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Mariologen erkennen Aufbruch von Medjugorje an

Alfons Sarrach war an einem bösartigen Blutkrebs erkrankt. Die Ärzte machten ihm gegenüber kein Geheimnis aus seinem eigentlich hoffnungslosen Zustand. In einer rätselhaften Bewusstlosigkeit wurde er nach einer mystischen Begegnung mit dem Herrn von einem nie gekannten Glücksgefühl erfüllt. Sein Herz brannte nach der Ewigkeit. Aber dann eröffneten ihm die Ärzte, dass ihm – zu ihrem eigenen Erstaunen – noch einige Zeit geschenkt wurde. Er fügte sich dem Willen des Himmels, um durch mutige Publikationen Gottes Wirken in unserer Zeit herauszustellen. Die erste Frucht ist sein neues Buch mit dem Titel „Jenseits des Scheins“.
In einem Interview mit 'KIRCHE heute' zeigt Alfons Sarrach auf, was ihn beim Schreiben bewegt hat.

KIRCHE heute: Herr Sarrach, Sie haben in diesen Tagen ein neues Buch herausgebracht. Es trägt den Titel „Jenseits des Scheins“. Was wollen Sie damit ausdrücken?
Alfons Sarrach: Der moderne Mensch lebt in einer Welt der Illusionen. Den ganzen Tag hindurch, das ganze Leben hindurch. Neue technische Entwicklungen fördern diese verhängnisvollen Selbsttäuschungen. Was wir als Wirklichkeit bezeichnen oder erleben, ist vergänglich, kann mit einem Klick verschwinden. Die wahre Wirklichkeit liegt jenseits dieses Scheins. Es ist die Wirklichkeit Gottes, die Ewigkeit.

KIRCHE heute: Vor einiger Zeit wurde bei Ihnen ein bösartiger Krebs festgestellt. Ihr Zustand hatte sich rapide verschlechtert und Sie haben dem Tod bereits ins Auge geschaut. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser kritischen Zeit gemacht?
Alfons Sarrach: Die Erfahrung, dass der heutige Mensch auf die eigentliche Wirklichkeit seines Lebens nicht vorbereitet ist. Er steht ihr vollkommen unvorbereitet gegenüber. Wenn sie auf ihn zukommt, stürzt er in einen Abgrund. Bis zuletzt klammert er an den äußeren Reizen. Er stirbt profillos, beinahe gesichtslos – sagte mir ein junger Arzt. Es gibt keine christliche Sterbekultur mehr.

KIRCHE heute: Sie haben auf die Nachricht, eventuell sterben zu müssen, gefasst, ja sogar mit Freude reagiert. Woher haben Sie diese Festigkeit, diese Einstellung zum Leben?
Alfons Sarrach: Es war die Spiritualität von Medjugorje, die ich über Jahre verinnerlicht hatte. In Gesprächen mit den Sehern, mit Mitgliedern des Gebetskreises konnte ich erspüren, dass für diese jungen Menschen Zeit und Ewigkeit bereits eine Einheit geworden waren. „Wir leben bereits in der Ewigkeit“ sagten sie mir immer wieder. „Leben ist Vorfreude auf die Ewigkeit.“ Ein Mädchen aus dem sog. Gebetskreis der Jelena, es war Marija Dugandzic, damals 22 Jahre jung, bekannte einmal: „Ich habe nur eine Angst, durch die Sünde von Gott getrennt zu werden.“ So wurde mir klar: Unsere Leiden heute sind Teil unserer Seligkeit von morgen.

