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Pater Marinko Sakota

Das Fest der Kreuzerhöhung, das in der Pfarre Medjugorje traditionsgemäß am Sonntag nach dem Fest Maria Geburt gefeiert wird, wurde am 12. September 2010 feierlich begangen. Die Festmesse auf dem Krizevac (Kreuzberg), bei der Pater Marinko Sakota Hauptzelebrant war, wurde mit zahlreichen Pfarrangehörigen und Pilgern um 11 Uhr gefeiert.

Gespräch mit Pater Marinko Sakota in Medjugorje am 12. September geführt von der Gebetsaktion Wien.

Pater Marinko, ich freue mich, dass wir einander auf dem Krizevac getroffen haben. Sie waren heute Hauptzelebrant bei der hl. Messe und haben uns auch bei der Predigt sehr tiefsinnige Worte gesagt. Warum sind Sie hier in Medjugorje? Wie kam das?
Wir hatten heuer Veränderungen in unserer Provinz. Vor diesen Veränderungen war ich Pfarrer in der Nähe von Medjugorje, in der Pfarre Gradici. Jetzt bekam ich eine neue Funktion. Ich sollte Kaplan in Medjugorje sein, was ich sehr gerne angenommen habe. So bin ich vor 10 Tagen hergezogen.

Pater Marinko, Sie kennen Medjugorje schon jahrelang und Sie haben auch bei den Diensten hier mitgeholfen. Können Sie uns sagen, wie Sie persönlich Medjugorje erleben?

Medjugorje ist für mich ausnahmslos wichtig, weil ich meine Berufung in Medjugorje bekommen habe, dass heißt, ich bin dank Medjugorje Franziskaner und Priester geworden. Am dritten Tag der Erscheinungen kam ich als Jugendlicher zum ersten Mal zu Fuß her und ging auf den Erscheinungsberg. Nach diesem ersten Besuch begann ich, täglich auf den Erscheinungsberg zu gehen, denn ich war in Citluk zu Hause, nicht weit von hier. So hatte ich Gelegenheit, alles, was hier geschah, zu sehen. Mich persönlich hat das alles sehr beeinflusst und schon damals erwachte in mir die Liebe zu Jesus und zur Mutter Maria. So entschied ich mich, der Berufung zum Priester zu folgen. Medjugorje war für mich während meines ganzen Lebens immer sehr bedeutsam, als Seminarist, auf der Fakultät und auch heute als Priester, denn es hat mich immer inspiriert. Heute gibt es mir Kraft, Christus nachzufolgen. In unserer Zeit ist Medjugorje ein großes Geschenk für die Kirche. Die Kirche, die heute verschiedene Schwierigkeiten hat, braucht Medjugorje.
Medjugorje lädt ununterbrochen zu etwas Einfachem aber sehr Wichtigem ein: es lädt zum Leben des Evangeliums ein. Das ist wirklich das Wichtigste. Wir vergessen wegen unserer alltäglichen Pflichten und der Schnelllebigkeit unserer Zeit das Evangelium. Die größte Rolle von Medjugorje ist, dass uns hier die Mutter Maria zu Gott und Seinem Wort zurückführt, damit wir unsere Quellen nicht vergessen. Aber Maria übt keinen Druck und keine Gewalt aus. Sie möchte uns mit einfachen Botschaften, die für alle Lebensstände dieser Welt verständlich sind, unermüdlich einladen, damit wir nicht das Wichtigste in unserem Leben vergessen. Wir wissen vom Evangelium, aber wir leben es nicht. Deshalb lädt sie uns ein, das Evangelium zu leben. Ihre Botschaften sind in Wirklichkeit eine Übersetzung, eine Erklärung des Evangeliums. Eigentlich sagt sie: „Liebe Kinder, lebt das, was euch mein Sohn gesagt hat.“ Medjugorje bringt also nichts Neues, nur den neuerlichen Ruf, das Evangelium zu leben.

Wir kennen das Wort Vergebung, aber in bestimmten Augenblicken vergessen wir darauf und leben es nicht. Wir wissen um die hl. Messe, um die Beichte und die anderen Sakramente, wir wissen um das Gebet. Aber im Alltag entfernen wir uns davon und deshalb ist die Mutter Maria da und lädt uns ununterbrochen ein, den Glauben zu leben. Das ist Medjugorje.
Maria möchte auch, dass wir alles mit dem Herzen tun, mit dem Herzen fasten, mit dem Herzen beten. Wir können ununterbrochen beten, aber wenn wir es nicht mit dem Herzen tun, wird es uns nicht viel nützen. Wir tun es dann nur formal. Deshalb kommen viele Menschen überhaupt nicht mehr zur hl. Messe, weil sie diese nicht mit dem Herzen mitfeiern. Oder wenn sie doch kommen, dann kommen sie oft, um die Ordnung einzuhalten. Mit dem Wort „mit dem Herzen“ meine ich, dass man alles, was man tut, aus Liebe, gerne, ohne Zwang tut, aus einem persönlichen Bedürfnis heraus. So ruft uns Maria ununterbrochen auf, alles, was wir tun, mit dem Herzen zu tun, gerne, mit Liebe. Dann feiern wir wirklich heilige Messe, denn bei der Messe schenkt Sich uns Jesus mit dem Herzen, deshalb können auch wir Jesus nur verstehen, wenn wir die heilige Messe mit dem Herzen erleben.

