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Medjugorje hat meinem Leben die Orientierung gegeben

P. Branko Rados war ab September 2001 Pfarrer von Medjugorje, wurde 1967 in Crvenice in der Nähe von Tomislavgrad (ehem. Duvno) geboren. Im Jahr 1986 trat er dem Orden der Franziskaner bei; er studierte Theologie in Sarajevo, Zagreb und Graz und wurde 1992 in Fronleiten in der Steiermark zum Priester geweiht. Schwerpunkt seines priesterlichen Wirkens ist die Jugendpastoral und die Verbreitung des Dritten Franziskanischen Ordens.

P. Branko, Sie sind ein sehr junger Pfarrer. Können Sie sich an Ihre Eindrücke erinnern, als Sie zum ersten Mal von den Erscheinungen der Muttergottes hörten?
Ich beendete gerade die dritte Klasse Gymnasium, als ich beim Heueinsammeln erfuhr, dass die Muttergottes in Medjugorje erscheint. Eine Vorstellung von den Erscheinungen konnte ich mir nur sehr schwer machen. Ich wußte auch nicht, wo sich Medjugorje geographisch befindet. Als ich nach Hause kam, suchte ich sogleich nach meiner Landkarte, um Medjugorje zu suchen. Obwohl man in allen Familien in meinem Dorf am Abend betete, kann ich mich erinnern, dass man in diesen Tagen mit ganz besonderem Enthusiasmus und erwecktem Glauben betete. Es wurde gleich bekannt, dass die Muttergottes als Minimum das tägliche Gebet der sieben Vater unser verlangte. So begannen auch unsere Eltern, mit uns Kindern am Abend dieses Gebet zu beten. Im Herbst 1981 pilgerte ich mit einigen meiner Schulkollegen und einigen Erwachsenen zu Fuß nach Medjugorje. Wir gingen mehr als zwanzig Stunden lang. In Medjugorje kamen wir in den späten Abendstunden an, wo wir vielen Gruppen betender und singender Menschen nach der Abendmesse begegneten. Noch jetzt erinnere ich mich oft an meine erste Begegnung mit Medjugorje, wenn ich in der Kirche die betenden Menschen sehe. Ich denke auch sehr gerne an das Haus, wo wir übernachteten. Die Begegnung mit Medjugorje hat im Wesentlichen meinem Leben eine Orientierung gegeben - meiner priesterlichen und meiner Ordensberufung.

Wir wissen, dass es nicht einfach ist, so vielen Menschen täglich zu begegnen, die oft mit großem Leid hierher kommen. Dabei soll auch immer die Liebe im Vordergrund sein. Erleben Sie das als eine besondere Herausforderung?
Jedem von uns gibt Gott viele Herausforderungen. Ich spüre, dass uns Gott wirklich sehr viel schenkt, aber dafür auch viel von uns verlangt. So wie viele Gläubige und Pilger, die hierher kommen, lernen auch wir zu beten, zu dienen, die anderen zu akzeptieren und zu verstehen. Wir haben Gelegenheit, an dieser Quelle des Glaubens und des Gebetes geistlich zu wachsen, um auch andere zu bereichern. Jede heilige Messe, jede Beichte, jedes Rosenkranzgebet und jede Eucharistische Anbetung sind für uns eine geistliche Erfrischung und eine Gelegenheit, Christus aufs Neue zu finden, um auch andere zu ihm hin zu führen. Denn Er ist es, den die Menschen brauchen. Der heutige Mensch sehnt sich nach dem Frieden, dem Glück, der Liebe, der Wahrheit und das alles ist nur Er. Er ist unser Weg, unsere Wahrheit und unser Leben.
Wir sind hier täglich in Kontakt mit Menschen aus allen Kontinenten, Menschen mit verschiedener Hautfarbe, Weltanschauung, Tradition - aber vor Gott sind sie alle gleich. Wir hören täglich das Leid und die Schmerzen von vielen Lebensgeschichten; hier brauchen uns die Menschen als Priester 24 Stunden pro Tag. Deswegen ist es auch nicht immer einfach, geduldig zu bleiben. Manchmal sind wir unabsichtlich auch ein Anstoß zum Ärger für die anderen. Aber das ist nur ein Zeichen, dass wir sündhafte und schwache Menschen sind und dass es eben Jesus ist, der das Heil spendet. Jesus ist der Arzt unserer Seelen und unseres Körpers. Und wir Priester sind nur Menschen, die die anderen zu Christus führen sollen und dürfen. Im Beichtstuhl hat jeder Priester so viel Freude, wenn er spürt, wie heilsam und wirksam die Worte Jesus sind: "Geh', deine Sünden sind dir vergeben. Sündige nicht mehr."


Viele Pilger, die einmal nach Medjugorje gekommen sind, kommen wieder zurück wie in die eigene Heimat. Was zieht sie hier so an?

