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Weisheit und nicht Wissen

Vortrag von Pater Marinko Sakota in der Schweiz im August 2012

Ich begrüsse Sie ganz herzlich. Ich bin Pater Marinko Sakota, komme aus Medjugorje und bin dort seit zwei Jahren Kaplan. Ich bin in der Nähe von Medjugorje geboren und war 13 Jahre alt, als die Muttergotteserscheinungen im Jahr 1981 begannen. Wir wohnten damals in der Nähe von Medjugorje und haben gleich am zweiten Tag von den Ereignissen gehört. Am dritten Tag sind wir schon hingegangen und ich habe alles miterlebt, was dort geschehen ist, und alles hat auf mich gewirkt. Die ersten Tage und Jahre waren etwas Besonderes, natürlich ist auch jetzt alles noch immer etwas Besonderes, weil die Muttergottes erscheint und man ihre Anwesenheit spürt.

Kurz vor meiner Diakonenweihe kam ich nach Medjugorje und war dann nochmals bis zur Priesterweihe in Medjugorje tätig. In dieser Zeit habe ich Pater Slavko Barbaric kennen gelernt. Vielleicht haben Sie schon von ihm gehört. Er hat mich sehr beeindruckt. Besonders das Fastenseminar bei ihm im Jahr 1995 vor meiner Diakonenweihe war für mich wichtig, weil ich in dieser Zeit in eine Krise geraten war. Ich war im Nebel, konnte nicht gut sehen und konnte mich nicht entscheiden. Dank sei Gott, dass es so war. Ich danke Gott für diese Krise, weil ich ohne diese Krise auch die Krisen der Menschen nicht verstehen würde. Deswegen bin ich dankbar dafür.
Das Fastenseminar dauert sechs Tage. Das heisst, sechs Tage lang Fasten bei Wasser und Brot, wie es uns die Muttergottes sagt. Pater Slavko hat das Fastenseminar gegründet und damals selbst geleitet. Nach dem Fastenseminar habe ich zu ihm gesagt: "Pater Slavko, wenn ich schon am Anfang des Theologiestudiums so gefastet hätte und somit diese Erfahrung gemacht hätte, hätte ich ganz anders studiert." Er hat mir daraufhin geantwortet: "Dann fange jetzt damit an. Lass die Vergangenheit."
Ja, Sie wissen wahrscheinlich, dass die Muttergottes schon 31 Jahre in Medjugorje erscheint und dass sechs Kinder behaupten, die Muttergottes zu sehen. Drei davon sehen sie noch jeden Tag und drei manchmal, also einmal oder mehrmals pro Jahr. Es wurde eine vatikanische Kommission für Medjugorje eingesetzt, die ab und zu nach Medjugorje kommt und alles untersucht. Das ist die einzig gute Lösung, dass man alles untersucht und überprüft. "Kommt und seht", sagt Jesus. Und auch der Papst hat dies gesagt. Hingehen, schauen und untersuchen. Alles andere überlassen wir Gott und dieser Kommission.
Die Muttergottes ruft uns dazu auf, ihren Botschaften zu folgen. Das ist wichtig. Pater Slavko hat gesagt: "Die Kirche soll ihre Sache tun, das heisst, alles überprüfen. Aber wir sollen Medjugorje anerkennen, das heisst, die Botschaften umsetzen." Ohne unsere persönliche Anerkennung hat die kirchliche Anerkennung nicht so viel Bedeutung. Das ist wie mit der Bibel. Wenn ich die Bibel nicht anerkenne, kann sie zwar in meinem Haus sein, aber wenn sie staubig ist, nützt sie nichts. Oder die Sakramente: Ich soll sie anerkennen, das heisst, ich soll sie in meinem Leben umsetzen.

