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Interview mit Papst Franziskus

Papst Franziskus sprach zu den Journalisten auf dem Rückflug von Fatima. Im Rahmen dieser Pressekonferenz beantwortete er auch Fragen zu Medjugorje.

(Aus dem Italienischen übersetzt von Nadia-Miriam Keller)

Mimmo Muolo, Journalist
Guten Abend, Heiligkeit. Ich stelle Ihnen im Namen der italienischen Gruppe eine Frage. Gestern und heute haben wir in Fatima ein großes Zeugnis der Volksfrömmigkeit zusammen mit Ihnen gesehen; dieselbe, die man auch beispielsweise in anderen Marienheiligtümern wie Medjugorje antrifft. Was denken Sie über diese Erscheinungen – wenn es Erscheinungen waren – und über den religiösen Eifer, den sie erweckt haben, in Anbetracht Ihrer Entscheidung, einen Bischof als Delegaten für die pastoralen Aspekte zu ernennen? Und wenn ich mir eine zweite Frage erlauben darf, von der ich weiß, dass sie nicht nur uns Italienern, sondern auch Ihnen sehr am Herzen liegt: Die NGOs wurden der Zusammenarbeit mit den Schleusern beschuldigt, die Menschenhandel betreiben. Ich würde gerne wissen: Was denken Sie darüber? Danke.

Papst Franziskus:
Ich beginne mit der zweiten Frage. Ich habe in der Zeitung, die ich morgens durchblättere, gelesen, dass es dieses Problem gegeben hat, aber ich kenne noch nicht die Details. Und deswegen kann ich keine Meinung aussprechen. Ich weiß, dass es ein Problem gibt und die Untersuchungen weitergehen. Ich wünsche mir, dass sie fortgesetzt werden und die ganze Wahrheit ans Licht komme.

Die erste Frage? – Medjugorje. Alle Erscheinungen oder angeblichen Erscheinungen gehören zum privaten Bereich, sie sind nicht Teil des öffentlichen ordentlichen Lehramtes der Kirche.
Medjugorje: Es wurde eine Kommission unter dem Vorsitz von Kardinal Ruini gebildet. Benedikt XVI. hat sie eingesetzt. Ich habe Ende 2013 oder Anfang 2014 das Ergebnis von Kardinal Ruini erhalten. Eine Kommission fähiger Theologen, Bischöfe, Kardinäle. Fähige, fähige, fähige Leute. Der Ruini-Bericht ist sehr, sehr gut.

Dann gab es einige Zweifel in der Glaubenskongregation und die Kongregation hat es für angemessen befunden, allen Mitgliedern des Kongresses, dieser „feria quarta“, die ganze Dokumentation zukommen zu lassen, auch die Dinge, die gegen den Ruini-Bericht zu sein schienen. Ich habe die Benachrichtigung erhalten: Ich erinnere mich, dass es ein Samstag Abend war, später Abend. Es schien mir nicht richtig: Es war wie – entschuldigen Sie den Ausdruck – den Ruini-Bericht zur Versteigerung anzubieten, der sehr gut gemacht war. Und am Sonntag Morgen hat der Präfekt der Glaubenskongregation einen Brief von mir erhalten, in dem ich ihn bat, die Anweisung zu erteilen, dass man diese Meinungen anstatt der „feria quarta“ mir persönlich zustellen soll. Diese Meinungen wurden studiert und alle unterstreichen die Dichte des Ruini-Berichts.

Ja, grundsätzlich muss man drei Dinge unterscheiden. Über die ersten Erscheinungen, als sie [„die Seher“] Jugendliche waren, sagt der Bericht mehr oder weniger, dass man mit der Untersuchung fortfahren muss. Bezüglich der vermeintlichen gegenwärtigen Erscheinungen hat der Bericht seine Zweifel.

Ich persönlich bin ein wenig „gemeiner“: Ich bevorzuge die Gottesmutter als Mutter, unsere Mutter, und nicht die Gottesmutter als Leiterin eines Telegrafenamtes, das jeden Tag eine Nachricht zu der und der Stunde versendet … Das ist nicht die Mutter Jesu. Und diese angeblichen Erscheinungen haben keinen großen Stellenwert. Und das äußere ich als persönliche Meinung. Aber wer denkt, dass die Gottesmutter sagt: „Kommt, denn morgen zu dieser Stunde werde ich jenem Seher eine Botschaft übermitteln“; nein. [Im Ruini-Bericht] unterscheidet man die zwei Erscheinungen.

Und der dritte Punkt, der eigentliche Kern des Ruini-Berichts: die geistliche Tatsache, die pastorale Tatsache, Menschen gehen dorthin und bekehren sich, Menschen, die Gott begegnen und die ihr Leben ändern … Dafür gibt es keinen Zauberstab und diese geistlich-pastorale Tatsache kann man nicht leugnen. Um diese Dinge mit all diesen Angaben zusammen mit den Antworten, die mir die Theologen zugeschickt haben, zu bewerten, wurde jetzt dieser Bischof ernannt – der fähig ist, fähig, weil er Erfahrung hat – um zu untersuchen, wie die pastorale Seite läuft. Und am Ende wird man sich dazu äußern.