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Alt-Erzbischof von Split, Dr. Frane Franic über Medjugorje, die Seher, die Kirche und Medjugorje

Alt-Erzbischof Dr. Franic betonte, dass seine Meinung über das Geschehen von Medjugorje mehr sein persönliches Urteil sei.
Er berichtete dazu Folgendes:
Als ich die Seher im ekstatischen Gebet gesehen habe, sagte ich sofort: „Das ist keine Lüge! Sie erleben etwas Ernstzunehmendes, und was sie bezeugen, ist das, was sie erleben.“ Das war mein Eindruck, wenn ich auch nicht gleich daran dachte, dass es tatsächlich Erscheinungen sein müssen; dass gerade ihnen die Mutter Gottes erscheint, wie die Seher es in ihrer Einfachheit sofort erfassten. Später, im Laufe der Zeit, im Spätwinter oder Anfang Frühling 1983 – ich habe damals einmal gemeinsam mit den Sehern gebetet, danach hatten sie die Erscheinung – spürte ich, dass die Mutter Gottes auch an mir arbeitet. Anlässlich dieses Gebets bekam ich den Ansporn zur persönlichen Umkehr.

Schon öfters hat Bischof Franic das erwähnt. Die Gottesmutter habe ihn (über die Seher) einmal persönlich ermahnt. Er habe das auch akzeptiert, denn warum sollte sie nicht auch einen Bischof ermahnen? Er sehe in einer solchen Ermahnung die liebevolle Hilfe der himmlischen Mutter. Als Beispiel führt er an, dass auch die Seher noch keine fertigen Heiligen seien (und schon öfters liebevoll von der Muttergottes ermahnt worden sind).
Auch Vicka und Marija sagen immer wieder: „Ich kann sündigen. Ich spüre in mir Momente, in denen ich immer stark kämpfen muss.“ Und das ist völlig normal, sonst wären sie anormal, wenn das nicht so wäre.
Der Bischof betonte auch, wie falsch es sei, aus Sünden und Niederlagen einzelner Menschen voreilige Schlussfolgerungen zu ziehen, und er begründet das so:
Wo Gott ist, dort ist immer auch Satan. Je mehr Gott gegenwärtig ist, umso mehr ist auch der Satan da. Auch in Medjugorje gab es schwere Niederlagen, etwa jene, wo Menschen ihre Berufung aufgegeben haben. Uns allen jedoch ist die Freiheit belassen, zu sündigen. Wenn wir also auch alle aufgerufen sind, den Weg der Heiligkeit zu gehen, so sind wir dennoch frei in unserer Entscheidung. Und die Tatsache, dass der eine oder andere auf diesem Weg ausrutscht und vom Weg abkommt, ist noch kein Zeichen der Unechtheit. Das weiß die Kirche aufgrund unzähliger Beispiele. Selbst an der Seite von Heiligen sind, zu deren Leidwesen, manchmal Menschen diesen Weg nicht bis zum Ende gegangen.
Wie aber ist das mit den Sehern?
Sie können mit der „Gospa“, wie sie die Gottesmutter nennen, sprechen und sie sogar berühren, und es ist klar, dass sie dann auch an sich selbst arbeiten müssen, an ihrer inneren Umkehr; damit das in die Tiefe geht, dass es sie durchdringt; dass sie dadurch umkehren und beginnen, ein Leben der Liebe zu leben, ein Leben der Gerechtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen; damit ihnen das Gebet wichtig ist und sie darin fortschreiten - auch ohne Erscheinungen.
Trotz der Erscheinungen aber kann es im Leben eines Sehers auch Sünde geben und Lüge. Auch Abraham war ein Seher. Auch er machte große Fehler, zum Beispiel als er nach Ägypten kam: Da hat er seine Frau Sara dazu angehalten, sich als seine Schwester auszugeben, nur weil sie so schön war, dass er fürchten musste, getötet zu werden, damit sie dem Pharao zugeführt werden konnte. Das war eine ausgesprochene Lüge, mit der sich Abraham das Leben retten wollte (vgl. Gen 12, 10ff).
