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Wenn ich nur einer Person wirklich helfen kann, hat sich alles gelohnt!

Schwanhild Heintschel von Heinegg, kurz „Schwani“ genannt, war Sekretärin von Robert Kennedy – später dann von Pater Slavko Barbaric. Mittlerweile lebt sie die meiste Zeit über in Medjugorje und kümmert sich um arme und bedürftige Familien. 

Interview mit Schwanhild Heintschel über die Entstehung der Hilfsprojekte von Pater Slavko und ihre Arbeit.

1. Schwani, wie bist du nach Medjugorje gekommen?
Das erste Mal kam ich 1994 nach Medjugorje, eine Freundin hatte mir diese Fahrt ermöglicht. Damals habe ich Pater Slavko kennen gelernt und bei ihm meine Lebensbeichte abgelegt. Zeitlebens war für mich Arbeit immer das Wichtigste gewesen und ich hatte dadurch nie Zeit, in die Kirche zu gehen. Als ich nach Medjugorje kam war ich 30 Jahre lang nicht mehr in der Kirche gewesen. Ich habe zwar Morgen- und Abendgebete verrichtet, aber in die Hl. Messe zu gehen, dafür hatte ich keine Zeit. Dann kam ich nach Medjugorje und Pater Slavko nahm sich fünf Stunden Zeit für mich. Dieses Beichtgespräch hat meinem Leben eine neue Dimension gegeben und in mir sehr viel verändert. Ich war fasziniert von Pater Slavko, seiner inneren Ruhe, der Ausschließlichkeit mit der er sich anderen widmete, seinem Einfühlungsvermögen und vor allem von seiner Arbeit. Wir sprachen über eine mögliche Zusammenarbeit und ich wusste, dass dies für mich das Richtige sein würde. Im Laufe der Jahre hatte sich seine Arbeit derart vervielfacht, dass eine Person – das war damals Rita aus Amerika – das Volumen nicht mehr bewältigen konnte. 1996 war es dann so weit: P. Slavko bat mich, im Büro mitzuhelfen - und so habe ich bis zu seinem Tod vier Jahre als seine zweite Sekretärin gearbeitet und mich vor allem um die deutschsprachigen Pilger gekümmert und alles gemacht, was angefallen ist. Pater Slavko war ein derart aktiver, spontaner und unermüdlicher Mensch, dass es schien, als könnte er gar nicht genug arbeiten. Immer wieder hatte er neue Ideen, die es zu verwirklichen galt, und so entstanden seine vielen Projekte.

2. Kannst du uns kurz die Projekte, die P. Slavko ins Leben gerufen hat, vorstellen?
Als erstes entstand bereits während des Krieges ein Patenschaftsprogramm für ca. 3000 Kinder, die durch den Krieg gelitten haben. Dieser Fonds ebbt langsam ab, weil diese Kinder inzwischen herangewachsen sind und lernen müssen, ein selbständiges Leben zu leben. 

Eingang zum Mutterdorf

Dann natürlich das Mutterdorf, welches 1993/94 gegründet wurde. Ursprünglich als Waisendorf konzipiert, wurde die Tätigkeit im Laufe der Jahre um vieles erweitert: Heute sind im Mutterdorf ca. 70 Kinder aus notleidenden und zerrütteten Familienverhältnissen in sieben Häusern untergebracht und werden von Franziskanischen Schulschwestern betreut.

Weiters umfasst das Mutterdorf den Kindergarten der „hl. Theresia von Lisieux“, den 120 Kinder aus Medjugorje besuchen, der ebenfalls von den Franziskanischen Schulschwestern geleitet wird. Pater Slavko wollte, dass der Kindergarten ins Mutterdorf eingegliedert ist, damit die Vorschulkinder des Mutterdorfes nicht isoliert aufwachsen.

Beide Häuser der Gemeinschaft des barmherzigen Vaters.
Links das Haus mit Speiseraum, Küche und Besprechungsraum. Im großen Haus sind die Schlafräume, die Kapelle und die Schreinerei.

Auf dem Gelände des Mutterdorfes befindet sich auch die Gemeinschaft des Barmherzigen Vaters, ein ähnliches Drogenentzugsprogramm wie jenes von Sr. Elvira (Cenacolo); es ist auf denselben Prinzipien aufgebaut – es gibt keine Medikamente, sondern die Heilung erfolgt ausschließlich durch Gebet und Arbeit.

Das Kay Zentrum für Frauen in Not

Weiters haben wir ein Frauenhaus; es war ein ganz großes Anliegen Pater Slavko’s, das ungeborene Leben zu schützen. Hier nehmen wir alleingelassene schwangere Frauen auf, die 2-3 Jahre bei uns bleiben bis sie auf eigenen Beinen stehen können.

