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Wenn zwei Menschen heiraten, verkünden sie gemeinsam das Evangelium

Wenn zwei Menschen heiraten, verkünden sie gemeinsam das Evangelium

Interview mit Jelena Vasilj am 1. August 2002

Jelena, du hast dich für den Weg in der Ehe entschieden. Darf ich dich fragen, wie es dir so kurz vor der Hochzeit geht?
Es klingt vielleicht wie eine vorbereitete Antwort aber ich bin wirklich sehr glücklich; ich bin glücklich über die Entscheidung und ich glaube, dass das meine Berufung ist und dass mich Gott ruft, diese Rolle zu übernehmen. Diese Entscheidung hat mir auch viel Frieden und Sicherheit gebracht. Wir sind geschaffen, uns selbst zu geben und die ganze Zeit, wenn wir danach suchen, in welcher Weise wir uns selbst geben sollen, ist eine schwierige Periode. Es ist notwendig, zu einem Frieden zu finden. Und dadurch, dass ich diese Entscheidung getroffen habe, finde ich zu diesem Frieden und dieser Ruhe.

Du bist in diesen vergangenen Jahren einen sehr individuellen Weg gegangen: Du hast Medjugorje verlassen, um in den USA und in Italien, in Rom, Theologie zu studieren. Hast du jemals daran gedacht, deinen spirituellen Weg in einem Kloster fortzusetzen?
Ich muss gestehen, dass ich noch immer die Idee eines Klosters wunderschön finde. Ich wähle das andere Leben nicht deshalb, weil ich daran zweifeln würde, dass ein Leben als Nonne nicht sehr schön wäre. Ich kann die Schönheit beider Wege sehen und ich habe viel darüber nachgedacht. Auch ist mir bewusst, dass viele Leute der Überzeugung sind, dass ich eine klösterliche Berufung habe, sogar aus meiner eigenen Familie. Aber wenn man eine bestimmte Berufung fühlt, so erkennt man doch daran, ob es der Wille Gottes ist, wenn man einen inneren Frieden spürt.

Welchen Stellenwert, denkst du, wird die Theologie in deinem weiteren Leben haben?
Ich weiß noch nicht, ob es eine weitere berufliche Entwicklung für mein Studium geben wird. Diese Studien waren sehr wichtig für mein persönliches Leben, für meinen Glauben und auch für das Apostolat für Medjugorje - vor anderen Menschen über Gott zu sprechen und den Glauben mit ihnen zu teilen.
Auch in Bezug auf meine Erfahrungen mit der Gottesmutter war die Theologie sehr wichtig für mich. Sie hilft uns zu verstehen, was wir leben und erleben. Theologie ist nicht etwas, was man nur in Büchern liest. Es ist auch die Erfahrung der Kirche durch Jahrhunderte, von der wir uns nicht einfach loslösen können. Tradition heißt in diesem Zusammenhang auch, das zu geben, was Generationen vorher gelebt haben. Und wie könnten wir annehmen, dass das, was wir heute leben, nicht in Zusammenhang mit dem steht, was die Kirche durch Jahrhunderte gelebt habt? Ich denke, dass wir diese Kirche, besonders wenn wir im Apostolat stehen, studieren oder zumindest über sie lesen müssen, um wahrhaftig in ihrem Geist zu stehen.

Hat das Theologiestudium deine Sicht bezüglich der Ereignisse in Medjugorje verändert?
Ich denke, dass es im geistlichen Leben immer ein Gleichgewicht zwischen Glaube und Vernunft geben muss. Wenn wir die Vernunft verneinen, besteht die große Gefahr, dass unser Leben irgendwie auf Einbildungen basiert. Natürlich kann uns der Heilige Geist führen; es gab viele Heilige, die einfach vom Heiligen Geist geleitet wurden. Aber ich denke, dass wir auch die Führung durch die Kirche in Anspruch nehmen sollen. Denn die Vernunft kann uns wirklich helfen, die Parameter zu erkennen, innerhalb derer der Heilige Geist wirkt. Denn wenn ich zum Beispiel in der Sünde bin und dabei denke, dass das gut so ist, kann der Heilige Geist einfach nicht wirken. Wir müssen unsere Richtung erkennen. Die Theologie kann uns dabei helfen. Wenn wir aber nur auf die Vernunft vertrauen, können wir auch nicht sagen, dass wir Glauben hätten. Deshalb sind beide Erfahrungen wichtig. Wir müssen unseren Glauben verstehen, aber zugleich steht unser Glaube über der Vernunft. Denn manche Dinge können wir nicht verstehen, sondern müssen sie einfach im Vertrauen tragen.

