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8. Friedensgebet in Wien

 „Wir beten um Frieden in den Herzen und untereinander, in der Welt, in Kriegsgebieten und Konfliktzonen“ - Kardinal Schönborn.

Tausende Gläubige, unter ihnen Christoph Kardinal Schönborn und Alterzbischof André Leonard (Brüssel) haben am 29. September 2015 an einem Friedensgebet im Wiener Stephansdom teilgenommen. Das jährliche „Message for You“ - Friedensgebet gilt als eine der größten religiösen Veranstaltungen in Österreich.
Angesichts der nicht endenden Flüchtlingsströme, der anhaltenden Gewalt in Syrien und im Nahen Osten und der Hilflosigkeit der Politik im Bemühen um einen Waffenstillstand wurde an diesem Nachmittag und Abend in ganz besonderer Weise um den Frieden gebetet, um den Frieden in den Herzen jeder einzelnen Person, in den Familien und Gemeinschaften und in der ganzen Welt.
Glaubenszeugnisse von Pater Karl Wallner aus Heiligenkreuz, Dechant Stefan Reuffurth aus Wien, Marija Pavlovic-Lunetti aus Medjugorje, Gay Russell aus Malawi, Alterzbischof André Léonard aus Brüssel, Magnus MacFarlane-Barrow, dem Gründer von Mary’s Meals, und Mitgliedern der Gemeinschaft Cenacolo ermutigten die Anwesenden, Verantwortung zu übernehmen und um den Frieden auf der Welt zu beten.
P. Karl Wallner aus Heiligenkreuz betonte in diesem Zusammenhang die verändernde Kraft des Gebetes: „Wenn wir hier versammelt sind, um stundenlang miteinander zu beten, dann ist das nicht ein ‚Time wasting’, sondern ein ‚World changing’.“
Und er wies auf die liebevolle Botschaft der Muttergottes in Medjugorje hin, dass wir Frieden haben werden, wenn wir in unserem eigenen Herzen den Frieden immer wieder neu eintreten lassen. „Der Friede beginnt in deinem Herzen.“
Um diesen inneren Frieden zu erlangen und zu behalten, lädt uns Maria in ihren Botschaften immer wieder zum Sakrament der Versöhnung ein. Denn in der Beichte findet der Mensch Versöhnung mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit Gott. Auch im Stephansdom standen zahlreiche Priester für Beichte und Aussprache zur Verfügung.
Ein weiteres Zeugnis für die verwandelnde Kraft des Gnadenortes in der Herzegowina gab Dechant Stefan Reuffurth, der nach Eigendefinition als „getaufter Heide auf seiner Suche“ nach Medjugorje kam und dort im Rosenkranzgebet Gottes Gegenwart, Liebe und Nähe erfuhr. Er sagt: „Das Gebet hat mir Frieden geschenkt, den die Welt nicht schenken kann, einen tiefen Frieden und eine Freude.“ Und: „Der Himmel begleitet mich, wann immer ich bete.“
Die „Gospa“, wie die Kroaten die Gottesmutter liebevoll nennen, hat ihn zu Jesus geführt, zu Jesus in der heiligen Eucharistie, im lebendigen Wort Gottes in der Schrift, zum Fasten und zum Gebet.
Alterzbischof André Léonard aus Brüssel erinnerte die Gläubigen, dass wir dort, wo uns hunderte Gründe für die Hoffnungslosigkeit begegnen, beim auferstandenen Jesus mehr als tausend Gründe für die Hoffnung finden. Denn Jesus hat die ganze Grausamkeit der menschlichen Existenz ertragen. „Fürchte dich nicht, ich bin der Erste, der Letzte, der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit. Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Bischof André meinte, die Gospa spricht so unermüdlich zu uns, weil sie den Kampf Christi gegen den Drachen unterstützt.
Ein besonderer Gast beim Gebetstreffen war Gay Russell aus Malawi, die als Pilotin die Botschaften der Gospa bereits Ende der achtziger Jahre im Süden Afrikas verbreitet hat und maßgeblich an der Errichtung eines Nachbaues der Kirche von Medjugorje in Malawi beteiligt war. Neben diesem Gotteshaus entstand während einer Hungersnot im Jahr 2002 durch Bereitstellung von täglichen Schulmahlzeiten an ca. 250 Waisenkinder spontan die Ernährungsinitiative Mary’s Meals. Heute ernährt Mary’s Meals allein in Malawi täglich 800 000 Kinder in der Schule, das sind 25 Prozent aller Schulkinder des Landes. Medjugorje-Freunde auf der ganzen Welt unterstützen diese einzigartige Ernährungsinitiative, die in ihrer Einfachheit deutlich die Handschrift Mariens trägt.
Magnus MacFarlane-Barrow berichtete, wie er heuer einem dieser ersten 250 Kinder begegnet ist. Aus dem Kind ist eine junge Frau geworden, die ihm erzählte, wie sehr sie als kleines Kind gelitten hätte, wie sie zwei oder drei Tage ohne Essen leben musste und ihre älteren Schwestern sie großgezogen hätten. Sie erzählte ihm auch, dass sie ohne Mary’s Meals nicht mehr am Leben wäre. Ohne Mary’s Meals hätte sie auch nicht die Möglichkeit gehabt, in die Schule zu gehen. Heute studiert sie Wirtschaft und ist voller Hoffnung für ihr Land Malawi.