Dann den Fonds für talentierte Studenten, der nach Pater Slavko’s Tod in den „Fonds P. Slavko Barbaric“ umbenannt wurde; dieser Fonds hilft armen Studenten, ihr Studium an Universitäten zu finanzieren. Das ist besonders in armen Ländern wichtig, damit nicht der sogenannte „braindrain“ stattfindet, d.h. eine Abwanderung der Studierenden ins Ausland.

Nicht vergessen dürfen wir den Garten des hl. Franziskus, eine Oase des Friedens und der Erholung. Im Laufe der Jahre war dieser an das Mutterdorf angrenzende Wald zu einer wilden Mülldeponie verkommen; P. Slavko hat dieses total verwilderte Gelände in ein kleines Paradies für Jung und Alt verwandelt. Heute lädt ein parkähnlicher Wald zur Erholung ein, mit kleinen Teichen, Bach, Wasserfall, Spielplätzen für die Kleinen und einem besonderen Anziehungspunkt – dem kleinen Streichelzoo mit Eseln, Ponys und Pferden, letztere werden für Hippotherapie für Behinderte eingesetzt. Auch diese Idee stammt von Pater Slavko.

Garten des Heiligen Franziskus
Eselpaar im Garten des Heiligen Franziskus

Ein weiteres Projekt Pater Slavko’s ist der Fonds für kinderreiche Familien, den er 1998 mit mir gegründet hat. Es war anfänglich ein reines Patenschaftsprogramm. Da sich aber bei den Familien durch Geldzuwendungen nichts zum Besseren veränderte entschieden wir, den Familien keine Gelder mehr zu geben, sondern das, was sie brauchen: Lebensmittel, Medikamente, Krankenbetten, Windeln, Holz für den Winter, Heizöfen, Einleitung von Fließwasser, Elektrizität, Badezimmer, Küche, Hausrenovierungen oder sogar ein neues Haus. So haben wir u.a. bereits fünf Häuser für arme Familien gebaut.

Als Pater Slavko so plötzlich starb, dachte ich, meine Zeit hier wäre zu Ende und ich bat ihn, mir meinen weiteren Weg zu zeigen. Dann hat mir der Himmel Menschen geschickt, die mir Gelder anvertraut haben und sagten: “Du musst das weitermachen, was Pater Slavko begonnen hat!” Das war für mich das Zeichen, dass ich diese Arbeit fortsetzen sollte. Unsere Aktivitäten erstrecken sich über ca. 30 km im Umkreis von Medjugorje und wir haben meistens zwei bis drei Baustellen gleichzeitig. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Familien wir derzeit betreuen. Wir konzentrieren uns auf Großfamilien, Familien, in denen es keine Väter gibt oder die Väter nachweislich nicht arbeiten können und Familien mit behinderten Kindern. Es gibt unendlich viele behinderte Menschen in diesem Land. Sie werden - ebenso wie die Alten und Kranken - zu Hause von den Frauen gepflegt. Wenn es dann im Haus kein Fließwasser und kein Badezimmer gibt, dann ist die Situation untragbar. Manche Familien leben in stallähnlichen Gebäuden in einer für uns Mitteleuropäer unvorstellbaren Armut. Wir versuchen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, damit diese Familien nicht ein Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen sind. Wir versuchen, ihnen eine rettende Hand entgegenzustrecken und sie aus einer ausweglosen Situation herauszuziehen. Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, sich aus einer Notsituation selbst zu befreien, und man dann auf eine helfende Hand angewiesen ist. Wir versuchen nach einer gewissen Zeit, diese Familien aus dem Fonds zu entlassen, nur wenn behinderte Kinder da sind, die weiterhin Medikamente, Windeln usw. brauchen, ist das nicht möglich. Wir besuchen die Familien unangemeldet, damit sie sich nicht vorbereiten können, und wir sehen, wie sie mit ihren neuen Lebensumständen zurechtkommen.

3. Hast du Mitarbeiter?
Zuerst habe ich alles allein aufgebaut, aber mit der Zeit hat sich die Arbeit so vermehrt, dass ich es nicht mehr bewältigen konnte. So steht mir seit vier Jahren Irma (Schwitter) zur Seite und seit letztem Jahr hilft uns auch ein hiesiges Mädchen. Wir arbeiten unentgeltlich, damit das Geld 100% an die Armen geht - das ist mir ganz wichtig.

Hätte mir Pater Slavko anfänglich gesagt, was die Arbeit alles mit sich bringen würde, dass ich Häuser bauen würde, so hätte ich ihm gesagt, dass ich das nicht kann. Aber so arbeitet eben der liebe Gott: Er bereitet einen immer Schritt für Schritt auf den nächsten Lebensabschnitt vor.

