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Alfons Sarrach

Alfons Sarrach wurde 1927 in Danzig geboren. Er wuchs in einer deutsch-polnischen Kultur auf. Am 1. September 1939 erlebte er dort den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Die Familie wurde in das Konzentrationslager eingeliefert, was sein Denken für immer geprägt hat.
Im Juni 2006 war er in Medjugorje, um Gott zu danken, weil er vom Krebs geheilt wurde. Lidija Paris sprach mit ihm.

Wie haben Sie Medjugorje kennen gelernt?
Ich bin im Jahre 1987 als Skeptiker nach Medjugorje gekommen. Immer wieder wurde ich von Menschen angesprochen und gefragt, was ich von Medjugorje halte. Ich habe damals gerade an einem Buch über den ungläubigen Thomas, der Indien missioniert hat, gearbeitet, habe die ägyptische, römische und indische Antike recherchiert, war mit den Evangelien beschäftigt, und das genügte mir. Die Leute haben aber immer wieder gesagt, dass es eigentlich eine Schande ist, dass ich mich als katholischer Journalist dafür nicht interessiere. Meine Frau meinte, es bleibt mir nichts anderes übrig als selber hinzufahren. Zu Weihnachten 1987 sind wir also mit unseren drei indischen Kindern gekommen. Ich habe beobachtet, und nach einer Woche ging ein Wandel in mir vor. Wir haben in Miletina bei einer Familie gewohnt, die für uns auch ein Treffen mit Marija Pavlović organisiert hat. Ich habe ein langes Gespräch mit ihr gehabt und danach war der Damm gebrochen. Da war mir klar, dass Medjugorje etwas ganz Ungewöhnliches ist, ein ganz ungewöhnliches Ereignis für das kommende Jahrtausend.
Ich beschäftigte mich immer sehr viel mit der Zukunft. Ein paar Mal im Leben habe ich eine Intuition für kommende Dinge gehabt. Dieses Gespür ließ mich in Medjugorje nicht los: dass Medjugorje die Weichenstellung für das dritte Jahrtausend ist. Mich haben nicht so sehr die Seher interessiert, obwohl ich ein sehr tiefes Gespräch mit Marija Pavlović gehabt habe. Ich habe andere Gespräche geführt, zum Beispiel mit den Mitgliedern des Gebetskreises, um herauszuspüren, wie ist das Denken, dass die Gottesmutter herausgelöst hat. Was mir wichtig war, ist die Reaktion in den Seelen der Menschen, die das alles mitverfolgt haben.

Wie können Sie diese Erziehung, die von der Muttergottes kommt, von der Mentalität und der Familienerziehung hier in Herzegowina trennen?
Es war mir klar, dass die Gottesmutter gerade deshalb hier angesetzt hat. Meiner Meinung nach hat sie die natürlichen Voraussetzungen gefunden und, ich glaube, dass das am wenigsten pervertierte Familienbewusstsein hier in der Herzegowina zu finden war. Da konnte sie noch auf eine gesunde Natur zurückgreifen, was sonst in anderen Gegenden Europas nicht mehr möglich war. Es heißt immer, dass die Gnade die Natur voraussetzt. Ich habe die Menschen und die Familien hier beobachtet. Das Verhältnis der Kinder zu den Eltern und der Eltern zu den Kindern. Da war mir klar, die Gottesmutter hat nicht in der zerstörenden westlichen Zivilisation angesetzt. Gott ist nicht Mensch geworden in Athen, Rom oder Alexandria, sondern in Israel. Die Juden waren ja damals die einzigen Monotheisten in der Welt. Sie hatten die einzige wirkliche religiöse große Autorität, den Tempel und die Schrift, und in dieser gewissermaßen Endzeit eines kompakten Israel ist Jesus gekommen. Er hat also die natürlichen Voraussetzungen genützt, um eine einmalige Offenbarung einzuleiten. Dieser Vergleich hat sich mir hier in Medjugorje aufgedrängt. Die Atmosphäre Israels finde ich hier in Medjugorje. Mir ist danach aufgefallen, dass die ersten Christen, die die Botschaft Jesu kennengelernt haben, nicht schweigen konnten. Sie hatten ein inneres Feuer, sie mussten das in alle Welt hinaustragen. Genau das ist auch hier in Medjugorje geschehen. Die Menschen, die nach Medjugorje kamen, konnten nicht mehr schweigen. Der Bischof von Fulda, der inzwischen nicht mehr lebt, hat einmal bei einem großen Medjugorjetreffen in der Kathedrale von Fulda vor etwa 8.000 Menschen gesagt: „Die Medjugorje-Anhänger sind eine harte Rasse!“ Sie haben dieses Bedürfnis, anderen mitzuteilen, was sie hier erlebt haben.