Es gibt Pilger aus dem Ausland, die zehn, dreißig oder hundert Mal da gewesen sind. Ich kenne einen Pilger aus Österreich, der 280 Mal hier war. Die Pilger, die hierherkommen, wissen, dass sie keine kulturellen Denkmäler oder Naturschauspiele sehen werden. Hier sieht man in Wirklichkeit nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Und wenn der Mensch einmal mit dem Herzen zu sehen beginnt und etwas mit ganzem Herzen zu lieben beginnt, wenn er einmal an einer Quelle seinen Durst gestillt hat, kommt er immer wieder zurück. Gerade so erlebe ich die Pilger, die nach Medjugorje kommen. Hier haben sie die Schönheit des Gebetes entdeckt; hier erfuhren sie, wie einfach es ist zu verzeihen und dass es leicht ist, sich seine eigenen menschlichen Schwächen einzugestehen; deswegen kommen die Menschen immer wieder hierher. Viele entdeckten gerade hier, wie nahe ihnen Gott ist; sie erfuhren die väterliche Umarmung Gottes, als sie ihm als verlorene Söhne und Tochter wieder entgegenliefen und spüren, dass sie wieder für jemanden wichtig sind und von Gott trotz allem unendlich geliebt sind. Es ist eine der schönsten Erfahrungen für den Menschen, wenn er erfährt, dass ihm seine menschliche Würde wieder zurückgegeben wird, dass er Kind Gottes ist, eingeschrieben in Gottes Herzen, von dem niemand ihn trennen kann. Es scheint mir, dass die Menschen gerade das hier suchen und auch finden.

In der Welt sind tausende von Gebetsgruppen durch Medjugorje entstanden, wo sich die Verehrer der Königin des Friedens zusammenfinden, beten und singen; in manchen Ländern gibt es Nachahmungen vom Krizevac oder der Kirche von Medjugorje. Was sagen Sie dazu?
Viele Menschen leben in einem unechten Frieden und einer scheinbaren Sicherheit. Sie denken, dass sie genug reich und stark sind, um alles tun zu dürfen. Oft suchen sie das Glück und die Zufriedenheit in materiellen und irdischen Dingen. Durch die Erscheinungen der Muttergottes erfahren wir, wie sehr wir von Gott geliebt sind, weil er uns Maria als Mutter schenkt. Sie verdeutlichen uns die Bedeutung der Worte Jesu vom Kreuz: Das ist deine Mutter! Viele Menschen haben dadurch begonnen, den Ruf Gottes durch Maria in unserer Zeit zu verstehen. Gott hat durch die Königin des Friedens viele verschlossene Herzen wieder geöffnet und ihre Lebenspläne verändert. Er hat viele unglückliche Menschen glücklich gemacht und vielen unruhigen Herzen seinen Frieden geschenkt. Wir können selbst kaum begreifen, wie sehr das Kommen der Muttergottes nach Medjugorje die Welt veränderte.
Viele Menschen sind dankbar für die verschiedensten Gnaden, die sie durch Maria erhalten haben. Und deswegen sind auch unzählige Gebetsgruppen in der ganzen Welt entstanden. Es gibt viele Pfarren, wo das tägliche Gebetsprogramm dem in Medjugorje gleicht.
Vor kurzem sagte der slowenische Erzbischof Kranberger: "Möge meine Diözese und auch die ganze Welt ein Medjugorje werden. Das wünschten sich auch viele andere. Sie spürten, dass Medjugorje ein Ort des Gebetes und des Friedens ist".
Medjugorje ist eine Hoffnung und eine Zukunft. Vor allem ist es aber ein Angebot Gottes für die Welt. Die Muttergottes lädt uns als unermüdliche und gute Mutter immer wieder von Neuem zum Frieden ein. Über den Frieden wird heute viel gesprochen, am lautesten sicherlich von den Politikern, von denen der Friede in der Welt in großem Maße abhängt. Sie vergessen dabei oft, dass man zuerst den Frieden im eigenen Herzen tragen muss. Der Mensch, der mit Gott im Streit lebt und verhindert, dass Gott mit seinem Frieden sein Herz erfüllt, überträgt seine Unruhe auf die anderen, die eigene Familie, die Nachbarn, die Mitarbeiter, auf die, für die er verantwortlich ist.
Der Mensch, der sich nach dem Frieden sehnt, muss sich Gott öffnen; er muss die Tür seines Herzens Gott öffnen. Und diese Türe ist das Gebet. Ein Sprichwort sagt, dass Gott, wie für Mose, auch für jeden von uns das Licht seiner Anwesenheit entzündet. Das geschah für viele durch Medjugorje.
Jesus Christus, das Licht der Welt, vertreibe jede Finsternis aus unseren Herzen, unseren Familien, Glaubensgemeinschaften und aus der ganzen Welt! Sei er das Licht auf unseren Lebenswegen!

Quelle: "Glas Mira"; Veröffentlicht: Oase des Friedens März 2002