Ich vermute und nehme an, dass Sie wissen, dass die Muttergottes zum Frieden aufruft. Dies ist die Hauptbotschaft: Der Friede. Der Friede zuerst in den Herzen der Menschen und dann sollen wir zu Trägern des Friedens werden. Aber zuerst sollen wir uns um den Frieden in uns selbst bemühen und die Muttergottes zeigt uns den Weg dahin. Das ist der Weg des Gebetes.
Jetzt möchte ich in diesem Vortrag versuchen, Ihnen näher zu bringen, was die Muttergottes von uns will. Ich möchte Ihnen die letzte Botschaft vom 25. August 2012, also von gestern, vorlesen. Vorher möchte ich dazu sagen, dass die Muttergottes nichts Neues sagt. Sie kann nichts Neues sagen und wir brauchen auch nichts Neues. Wir wissen schon alles. Alles steht im Evangelium, wir wissen alles von der Lehre der Kirche, aber das Problem ist, dass wir das alles vergessen. Deswegen erinnert uns die Muttergottes immer wieder daran. Medjugorje ist Erinnerung, Auffrischung und Aufruf zur Erneuerung des Menschen. Das ist das, was wir brauchen, das sehen wir überall und das brauchen wir auch in der Kirche, weil wir alles vergessen. Die Muttergottes weckt uns aus dem Schlaf, so wie Jesus seine Jünger aus dem Schlaf im Garten Getsemani geweckt hat.

"Liebe Kinder! Auch heute bete ich mit Hoffnung im Herzen für euch und danke dem Allerhöchsten für jeden von euch, die ihr mit dem Herzen meine Botschaften lebt. Dankt der Liebe Gottes, dass ich jeden von  euch lieben kann und durch mein Unbeflecktes Herz auch zur Bekehrung führen kann. Offnet eure Herzen und entscheidet euch für die Heiligkeit und die Hoffnung wird Freude in euren Herzen gebären. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid."

Immer wieder derselbe Ruf: "Betet!" Wieso ist das Beten so wichtig? Die Muttergottes sagt nicht: Schreibt Bücher über das Beten. Nein. Sie sagt: Betet, feiert die Heilige Messe, beichtet, fastet, betet Jesus an, lest die Heilige Schrift, meditiert über das Wort Gottes. Was ist der Sinn dieses Rufes? Was will sie? Es geht um Erfahrung. Erfahrung ist wichtig.
Alle Bücher, alle Theorie soll zur Erfahrung hinführen. Heute wissen wir alles. Wir haben viele Bücher, theologische, philosophische, aber uns fehlt die Erfahrung. Genau das, was der Heilige Thomas von Aquin erlebt hat. Nach einer Erfahrung während der Eucharistie hat er mit dem Schreiben aufgehört. Auf die Frage, warum er aufgehört habe, antwortete er: "Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir vor wie Stroh im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe."
Wir wollen nichts gegen das Schreiben, gegen Bücher sagen, das ist nicht die Absicht, das wäre total falsch. Aber alle Bücher, alle Worte  sollen uns helfen und uns zur Erfahrung hinführen, und das tut die Gospa. Sie sagt: Mache Erfahrung mit Gott und feiere die Heilige Messe mit. Mache Erfahrung mit Gott und erfahre, wie er ist. Erfahre, dass Gott bedingungslose Liebe ist. Mache diese Erfahrung, wie Gott sich für dich hingibt. Nimm und iss, hier bin ich für dich. Mache diese Erfahrung und lerne etwas von ihm. Beichte und mache die Erfahrung, wie barmherzig Gott ist. Du bist der verlorene Sohn, der den Vater vergessen hat. Wie er sollst auch du dich besinnen, damit dir die Augen geöffnet werden und du einsiehst. Mache die Erfahrung, wie Gott dich annimmt, dich liebt und dir vergibt. Faste, mache die Erfahrung der Wüste, der Freiheit, des Lebens. Einen Tag in der Woche mit Jesus, der das Brot des Lebens ist. Pater Slavko hat das gut gemacht und besonders erklärt. Er hat das Fasten als "an einem Tag mit Brot und Wasser leben" bezeichnet. Die Muttergottes ruft uns an zwei Tagen zum Fasten auf, am Mittwoch und am Freitag. Das ist auch nichts Neues, weil es am Anfang des Christentums gerade dieses Fasten am Mittwoch und Freitag gab. Also, sie erinnert uns daran und ruft uns auf, dass wir dies auch tun sollen. Das Fasten in Medjugorje verstehen wir als Leben mit Brot und Wasser. Nicht verzichten, z.B. ich verzichte auf Fleisch. Ich verzichte auf nichts. Ich lebe heute mit Jesus, mit Brot und mit Wasser. Denn wenn ich auf etwas verzichte, dann wird das, worauf ich verzichte, noch stärker in mir. Nein, ich verzichte auf nichts. Heute wähle ich ganz frei: Ich wähle Brot und wähle Wasser. Damit möchte ich heute leben. Das ist meine Nahrung, nur das.