Wenn Sie so reden, erinnern Sie mich ganz an P. Slavko Barbaric, der alles mit dem Herzen getan hat. Auch seine Bücher haben dieses Thema. Wie haben Sie P. Slavko erlebt?
Pater Slavko war ein Priester, der die Botschaften der Gospa gelebt und in die Praxis umgesetzt hat. Wenn die Gospa gesagt hat: „Betet Jesus im Allerheiligsten Sakrament des Altares an“, dann hat er das eingeführt. Wenn die Gospa gesagt hat: „Fastet mit dem Herzen“, dann hat er selber gefastet und Fastenseminare bei Brot und Wasser im Haus des Friedens angeboten. Wenn die Gospa gesagt hat: „Geht in die Natur und entdeckt Gott, den Schöpfer“, dann hat Pater Slavko den Wald beim Mutterdorf, der buchstäblich eine Müllhalde war, in den Garten des hl. Franziskus umgewandelt. Was immer Pater Slavko tat, führte er aus, weil er die Botschaften der Gospa lebte und diese Botschaften umsetzte. Fast alles, was Medjugorje heute ausmacht, gibt es, weil Pater Slavko es ins Programm von Medjugorje eingeführt hat. Und das ist in erster Linie das Programm der Gospa. Pater Slavko hat sich bemüht, jedes Wort der Gospa zu leben und umzusetzen. Deshalb ist er für uns alle ein Vorbild, ein Beispiel, wie man die Botschaften der Gospa leben soll, wie man das Evangelium leben soll. Pater Slavko ist für mich der beste Schüler der Gospa.

Heuer werden wir den 10. Todestag von Pater Slavko begehen. Sie haben viel von dem erwähnt, wie er in Medjugorje gewirkt hat. Die Gospa hat aber ihren Weg nach seinem Tod fortgesetzt.
Das ist auch ein Zeichen, das wir begreifen müssen: Der Himmel ist nicht von uns Menschen abhängig. Aber ebenso geschieht alles, was hier geschieht, wegen uns und für uns. Die Gospa ist zu uns gekommen und rechnet mit uns, aber die ausschlaggebende Rolle spielen nicht wir, sondern Gott und die Gospa. Wichtig ist nur, dass wir uns ihr öffnen. Gott sei Dank gibt es viele Menschen , die sich ihr öffnen und die dadurch verändert werden. Auf diese Weise werden sie Zeugen und sie geben Zeugnis in ihrer Familie, in ihrer Kirche, in ihrer Pfarre. So erfahren es andere und kommen deshalb nach Medjugorje. Das ist also der Weg der Gospa. Zuerst empfangen wir die Botschaft, wir leben sie, bezeugen sie, und das sehen die anderen. Man braucht gar nicht viel reden, Medjugorje braucht keine Reklame, weil sich Medjugorje durch lebende Menschen, durch Zeugen verbreitet.

Kreuzberg

Neben dem Erscheinungsberg und der Kirche ist auch der Krzevac mit dem Kreuz, das 1933 hier errichtet wurde, einer der großen Gebetsorte. Sie haben heute die hl. Messe hier gefeiert, es waren tausende Menschen dabei. Sagen Sie uns, was ist der Sinn des Kreuzes im Leben des Menschen?
Das Kreuz ist etwas sehr Schweres. Aber es ist nicht richtig, wenn wir bei diesem ersten Gefühl der Schwere, der Mühe, des Schmerzes stehen bleiben. Dann wird uns das Kreuz zur Last.
Das Kreuz hat seine Botschaft, seinen inneren Kern. Man muss in dieses Innere eintreten, über das der hl. Paulus spricht, und wenn wir in das Innere und in die Bedeutung des Kreuzes eintreten, dann wird alles, was schwer und schmerzlich ist, an Schwere verlieren. Dann werden wir Weisheit gewinnen, eine starke Kraft und eine große Liebe. Ich kenne viele Menschen, die diese Verwandlung des Kreuzes erlebt haben.
Aus dem Schweren und Schmerzlichen wurde Segen für viele. Maria sagt uns nicht, dass uns Jesus vom Kreuz befreit, sondern dass wir darum beten sollen, das Kreuz tragen zu können. Wenn wir vom Kreuz befreit sein wollen, trennen wir uns von Gott. Wir nehmen es Ihm übel und hadern mit Ihm, warum er uns das Kreuz gibt. Die Gospa aber lehrt uns, unser Kreuz mit Liebe anzunehmen. Das ist der Weg Christi, den Er selbst gegangen ist.

Quellennachweis: http://www.gebetsaktion.at   2010