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Medjugorje ist meine innere Heimat

Pater Marinko

Das Interview mit Pater Marinko Sakota führte M. E. Lang.Pertl 

Pater Marinko, Sie sind jetzt zum Pfarrer von Medjugorje bestellt worden. Was bedeutet Ihnen dieser Ort? Pater Slavko hat immer wieder betont, dass Medjugorje nur durch die Anwesenheit der Gospa erklärbar sei!
Ja, diese Erfahrung teile ich auch. Ich erfahre immer mehr, dass es wahr ist, was Pater Slavko gesagt hat. Man kann nicht alles durch die Ereignisse erklären, zum Beispiel, dass die Menschen umkehren und ihr Leben ändern, das ist nicht einfach zu verstehen. Aber wenn man glaubt, wenn man weiß, dass die Muttergottes erscheint, dass sie mit uns ist, da kann man erklären, dass das Eis in den Herzen dadurch schmilzt, dass das grobe Material in den Herzen weicher wird. Dann wirkt der Geist Gottes in den Herzen der Menschen, und sie ändern sich langsam. Und das ist das Wesentliche, das in Medjugorje geschieht, dass die Herzen verwandelt werden. Das ist für mich Medjugorje!

Sie haben den früheren Pfarrer, Pater Peter Vlasic sicher gut gekannt. Er war sicher auch von Medjugorje überzeugt. Was waren besondere Ziele seiner Pfarrtätigkeit? Hat er vielleicht auch im Stillen ein geistiges Testament hinterlassen?
Pater Petar war ein einfacher Mensch, und er hat auch so gewirkt hier in Medjugorje. So einfach, dass man ihn sozusagen nicht merken konnte, nicht sehen konnte. Aber er war wirklich ein guter Mann, das haben wir hier in der Gemeinschaft spüren können. Ein Mensch, mit dem man reden konnte und der Verständnis hatte für uns, für unsere Projekte, für unsere Arbeit. Das war das Motto seiner Tätigkeit. Einfach da zu sein für uns, und er hat uns alles erlaubt, was wir getan und geplant haben.

Hatte er auch einen besonderen Bezug zur Gottesmutter?
Ja, er hat die Muttergottes geliebt, das konnte man spüren. Er hat geglaubt, dass die Muttergottes erscheint, dass sie da ist. Aber er war kein Mensch mit vielen Worten, sondern er hat das Wesentliche im Herzen getragen. Das hat er nicht ausgedrückt, veröffentlicht, sondern das hat er im Stillen gelebt.

War es auch sein Wunsch, dass Sie zu seinem Nachfolger, als Pfarrer von Medjugorje, ernannt werden?
Ja, doch er war einfach für alle hier im Haus, nicht nur für mich. Aber ich war frei von vielen anderen Tätigkeiten, und so konnte ich viele Sachen übernehmen, die andere nicht übernehmen konnten, weil sie schon mit anderen Aufgaben beschäftigt waren. Deshalb konnte ich viel mehr mitarbeiten mit ihm als andere. Deswegen, glaube ich, hat er mich auserwählt.

Sie waren ja schon jahrelang in der Pastoral tätig, nicht nur in der Pfarrarbeit, sondern auch in der Pilgerarbeit. Noch dazu waren Sie auch ein besonderer Schüler von Pater Slavko. Das kann sicherlich nicht spurlos an Ihnen vorübergegangen sein?
Pater Slavko hat mich beeinflusst durch seine Lebensart. Ich habe von allem, was er getan hat, viel mitbekommen. Ich habe sein Arbeiten beobachtet und gesehen, wie er die Dinge angegangen ist und habe versucht ihm zu folgen. Natürlich in einer anderen Weise wie er; jeder Mensch ist anders. Es ist nicht leicht, das zu erreichen, was er getan hat, weil er wirklich ein besonderer Mensch war.