Brot trinken und Wasser essen, das lernen wir in den Fastenseminaren, die wir in Medjugorje halten und im Sinne von Pater Slavko weiterführen. Sechs Tage lang. Es gibt die Fastenseminare für verschiedene Nationen, auch für die Deutschsprachigen. Dort erfahren wir viele gute Sachen. Brot trinken, das heisst, kauen, kauen, ganz langsam. Das Brot brechen. Nicht eine Schnitte nehmen, sondern brechen und zum Gebet machen. Jesus, du bist das Brot des Lebens. So lernen wir die Eucharistie besser kennen. Mache die Erfahrung, bete Jesus im Allerheiligsten an. Mache die Erfahrung mit Jesus, der für dich da ist. Wie der Heilige Pfarrer von Ars sagt: "Ich schaue auf ihn und er schaut auf mich." Wir schauen uns in Liebe an. Das ist Anbetung. In der Stille da sein. Die Gedanken immer wieder loslassen und schauen. Mit allen Sinnen da sein, schauen, hören, fühlen und spüren. Mehr zuhören, mehr hören als reden. Der heutige Mensch braucht diesen neuen Rhythmus mit mehr Stille.
In der Botschaft vom 25. April 2012 sagte die Muttergottes: "Betet, dass sich euer Herz zu Gott öffnet, wie sich die Blüte zur Sonne öffnet." Interessant, die Muttergottes spricht oft von der Natur, sie führt unsere Aufmerksamkeit zur Natur hin. Also, wir sollen in die Natur gehen und lernen zu schauen und zu hören. In einer Botschaft sagt sie: "Geht in die Natur und lernt Gott den Schöpfer kennen." Entdeckt Gott den Schöpfer durch die Natur. Auch Jesus sagt: "Schaut euch die Vögel und die Lilien auf dem Feld an." Jesus ist der Meister in der Kunst des Schauens, deswegen sollen wir von ihm lernen, wahrzunehmen und zu sehen. Im Gebet sollen wir wie Maria sein, die Schwester von Martha. Da sein, anwesend sein, hier sein, mit allen Sinnen da sein, weil wir oft in der Vergangenheit sind, in der Zukunft, bei Plänen, in Ängsten, an anderen Orten. Darum zurück, da sein, anwesend sein, weil Gott nicht mein Gedanke ist, sondern weil Gott die Wirklichkeit ist. Gott ist Wirklichkeit, Gott ist nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft. Gott ist jetzt. Wo Gott ist, er ist jetzt. Wo? Jetzt. Wann kannst du ihm begegnen? Hier und jetzt. Wie? Mehr durch Stille als durch Reden. Viele Menschen, die Pater Slavko kannten, wissen, dass er ein kontemplatives Leben führte. Er war hier und jetzt anwesend. Ein Pater erinnerte mich an die Antwort, die Pater Slavko auf folgende Frage gab: "Wie können Sie sich sammeln und ohne Vorbereitung doch so gute und nützliche Gedanken bringen?" Jeder wusste ja, wie viel er zu tun hatte. Viele meinten, dass er dies ohne Vorbereitung tue. Das war nicht richtig, darum sagte er: "Du musst nur anwesend sein und du wirst dich erinnern können. Sei anwesend." Der Pater entgegnete: "Aber wie kann man anwesend sein?" Bei Pater Slavko hatte man den Eindruck, dass er jeden Augenblick lebte, dass er nur bei dir war. Das kein anderer Mensch auf der Welt für ihn wichtiger war als  du. Wir fragen uns, wie kann man ein kontemplatives Leben führen und doch so aktiv sein wie er, so unvergleichbar aktiv sein, wie er es war?