4. Was erfüllt dich bei deiner Arbeit am meisten?
Es ist eine schwierige Arbeit und man wird mit vielen Dingen konfrontiert, die einem ans Herz gehen, vor allem in Fällen, wenn man nicht helfen kann. Im Grunde kämpft man gegen Windmühlen, denn die Not ist unermesslich. Viele Freunde geben mir zu bedenken, dass ich doch nicht ganz Bosnien retten könne, worauf ich antworte: “Und wenn ich nur einer Person geholfen habe und sich ihr Leben dadurch zum Positiven verändert hat, dann war es den Einsatz wert.”

5. Eigentlich kann man sagen, dass sich durch Medjugorje dein ganzes Leben verändert hat?
Ich habe hier in Medjugorje so viel gelernt – vor allem von Pater Slavko. Er hat uns ein großartiges Vermächtnis hinterlassen, nicht nur seine humanitären Projekte, sondern er hat uns mit seinem Leben gezeigt, wie man heiligmäßig leben kann. Er hat jeden Tag so intensiv und erfüllt gelebt - einerseits, als wäre es sein letzter und andererseits als würde er ewig leben. So wie Martin Luther gesagt hat: “Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zu Ende ist, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!” Nach diesem Motto hat P. Slavko gelebt, und so sollten wir auch leben - nicht beschränkt auf unser eigenes kleines irdisches Dasein, sondern auf die Ewigkeit hin ausgerichtet. Ich habe auch gelernt, in der Gegenwart zu leben, nicht in der Vergangenheit zu verharren und meine Zukunft nicht zu verplanen, denn nur in der Gegenwart kann man etwas verändern. Ich habe hier gelernt, auf Gott zu vertrauen und dass er einen Plan für jeden von uns hat und uns schrittweise führt; ich habe gelernt, die Zeit zu nutzen und nicht so viel Sinnloses zu tun; und ich habe gelernt, meinen Nächsten nicht zu übersehen, da Gott uns immer den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt in unser Leben schickt und somit unser Nächster immer der in diesem Augenblick wichtigste Mensch für uns ist. Auch habe ich gelernt, bewusst zu leben, versuchen Gutes zu tun und sich immer von Menschen so zu verabschieden, als sähe man sie zum letzten Mal, denn wir kennen Gottes Pläne nicht und wissen nie, wann wir in die himmlische Heimat abberufen werden - und so bleibt manches oft ungesagt. Zu oft ist mir das schon in meinem Leben passiert und ich möchte diesen Fehler nicht wiederholen.

6. Was motiviert dich, diese Arbeit so lange zu machen?
Ich denke, wenn es nicht mehr sein soll, dann wird mir vom Himmel ein Riegel vorgeschoben werden. Solange ich kann, solange mir Menschen Gelder anvertrauen und ich das Gefühl habe, dass das, was ich tue, einen Sinn hat und ich es mit Freude tue, solange möchte ich weitermachen. Es gibt so unglaublich viel zu tun. Wenn jeder nach seinen Möglichkeiten in seinem eigenen Umfeld Gutes tut, dann wäre unsere Welt um vieles besser. Man muss nicht in Medjugorje sein, um Gutes zu tun, es gibt überall Waisendörfer, Krankenhäuser,  Altersheime, in denen Menschen Zuwendung brauchen. Die Muttergottes hat uns so oft aufgerufen, Apostel zu werden und das, was wir hier gelernt haben, an andere weiter zu geben.

7. Was ist dein nächstes Projekt?
Derzeit renovieren wir Bad und Küche einer sehr armen Familie mit mehreren geistig Behinderten in Mostar, und als nächstes kümmern wir uns um eine Flüchtlingsfamilie aus Bosnien in Domanovici, einem Ort ca. 30 km von Medjugorje. Sie leben mit ihren drei kleinen Kindern, von denen zwei behindert sind, in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater arbeitet zwar, verdient aber nicht genug, um das Haus fertig zu stellen. Wir werden das Badezimmer ausbauen, Böden verlegen, die Zimmer renovieren und das gesamte Haus inklusive Dach isolieren.

Kontaktadresse in Medjugorje:

Schwanhild Heintschel von Heinegg
Mail: schwanhild(Bitte entfernen)@utanet(Bitte entfernen).at

Gordana ist eines unserer Problemkinder - sie ist 16 Jahre alt und wiegt nur noch 16 kg! Wir versorgen sie regelmäßig mit Energienahrung, das hält sie wahrscheinlich am Leben. Sie ist seit Geburt gelähmt, blind, epileptisch und verbringt ihr ganzes Leben in ihrem kleinen Gitterbett. Für diese Familie haben wir ein neues Haus gebaut, in dem sie seit drei Jahren leben.

Interview "medjugorje aktuell" Nr. 74