Was ist denn mitzuteilen?
Meiner Meinung nach lässt sich das auf eine ganz einfache Formel bringen: Die Welt, so wie sie heute ist und wie sie über Jahrtausende war, wurde in den Kategorien der Macht regiert. Die einen waren die, die Macht ausgeübt haben, und die anderen die, die Opfer der Macht wurden. Dieses Denkschema ist bis jetzt immer noch ganz tief in der menschlichen Natur verankert. Nicht nur in der Politik, auch in der Familie. Die Väter haben das Sagen, sie sind die Patriarchen. Das wurde hier, meiner Meinung nach, durchbrochen und durch ein Denken in den Kategorien des Dienens ersetzt. Als Marija Pavlović mir sagte, die Gottesmutter erschiene im grauen Kleid, wurde mir alles klar. Grau ist die Farbe des Dienens.
Das war eine Erkenntnis. Eine zweite war: Die ganze westliche Zivilisation ist gesteuert von der Aussage des berühmten französischen Philosoph Descartes: Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Und hier, in Medjugorje, als ich während einer Erscheinung vor der Kirche gekniet bin, war mir klar, dass die Gottesmutter diesen philosophischen Denkansatz durchbricht. Es gilt nicht mehr: Cogito ergo sum, sondern Amo ergo sum. Ich liebe, also bin ich. Der Verstand ist ein Gefangener von Raum und Zeit geworden. Die Liebe durchbricht Raum und Zeit.
Ich war mit meiner Gruppe auf dem Podbrdo (Erscheinungsberg). Wir waren lange vor dem grauen Kreuz des dritten Tages der Erscheinungen. Da wird, meiner Meinung nach, der Kern der Botschaften symbolisch zum Ausdruck gebracht. Die Gottesmutter im grauen Kleid vor einem grauen Kreuz und einem grauen Hintergrund… 'Frieden mit Gott und untereinander'. Dieser Frieden ist nur möglich, wenn ihr den Geist des Dienens lebt. Wer dient, vor dem braucht sich keiner zu fürchten. Wer dient, verbreitet um sich nicht die Panik der Macht.

Sie haben vor kurzem eine schwere Krankheit überstanden?
Vor einem Jahr lag ich am Sterben. Ich hatte einen Blutsturz und habe einen Liter Blut verloren, und man musste mich ganz schnell ins Krankenhaus bringen, wo man mir einen langen, verschleppten, bösartigen Blutkrebs diagnostiziert hat. Ich wollte wissen, wie lange ich noch zu leben habe, weil ich mich vorbereiten wollte... Der Arzt sagte sechs Wochen, zwei Monate, vielleicht auch länger… Er hat die Chemotherapie vorgeschlagen, sagte aber dass es möglich ist, dass der Körper sie nicht mehr annimmt, dass es zu spät ist… Nach der ersten oder zweiten Chemotherapie kann Schluss sein… Ich habe ihn angeschaut und gesagt: „Wissen Sie, Herr Professor, ich freue mich darauf. Wenn ich sterbe, das ist der schönste Tag im Leben, ich möchte das bewusst erleben. Versprechen Sie mir, machen sie keine künstlichen Verlängerungen, ich möchte im vollen Bewusstsein sterben.“ Das hat ihn überrascht. Andere Ärzte und Krankenschwestern sind gekommen und haben gesagt: „Wir wollen dabei sein, wenn Sie sterben. Wir wollen sehen, ob Sie bis zum Schluss so denken wie jetzt. Ob Sie das durchhalten können.“
Die Chemotherapie wurde dann durchgeführt. Sie sagten mir, jeder Fieberanfall ist gefährlich; wenn es über 38 Grad ist, müsste ich sofort ins Krankenhaus. Ich könnte innerhalb von 24 Stunden tot sein. Ich musste auch zweimal ganz schnell in die Klinik gebracht werden… Einmal sagte mir der Arzt, dass das die letzte Minute war… ich hätte den nächsten Morgen nicht mehr erlebt… Nach der fünften Chemotherapie wurde ich gründlich untersucht, und der Arzt sagte mir, dass der Krebs weg ist, obwohl er da sein müsste! Volle Remission! Er wagte nicht zu sagen, dass ich geheilt war, aber ich durfte wieder ein ganz normales Leben führen, als wäre ich gesund. Ich wusste nicht ob ich mich freuen oder traurig sein sollte… Der Arzt sagte mir: „Ergreifen Sie die Chance und schreiben Sie noch zwei Bücher!“
Diese meine Einstellung war in Medjugorje grundgelegt. Hier habe ich mit vielen Menschen gesprochen, und immer wieder wurde hervorgehoben, dass Zeit und Ewigkeit eine Einheit sind. Wir leben heute schon in der Ewigkeit, und wir sollten so leben, als würden wir schon in der Ewigkeit leben. Das ist für mich das Geheimnis meiner wahrscheinlichen oder angeblichen Gesundung.
Vorgestern habe ich hier die Anbetung erlebt. Ich habe geweint und Gott gefragt, womit ich diese Gnade verdient habe… Diese betenden Menschen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, das war für mich die Vorwegname der ewigen Anbetung. Ein Stück Himmel auf Erden. Menschen aus allen Kulturen, aus allen Himmelsrichtungen, anbetend vor dem heiligen Gott… das erleben wir nirgends sonst in der Welt. Auch in Rom nicht. Tief ergriffene Menschen, die vollkommen abschalten und beten.