"Was ist das Höchste, was ein Mensch vollbringen kann?" war die Frage an einen Mönch, einen Benediktiner. Er antwortete: "Im Gebet versunken sein." Aber der Meister selbst, der Benediktiner, war ständig mit Haus- und Feldarbeit beschäftigt, empfing Besuche und schrieb Bücher. Er hatte sogar die Buchhaltung des Klosters übernommen. "Warum verbringt ihr dann fast die ganze Zeit mit Arbeit?" Er antwortete: "Wenn man arbeitet, braucht man nicht aufhören zu meditieren und zu schauen, einfach da sein und mit allen Sinnen arbeiten."
Pater Slavko war ein Mensch, der sein ganzes Leben im Gebet war, in der Kontemplation, im Hier und Jetzt. Schauen, hören, zuhören, beobachten, wahrnehmen. Jetzt können wir vielleicht leichter verstehen, was die Muttergottes mit den Worten in der Botschaft meint: "Lebt das Gebet. Die Heilige Messe, das Gebet soll euer Leben sein." Immerwährendes Gebet, alles soll zum Gebet werden. Die Zeit des Gebetes soll uns helfen, dass wir auch nach dem Gebet, nach der Heiligen Messe, die Messe in unserem Alltag fortsetzen. In der Botschaft vom Februar sagt die Gospa: "Ihr sprecht viel und betet wenig." Ich würde sagen, auch wenn wir beten sprechen wir viel, zuviel und hören zu wenig. Wir brauchen mehr Stille. Stille üben, das heisst, mehr lauschen, mehr hören, sich dem anderen wie Maria öffnen. Natürlich sagen wir auch wie Maria: Wie kann das sein, ich verstehe das nicht: Mein Sohn, warum hast du uns das angetan, im Tempel usw. Wir sagen, das ist meine Meinung, das ist meine Sicht, aber nicht nur das gilt, ich öffne mich auch dem anderen, höre, was er sagt. So soll es auch im Gebet sein: mehr zuhören, aufmerksam sein, wachen. Die Wachsamkeit üben, wachsam sein wie die fünf weisen Jungfrauen.
Eine Geschichte: Als ein Mann, dessen Ehe nicht gut ging, einen Rat suchte, sagte der Meister: "Du musst lernen, deiner Frau zuzuhören." Der Mann nahm sich diesen Rat zu Herzen, kam nach einem Monat zurück und sagte, er habe gelernt auf jedes Wort, das seine Frau sprach, zu hören. Dann sagte der Meister mit einem Lächeln: "Nun gehe nach Hause und höre auf jedes Wort, das sie nicht sagt."