KIRCHE heute: Sie berichten, von römischen Theologen werde Medjugorje neuerdings als Prophetie, zum Teil sogar als neues Pfingsten bezeichnet. Können Sie mehr dazu sagen? Wie deuten sie diese Entwicklung?
Alfons Sarrach: Mit Staunen nimmt man wahr, was aus Rom zu vernehmen ist. Der bekannte Mariologe, Stefano De Fiores, Mitglied der Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie, hat davor gewarnt, Medjugorje gering einzuschätzen. Dahinter stehe möglicherweise eine große Prophetie. „Freuen wir uns doch, wenn die Menschen dorthin pilgern“, hat er einer italienischen Zeitung gesagt. Don Gabriele Amorth, Exorzist in Rom, leitet sogar einen Medjugorje-Gebetskreis. Seiner Meinung nach ist Medjugorje eine Festung gegen den Ungeist der Zeit. Große Sympathie für Medjugorje hat auch Raniero Cantalamessa, päpstlicher Hofprediger. Er hätte dort gern im Juli internationale Exerzitien für Priester gehalten. Im Augenblick ist es noch nicht möglich. Cantalamessa will aber als Pilger nach Medjugorje kommen.

Kirche heute: Worauf beruht Ihrer Beobachtung nach die Anziehung, die viele Menschen aus aller Welt bewegt, nach Medjugorje zu pilgern?
Alfons Sarrach: Sie erleben dort von der ganzen Atmosphäre her das Urchristentum, Originalität, Spontaneität und gleichzeitig Treue zur Kirche, zur kirchlichen Liturgie, zum Lehramt. Interessanterweise zieht es dort gerade Ärzte hin, Leute mit Bildung, schlichte Leute mit hoher Herzenskultur und Jugendliche.

Kirche heute: Welche Bedeutung hat der dortige Kreuzberg, den Pilger oft unter großen Mühen und mit bewundernswerter Opferbereitschaft erklimmen? Wie bewerten Sie dieses Phänomen?
Alfons Sarrach: Die Menschen sind von der Verheißung des Zeitgeistes, sich selbst erlösen zu können, enttäuscht. Sie brauchen Erlösung, sie brauchen den Erlöser und sie bekennen sich zu ihm. Sie wollen ihm näher kommen.

Kirche heute : Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Seher von Medjugorje seit dem Beginn der Erscheinungen? Können Sie erkennen, dass Seher mit ihrem Leben ein besonderes Zeichen setzen?
Alfons Sarrach: Ein sehr starkes. Sie haben alle große Familien gegründet. Im Durchschnitt hat eine Frau in Bosnien-Herzegowina 1,6 Kinder, also nicht einmal zwei. Seher und Mitglieder des Gebetskreises (Anm.d.Red.: die Muttergottes hat in Medjugorje aufgerufen Gebetsgruppen zu gründen, was die Seherinnen Jelene und Marijana verwirklicht haben) haben zwischen drei und sieben Kindern. Medjugorje ist eine Oase des Lebens geworden, ein Aufschrei des Lebens. Das ist eine von den großen Prophetien dieser Stätte.

Kirche  heute: Welche Früchte sehen Sie auf dem Hintergrund ihrer langjährigen Beobachtungen in Medjugorje?
Alfons Sarrach: Es gibt heute in der Welt einen fast fanatischen Kampf gegen das Übernatürliche – leider manchmal auch unter Christen. In Medjugorje wird den Menschen bewusst, dass ihnen nicht nur die Natur, sondern auch die Übernatur geschenkt wird, sie ist unser eigentliches Ziel. Der marianische Prophet Pater Josef Kentenich aus Schönstatt pflegte im 20. Jahrhundert zu sagen, „Christen sollten Jenseitsmenschen werden“. Das werden sie in Medjugorje.

Kirche heute: Welchen Beitrag leistet Medjugorje Ihrer Ansicht nach für die Erneuerung der Kirche? Inwiefern hilft der Ort den Gläubigen, ihre christliche Identität neu zu entdecken?
Alfons Sarrach: Dort erwacht in ihnen Verantwortung für andere, für die ganze Kirche, für die ganze Menschheit. An dieser Stätte erleben sie das Miteinander und das Füreinander. Man hat oft den Eindruck, durch Medjugorje wurden sie zu erwachsenen Christen, zu reifen Mitgliedern der kirchlichen Gemeinschaft.

KIRCHE heute:
Herr Sarrach, herzlichen Dank für das Gespräch!

Quellennachweis: Kirche heute – 7/2007