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Beten, fasten und Frieden machen

Im Juni 2003 feierte Msgr. Dr. Kurt Knotzinger, einer der ersten und bekanntesten Zeitzeugen der Ereignisse von Medjugorje im deutschen Sprachraum, sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Die Begeisterung, mit der Dr. Knotzinger 18 Jahre nach seinem ersten Besuch in Medjugorje über die Ereignisse spricht, lassen seine tiefe Beziehung zu diesem Gnadenort erahnen. Dr. Knotzinger verfasste Bücher und zahlreiche Artikel über Medjugorje und die Botschaften  und wirkte an verschiedenen  Symposien über Medjugorje mit. 

Dr. Knotzinger

Herr Dr. Knotzinger, Sie kamen im Januar 1985 zum ersten Mal nach Medjugorje. Könnten Sie uns erzählen, wie diese erste Begegnung mit Medjugorje auf Sie wirkte?
Wir kamen am 1. Januar 1985 nach einer Nachtfahrt in Medjugorje an. Im ersten Augenblick war es für mich eine Enttäuschung. Man hatte mir gesagt, dass ich mir keine warme Kleidung mitnehmen sollte. Dann war es in Medjugorje viel kälter als bei uns, in Österreich. Es hatte geschneit und die Einheimischen behaupteten, dass sie noch nie so viel Schnee gehabt hätten. Am ersten Nachmittag wanderte ich in Richtung Ortschaft und sah einen Schneemann, den junge Menschen auf einem flachen Dach gerade bauten. Ich fragte mich, ob ich die nächtliche Fahrt in den wenigen Ferientagen, die ich zu Verfügung hatte, wirklich deshalb gemacht hätte, um nun diesen Schneemann fotografieren zu können. Später dann, während der Abendmesse, saß ich im Beichtstuhl und merkte, dass die Reihe der Wartenden kein Ende zu nehmen schien. Das war der erste Tag.

Seherin Marija Pavlovic-Lunetti

Mein erstes ganz großes Erlebnis hatte ich, als ich bei einer Erscheinung dabei sein konnte. Der damalige Pfarrer, Pater Tomislav Pervan, hatte es mir erlaubt. Die Kapelle war bereits gesteckt voll. Damit ich niemandem im Weg stand, kniete ich mich beim Altar nieder. Dann kamen die Seher, von Pater Slavko hereingeführt, und blieben in einer Entfernung von mir stehen, dass ich sie hätte berühren können.  So durfte ich die erste Erscheinung miterleben. Unmittelbar neben mir kniete Vicka und in ihrem Gesicht spiegelte sich eine Herrlichkeit wieder, die sie wohl sehen musste. Ihr Ausdruck war verklärt, voll Freude, und ich empfand: Die Muttergottes ist wirklich da - aber nicht nur wegen dem, was ich sah, sondern da war zugleich ein ganz tiefes inneres Empfinden. Später hörte ich, dass auch andere Menschen ähnliche Erlebnisse gehabt und auch zu Protokoll gegeben hatten. Unter ihnen befand sich sogar ein islamischer Sufi.

Das bestätigte mir, dass ich nicht irgendwelchen übertriebenen Einbildungen gefolgt war. Ich denke, dass ich überhaupt sehr nüchtern nach Medjugorje gefahren war.

Buch

Meine Erlebnisse schilderte ich dann in meinem ersten Buch über den Wallfahrtsort: „Antwort auf Medjugorje“, das ich vor der Veröffentlichung zwei Priestern zum Lesen gab. Einer von ihnen war  Prof. Weismayer, Dogmatikprofessor an der Universität Wien. Bis auf eine historische Anmerkung, eine Kleinigkeit, meinte er, dass das Manuskript in Ordnung sei. Der andere war Kardinal König. Er sagte mir, dass er dem Buch eine große Verbreitung wünsche, auch wenn er aus der damaligen Situation heraus kein Vorwort schreiben könne. Später ermutigte er mich, auch in der katholischen Wochenzeitschrift „Die Furche“ über den Wallfahrtsort zu schreiben.

Seher Ivan

Hatte diese erste Begegnung mit Medjugorje in Ihrem Alltag konkrete Auswirkungen?
Das auf jeden Fall. Das war die noch größere Erfahrung. Ich fand einen neuen Lebensrhythmus, den ich mir vorher nie zugetraut hätte.
Bei meiner ersten Begegnung mit Marija Pavlovic - es war nach einer heiligen Messe, auf dem Treppenabsatz vor der Sakristei - fragte ich sie, was ich als Spiritual eines Kleinen Seminars den mir Anvertrauten mitteilen solle, wenn ich nach Österreich zurückkomme. Marija verstand, was ein Kleines Seminar war, denn auch der Seher Ivan war in einer solchen Schule. Ganz ruhig antwortete sie mir: „Sie sollen das machen, was die Gottesmutter von allen erbittet: beten, fasten und Frieden machen.“ Als Lehrer ist man gewöhnt, auszubessern, und so sagte ich ihr über den jungen Mann, den ich vorher gebeten hatte, mir als Übersetzer zu fungieren: „Das heißt wohl, Frieden halten.“ Da schaute sie mich plötzlich groß an - vorher hatte sie nicht sonderlich von mir Kenntnis genommen - und wiederholte: „Nein, Frieden machen!“
Ich habe mich dann wirklich darum bemüht. Beten ist wunderschön, fasten ist nicht schwer. Frieden machen - da beißt man sich die Zähne aus und muss es doch immer wieder versuchen. Nichts braucht die Welt in dieser Zeit dringender als Menschen, die den Frieden leben. Das habe ich dann auch den Buben (im Seminar, Anm.) gesagt und mich selber darum bemüht. Seither bete ich - ich sage das jetzt nicht, um mich hervorzuheben - jeden Tag den Psalter des Rosenkranzes. Und das ist etwas Wunderschönes. An manchen Tagen, wenn man viel zu tun hat, ist das gar nicht einfach. Aber dann erinnere ich mich an das, was auch der hl. Paulus oft sagt, nämlich, dass er sich durch Fasten, Nachtwachen und Gebet zu seinem Jesus Christus bekennt.
Das war die Einladung der Gottesmutter, und deswegen tue ich es gern. Es ist wirklich schön.