Das Beten soll zur Schule werden, in der wir nicht an Wissen, sondern an Weisheit gewinnen. Weil nur Weisheit und nicht Wissen uns ändert. Eine Person sagte: "Um Wissen zu gewinnen, müssen wir lernen. Um Weisheit zu gewinnen, müssen wir beobachten, wahrnehmen." Im Gebet sollen wir Gott und uns selbst kennen lernen. Kennen lernen, wer ich bin, dass ich ein Wesen Gottes bin, ein Sohn, eine Tochter Gottes. Das bist du, das ist deine Berufung.
Immer wenn wir beten, wenn wir zur Messe gehen, sollen wir folgende Entscheidung treffen: Ich möchte mich ändern, mich und nicht die anderen. Heute möchte ich aufhören, die anderen zu ändern.
Ein weiser Lehrer hörte geduldig die Klagen einer Frau über ihren Mann an. Schliesslich sagte er: "Eure Ehe wäre glücklicher, meine Liebe, wenn du eine bessere Ehefrau wärst." "Und wie könnte ich das sein", fragte die Frau. "Indem du dich nicht länger anstrengst, ihn zu einem besseren Ehemann zu machen." Dasselbe gilt natürlich für den Ehemann.
Ich möchte in die Tiefe gehen und nicht an der Oberfläche bleiben. Vor dem Beten, vor der Messe soll ich mich fragen, ob ich wie der Pharisäer, der im Tempel betet, bin, der zweimal in der Woche fastet. Vielleicht bin ich wie jener Pharisäer, der sich selbst nicht sieht, der sich nicht bekehrt. Im Gebet, vor der Messe, soll ich mich entscheiden, wie der Zöllner zu sein, der sich selbst sieht, seine Fehler und nicht die Fehler anderer Menschen.
Ein weiser Lehrer befürwortete beides: Gelehrsamkeit, also Wissen und Weisheit. "Gelehrsamkeit", antwortete er auf die Frage "erwirbt man durch Bücher lesen oder indem man Vorlesungen besucht." "Und Weisheit?" "Weisheit erlernst du, indem du ein Buch liest und dieses Buch heisst wie?" "Die Bibel?" "Nein, dieses Buch heisst: Du!" Und er fügte noch hinzu: "Das ist durchaus keine einfache Aufgabe, denn stündlich kommt eine Neuauflage dieses Buches heraus." Weisheit erwirbt man, indem man ein Buch liest und dieses Buch heisst Du. Und die Bibel? Die Bibel hilft mir, dass ich dieses Buch, das Ich heisst, besser kennen lerne, besser lesen kann. Das ist der Sinn der Bibel. Die Geschichten, die darin sind, helfen mir, mich wie im Spiegel besser zu sehen. So wie König David, nachdem er gesündigt hatte, mit Batseba. Gott sandte den Propheten Nathan zu ihm und dieser erzählt ihm eine Geschichte: Zwei Männer lebten in einer Stadt. Einer war reich, der andere arm. Einer hatte viele Schafe, der andere nur ein einziges. Als ein Besuch zu diesem reichen Mann kam, nahm dieser nicht eines von seinen Schafen, sondern das einzige vom armen Mann. Als König David das hörte, war er wütend und sagte, dass dieser Mann den Tod verdient habe und der Prophet Nathan sagte ihm: "Du bist dieser Mann." In der Bibel geht es nicht um die anderen, es geht um dich und mich. Die Bibel ist für dich geschrieben und nicht für die anderen.
Es steht darin die Frage: Das Beten ist wichtig, aber ich muss auch arbeiten, ich muss tätig sein. Wie geht das zusammen? Was ist das Höchste, das ein Mensch vollbringen kann? Die Antwort des Meister: "Im Gebet versunken sein." "Aber würde das nicht zur Untätigkeit führen?" fragte er. "Es ist Untätigkeit. Das Beten ist Untätigkeit", gab der Meister zur Antwort. "Ist tätig sein also weniger wert?" fragte er weiter. "Untätig sein belebt die Tätigkeit. Sonst wäre die Tätigkeit tot." Das ist der Sinn des Aufrufes der Muttergottes zum Gebet.

