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Medjugorje ist noch immer in meinem Herzen

Interview der Gebetsaktion Wien mit Pater Ivan Landeka in Medjugorje.

Pater Ivan, Sie sind nicht mehr hier in Medjugorje, kommen aber öfters her, denn Medjugorje blieb sicher in Ihrem Herzen. Wo sind Sie jetzt und was tun Sie?
Ich bin seit dem Jahr 2000 nicht mehr in Medjugorje. Bis dahin war ich sowohl als Kaplan sowie auch als Pfarrer hier im Dienst. Nach mir übernahm dann Pater Ivan Sesar, der jetzige Provinzial, die Aufgabe des Pfarrers. Jetzt bin ich in der Pfarre Posuski Gradac, das ist etwa 50 km von Medjugorje entfernt. Sie haben erwähnt, dass Medjugorje noch immer in meinem Herzen ist. Ja, ich kann sagen, dass ich täglich versuche, diese ganze Atmosphäre zu fühlen, die hier seit mehr als 31 Jahren besteht. Der wichtigste Teil meines Priestertums und meines Ordenslebens ist sehr eng mit der Zeit verbunden, die ich in Medjugorje verbracht habe, seit die Erscheinungen am Tag des hl. Johannes des Täufers 1981 begonnen hatten. Medjugorje ist eine Art Fakultät der praktischen Pastoraltheologie, eine Begegnung der Menschen mit Gott, ein Treffen mit dem Bekannten und Unbekannten, mit dem Sicheren und Unsicheren.

Medjugorje öffnet sich immer mehr für die Welt, es kommen immer mehr neue Pilger zum ersten Mal, auch wenn Medjugorje schon seit 31 Jahren bekannt ist. Wie sehen Sie diesen globalen Plan von Medjugorje?
Solange Medjugorje grundlegende Richtlinien für ein christliches Leben anbietet, so lange werden Pilger herkommen und ihren Glauben immer mehr und besser kennenlernen und vertiefen können. So werden sich immer neue einzelne Bereiche für Medjugorje öffnen und es werden neue Pilgergruppen kommen. Das Wichtigste bei alldem ist, dass Medjugorje das lebt, was es von Anfang an war, und das ist, dass es Christen heute Orientierung gibt und dass es ihnen sichere Formen des Lebens und der Frömmigkeit bietet, welche die Kirche aufbauen. Medjugorje kann jedem neue Horizonte öffnen, ihn tiefer zum Sinn des Lebens führen, und es jedem ermöglichen, dass er sich ganz für Gott öffnet. Das ist auch das Ziel der Gospa, die unermüdlich schon so lange über dieser Welt wacht und sie wird sicher noch lange mit uns sein. Auf der anderen Seite, wenn wir schauen, was hier geschieht - ich denke an verschiedene Früchte - dann bin ich überzeugt, dass mit Medjugorje jeder sein Kreuz und jede Art von Leiden leichter tragen kann.