Magnus bedankte sich bei den vielen Mary’s Meals-Freunden in Österreich für die enorme Unterstützung und berichtete voll Freude, dass derzeit bereits mehr als eine Million Kinder tägliches Schulessen von Mary’s Meals erhalten. Er bat die Anwesenden, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen, da es noch viele hungrige Kinder gibt, und er bat auch um Gebet, damit die Arbeit von Mary’s Meals immer so getan werde, dass sie zu Ehren der Muttergottes geschieht und in die Richtung von Jesus zeigt.
Dr. Christian Stelzer, der das Gebetstreffen moderierte und Mary’s Meals unterstützt, ist überzeugt, dass es nur möglich ist, eine Million Kinder zu ernähren, weil viele Menschen dieses Anliegen im Herzen tragen. Der Heilige Geist zeige „jedem Einzelnen, was er machen und wie er dieses Werk der Nächstenliebe am besten unterstützen“ könne.
Die Gemeinschaft Cenacolo durfte beim Friedensgebet im Dom nicht fehlen. Vielen jungen Menschen, die traurig und ohne Hoffnung waren, wurde durch die Gemeinschaft Cenacolo ein Neustart und eine neue Perspektive im Leben geschenkt.
Die jungen Männer von der Gemeinschaft Cenacolo sind überzeugt: „Wir wollen die Lebensfreude, die wir durch die Gemeinschaft Cenacolo und Mutter Elvira erfahren haben, mit vielen Menschen teilen. Wir waren in Ängsten und Traurigkeit gefangen. Heute lernen wir neu zu leben. Unsere Freude darüber bringen wir in unseren Liedern und Tänzen zum Ausdruck.“
Die Lieder und Tänze der Burschen rissen die Zuschauer mit und endeten unter tosendem Applaus im ganzen Dom.
Vor dem Rosenkranz erinnert die Seherin Marija Pavlovic-Lunetti, die seit 25. Juni 1981 täglich die Gottesmutter sieht, wie wichtig der Friede gerade in unserer Zeit ist. Die Muttergottes lehrt uns, dass der echte Friede nur von Gott und dem Gebet kommt. Und Marija ermutigt alle, Werkzeuge Gottes für den Frieden zu sein. Das geschieht durch unser Gebet und unser Handeln, durch Anbetung Gottes und Dienst am Nächsten, der in Not ist, indem wir denen zu essen geben, die Hunger haben, und denen zu trinken, die Durst haben, indem wir Flüchtlinge aufnehmen und den Kleinen und den Alten helfen.
Um 18 Uhr begannen tausende Gläubige im Dom als Vorbereitung auf die Heilige Messe den Schmerzhaften Rosenkranz zu beten. Gott will uns in diesem Gebet zeigen, dass er mit uns im Leiden verbunden ist und unser Kreuz mit uns trägt. Im Rosenkranzgebet begegnen wir Gott in Freude, Trauer und Herrlichkeit.
Um 19 Uhr feierte Christoph Kardinal Schönborn, der auf den Tag genau vor 24 Jahren in diesem Dom zum Bischof geweiht wurde, mit allen Gläubigen die Heilige Messe. In seiner Predigt sprach er über den geöffneten Himmel, wie uns die Heilige Schrift berichtet. Dabei ging der Kardinal auf das Martyrium Tausender Christen ein - auch heute stehe der Himmel offen über den Märtyrern. „Was wie eine Niederlage aussieht, ist in Wirklichkeit Sauerstoff und frische Luft für die Welt. Das Zeugnis der Märtyrer öffnet den Himmel über uns.“ Aber der Himmel wird auch geöffnet durch Maria, die Himmelspförtnerin, und in besonderer Weise durch jede Heilige Eucharistie, bei der der ganze Himmel anwesend ist. Der Himmel öffnet sich auch im leidenden Mitmenschen, wenn wir in ihm Christus erkennen.
So ist die derzeitige Situation für uns, für Europa eine Chance, den Himmel ein Stück zu öffnen, indem wir uns weg vom Egoismus und hin zur Not unseres Nächsten wenden, denn Jesus spricht: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Im Rahmen des Friedensgebets wurde auch ein Zeichen gesetzt für Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge zu uns nach Österreich kommen. Die Sammlung für ihre Ausbildung wird dem Diözesanen Flüchtlingshilfswerk zur Verfügung gestellt.
Das Friedensgebet „Message for You“ fand heuer zum 8. Mal statt und wurde über Radio und Internet in mehr als 70 Länder übertragen und in verschiedene Sprachen wie Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch und Ukrainisch übersetzt.
Eine besondere Freude war die Teilnahme einer Gruppe von 130 Personen aus der Ukraine, die eigens für das Friedensgebet angereist gekommen war und noch in der Nacht, unmittelbar nach dem Gebet, die zwölfstündige Heimreise mit Autobussen wieder antrat. Das Gebet um den Frieden bekam dadurch noch eine besondere Bedeutung.
Organisiert wird das „Message for You“ - Gebetstreffen von der Gebetsgemeinschaft „Oase des Friedens“ und der Johannesgemeinschaft des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.
 
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