Warum immer wieder der Aufruf zum Gebet, warum sind das Beten, die Heilige Messe usw. so wichtig? Weil ich mich dadurch ändere. Mein Blick, mein Schauen ändert sich und das ist die wichtigste Sache, die wichtigste Aufgabe in der Welt. Denn wenn sich mein Schauen ändert, wenn ich anders schaue, mit neuen Augen, wenn ich an dir das Gute erkenne, dann hat sich alles geändert. Du bist derselbe, dieselbe geblieben, aber ich nicht, ich habe mich geändert. Ich sehe dich mit anderen Augen. Früher habe ich nur das Negative an dir gesehen, jetzt sehe ich das Positive. Alles hat sich geändert, du bist gleich geblieben, aber ich nicht. Früher war ich unzufrieden, weil ich nur das gesehen habe, was ich nicht hatte, ich war traurig und unzufrieden. Ich dachte, ich habe dies und jenes nicht, doch jetzt bin ich zufrieden. Ich danke Gott für alles. Jetzt sehe ich, was ich habe, alles hat sich geändert, alles ist gleich geblieben, aber ich bin nicht gleich geblieben, ich bin neu geworden. Ich sehe alles mit neuen Augen, das ist die Veränderung der Welt, meine Lieben.
Die Muttergottes ruft uns immer wieder auf, unsere Herzen zu öffnen. Öffnet eure Herzen wie sie und Josef. Das heisst, du kommst in die Kirche, zur Heiligen Messe so wie du bist, enttäuscht wie die zwei Jünger aus Jerusalem nach Emmaus, mit Problemen, mit Ängsten und mit Plänen. Wie Maria mit ihrer Meinung, wie Josef mit seinen Plänen, sie zu entlassen usw. Das ist unsere Sicht, unser Blick, aber sich Öffnen heisst nicht nur, dass ich meine Meinung habe, nicht ich, nicht nur ich. Natürlich hat jeder Mensch seine eigene Meinung, aber meine Meinung kann falsch sein, ich habe das schon so oft erlebt. Meine Meinung muss ich loslassen und zuhören. Was sagt er, was sagt Jesus, was sagt Maria, das heisst sich Öffnen. Das ist wichtig.

Und zum Schluss erinnern wir uns noch einmal an Pater Slavko. Ich rede von ihm, weil er für mich ein Meister im geistlichen Leben war, ein Beispiel, ein Zeuge und alles, was in Medjugorje entstanden ist, ist durch ihn entstanden. Ich habe mich überzeugt, wie gut er war, wie überzeugend er war, wie wahrhaftig er war, deswegen rede ich oft von ihm.
Er erzählte eine Geschichte: Einmal kam eine Frau zu ihm, die sich beklagte, dass ihr Mann trinke. Sie fragte ihn, was sie tun solle. Pater Slavko sagte ihr, sie solle ihren Mann bitten, dass er zum Fastenseminar komme. Sie versprach es. Und in der Tat stimmte ihr Mann zu und nahm das Angebot an. Er besuchte sechs Tage lang das Fastenseminar, das Pater Slavko leitete. Als er nach Hause zurückkam, sagte er voll Freude zu seiner Frau: "Meine Frau, ich bin ein neuer Mensch geworden. Es ist mir gelungen, die ganze Woche nichts zu trinken, und ich glaube es ist vorbei mit dem Trinken." Und wirklich, er hielt noch zwei Wochen ohne Trinken durch. Alle im Haus waren zufrieden, alle lachten. Aber danach fing der Mann wieder an zu trinken. Seine Frau war traurig und sagte zu ihm: "Du hast mir doch gesagt und versprochen, dass du ein neuer Mensch geworden bist, dass du dich geändert hast. Und jetzt trinkst du wieder." Ihr Mann antwortete: "Ja, ich habe mich geändert, ich bin ein neuer Mensch geworden, aber ich wusste nicht, dass auch dieser neue Mensch den Wunsch nach dem Trinken hat." Ja, nie können wir sagen: "Jetzt habe ich endlich das Ziel erreicht, ich brauche mich nicht mehr zu mühen." Wir können das nie sagen. Nein, jeden Tag sollen wir von neuem anfangen.
Meine Schwestern und Brüder, ich danke euch für eure Aufmerksamkeit. Fangen wir von neuem an!

Quellennachweis: Medjugorje Schweiz - Oktober 2012