Und so können die Seher auch in anderen Dingen sündigen. Sie suchen für sich einen freien Weg. Die Muttergottes macht keine Automaten aus ihnen, ihre Freiheit bleibt. Und offensichtlich haben die Seher von Medjugorje ihre Fortschritte und auch ihre Schwierigkeiten. Ich habe oft mit ihnen gesprochen. Sie tragen eine große Verantwortung, weil sie die große Gnade haben, zu sehen. Aber die Freiheit ist ihnen trotzdem geblieben, und das beinhaltet auch die Möglichkeit, Fehler zu machen. Deshalb glaube ich, wenn sich ein Fehler findet bei den Sehern, braucht man nicht sofort zu sagen: „Das ist ein Zeichen, dass sie die Muttergottes nicht gesehen haben“, sondern es zeigt uns, dass sie trotzdem normale Menschen sind, die auch sündigen können.
Es kommt immer wieder vor, dass die Seher die Pilger bitten, sie mögen für sie beten. Als Pilger ist man jedoch versucht zu denken, das sei doch nicht nötig, weil die Seher ohnehin mit so viel Gnade überschüttet werden. Aber nach dieser einleuchtenden Erklärung verstehen wir sicher, warum nicht nur die Seher für uns, sondern auch wir für die Seher Fürbitte einlegen sollen bei Gott. So tragen wir dazu bei, dass Gott den Plan, den Er mit Medjugorje hat – und die Seher sind darin offensichtlich wichtige Werkzeuge – voll verwirklichen kann.
Wir sprachen mit dem Bischof auch darüber, dass sich die Situation von Medjugorje hinsichtlich der weltlichen Behörden in diesen Jahren, wenn man an den Beginn der Ereignisse zurückdenkt, eigentlich völlig verändert hat. Erzbischof Franic erklärte uns, das:
Am Anfang wurde es für einen Aufstand gehalten. Man befürchtete, in Kroatien hätten die Katholiken die Muttergottes erhoben und versammelten sich dort als Revolution. So kam die Miliz mit Waffen nach Medjugorje. Inzwischen aber ist es klar geworden, dass es hier nicht um einen politischen Aufstand, sondern um eine religiöse Sache geht. Das haben die Behörden inzwischen gesehen, und so haben sie vieles erlaubt.
Was mich betrifft: Ich glaube an die Authentizität der Erscheinungen. Medjugorje ist ein globales Geschehen, deswegen muss man sich damit auseinandersetzten. Man muss es deuten wie die Heilige Schrift und dabei nach denselben Methoden vorgehen.
Aufgrund der Hirtenschaft der Kirche sind wir dem zu erwartenden definitiven Urteil der Kirche unterworfen. Doch während die Kirche mit diesem Urteil noch zuwartet und den Gläubigen ihre frei Entscheidung in dieser Sache zugesteht, sehe ich es sehr gerne, dass Wallfahrer dorthin gehen, weil sie wissen, dass dort gebetet und gebeichtet wird und dass dort Menschen umkehren. Das finde ich persönlich sehr wertvoll.
Ich für mich selbst habe es so gesehen, dass ich, wenn dort wirklich die Muttergottes erscheint, nicht nur zuwarten kann, was sein wird. Ich habe die Pflicht gespürt, hinzugehen und sehen, was dort geschieht: was dort gebetet und gepredigt wird, ob das richtig ist. Gibt es dort Fanatismus? Sind dort Irrlehren? Ich habe gespürt, dass ich selbst die Verantwortung trage.
Seiner Meinung nach trägt Medjugorje durch sein Wirken zu jener Neu-Evangelisierung Europas bei, die dem HeiligenVater ein großes Anliegen ist und die er uns immer wieder eindringlich ans Herz legt.
Das Warten auf ein Urteil der Kirche muss für uns nicht bedeuten, bis dahin untätig zu sein, im Gegenteil! Gerade die Früchte der gelebten Botschaften von Medjugorje werden für die Kirche eines der wesentlichen Kriterien zu einer Urteilsfindung sein; so geht die Kirche immer vor, wenn sie außergewöhnliche Gnadenerweise des Himmels auf ihre Authentizität zu prüfen hat.

Auszüge aus einem Interview vom 28.12.1988 in Split mit + Alt-Erzbischof Dr. Frane Franic
Quellennachweis: „Medjugorje Gebetsaktion“, Wien   12/1989