Hat sie die Ernennung zum Pfarrer von Medjugorje beunruhigt, oder haben sie diesen Auftrag im Willen Gottes, der Gospa zu Liebe, angenommen?
Es ist nicht leicht, diese Aufgabe anzunehmen. Aber ich habe sie angenommen, weil es die Leitung meiner Gemeinschaft wollte und die Leitung unserer Provinz. So habe ich es übernommen, zugleich ist es mir ein Anliegen, für die Muttergottes, für die Pfarrei, für die Pilger wirklich etwas tun zu dürfen, auch, damit die Pläne der Muttergottes verwirklicht werden können. Für diesen Dienst möchte ich bereit sein und wirklich alles tun, um den Pilgern zu helfen, das zu finden, was die Muttergottes will, also den Frieden, die Versöhnung, dass alle im Herzen verändert werden.

Warum hat diesmal der Bischof kein Veto eingelegt? Hat man eine Antwort dafür?
Nun, ich schätze den Bischof. Wir sind gut zueinander. Ich war hier in der Nähe von Medjugorje sieben Jahre Pfarrer in einer Gemeinde, und wir hatten keine Probleme miteinander, deswegen hat der Bischof mich bestätigt, so denke ich.

Wie sieht für Sie die Zukunft aus? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt in der Pfarrarbeit, aber auch in der Pilgerarbeit?
Welche Ziele? Ja, hier waren schon Ziele gestellt, die sollte man eigentlich nur umsetzten: einfach weitermachen, alles mit Liebe tun, was hier zu tun ist, eigentlich nichts anderes. Es gibt hier schon ein großes Programm: Abendprogramm, das Besteigen der Berge im Gebet auf den Krizevac und Podbrdo. Es gibt auch die Gebetsstätten sowie die Seminare und die Arbeit mit den Pilgern und in der Pfarre. Das ist alles schon bekannt. Es ist wichtig, dass wir das weitermachen, und dass wir das mit Liebe, also mit dem Herzen machen, was die Muttergottes wünscht.

Haben Sie Hilfe in der gesamten Pastoralarbeit? Die scheint ja sehr umfassend zu sein.
Es ist bekannt, dass die Franziskaner, die hier stationiert sind, auch bereit sind, mitzuhelfen: Beichte hören, Sakramente feiern und alles andere, was hier dazu kommt. In Medjugorje muss man einfach zupacken. Hier arbeitet man mit dem Herzen. Es ist anders, hier in Medjugorje zu wirken, als in anderen Orten. Deswegen ist hier ein besonders gutes Klima unter uns, weil wir keine Zeit haben für Streit oder für Dummheiten. Ja, das erkläre ich durch die Anwesenheit der Muttergottes! Das spüren wir auch.

Welchen Bezug haben Sie selber zu Medjugorje?
Medjugorje ist meine innere Heimat. Auch, als ich in Innsbruck war, oder in anderen Orten, Medjugorje war meine innere Heimat. Ich lebe von Medjugorje, ich versuche, wo ich bin, die Botschaften zu leben. Weil für mich diese Botschaften ein Weg sind, wie man das Evangelium leben kann - heute leben kann. Deswegen ist Medjugorje mein Leben. Ohne Medjugorje kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen.

Pater Marinko, was bedeutet Ihnen die Gospa?
Die Gospa ist für mich meine geistliche Mutter, Vorbild und Lehrerin. Sie ist auch die Korrektur meines Lebens. Sie korrigiert mein Leben. Wenn ich sie anschaue, dann sehe ich, wie ich bin, sehe ich mich, wie im Spiegel, und ich sehe mich aber auch, wie ich sein soll. Sie ist mein Vorbild, meine Lehrerin!