Diese Erscheinungen sind anders als jene in Lourdes, Fatima, La Salette oder anderswo. Wieso, ihrer Meinung nach?
Wir stehen vor dem Zusammenbruch der westlichen Zivilisation. Ein total säkularisiertes Europa ohne Gottesbezug und ohne Bezug zur christlichen Botschaft. Ungeheuerlich. Ein christlicher Kontinent will seine eigenen Wurzeln verneinen, und das wird den Zusammenbruch bedeuten. Er ist schon da. Die Politiker haben immer größere Probleme, den Menschen klarzumachen, daß man das Sozialsystem nicht mehr aufrechterhalten kann, wegen der Vergreisung! In Holland oder England, wenn Sie über 70 sind, haben Sie keine Chance mehr behandelt zu werden! Ein Bekannter in London, 72 Jahre alt, hatte Krebs. Der Arzt sagte ihm: „Über 70 behandeln wir keine Menschen!“ Das wird der Normalfall werden. Das wird massenweise eintreten, einfach weil man physisch gar nicht mehr in der Lage sein wird, die Vielzahl alternder Menschen zu betreuen. Da ist Medjugorje eine große Hoffnung. In Deutschland liegen – wo immer es zu einer Erneuerung kommt - die Wurzeln immer in Medjugorje! Deswegen kann man wirklich vom Einbruch des Himmels sprechen, weil Medjugorje im Grunde auch zur Beschleunigung des Zusammenbruchs beiträgt, indem es das Neue verkündet. Ein berühmter marianischer Prophet aus Deutschland, Pater Kentenich, hat einmal gesagt: „Wenn Gott etwas zusammenbrechen lässt, dann nur deshalb, um was Neues zu bauen“. Wir erleben den Zusammenbruch der westlichen Zivilisation, und wir erleben das, was Gott neu machen will, etwas, das die Menschen glücklich macht.

Warum wartet die Kirche mit der Anerkennung?
Das sollte man positiv sehen. Meiner Meinung nach werden die Leute, die durch Medjugorje zum Glauben gekommen sind, dadurch geprüft und im Glauben gestärkt. Das gehört zum Reifeprozess von Medjugorje. Eine zu schnelle Anerkennung könnte auch negative Folgen haben. Man muss sich durchringen. Ich hatte mit Kardinal Ratzinger einen Briefwechsel über Medjugorje. Er weiß ganz genau, wie ich darüber denke. Er hat auch meine Bücher gelesen. Mons. Perić (Bischof von Mostar) hat eine falsche Meldung verbreitet, der Papst hätte über Medjugorje gelacht. Er hat nicht gelacht, sondern gelächelt! Das kann man auch positiv deuten. Hätte er gewollt, hätte er etwas sagen können, aber er hat nichts gesagt. Er hat gelächelt. Papst Benedikt XVI. wird, was Medjugorje betrifft, die gleiche Linie wie Johannes Paul II. verfolgen.
Das Interview wurde von Lidija Paris geführt.
Juni 2006

© Informationszentrum “Mir” Medjugorje; www.medjugorje.hr