettstreit beim Lernen. Die Ausbildung im Diakonatskreis dauerte ebenfalls drei Jahre. Dazu sind auch die Ehefrauen immer eingeladen. Sie müssen ja mehrmals ihre Zustimmung zum Diakonat geben. Es war dies eigentlich eine schöne Zeit mit vielen netten Menschen und es gab dort auch Diakonatskollegen, die ebenfalls mit Medjugorje schon in Berührung gekommen sind. Ohne dass da viele Worte gemacht wurden, erkannten wir, dass uns derselbe Geist prägt, nämlich jener, der von Medjugorje ausgeht. Das war eine sehr wohltuende Erfahrung.

Heute kann ich sagen, dass diese Lern- und Ausbildungsjahre sicherlich anstrengend waren, aber ich schaue gerne auf diese Zeit zurück und bin sehr dankbar, dass sie mir geschenkt wurde. Am 26. Juni 2005 wurde ich dann vom damaligen Diözesanbischof Maximilian Aichern im Alter von 59 Jahren in unserer Pfarrkirche in Gaflenz zum ständigen Diakon geweiht. Mit Freude und großer Dankbarkeit denke ich an diesen entscheidenden Tag in meinem Leben zurück. Ich kann heute sagen, ohne Medjugorje hätte ich nicht zum Glauben gefunden und noch weniger den Weg zum Diakonat geschafft. Für Gott ist eben alles möglich.Der Weg mit der Gospa ist aber noch nicht zu Ende, eigentlich beginnt er jetzt erst richtig. Ich habe mich unserer himmlischen Mutter ganz fest anvertraut und darf deutlich ihre Hilfe und ihren Schutz bei all meinen Diensten spüren, die natürlich auch von so manchen Schwierigkeiten und Problemen begleitet werden. Es wäre nicht korrekt, wenn man das nicht auch ansprechen würde.Ich komme nicht aus dem Staunen heraus, welch großer Umfang an diakonalen Diensten in diesen viereinhalb Jahren schon auf mich zugekommen ist! Es macht mir aber unendlich viel Freude, im Weinberg des Herrn dienen zu dürfen. Auch für meine Frau haben sich neue Wege aufgetan. Sie leitet neben vielen anderen Funktionen den Liturgieausschuss der Pfarre, sie ist auch als Mesnerin tätig und kümmert sich um 45 Ministrantinnen und Ministranten. Oft darf ich auch in anderen Pfarren des Seelsorgsraumes diakonale Dienste übernehmen. So sind wir manchmal auch getrennt unterwegs, um mit viel Freude und Engagement unsere kirchlichen Dienste zu tun.Für die Diakonenweihe hatte ich mir das Evangelium von der Hochzeit zu Kana ausgewählt und der Wahlspruch auf meiner Einladung zur Weihe waren die Worte Mariens zu den Dienern "Was er euch sagt, das tut". Ich bemühe mich, diesem Wahlspruch gerecht zu werden - soweit es mir mit Gottes Hilfe gelingt.Danke für dieses ermutigende Zeugnis.

Quellennnachweis: Oase des Friedens