Das für mich schönste Zeugnis sagte mir einmal ein Sechzehnjähriger: „Ich hätte nie gedacht, dass ich beim Beten solche Freude haben könnte.“ Das war kein übertriebenes Wort von ihm. Er lebte damals im selben Seminar, wo ich als Spiritual arbeitete. Am Abend traf ich ihn manchmal in der Kapelle an. Ich konnte ihn etwa zwei Jahre lang noch im Blickfeld behalten. 

Im Gebet

Sie haben ja auch vor Medjugorje gebetet. Aber könnten Sie sagen, dass Ihr Gebetsleben durch Medjugorje einen besonderen Impuls erhalten hatte?
Unbedingt. Vor allem heißt es ja auch in der Botschaft, dass wir mit dem Herzen beten sollen. Wir brauchen ja der Gottesmutter nichts aufsagen. Immer wieder neu kommt der Impuls, mit dem Herzen dabei zu sein. 
Noch eine Botschaft ist mir sehr wichtig geworden: Wenn ihr müde seid, betet, und ihr werdet euch dabei erholen. Es ist wirklich eine Hilfe, eine solche Botschaft zu kennen und sie ernst zu nehmen.

Wie sehen Sie die Früchte von Medjugorje?
Die Früchte sind etwas Großartiges. Eine Woche nach meinem 50-jährigen Priesterjubiläum durfte ich in Gerasdorf bei Wien die Primiz von Erich Neidhart miterleben. Er selbst sagt, dass sein Priesterwerden sehr mit Medjugorje verbunden ist. Für diesen Ort, in dem ich selbst 12 Jahre lang als Seelsorger tätig war, war es die erste Primiz nach 150 Jahren. 

Was bedeuten die Botschaften der Gottesmutter Ihrer Meinung nach für unsere Zeit?
Es war ein großer Lichtblick für mich, als ich erkannte, die Botschaften von Medjugorje sind nichts anderes als ein drängender Aufruf, das Evangelium zu leben, ins Leben umzusetzen.
Das ist auch eine Antwort, warum in den Botschaften immer wieder das selbe gesagt wird. Maria sagt: Ich bin eure Mutter und will euch zu Jesus führen. Als Mutter weiß sie, dass sie immer wieder aufs Neue ihre Kinder einladen muss, nach ihren Botschaften zu leben - so wie ich als Priester ja auch nicht nur einmal in einer Pfarre predige: In der letzten Pfarre war ich elf Jahre, und vorher im Seminar Sachsenbrunn 21 Jahre - da musste ich mich schon inhaltlich wiederholen! Aber auch meine Mutter musste mir manches immer wieder sagen. Meine Mutter im Himmel sagt es mir auch immer wieder.

Gibt es ein Wort, dass Sie gerne an unsere Leser richten möchten?
Eine der schönsten Botschaften Medjugorjes ist, dass die Gottesmutter mit uns ist, dass sie uns mit mütterlicher Liebe begleitet. Sie sagte einmal: Ich bin eure Mutter und will euch zu Jesus führen. Und dieses Wort soll uns bewusst bleiben. Es geht im Letzten nicht um Medjugorje und nicht um die Gospa. Es geht immer darum, dass wir Jesus zugewandt leben und ihm nachfolgen, was das konkret auch immer für den Einzelnen bedeuten mag. Das ist die Hinkehr zu Gott, die sich darin ausdrückt. Das Wort Buße bedeutet von seiner Wurzel her ja nichts anderes als „Bessern“. Es  geht darum, dass wir uns immer besser in der Nachfolge Christi bemühen. Das ist inhaltlich das, worum es in Medjugorje geht. Die Muttergottes bedankt sich jedesmal bei denen, die ihre Botschaften nicht nur hören, sondern auch annehmen und zu verwirklichen suchen. Das wäre ein Wort, das ich gerne an all jene richte, die sich dafür interessieren - dass all das, was wir da geschenkt bekommen, nicht versickert und verdunstet, sondern lebendig bleibt. Und so etwas muss man pflegen, damit es nicht eingeht, wie die Blumen, die man bei sich zu Hause stehen hat.
Danke für das Gespräch.

Interview: OASE DES FRIEDENS Juli 2003