Die Gospa kam als Königin des Friedens In diese gequälte Welt. Wie wichtig ist es, dass wir unseren inneren Frieden bewahren?
Der Friede ist vor allem die Harmonie im Menschen selbst und wenn die menschliche Person ein Ganzes ist, das heißt, nicht geteilt, dann herrscht im Menschen der Zustand des Friedens. Dieser Zustand des Friedens kann kein Dauerzustand sein, wenn sich der Mensch nicht bemüht, die Harmonie zu bewahren. Um diese Harmonie zu bewahren, ist es notwendig, sie immer wieder zu erneuern und aufzubauen, denn die innere Harmonie im Menschen kann nicht ein für alle Mal geschaffen werden und dann ewig andauern. Das ist ein Prozess, der ständig andauert und immer vor neuen Herausforderungen steht, damit er nicht zerstört wird.
Wir in der christlichen Spiritualität wissen durch viele Erfahrungen, wodurch im Menschen dieser Zustand des Friedens und der Zustand der Harmonie erneuert wird, und das sind zuallererst das Wort Gottes, das sakramentale Leben, das Gebet und die Formen der Spiritualität des Fastens. Ein sehr wichtiges Element für uns Christen ist, dass wir nicht isoliert leben von den Menschen, die unsere Hilfe brauchen, sondern dass wir mit ihnen sind, besonders bei den verschiedenen Mängeln, Krankheiten und Unsicherheiten, also bei inneren Krisen.
"Betet, dass ihr Apostel des göttlichen Lichtes in dieser Zeit der Finsternis und Hoffnungslosigkeit sein könnt."
Diese Worte der Gottesmutter an die Seherin Mirjana am 2. März 2012 mögen unseren Pilgerweg begleiten; ob es nun unser Leben ist, das als ein "Pilgerweg" , den wir gemeinsam mit dem "wandernden Gottesvolk im Glauben" gehen, bezeichnet wird, oder eine konkrete Wallfahrt z.B. nach Medjugorje. Diese Worte unserer himmlischen Mutter sollen uns zum besonderen Auftrag werden. Sie bittet uns zugleich, dass wir Jesus in uns eingeprägt tragen, um unseren Mitmenschen zum Zeugnis unseres Glaubens zu werden.
Der Glaubensabfall in unserer Zeit zeigt sich ja in Finsternis und dunkler Hoffnungslosigkeit. "Mit dem Herzen wird geglaubt", so sagten schon unsere Kirchenväter. "Betet mit dem Herzen", so ruft uns die himmlische Mutter immer von neuem zu. Beides ist eins: Denn, wenn ich mit dem Herzen bete, gehört mein Herz Gott. Ich glaube also, dass es IHN gibt, dass Er da ist und mich hört.
Im Herzensgebet, im Gebet der Liebe, gehören das Sprechen mit Gott und das Schweigen im Hören auf Sein Wort zusammen. Der hl. Augustinus meint: "Wenn das Wort Gottes wächst, werden Menschenworte weniger und wir werden stiller." In einer Katechese über das Gebet des Herrn sagt unser Heiliger Vater: "Damit das Wort Gottes in den Menschen eindringen kann, müsse er in seinem Innern einen tiefen Raum für die Anwesenheit Gottes schaffen. Neben dieser fruchtbaren Stille gibt es aber auch das Schweigen Gottes, die dunkle und schwierige Stille.
Auch Jesus selbst hat dieses Schweigen Gottes dramatisch erfahren, als Er am Kreuz ausrief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" (Mk. 15, 34). Doch will Jesus uns hier zu erkennen geben,", so Papst Benedikt, "dass sich hinter diesem scheinbaren Schweigen Gottes Seine große Güte und Weisheit verborgen hält, auch wenn wir oft glauben in unserem Rufen und Flehen, dass Gott uns nicht hört. Hier müssten wir dieses Schweigen aushalten im gläubigen Vertrauen, damit wir auch fähig werden, inwendig Seine Antwort und Seine Anwesenheit wahrzunehmen." (Katechese über "das Gebet des Herrn" von Papst Benedikt XVI.)

Ja, auch wir erleben oft Dunkelheit in unserem Inneren, und wir fragen voll Sorge: "Wo bist Du Herr? Hast Du mich vergessen?" Dieser Glaube an Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, ist in der Geschichte immer wieder in Frage gestellt worden. Der große Kirchenvater Athanasius hat für diese Wahrheiten hart gekämpft. Siebenmal ist er deswegen in die Verbannung geschickt worden. Hier zitiert der Hofprediger des Papstes, Pater Raniero Cantalamessa, in seiner ersten Fastenpredigt 2012: "Die Göttlichkeit Christi ist der Eckstein, der die zwei wichtigsten Mysterien des christlichen Glaubens trägt: Die Dreifaltigkeit und die Menschwerdung. Wenn man diesen Stein entfernt, bricht das ganze Gebäude des christlichen Glaubens zusammen. Wenn der Sohn nicht Gott ist, wer bildet dann die Dreifaltigkeit?" Unser Glaube an Christus sollte so groß werden, dass wir diesen Glauben ausstrahlen, dass wir in dieser Dunkelheit für unsere Mitmenschen Zeugen des Glaubens sind. In der heurigen Januar - Botschaft heißt es: "Bezeugt mit eurem Leben den Glauben und betet, dass der Glaube von Tag zu Tag in euren Herzen wächst!" Hier zeigt sich die himmlische Mutter wohl als Mutter der Kirche, ganz solidarisch mit unserem Heiligen Vater, denn er hat ja dieses Jahr zum "Jahr des Glaubens" ausgerufen. Sie selbst, "die Mutter aller Glaubenden" (Marianischer Kongress - Kaevelar) führt uns zu Jesus. Einige Male hat uns die himmlische Mutter Jesus direkt angeboten mit den Worten: "Hier bringe ich euch meinen Sohn Jesus!" In diesem tiefen Vertrauen, dass sie uns Jesus neu ins Herz legen möge, um Zeugen des Lichtes, Zeugen des Glaubens sein zu können und dass wir durch sie zu einem tieferen Glauben, zu einer festeren Hoffnung und zu einer strahlenden Liebe befähigt werden, pilgern wir zu diesem Gnadenort, "wo der Himmel die Erde berührt!" Sie, die uns "auf dem Pilgerweg des Glaubens begleitet", möge unsere Mutter und Führerin sein. (Enz. .Redernptoris mater"- seI. Joh. Paul II.). Ich wünsche uns allen, dass wir unsere Herzen öffnen und dabei einen Raum für Gottes Gegenwart schaffen können, damit wir auch bereit sind, im "Schweigen Gottes" (in der Dunkelheit des Herzens) gläubig sagen zu können: "Ja, Er ist da - mit Seiner Mutter Maria!"

Quellennachweis: Gebetsaktion Wien
3. Quartal 2012