Wie würdest du deine Erfahrungen in Medjugorje im Kontext mit der Lehre der Kirche sehen?
Die Erfahrung von Medjugorje ist, würde ich sagen, das Herz meines spirituellen Lebens. Hier, und das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern die vieler Menschen, verlieben wir uns in Gott. Vielleicht verstehen wir nicht alles. Aber wir sind bewegt von dieser göttlichen Gnade. Das ist es, was hier in Medjugorje geschieht. Das Herz wurde entzündet. Aber ich denke, dass diese Erfahrung vertieft werden muss, auch durch das Verstehen dessen, was hier geschieht - und zwar besonders für Zeiten geistlicher Trockenheit, wenn die Geschenke nicht so verschwenderisch sind. Dann kann uns auch das Wissen um Gott helfen. Denn nicht immer fühlen wir uns danach, den Rosenkranz zu beten. Aber wenn wir wissen, dass wir den Rosenkranz beten sollen, hilft uns das, diese Zeiten großer geistlicher Trockenheit zu überwinden.

Wie siehst du dein Apostolat für die Zukunft?
Viele Leute haben mir gegenüber schon ihre Sorgen ausgedrückt, dass sie mich nicht mehr sehen würden. Aber ich glaube, dass uns die Gottesmutter führt und ich weiß nicht, was sie für uns alle vorbereitet in Bezug auf das Apostolat. Aber ich sehe keinen Unterschied in den Herausforderungen, die durch die Bedürfnisse von Pilgern oder durch jemanden, mit dem ich täglich zusammenlebe, auf mich zukommen.
Wir haben uns in unserer Familie immer bemüht, das Evangelium als erstes zu leben. Die Mitglieder meiner Familie waren in gewisser Weise immer die ersten Pilger. Ich denke, das wichtigste Apostolat geschieht zwischen dir und einer Person, die du am meisten liebst. Das Leben ist eine dauernde Herausforderung und es gibt keinen Augenblick, in dem mein Apostolat nicht gefordert ist - das kann vor tausenden Menschen oder vor einem einjährigen Kind sein. Worauf es ankommt, ist, dass wir in diesem Moment mit einer gewisser Maßen heiligen Zuwendung antworten. Wenn es eine Not bei irgendjemandem um mich gibt, so muss ich antworten, nicht nur weil es ein Pilger ist, sondern einfach deshalb, weil es ein Kind Gottes ist. Und deshalb habe ich diese Verpflichtung dem anderen gegenüber, die Liebe heißt.
Als wir uns für die Hochzeit vorbereiteten, bekamen wir einen wertvollen Rat von einem Priester: Er erzählte uns von einem Treffen, das ein Bischof mit seinen Diözesanpriestern abhielt. Er warnte sie, indem er sagte: "Der erste Gläubige, der eure Hilfe braucht, ist euer Kaplan." Bisher fuhr ich allein umher. Aber wenn zwei Menschen heiraten, verkünden sie gemeinsam das Evangelium.

Du kommst aus einer großen Familie - du hast fünf Geschwister: Wie hat Deine Familie diese Entscheidung, dass du jetzt heiratest, beeinflusst?
Ich komme aus einer wunderbaren Familie. Ich kenne viele junge Menschen, die bereits furchtbare Erfahrungen hatten, innerlich tief verwundet sind und Angst davor haben, sich in eine tiefe Beziehung einzulassen. Natürlich habe ich auch in meiner Familie Schwächen erlebt. Wir hatten schwierige Zeiten - aber ich habe immer gesehen, dass uns die Gnade geholfen hat, sie zu überwinden. Und da war immer diese große Freude. Die Erfahrung meiner Familie gibt mir Hoffnung, jemandem zu vertrauen und ihn bis zu meinem Lebensende zu lieben, weil ich gesehen habe, dass das möglich ist.

Die Familie, aus der du kommst, kann für dich also ein Modell sein. Auch in Bezug auf die Anzahl der Kinder?
Mit so vielen, wie Gott uns schenkt. Kinder sind nicht unser Recht, sondern wir empfangen sie als Gottes Geschenk.

Jelena, wir haben uns über deine Entscheidung zu heiraten sehr gefreut und wünschen dir für die Zukunft alles Gute und - wenn es Gottes Wille ist - eine ganz große Familie.

Das Interview wurde von der Oase des Friedens geführt.

Am 24. August 2002 heiratete Jelena Vasilj in der Pfarrkirche von Medjugorje den italienischen Historiker Massimiliano Valente. Jelena hatte durch ihre Visionen und inneren Erfahrungen, die im Alter von 11 Jahren einsetzten, einen wichtigen Einfluss am Aufblühen des spirituellen Lebens an diesem neuen Wallfahrtsort. Die Botschaften, die sie in einfachen Worten in ihrem Herzen empfing und weitergab, führten bei vielen Menschen zu einer Erneuerung und Vertiefung des Glaubens. Das Paar wird in Rom leben, wo Jelena gerade ihr Theologiestudium beendet.

Quellennachweis: Oase des Friedens