Was könnten Sie uns mitgeben, wenn Sie sagen Maria ist ihre Mutter, Sie sind also ihr Kind. Sie sind aber auch zugleich geistiges Kind von Pater Slavko. Was können Sie uns mitgeben für die nächste Zeit auf unserem Weg?
Wenn man die Botschaften lebt, wenn man versucht, sie zu leben, dann entdeckt man einen Reichtum, man entdeckt neue Hinweise, dann entdeckt man einfach, wie man leben soll.
Deswegen schlage ich vor, oder bitte ich alle Menschen, dass sie versuchen, die Botschaften zu leben. Sie sollen sich für das Gebet entscheiden, mit dem Vorsatz:
"Jetzt nehme ich mir Zeit für das Gebet, jetzt bete ich, jetzt fange ich an!" Und dann kann man wachsen. Zuerst betet man wenig, dann entscheidet man sich, und dann betet man mehr. Zuerst ist das Gebet vielleicht oberflächlich, dann kann ich tiefer beten und später Jesus anbeten vor dem Allerheiligsten Sakrament, vor dem Kreuz. Durch das Beten, Meditieren, Schauen und Hören kann ich weiser und stärker werden. Auch das Fasten ist wichtig, einen oder zwei Tage in der Woche. Den Kreuzweg sollte man beten, zur hl. Beichte gehen und danken für alles. Wichtig ist, um die Liebe beten, um die Stärkung des Glaubens beten.
Dadurch wird man sehend und wissend, und man kann erkennen, was gut ist in der Welt und was nicht gut ist. Die Botschaften sind ein Weg, wie man gut im Frieden und in der Liebe leben kann, wie man ein glückliches Leben führen kann!

Morgen ist der Sterbetag von Pater Slavko. Können Sie kurz noch skizzieren, was Ihnen Pater Slavko bedeutet hat, oder was bedeutet er heute noch für Sie?
Pater Slavko ist für mich ein Vorbild, wie man das Evangelium leben kann, dass man das Evangelium überhaupt leben kann. Er ist ein Zeichen dafür. Wenn ich mich an ihn erinnere, und ich erinnere mich an ihn jeden Tag auf diese oder andere Weise, da wundere ich mich, wie ein solcher Mensch leben konnte. Ich wundere mich, wie das möglich ist. Es ist aber rnöglich, weil ich ihn gekannt habe, viele Menschen haben ihn gekannt. Er war ein besonderer Mensch. Ich frage mich immer: wie er das geworden ist, das, was er war, wie er war.
Viele Gnaden hatte er, aber er hat dazu auch viel beigetragen und getan. Alles, was er getan hat, hat er mit dem Herzen getan. Er hat sich total hingegeben, total für alles. Alles, was er getan hat, hat er mit ganzer Liebe und Hingabe getan. Das ist etwas, was ich im Leben auch gern haben möchte, alles was man macht, ganz mit dem Herzen zu tun! Das konnte Pater Slavko und, ich möchte das auch!

Ist das so zu verstehen: Alles mit dem Herzen, dass alles identisch ist mit Liebe?
Ja, es ist identisch mit Liebe, aber mit welcher Liebe? Unter Liebe verstehen wir vieles. Diese Liebe, die Jesus gemeint hat, diese bedingungslose Liebe, die frei ist von den Meinungen der Menschen, von den Erwartungen der Menschen.
Diese Liebe ist einfach, wie Jesus sagt: Die Sonne scheint auf die Guten und die Bösen. So scheint sie, das ist sie; wie eine Rose, die duftet und blüht unabhängig davon, ob sie jemand sieht oder nicht. Sie ist frei, sie blüht, sie duftet. Die Liebe von Pater Slavko war auch so. Unabhängig davon, ob ihn jemand anerkennt, ob ihm jemand dankt oder nicht, er hat einfach getan, weil es gut war, weil es richtig war.
So war seine Liebe; das heißt: mit dem Herzen! Total, mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen, so wie Jesus gesagt hat: "Liebt Gott mit ganzer Seele und mit ganzem Herzen!" Ja, das hat Pater Slavko auch getan.

Danke Pater Marinko. Wir haben sehr viel Schönes und Tiefes durch Sie erfahren dürfen!

Quellennachweis: Gebetsaktion Wien 2013